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    Hope

    Luca Mattysvon Luca Mattys14. September 2026Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    Hope © MUBI
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    In Cannes wurde er höchst kontrovers diskutiert, es hagelte Kritik für die Qualität der visuellen Effekte und seine ausschweifende Länge. Nun startet eine gekürzte und überarbeitete Version von Na Hong-jins Hope in den deutschen Kinos. Haben die Anpassungen Wirkung gezeigt?

    Hope – Darum geht‘s

    Polizeichef Ko Bum-seok (Hwang Jung-min) aus dem Provinznest Hope Harbor nahe der Demilitarisierten Zone in Korea staunt nicht schlecht, als ihm sein Vetter Sung-ki (Zo In-sung) auf ein frei umherlaufendes Raubtier in der Gegend aufmerksam macht. Gerüchten zufolge handelt es sich um einen Tiger, doch seine Spuren deuten auf etwas Größeres und Gefährlicheres hin. Schneller, als ihm lieb ist, erhält Ko die Antwort auf seine Fragen, als ein gewaltiges Monster beginnt, das Dorf zu zerstören und jeden Menschen zu töten, der ihm über den Weg läuft. Gemeinsam mit seinem Vetter, dessen Jagdtruppe und der jungen Polizistin Im Sung-ae (Jung Ho-yeon), die schwer bewaffnet zur Hilfe eilt, zieht der Beamte in den Krieg gegen das Wesen. Doch schnell stellt sich heraus, dass es nicht allein ist …

    Hope © MUBI

    Das Oh! nach anfänglichem Ah!

    15 Minuten vergehen, dann 20, dann schließlich sogar 30. So recht mag sich dem aufmerksamen Publikum noch nicht erschließen, welche Kontroversen Regisseur Na mit seinem neuesten Werk nach dessen Weltpremiere heraufbeschworen hat. Hope beginnt geradezu ruhig und mysteriös mit der Entdeckung eines verstümmelten Kuhkadavers. Es sollen einige der wenigen Augenblicke in diesem Film sein, in denen er seine Zuschauer:innenschaft durchatmen lässt. Mehr und mehr wird das Gaspedal durchgedrückt, je weiter das Chaos Einzug in das verschlafene Hope Harbor hält. Die stets millimeterpräzise, aber immer wilder wirbelnde Kamera des Großmeisters Hong Kyung-pyo, der unter anderem ebenfalls für die Fotografie in Bong Joon-hos Parasite oder Lee Chang-dongs Burning verantwortlich war, fängt die Eskalation begnadet ein. Durch geschicktes Framing hält Na das Wesen, das das Dorf in Schutt und Asche legt, so lange wie möglich vor uns verborgen. Schließlich, nach beinahe einer ganzen Stunde des Versteckspiels, zieht er den Vorhang zurück.

    Enthüllt wird ein computergeneriertes Wesen, das den Begriff Ungeheuerlichkeit in mehr als nur einer Hinsicht verdient. Sollte es sich hier tatsächlich um die überarbeitete Version handeln, so möchte man sich das Grauen kaum ausmalen, dem unschuldige Besucher:innen der Cannes-Premiere ausgesetzt waren. Der gummiartige Pixelhaufen, der die Verfolgung unserer Hauptfiguren aufnimmt (und dessen Füße dabei nicht mit dem Boden zu interagieren scheinen), wirkt technologisch um Jahrzehnte veraltet. Lediglich in den Momenten, in denen die Kreatur sich schleichend bewegt oder sogar völlig stillsteht, kann eine glaubwürdige Illusion aufrechterhalten werden. Da Polizeichef Ko es aber in erster Linie mit einer schnellen, aggressiven Vernichtungsmaschine zu tun hat, sind diese Augenblicke rar gesät. Die vierbeinige PlayStation-Zwischensequenz und ihre Artgenossen hetzen, springen, jagen durchs Bild. Erschreckend ist hier vor allem die Tatsache, dass eine solche Aufmachung für den Wettbewerbseintritt in Cannes ausreichte.

    Inszenatorisch über jeden Zweifel erhaben

    Trotz der offensichtlichen Schwächen in puncto Computeranimation muss allerdings hervorgehoben werden, dass die Bühne, die den Monstern bereitet wird, inszenatorisch nach wie vor begnadet ist. Hongs Kamera verliert zu keiner Sekunde an Prägnanz. Das starke Setdesign und die einprägsame Ausstattung bieten das optimale Umfeld für die Zerstörung, die durch die Attacken entfesselt wird. Die Perspektiven, mit denen Na und Hong sie einfangen, sind so vorteilhaft gewählt wie irgend möglich. Und so stellt sich über die beträchtliche, aber temporeiche Laufzeit von über zweieinhalb Stunden ein interessantes Phänomen ein: die Gewöhnung.

