Black Panther-Regisseur Ryan Coogler scheint der Franchises überdrüssig und lässt sich an einem Horrorfilm mit historischer Kulisse aus: Wie gelungen erscheint diese Symbiose in Blood & Sinners?
Die Inhaltsangabe von Blood & Sinners
Die berüchtigten Zwillinge Smoke und Stack (beide: Michael B. Jordan) dienten im Ersten Weltkrieg und machten sich in Chicago als Zuhälter und Killer einen Namen. Nun kehren sie in ihre alte Heimstadt in Mississippi zurück, wo sie mit ihrem verdienten Geld eine Juke-Bar eröffnen wollen. Dafür kaufen sie von einem alten Ku-Klux-Klan-Mitglied eine leerstehende Scheune und holen sich alte Vertraute heran, um eine ausgelassene Eröffnungsfeier zu zelebrieren. So engagieren sie den Baumwollpflücker Cornbread (Omar Benson Miller) als Türsteher oder den alten Blues-Musiker Delta Slim (Delroy Lindo) und ihren Cousin Sammie (Miles Caton) als musikalische Acts. Auch frühere Verflossene der Gebrüder, die aus Chicago stammende Mary (Hailee Steinfeld) und Pearline (Jayme Lawson), finden ihren Weg in das Lokal. Die Stimmung kippt allerdings, als ungebetene Gäste mit spitzen Zähnen und leuchtenden Augen um Einlass bitten.
Unerwarteter Genre-Wechsel
Dass sich Ryan Cooglers neuestes Werk nach der halben Laufzeit noch zu einem fiesen Vampirfilm entwickelt, würde man anhand der vorherigen Stimmung kaum erwarten. Denn Blood & Sinners erzählt bis dato ein rhythmisches und einnehmendes Historiendrama, das kurz nach dem Ende der Sklaverei angesiedelt ist. Denn die historischen Umstände werden durchweg ernst genommen, ohne dass der Film den Pfad einer biederen periodischen Auseinandersetzung einschlägt. Da sich das Vampirische schließlich während der großen Eröffnungsfeier in der Juke-Bar offenbart, orientiert sich der erzählerische Ansatz natürlich an den Genre-Umschwung und das muntere Treiben im Titty Twister aus Rodriguez‘ und Tarantinos From Dusk Till Dawn. Aus den gefürchteten Gecko-Brüdern wird hier das Zwillingspaar Smoke und Stack, das ähnlich kriminelle Fahrstreifen hinterlassen haben.
Tiefe Bilder, großer Sound
Nach eigenen Angaben orientierte sich der Regisseur bei der Stoffentwicklung an seinen Delta Blues hörenden Onkel und filmischen Vorbildern der Coen-Brüder wie Fargo und Inside Llewyn Davis. Besonders letzter Film um einen gescheiterten Folk-Musiker dürfte dazu verleitet haben, gepaart mit persönlichen Erinnerungen, zahlreiche Blues- und Folk-Songs in Blood & Sinners einzubauen. Die musikalische Verbindung erscheint nicht als Störfaktor, sondern wird Teil eines kulturellen Vermächtnis. Coogler nimmt sich Themen der eigenen Community an und verhandelt sie in verschiedenen Genres: Natürlich geht es auch um die schwarze Geschichte der USA und darüber hinaus. In einer herausragenden Plansequenz, die gleichzeitig Bruch und Konsequenz vereint, verbinden sich die Geister der Vergangenheit und Zukunft. Nicht nur die Kamera scheint durch dynamisch durch das anbandelnde Kammerspiel zu schweben, gerade das Sounddesign verleitet in eine betörende Immersion.
Historiendrama und Vampir-Variation funktionieren tatsächlich
Fortan wird die Spannung im Tanzlokal sukzessive aufgebaut, bis die Situation eskaliert und die (ebenfalls sehr musikalischen) Vampire unter Anleitung von Remmick (Jack O’Connell) vor der Pforte lauern. Aufgrund der historischen Kulisse ließe sich vermuten, dass das als Horrorfilm gelabelte Werk ein entschleunigendes und metaphorisch aufgeladenes Folklore-Thema wählt. Umso erfreulicher, dass Blood & Sinners so viel Spaß am Genrefilm hat und dennoch die kulturelle Prägnanz nicht aus den Augen verliert. Was in From Dusk Till Dawn zu einem pulpig-grotesken Schlachtfest verkommt, erhält hier eine neue Ebene. Zwar verrennt sich auch Cooglers Film gelegentlich tonal, dass das vampirische Kammerspiel ab der Mitte dennoch greift, liegt auch am umfangreichen Aufbau der zahlreichen Charaktere.
Seien es der aufstrebende Jungspund Sammie, der alte Blues-Haudegen Delta Slim oder die spirituelle Pearl: Man fiebert mit den Figuren mit, da der Bruch im Genre nicht als ironisches Gimmick verläuft. Sichtlich Freude am Unterfangen hat Michael B. Jordan, der seine Doppelrolle sowohl als einzelne Charaktere sowie im kämpferischen Kollektiv ausfüllt. Vielleicht verkörpert das Geschwister-Paar jene Dualität der Handlung: Festhalten an altbekannten Mustern und kulturellen Verpflichtungen, doch auch offen für Neues zu sein, was sich nicht innerhalb der beengten Glaubensgemeinschaft zuträgt. Sei es die Gitarre in der Hand oder der Horrorfilm auf dem Land.

© Warner Bros.
Unser Fazit zu Blood & Sinners
Abseits vom Inhalt sieht man mit Blood & Sinners einen der bestproduziertesten Filme des Jahres, der per se keine neuartige Geschichte erzählt und unübersehbar von verwandten Vertretern inspiriert ist, aber kreative und bleibende Momente erschafft. Trotz des Big-Budget ordnet sich der Genre-Mix keinem Duktus unter und arbeitet seinen kulturellen Rahmen in einen spaßigen Vampirfilm ein. Ihn als rhythmische Blues-Version von From Dusk Till Dawn zu bezeichnen, würde ihm nicht gerecht.
Ryan Cooglers neuester Film besticht als absolute Ausnahme im Blockbuster-Bereich und beweist endgültig, dass der Regisseur zu Höherem berufen ist - gerne weiterhin im Genre des Horror ansässig.
Blood & Sinners läuft ab dem 17. April 2025 im Kino.
