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    Startseite » Mother Mary
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    Mother Mary

    Luca Mattysvon Luca Mattys5. Mai 2026Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    Taylor Swift trifft Geisterbeschwörung im neuesten Film von David Lowery. Der Experte für existenziellen Grusel inszeniert in Mother Mary Anne Hathaway als geplagtes Popsternchen. Wie gut das funktioniert, verrät euch unsere Kritik!

    Darum geht’s in Mother Mary

    Popartistin Mother Mary (Anne Hathaway) fühlt sich kurz vor ihrer großen Comeback-Show nach einer längeren Pause unwohl mit der Inszenierung. Insbesondere das pompöse Kleid, das extra für ihre neue Nummer angefertigt wurde, fühlt sich einfach nicht richtig an. Kurzerhand sucht sie ihre ehemalige Schneiderin Sam (Michaela Coel) auf, mit der sie sich vor Jahren zerstritten hat, um das einzig wahre passende Kostüm von ihr anfertigen zu lassen. Sam erklärt sich bereit, gemeinsam mit ihrer Assistentin Hilda (Hunter Schafer) zu helfen. Doch dafür will sie vollen Zugriff zu Mary – ihren Gedanken, ihren Ängsten und dem Grund, weswegen sie so lange nicht mehr auf einer Bühne gestanden hat.

    Key-Art © Leonine Studios

    „Es geht um Trauma“

    Keine Marke ist sicher vor ihrer eigenen Vermarktung. Das stellt nicht nur Anne Hathaways Titelfigur in Mother Mary fest, die sich fragen muss, ob eine Künstlerin jemals ihr eigenes Werk sein kann. Auch die US-amerikanische Filmproduktion und Verleihfirma A24 steht in den Köpfen junger Kinobegeisterter längst für einen Hausstil. Quirlig muss das neue A24-Release sein, in Ansätzen verstörend, aber dennoch verdaulich. Zumeist steht eine zentrale, leicht durchschaubare Metapher im Vordergrund – meistens Trauma –, die durch ostereierartige Hinweise zu entschlüsseln ist. Dass diese Beschreibung längst nicht mehr auf jeden Film des Unternehmens zutrifft und auch nie wirklich hat, ist dabei Nebensache. Die Produktion, die eben diesen Ruf mit Werken wie Hereditary, The Killing of a Sacred Deer oder Men eifrig kultiviert hat, wird in sozialen Medien bisweilen behandelt wie ein Regisseur selbst. TikTok-Kanäle sortieren A24-Filme sämtlicher Stile, Genres und Qualitäten in Ranglisten, als hätten sie mehr gemeinsam als den fütternden Geldhahn.

    Doch mit einem Ruf gehen Erwartungen einher. Und auch die Produzent:innen, die David Lowery das grüne Licht für Mother Mary gezeigt haben, dürften diese Erwartungen kennen. So scheint der Film die bis dato reifen und durchdachten, fast nihilistischen Ansätze des Regisseurs kaum zeigen zu dürfen. Wo Lowerys A Ghost Story oder The Green Knight Fragen über das Leben, den Tod und die Sinnhaftigkeit der Existenz in konkrete, aber offene Gewänder hüllten, drischt sein Neuling zumeist allgemeine Phrasen und erlaubt sich dabei selten, einen wirklichen Rahmen zu stecken. Irgendwie geht es doch wieder um Trauma. Doch Trauma in Mother Mary ist keine Verarbeitungsmethode, es ist eine Ästhetik. Wir erfahren nie genug über Mary, um ihre Geschichte einordnen zu können oder gar zu verstehen. Nichts, was ihr geschieht, hat Tiefgang, wird untersucht oder beleuchtet. Traumatisiert ist sie nur, weil es in einem Film nun einmal „um etwas gehen“ muss.

    Blasse Popkunst

    Auch als Popkünstlerin bleibt Anne Hathaways Figur bleibt über weite Strecken zu blass, um eine Studie ihres Geisteszustands überhaupt zu rechtfertigen. Wieder wird vieles oberflächlich angedeutet, doch wenig ausgearbeitet. Keiner der brauchbar komponierten, aber durch glatte Produktion faltenfrei gebügelten Chartnummern, vorrangig geschrieben von Jack Antonoff und Charlie XCX, versprüht genug Charakter, um eine Geschichte zu erzählen. Der Film startet in medias res mit einer Konzertperformance und streut brotkrumenhafte Andeutungen zu Marys Vergangenheit ein. Einen wirklichen Kern streift er dabei allerdings nicht. Wir sehen und hören eine Musikerin mit nachbearbeitungsstarken Songs, extrovertiertem Auftreten und schillernden Kostümen. Assoziationen zu Taylor Swift, Lady Gaga, Florence Welch oder Charlie XCX selbst bieten sich an. Diese glatte Fassade kann Lowery nicht durchbrechen. Mehrfach erwähnt Mary, dass sie den besten Song aller Zeiten geschrieben hat und bereit ist, ihn für uns zu performen. Dass das Publikum ihn nie hören wird, ist klar, denn hierfür wäre ein tatsächliches Eintauchen in ihren Charakter nötig gewesen.

