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Fabrizio Collini nach seiner Tat, Quelle: © Constantin Film

Der Fall Collini

In Der Fall Collini, der Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Ferdinand von Schirach, sieht man Elyas M’Barek in einer für ihn ungewohnten Rolle. Weshalb dies so sehenswert ist und was diesen Film ansonsten noch auszeichnet, erfahrt ihr in dieser Rezension.

TitelDer Fall Collini
Jahr2019
LandDeutschland
RegieMarco Kreuzpaintner
DrehbuchChristian Zübert, Robert Gold, Jens-Frederik Otto
GenreKrimi, Drama, Thriller
DarstellerElyas M’Barek, Heiner Lauterbach, Alexandra Maria Lara, Franco Nero, Rainer Bock, Jannis Niewöhner, Tara Fischer, Catrin Striebeck, Manfred Zapatka, Peter Prager
Länge123 Minuten
FSKAb 12 Jahren freigegeben
VerleihConstantin Film
Bluray zu "Der Fall Collini"
Das Blu-Ray-Cover zu Der Fall Collini, Quelle: © Constantin Film

Darum geht’s in Der Fall Collini

Der junge Anwalt Caspar Leinen (Elyas M’Barek) möchte sich beweisen und endlich als Anwalt einen großen Fall übernehmen, sich seine Sporen verdienen und seine eigene Kanzlei aufbauen. Diese Möglichkeit bietet sich ihm, als ein Pflichtverteidiger für einen scheinbar eindeutigen Kriminalfall gesucht wird. Der angesehene Industrielle Jean-Baptiste Meyer (Manfred Zapatka) wird in seiner Berliner Hotelsuite von dem Italiener Fabrizio Collini kaltblütig erschossen und der Mörder lässt sich anschließend anstandslos in der Hotellobby festnehmen. An dem Tathergang gibt es keinerlei Zweifel. Nur das Motiv für die Tat bleibt ungeklärt, da Collini sich zu seinem Vorgehen nicht äußern möchte. So bleibt es an Caspar Leinen, diesen mysteriösen Mann zu entschlüsseln und dahinter zu kommen, was ihn zu dieser schrecklichen Tat bewogen hat.

Was jedoch für Leinen kein leichtes Unterfangen ist, hat er doch ein enges Verhältnis zu der Familie des Opfers gepflegt. In Jean-Baptiste Meyer, der ursprünglich Hans Meyer hieß, hat er gar eine Art Vaterfigur gefunden, nachdem es mit seinem eigenen Vater schwierig war. So muss Leinen einerseits versuchen, die ungeheure Tat zu verstehen und seinen Mandanten vor Gericht würdig zu verteidigen. Andererseits muss er mit seinen eigenen Gefühlen zurechtkommen und sich von falschen Vorstellungen zu seinem Ziehvater loslösen. Denn eines wird ihm im Laufe des Prozesses klar: Der Täter hatte seine Gründe.

Caspar Leinen steht auf der Treppe des Gerichtsgebäudes
Caspar Leinen steht auf der Treppe des Gerichtsgebäudes. Quelle: © Constantin Film

Die Story von Der Fall Collini

Der Film basiert wie bereits zuvor erwähnt auf dem gleichnamigen Roman von Ferdinand von Schirach. Dieser zählt mit Büchern wie Schuld, Verbrechen und Terror – die teilweise ebenfalls verfilmt wurden – zu einem der gegenwärtig erfolgreichsten deutschen Autoren und nimmt bei seinen Geschichten gerne die Rolle des Anwalts ein. Der Fall Collini passt also gut ins Repertoire des Autors und auch wenn der Film hier und da von der Buchvorlage abweicht, so trägt er doch die Spannung und die Grundstimmung seiner Vorlage. Es ist die hier erzählte Geschichte, die diesen Film so besonders macht und von der Masse abhebt. Sie bewegt sich vom anfänglichen 0815-Krimi zu einem spannenden Geschichts-Drama, wenn sich offenbart, welches Motiv Fabrizio Collini zu seiner brutalen Tat getrieben hat.

Neben diesem Hauptstrang – der die Tat, ihren Hergang und die Auflösung des Tatmotivs behandelt – wird dem Zuschauer auch noch vom Leben des jungen Anwalts Caspar Leinen mit all seinen Verstrickungen und Sorgen berichtet. Zu Anfang hat er Probleme, an diesem Fall zu arbeiten, weil er durch seine Nähe zum Opfer emotional darin verstrickt ist. Gleichzeitig möchte er sich aber auch beweisen, denn er steht beruflich auch noch am Anfang seiner Karriere. Und dann wäre da auch noch die Tochter des Opfers, zu der er sich schon immer hingezogen gefühlt hat und zwischen denen es nun im Verlauf des Films auch ordentlich knistert. Caspar Leinen ist kein schnöder Anwalt, sondern wird als Mensch gezeigt: mit Fehlern, Gefühlen und Gewissensbissen. Und diese Darstellung macht den Film rund.

