In All of You zeigt Ted Lasso-Star Brett Goldstein eine ganz andere Seite. Überzeugt er an der Seite von Imogen Poots in dieser Romanze?
Darum geht’s in All of You
Seit ihrer College-Zeit sind Simon (Brett Goldstein) und Laura (Imogen Poots) beste Freunde. Insgeheim fühlen sich beide zueinander hingezogen, doch keiner wagt den ersten Schritt. Als Laura eines Tages über einen völlig neuen Test ihren vermeintlichen Seelenpartner findet, driften beide langsam auseinander. Immer wieder kreuzen und trennen sich ihre Wege im Laufe der Jahre, doch ihre Gefühle bleiben unausgesprochen. Werden Simon und Laura alles auf eine Karte setzen und zueinander finden? Oder siegt am Ende die Angst vor dem Ungewissen?
Freundschaft vs. Liebe
Das Gedankenexperiment, das diese Romanze hier anstößt, ist im Grunde genommen ein alter Hut: gibt es tatsächlich Seelenverwandte, also quasi vorbestimmte Liebe? Und wenn ja, wie bindend und sinnvoll ist es, dann auf diese „wissenschaftlich“ fundierte Beziehung zu bauen, wenn einem das Bauchgefühl eigentlich etwas anderes vermittelt? So wie All of You das Ganze abhandelt, folgt man in großen Teilen doch den üblichen Genrekonventionen und mischt nur einen Hauch von Black Mirror in altbekannte Formelhaftigkeit unter.
So klassisch das „Will they/Won’t they“ hier erstmal ist, so gut schaffen es aber die beiden Befreundeten/Liebenden (?) den Zwiespalt zu vermitteln. Weder Goldstein noch Poots entsprechenden den Klischeefiguren der Romanze der 90er oder frühen 2000er: sie sprechen eigentlich ehrlich miteinander, dass sie nicht zusammenfinden liegt eben nicht nur an einem an den Haaren herbeigezogenen Missverständnis, das mit wenigen Sätzen auszuräumen wäre. Hier ist die Komplexität spürbar eine andere – und dann aber auch wieder nicht. Denn eigentlich geht es mal wieder um zwei Individuen, die als Freunde perfekt zueinander passen und die beide Angst davor haben, das Freundschaftliche zu opfern, wenn man sich auf eine romantische Beziehung einlassen würde und diese scheitern sollte.
Ruhig, stark gespielt, nachdenklich
All of You ist über weite Strecken kitschfreie Zone. Weder gibt es klischeehaft konstruierte Situationen noch drückt einem ein überbordender Soundtrack in entsprechenden Momenten rein, wie man sich als Zuschauer:in gerade zu positionieren hat. Kommen sich die beiden näher, wünscht man sich eigentlich, dass es funktioniert, aber irgendwie merkt man auch beim Zuschauen, dass dieses Verhältnis eine gewisse Fragilität hat, die durch die beiden Darstellenden perfekt transportiert wird.
Die Romanze ist insgesamt ein netter Genrebeitrag, ohne allzu viel Punch. Als seicht würde ich sie jedoch nicht bezeichnen, sind die beiden Protagonisten doch deutlich mehrdimensionaler gezeichnet und gespielt als in der 08/15-Schnulze, die tagtäglich im Free TV versendet wird. Rein inszenatorisch aber legt hier Apple TV+ seine Messlatte nicht viel höher an. Die vielen Drehorten sorgen noch für einige Abwechslung und auch das Gimmick mit den Zeitsprüngen wird effizient eingesetzt, aber ansonsten sticht hier wenig heraus.
© Apple TV+
Unser Fazit zu All of You
All of You ist eine nachdenklich stimmende Romanze mit zwei ambivalenten Hauptfiguren, bei der man wenig Überraschungen erwarten darf, aber der man trotzdem einen gewissen Sog nicht absprechen kann. Die Dynamik zwischen Brett Goldstein und Imogen Poots tut ihr Übriges, sodass man allen, die mal wieder einen überdurchschnittlichen Liebesfilm sehen möchten, die Apple TV+-Produktion bedenkenlos naherlegen kann.
All of You startet am 26. September bei Apple TV+
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.
