Apple TV+‘ großes Starvehikel ist nach längerer Wartezeit zurück: The Morning Show geht in Staffel 4 und nimmt sich wieder aktuelle gesellschaftliche und mediale Themen vor. Landet man hier wieder mehr Treffer als in der vorigen Staffel?
The Morning Show – Staffel 4 – Darum geht’s
2024, beinahe zwei Jahre nach den Ereignissen der dritten Staffel: Nach dem Zusammenschluss von UBA und NBN sieht sich die Redaktion mit neuer Verantwortung, versteckten Motiven und der schwer fassbaren Idee von Wahrheit in einem gespaltenen Amerika konfrontiert. Wem kann man in einer Welt voller Deepfakes, Verschwörungstheorien und Vertuschungen noch trauen? Und was ist tatsächlich real?

Nach Capitol-Sturm und Pandemie…
Angefangen hat The Morning Show einst als medienkritischer Blick auf #MeToo und die Nachwehen der Skandale um Louis C.K., Harvey Weinstein und Co., indem man mit der Steve Carrell-Figur damals ebenfalls eine Geschichte von Machtmissbrauch durch einen einflussreichen Moderator schilderte. Damit war die erste Staffel ein ziemlich abgeschlossener Akt – und für sich genommen eine ziemlich gelungene Abhandlung mit dieser Thematik bei gleichzeitig hoher Dialogqualität und Unterhaltungsgüte, dem namhaften und exzellent aufspielenden Cast sei Dank. Blieb dieser Cast zwar für die Folgestaffel im Großen und Ganzen zusammen und auch das Sendersetting erhalten, so musst man sich für die Fortsetzung doch einen thematisch frischen Schwerpunkt suchen, um dem Anspruch an die zeitgeistige Relevanz aufrechthalten zu können.
Von der Realität eingeholt wurde dies in der zweiten Staffel dann die Corona-Pandemie. Doch man merkte der Serie hier deutlich an, sich mit dem Umgang damit schwer zu tun und auch wusste man mit einigen Figuren wenig bis gar nichts anzufangen. Season zwei war entsprechend eher ein Dämpfer – aber eben durch die Corona-Umstände irgendwie verständlich und zu verzeihen. Entsprechend war aber der Kredit der Fans vor der dritten Staffel schon merklich zusammengeschrumpft, sodass man viel kritischer auf das blickte, was man in dieser Season dann erzählte. Und leider war die Wahl des Hauptthemas in der dritten Runde etwas unglücklich, die Verwebung mit dem Privatleben der Witherspoon-Figur Bradley Jackson auch nicht ausgegoren. Ohne jetzt allzu tief in den kritischen Diskurs zur inhaltlichen Sinnsuche von The Morning Show, den zunehmenden Soap-Opera-Charakter und die zu gewollten gesellschaftskritischen Botschaften im Verlauf einzugehen, ist entsprechend nun die Frage: was ist DAS Thema von Staffel 4 und kann die Serie nochmal qualitativ dahin zurückkommen, wo sie einst in der ersten Staffel auf dem Weg war, tatsächlich das Vermächtnis von The Newsroom zu erfüllen?
… kommen Fake-News und KI
Zu allererst muss festgehalten werden, dass die neuen Folgen nach einem Zeitsprung einsetzen: zwei Jahre sind also vergangen seit – Achtung Spoiler zu Staffel 3!!! – Alex (Jennifer Aniston) ihren damaligen Lover Paul Marks (Jon Hamm) durch eine überraschende Übereinkunft und Fusion mit einem einstigen Konkurrenten von UBA ausgebootet hat, Corey (Billy Crudup) in Ungnade fiel, weil er im Verdacht stand, sich an Bradley (Reese Witherspoon) ranzuschmeißen und diese ungleich tiefer fiel, weil herauskam, dass ihr Bruder am Capitol-Sturm beteiligt und sie ihn gedeckt hatte. Nun haben sich die Kräfteverhältnisse hinter den Kulissen einmal mehr verschoben: Alex ist einflussreicher denn je, gleichzeitig gibt es durch die neuen Figuren, die durch die Fusion zum Konzern stießen – vor allem in Persona der Marion Cotillard (Inception) Figur – neue mächtige Verantwortliche. Stella (Greta Lee) ist zudem inzwischen ganz oben in der Führungsriege angekommen.