Caspar Leinen versucht im Verhör hinter das Motiv seines Mandanten zu kommen,
Anwalt Leinen versucht im Verhör hinter das Motiv seines Mandanten zu kommen, Quelle: © Constantin Film

Das Schauspiel-Ensemble von Der Fall Collini

Deutschland hat viele große Schauspieler. Ob Elyas M’Barek zu den anspruchsvollsten gehört, darüber lässt sich streiten. Während er in der Vergangenheit vor allem durch Komödien wie Türkisch für Anfänger oder Fack ju Göthe aufgefallen ist und damit mega erfolgreich war, beschreitet M’Barek mit hier für ihn eher ungewohnte Wege. Und dieser neue Weg funktioniert super. Die Rolle des Caspar Leinen füllt er sehr gut aus, er zeigt ihn als emotionalen Menschen mit Fehlern, aber auch mit besonderen Stärken. Als engagierten, neugierigen Anwalt, der sich und seinen Prinzipien treu bleibt und verbissen daran arbeitet, zu verstehen, was Fabrizio Collini zu seiner Tat getrieben hat.

Fabrizio Collini wiederum wird vom großen Franco Nero grandios verkörpert. Der Schauspieler, der vor allem durch seine Western (Django) bekannt ist, präsentiert hier einen wütenden, alten und teilweise auch gebrochenen Mann, der sich ein letztes Ziel gesetzt hat und die Gerechtigkeit wiederherstellen möchte, indem er eine für ihn offene Rechnung begleicht. Für ihn ist der Fall nach dem Mord erledigt. Er hat zu Beginn kein großes Interesse daran, mit seinem Anwalt zusammenzuarbeiten oder für sich selbst Partei zu ergreifen. Doch als er merkt, wie sehr sich sein Anwalt für ihn einsetzt, weicht die harte Schale langsam auf und er öffnet sich ein wenig. Diesen Übergang spielt Nero sehr authentisch und realistisch.

Heiner Lauterbach, der einen älteren und erfahreneren Anwalt spielt, und Alexandra Maria Lara in der Rolle der Tochter des Opfers zeigen ebenfalls, dass sie Meister ihres Fachs sind. Jede Rolle ist somit wunderbar besetzt und an keiner der gezeigten schauspielerischen Leistungen gibt es irgendetwas auszusetzen.

Johanna möchte Gerechtigkeit für ihren ermordeten Vater
Johanna möchte Gerechtigkeit für ihren ermordeten Vater, Quelle: © Constantin Film

Die Tragik des Falls

Wie bereits erwähnt, wandelt sich der Film vom 0815-Krimi, den man vielleicht am Anfang erwarten könnte, zu einem Drama mit historischer Bedeutung. Gesetze und ihre Auslegungen sowie die Herkunft dieser Richtlinien werden ebenso erläutert wie die Fragen nach der Rechtmäßigkeit und der Moral gestellt werden. Dank der spannenden Umsetzung wird der Zuschauer dazu bewegt, sich ebenfalls mit diesen Fragen zu beschäftigen.

Man kann natürlich damit argumentieren, dass jeder große deutsche Film mit dem Zweiten Weltkrieg und seinen Schrecken arbeiten muss und dass dies auf Dauer etwas ermüdend und abgedroschen wirken kann. Doch Der Fall Collini beschäftigt sich mit dieser Thematik auf ganz andere Art und Weise. Er präsentiert einen Aspekt, der in der hier gewählten Darstellungsform frisch und unverbraucht wirkt. Die Frage nach der Moral, wie sie damals vorherrschte und wie sie heute im geschichtlichen Kontext eingeordnet werden muss, bietet sich für einen spannenden Film mit Tiefgang – der auch zum Nachdenken anregen soll – wunderbar an. Somit ist Der Fall Collini ein Streifen, der einem auch nach dem Ansehen noch im Gedächtnis bleibt. Und dies zeichnet den Streifen wirklich aus.

Sein Anwalt steht hinter Fabrizio Collini, der im Gerichtssaal sein Urteil erwartet
Der Anwalt steht hinter Fabrizio Collini, der im Gerichtssaal sein Urteil erwartet, Quelle: © Constantin Film

Unser Fazit

Der Fall Collini entwickelt sich von einem anfangs vermuteten soliden deutschen Krimi zu einem Drama mit besonderer Tiefe und geschichtlichen Verstrebungen. Der Film weiß zum einen durch durch das großartige Schauspiel-Ensemble zu gefallen. Zum anderen überzeugen seine intensive Story und die damit einhergehenden, aufgeworfenen Fragen, die den Zuschauer auch noch im Nachgang zu beschäftigen wissen.

Man hat hier keinen Film, der seichte Unterhaltung bietet, sondern einen Streifen mit Tiefgang und Bedeutung vor sich. Diesem sollte man sich mit Zeit und Interesse widmen, da er hierdurch erst sein volles Potential entfalten kann. Elyas M’Barek zeigt in Der Fall Collini, was wirklich in ihm steckt. Er beweist, dass er mehr kann, als nur in Komödien mitzuspielen und dass man vielleicht auch in der Zukunft noch große Rollen von ihm erwarten kann. Die Frage nach der Moral und der Gerechtigkeit wird in dem Fall nicht in der Gänze geklärt. Doch ist es gerade dieser Aspekt, der den Film hervorhebt und den Zuschauer auch nach dem Ende noch grübeln lässt. Somit ist Der Fall Collini ein ganz besonderer Film, den man sich definitiv anschauen sollte.

Unsere Wertung:

 

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