    Mary und Sam verbindet eine komplizierte gemeinsame Vergangenheit. © Leonine Studios

    Die Konstruktion einer Kunstfigur nicht durch die Künstlerin selber, sondern durch die Teams hinter ihr zieht sich als inhaltlicher roter Faden durch die gesamte Laufzeit. Schlussendlich sehen wir hier wieder einmal einen Film über das Filmemachen. So sehr wie Mother Mary, die Sängerin, nicht allein Marys Werk sein kann, so kann Mother Mary, der Film, nicht allein David Lowerys Werk sein. Ihre von Jeanne d’Arc inspirierte Kostümierung ist durchzogen von autobiografischen Einflüssen der Schneiderin Sam. Doch gesehen werden sie erst am Körper der Künstlerin, die sie in die Welt trägt. Früh bereits öffnet das Drehbuch dieses Fass und wirft schnitzeljagdreife Zitate ein, die wohlwollende Interpretationen füttern können. Doch über das Sprechen vergisst es völlig das Be-Sprechen.

    Ein Film zweier Hälften

    So entwirrt sich vor den Augen des geduldigen Publikums ein selbstzweckmäßiger Dialogteppich im Schneckentempo. Die schwerfällige erste Stunde, die genauso gut Spielfilmlänge haben könnte, nutzt weder das volle Spektrum der Inszenierung noch die kompetenten Darstellerinnen aus. Anne Hathaway und insbesondere Michaela Coel artikulieren sich im gepressten Flüsterton durch überkomplizierte Gemütsbeschreibungen ohne Inhalt oder Ziel. Über weite Strecken behauptet Mother Mary einiges, ohne jemals irgendetwas durch Bilder zu untermauern. Die hölzernen Wände der Scheune, in der sich ein Großteil der Handlung abspielt, rücken mit jeder leeren Aussage näher. Erst wenn Sam buchstäblich die Türen zur eigenen Psyche aufstößt, öffnet sich die Welt des Films. Doch an dieser Stelle mag es vielleicht schon zu spät sein.

    Je mehr sich Lowery dem Ende annähert, desto größer wird sein Vertrauen in die eigene Bildgewalt. Wenig originelle, aber zumindest gekonnt gelöste Ideen häufen sich. Auch hier ist eine gewisse A24-Hausästhetik, zweifelsohne bedingt durch eine selbsterfüllende Prophezeiung und befeuert durch Erwartungshaltungen, erkennbar. Durch clevere Schnitt- und Beleuchtungstricks bricht der Filmemacher den eingeengten Raum der Location auf und verschafft den Figuren Luft zum Atmen. Die Zweiteilung von Mother Mary ist zweifellos beabsichtigt. Lowery verlässt sich jedoch zu sehr auf die Geduld seiner Zuschauer:innen und strapaziert diese durch eine schleppende Einleitung, deren ellenlangen Aufbau die ganz nette Eskalation in der zweiten Hälfte kaum zurückzahlen kann.

    © Leonine Studios

    Unser Fazit zu Mother Mary

    2.0 Vergebene Chance

    Als reinem Oberflächenkratzer kann man diesem Film vermutlich wenig vorwerfen. Sobald die Handlung beginnt, in die Pedale zu treten, ist die audiovisuelle Umsetzung mehr als ordentlich. Die Hintergrundmusik von Lowerys Langzeitkollaborateur Daniel Hart ist ansprechend und versprüht definitiv mehr Charakter als die Poptracks der Hauptfigur. Beleuchtung und Farbwahl wirken durchdacht und mit Sicherheit geschmackvoller als in einem Großteil kürzlicher Veröffentlichung. Doch wenn man die Schale aufbricht, um wirklich an das Fleisch von Mother Mary heranzukommen, ist kaum etwas erkennbar. Wo David Lowery mit vergangenen Titeln philosophische Gedankenanstöße geliefert hat, fühlt sich hier alles paradoxerweise zu eng gesteckt und doch völlig offen an. Wie so viele ästhetische Köder für Generation Z ist dieses Werk eine blinkende Fassade, die bei genauerer Betrachtung umfällt. Statt eine Konversation anzuregen, ist der Film nur darauf bedacht, auch ja sicherzustellen, dass er weiß, dass Konversationsbedarf besteht.

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    Luca Mattys

    Filmverrückter aus Leidenschaft, Oscar-Trivia-Lexikon auf zwei Beinen und vermutlich der Hauptgeldgeber aller Düsseldorfer Kinos. Jeden Dienstagmittag bastelt Luca sich gewissenhaft sein Wochenprogramm zusammen und gibt renommierten Klassikern dabei dieselbe Chance wie hoffnungslosem Müll. Für ihn gibt es keinen schöneren Ort auf der Erde als das Innere eines Kinosaals. Seit inzwischen zwei Jahren schreibt er Kritiken für Filmtoast und schaut auch ab und zu mal frech im Podcast vorbei, wenn niemand ihn aufhält. Wenn er nicht gerade über die diversen Gründe philosophiert, warum "Brügge sehen … und sterben?" der beste Film aller Zeiten ist, oder sich über die Sieger:innen der vergangenen Preissaison echauffiert, versucht er, seine DVD-Sammlung abzugrasen, von der noch immer ein schockierender Anteil originalverpackt ist.

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