Nun steht der neue Mediengigant davor, sich auf die anstehende Olympia-Berichterstattung zu stürzen, gleichzeitig gibt es wieder interne Ränkespiele, die mehr als zuvor nun an House of Cards angelehnt zu sein scheinen und die Beziehungsgeflechte innerhalb des Staffs scheinen sich in den zwei Jahren um ein vielfaches verkompliziert zu haben. Außerdem kommt plötzlich noch Alex Vater, gespielt von Jeremy Irons, ins Spiel, ein Whistleblower droht vertrauliche Interna von UBA einzusetzen und in Zeiten von immer stärkerer Künstlicher Intelligenz wissen hier bald selbst Medienprofis nicht mehr, was echt und was fake ist. Schon in der ersten Folge von Staffel 4 wird klar, dass es extrem viel zu erzählen gibt und der Serie der Showrunner-Wechsel und die etwas längere Pause zwischen den Staffeln wirklich gut getan haben. Mit Boyd Holbrook (Logan), William Jackson Harper (Ant-Man and the Wasp: Quantumania) und John Hoogenakker (G20) ist der ohnehin schon überragende Cast auch in der Breite nochmal interessanter geworden.
Und wie gut ist das alles?
Die neuen Figuren werden sehr gut eingeführt und bieten den etablierten schauspielerisch und auch innerhalb der fiktionalen Medienwelt gehörig die Stirn. Dabei ist vor allem Marion Cotillard eine absolute Schauspiel-Urgewalt, die über den ohnehin schon nicht an Talent mangelnden Cast hereinbricht. Auch die Weise, wie hier mit dem KI-Thema/-Dilemma umgegangen wird, ist wesentlich versierter wieder im Vergleich mit dem etwas undifferenzierten oder ziellosen Umgang mit dem Pandemie-Thema und auch quer über alle Handlungsstränge in der dritten Staffel.

Hat man anfangs die Serie auf das Trio aus Steve Carrell, Jennifer Aniston und Reese Witherspoon zugeschnitten, sind inzwischen andere Figuren die eigentlichen Leader. Zwar sind Aniston und Witherspoon weiterhin bedeutende Teile im Ensemble, aber Staffel 4 konzentriert sich doch deutlich auf die Greta Lee-Figur, die dieser Verantwortung auch mehr als gerecht wird. Auch Billy Crudup hat weiterhin eine zentrale Rolle und ist wahrscheinlich von den seit Beginn an partizipierenden Playern auch der spannendste – weil unberechenbarste.
Die neuen Liebesbeziehungen funktionieren überdies gut und bringen noch mehr Emotionen in den Newsroom, die Staffel wartet mit einigen Wendungen auf, die teils überspitzt sein mögen, aber entsprechend exzellent den Brennglas-Effekt ausspielen, für den die Serie einst angetreten ist. Somit kann eindeutig attestiert werden, dass das Flagschiff der Apple TV+-Streamingflotte sich selbstbewusster denn je durch die selbstgewählten unruhigen Fahrwasser manövriert.
© Apple TV+
Unser Fazit zu The Morning Show - Staffel 4
The Morning Show knüpft in Staffel 4 an beste Zeiten an und weiß ein nie dagewesenes Star-Ensemble in einem Spinnennetz der Intrigen der Medienlandschaft größtenteils virtuos - teils aber auch angenehm soapy - zu orchestrieren. Einzig, dass es fast zu viele herausragende Figuren gibt könnte man inzwischen fast bemängeln, aber wenn hier das größte Problem einer Produktion liegt... Tatsächlich gibt es auch in der vierten Staffel wieder ein paar Momente, die nicht ganz dem Anspruch des Prestigeformats gerecht werden, aber im Vergleich mit den beiden vorigen Staffeln fallen diese hier weniger ins Gewicht.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

