Nicht ohne Grund hat die Wrong Turn-Reihe bis heute überdauert: Das simple Backwood-Slasher-Prinzip wurde immer wieder in neuen Abwandlungen variiert. In Don’t Turn Out the Lights soll genau diese Stärke kulminieren – angereichert mit einer Prise Eden Lake. Doch wird dieses Versprechen auch eingelöst?
Don’t Turn Out the Lights – Darum geht’s
Eine Gruppe von Highschool-Freunden trifft sich für ein unvergessliches Wochenende, um mit dem Wohnmobil zu einem Musikfestival zu fahren. Ihre aufregenden Pläne nehmen jedoch eine düstere Wendung, als sie feststellen, dass unheimliche Dinge um sie herum geschehen. Die Straße führt sie durch Wälder, in denen sich etwas Grausames versteckt hält, das in der Dunkelheit ihr Leben bedroht…
Turn Out the Lights: Besser auch nicht einschalten
Die Chancen standen gar nicht schlecht: Regisseur Andy Fickman hatte mit Race to Witch Mountain und Der Kaufhaus Cop 2 bewiesen, dass er Guilty-Pleasure-Unterhaltung inszenieren kann. Auch die Produzenten von Scouts vs. Zombies und Anaconda waren mit an Bord, was das Interesse an klassischem, wenn auch eher trashigem Horror-Heimkino nicht minderte. Doch besonders der Trailer versprach eine Mischung aus wohligen 2000er-Jahre-Vibes und Backwood-Schocker-Nostalgie. Doch leider gelingt es Fickman nicht, ein neues Guilty Pleasure zu schaffen, sondern lediglich ein müdes Genre-Einerlei, das gerne Wrong Turn meets Der Nebel wäre, auf halber Strecke jedoch scheitert.
Selbst die genannten Vorbilder überzeugten selten durch fundierte Figuren oder durchdachte Plots. Ihr Reiz lag in der Fähigkeit, Horror mit Finesse zu inszenieren, Atmosphäre effektiv aufzubauen und Spannung zu erzeugen. Don’t Turn Out the Lights hat zwar einige gelungene, recht kreative und spannende Szenen, doch wirkt es, als hätte man an einer Hand abzählbare gute Ideen gehabt, um die herum dann eine Handlung geschrieben wurde, die komplett aus den Fugen gerät. Mit 110 Minuten Laufzeit widerspricht Fickman nicht nur ungeschriebenen Genre-Regeln – denn solcher Horror darf einfach keine Überlänge haben –, vielmehr darf der Film nicht auch noch langweilig sein. Viel passiert nämlich nicht, und was geschieht – besonders im ersten Akt – nervt eher, als dass es unterhält.
Wenig Licht, viel Schatten
Don’t Turn Out the Lights überrascht jedoch mit einem durchaus überzeugenden Dreiergespann an Darstellerinnen: Hauptakteurin Bella DeLong trägt den Film erstaunlich gut und wirkt sehr souverän. Ana Zambrana, die ebenfalls einen ihrer ersten Auftritte feiert, überzeugt und auch Amber Janea, die den letzten Baustein des Trios liefert, spielt halbwegs solide – auch wenn ihr ständiges Geschrei mit der Zeit etwas zu nerven beginnt. Wenn diese Drei in Situationen geraten, die kreativ und frisch wirken, macht diese Momenten keine schlechte Figur.
Besonders die Variation der Szenen innerhalb des Vans mitten im Nirgendwo erzeugt durchaus Atmosphäre – zumindest manchmal. Vor allem wenn Fickman mit seinem Gimmick der Realitätsverschiebung spielt, Zeitlichkeiten und Wahrnehmung manipuliert und mit billigem Kunstnebel alte Klassiker heraufbeschwören möchte, wirkt alles überraschend versiert und ist spannend inszeniert. Nur darf das leider nie ganz aufgehen, weil die soliden bis unterhaltsamen Momente an der Masse an schlechten regelrecht schiffbrüchig gehen.

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Unser Fazit zu Don’t Turn Out the Lights
Regisseur Fickman beweist in wenigen kurzen Szenen, dass in Don’t Turn Out the Lights irgendwo ein solider Film stecken könnte. Doch dafür ist er zu unausgegoren, zu lang, zu langatmig und schier ermüdend. Die Figuren sind uninteressant, aber immerhin halbwegs solide bis gut gespielt, jedoch am Ende, wie die eigentlichen Qualitäten, kaum der Rede wert. Auch Horror und Atmosphäre spürt man nur selten, und wenn, dann wird all das gänzlich irrelevant. Dem Zuschauer wird permanent vor Augen geführt, wie lang 110 Minuten eigentlich sein können – besonders wenn wenig bis gar nichts davon mit dem klassischen Backwood-Prinzip zu tun hat – und noch weniger mit Eden Lake
Don’t Turn Out the Lights ist ab Ende April in Deutschland im Heimkino zu sehen.
Schon seit jungen Jahren filmverrückt: Viel zu früh Genrefilme aller Art konsumiert und mit 14 Jahren begonnen, regelmäßig Kino+ zu schauen – obwohl er zu diesem Zeitpunkt kaum einen der besprochenen Filme selbst gesehen hatte. Geprägt wurde seine Leidenschaft maßgeblich von seiner Oma bei Star Wars: The Clone Wars und dem Schauen „alter Schinken“ vor der Glotze, seinem Vater und seinem großen Bruder mit dem er alles teilte – außer eine gleiche Meinung. Film-Begeisterung wurde beim Schauen von E.T., Jurassic Park, Zurück in die Zukunft und Indiana Jones und der Tempel des Todes entfacht, die bis heute zu den Lieblingsfilmen gehören – ab diesem Moment war klar: Filme werden ihn ein Leben lang begleiten. Er versucht, wöchentlich ins Kino zu gehen, ist sich dabei aber nie zu schade, auch den trashigsten DTV-Untiefen von Action bis Horror eine Chance zu geben oder auch mal ins indische Kino abzudriften. Bekannt aber vor allem für eines: „Alle geben 4 oder 5/5 – und er gibt ’ne 1/5, du weißt genau, da is‘ er, der Louis.“