    Je länger man mit den gnadenlos wacklig animierten CGI-Wesen konfrontiert ist, desto mehr kann es gelingen, sie aller Unwirklichkeit zum Trotz als Teil ihrer Umgebung zu betrachten. Gelegentlich, wenn eine von ihnen zu einem besonders eiligen Sprint ansetzt oder noch flinker als sonst zur Seite ausschlägt, klingeln im Hirn noch die Alarmglocken. Ansonsten arrangiert man sich aber überraschend gut mit den Effekten. Mehr noch: Fast lässt sich durch diesen Eindruck eine thematische Überschneidung zum Inhalt des Films herstellen. Auch dieser verweist durch das Spiel mit Blickrichtungen und Empathie immer deutlicher auf ein Verständnis für die Kreaturen, das zu Beginn noch unmöglich scheint.

    Diagnose: Sequel-ritis

    Diesen Punkt macht Na mit der finalen Szene des Films noch konkreter. Auch hierfür regnete es in Cannes kritische Worte. Nicht nur sind die CGI-Animationen hier präsenter und wichtiger denn je, zudem wurde dem Regisseur vielfach Sequelbaiting vorgeworfen. Und es stimmt, Hopes Finale schreit geradezu nach einer Fortsetzung in einem zweiten Teil. Anders als andere Filme, die sich für ihr offenes Ende mahnende Worte anhören mussten, bricht dieser jedoch derartig gewaltig mit seiner Struktur und Erzählrichtung, dass man eine saubere Trennung von einem etwaigen Sequel fast befürworten muss. Die Möglichkeiten für einen Anschluss an die Geschichte sind quasi endlos. Wenngleich es sich weder beim menschlichen noch beim übermenschlichen Cast von Hope um eine Reihe stark ausformulierter Figuren handelt, macht Na völlig klar, dass er noch weitere Asse im Ärmel hat. 

    Hope © MUBI

    Auf skurrile Art und Weise funktioniert das Ende sogar, falls eine Fortsetzung nie erscheinen würde. Nach einer zweieinhalbstündigen Lektion in Perspektive überlässt der Regisseur nun seinem Publikum die Kontrolle über seine Geschichte. Von einer zufriedenstellend abgeschlossenen Handlung kann zwar keine Rede sein. Auch Kritik an mehr als nur einer kitschigen Dialogbuchzeile wird der Film sich gefallen lassen müssen. Doch wenn sich Hopes Welt trotz ihrer unkonkreten Entwicklung gleichzeitig greifbar und nicht auserzählt anfühlt, dann lässt sich zurecht sagen: Ihre Zukunft wird zutage gefördert werden, egal ob in Nas Händen oder denen der Zuschauer:innen.

    © MUBI

    Unser Fazit zu Hope

    2.5 Watchable

    Wie bepunktet man nun ein solches Werk, das zutiefst unperfekt ist und doch zufriedenstellend, das unvollständig wirkt und doch alles gibt, was man benötigt? Dieser Film wird mit Sicherheit nicht allen gefallen. Dafür ist er auch nicht gemacht worden. Eine Empfehlung soll hier nur sehr vorsichtig ausgesprochen werden. Niemand darf sich Hope mit der Erwartung anschauen, dass es so schlimm wohl nicht sein kann und die Effekte schon nicht so sehr herausstechen werden. Doch, es ist so schlimm; doch, sie stechen so sehr heraus. Die Gewichtung dessen hängt einzig und alleine von der Stockholm-Syndrom-artigen Beziehung ab, die jede:r individuelle Zuschauer:in bereit ist, mit dem Film einzugehen. Erst dann kann die brachiale Action, die zurecht in Teilen mit Mad Max: Fury Road verglichen wurde, problemlos genossen werden. Eine gewisse Faszination kann man ihm jedoch in jedem Fall unterstellen – gänzlich ohne starke Meinung wird wohl niemand diesen Kinosaal verlassen.

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    Luca Mattys

    Filmverrückter aus Leidenschaft, Oscar-Trivia-Lexikon auf zwei Beinen und vermutlich der Hauptgeldgeber aller Düsseldorfer Kinos. Jeden Dienstagmittag bastelt Luca sich gewissenhaft sein Wochenprogramm zusammen und gibt renommierten Klassikern dabei dieselbe Chance wie hoffnungslosem Müll. Für ihn gibt es keinen schöneren Ort auf der Erde als das Innere eines Kinosaals. Seit inzwischen zwei Jahren schreibt er Kritiken für Filmtoast und schaut auch ab und zu mal frech im Podcast vorbei, wenn niemand ihn aufhält. Wenn er nicht gerade über die diversen Gründe philosophiert, warum "Brügge sehen … und sterben?" der beste Film aller Zeiten ist, oder sich über die Sieger:innen der vergangenen Preissaison echauffiert, versucht er, seine DVD-Sammlung abzugrasen, von der noch immer ein schockierender Anteil originalverpackt ist.

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