Die Rosenschlacht ist die Neuauflage eines Klassikers. Wie immer stellt sich dabei die Frage: Hat es diesen Aufguss gebraucht?
Worum geht’s in Die Rosenschlacht?
Für das Bilderbuchehepaar Ivy (Olivia Colman) und Theo (Benedict Cumberbatch) scheint das Leben wunderbar leicht zu sein: erfolgreiche Karrieren, eine liebevolle Ehe, großartige Kinder.Doch hinter der Fassade ihres vermeintlich perfekten Lebens braut sich ein Sturm zusammen. Als Theos Karriere einen empfindlichen Knick erleidet, nimmt Ivys hingegen steil an Fahrt auf. Zwischen den beiden entzündet sich ein explosives Feuerwerk aus harter Konkurrenz und versteckten Ressentiments.

Das Beste vom Besten vor der Kamera
Zwei schauspielerisch größere Naturgewalten für so eine Art von Film hätten sich wohl kaum finden lassen. Das was Olivia Colman und Benedict Cumberbatch hier anbieten ist großartig: Jede noch so kleine Regung in ihren Gesichtern hat so viel Aussagekraft, wie die beiden die Dialoge vortragen, hat Wucht und geht beim Zuschauer genauso unter die Haut, wie die tiefschürfenden Beleidigungen den beiden Protagonisten hier jeweils ins Fleisch schneiden. Das allerwichtigste ist aber, dass man dem Hass-Liebe-Paar hier diese komplexe Beziehung vollends abkauft, da sie sich eben allein schon mal darstellerisch absolut auf Augenhöhe begegnen. Kurzum: Wer Fan der beiden Briten ist, wird hier auf jeden Fall die beiden Granden in Topform erleben.
Daneben glänzt auch einiges, was Rang und Namen hat, aus dem Rest des Ensembles. Ncuti Gatwa wärmt seine Sex Education-Performance mit einer Prise mehr Erwachsensein charmant auf, Sunta Mani ist ebenfalls sehr sympathisch im Team Ivy und auch die beiden Pärchen, die in der amerikanischen Enklave Freundschaft mit Ivy und Theo geschlossen haben, haben starke Momente, wenngleich sich hier doch das für mich womöglich größte Aber von Die Rosenschlacht ausmachen lässt. Denn während Jamie Demetrou noch eine parodistische Note in seiner Figur auslebt, die genauso wie die seiner Leinwandfrau Zoe Chao für den humoristischen Anstrich passt, funktioniert die Performance von Andy Samberg nur in Teilen in dieser Konstellation und die von dessen Frau, gespielt von Kate McKinnon gar nicht.
Derb mit Handbremse, herzlich mit Ladehemmung …
Alles in allem ist die Frischzellenkur des Michael Douglas und Kathleen Turner Klassikers schon zu rechtfertigen, haben sich doch in den etwa 40 Jahren in Sachen Beziehungsbilder, Geschlechterverhältnis und Gesellschaftsnormen etlichen gravierende Veränderungen ereignet. Hiermit geht Jay Roach über weite Strecken smart um und schafft es auch seine eigene Vergangenheit – Austin Powers und Meet the Fockers – hinter sich zu lassen und im hier und jetzt anzukommen. Damit ist auch nicht nur gemeint, dass hier Smart Home eine gar nicht allzu kleine Rolle einnimmt, oder wie hier die Kinder und deren Erziehungen abgebildet werden.
Nein auch zeitige Widersprüchlichkeiten, die sich durch vermeintlich moderne Verschiebungen ergeben haben, greift Die Rosenschlacht immer wieder in ihrer Mehrdeutigkeit auf. Nur manchmal wird Roach rückfällig und sucht den billigen, schnellen Gag. Und selbst wenn er kurz mal dem inneren Blödelbarden nachgibt, dann wird dies durch die Gravitas von Colman und Cumberbatch teils noch zu einem quasi-intelligenten Witz geadelt.
An der ein oder anderen Stelle spielen die Hauptdarstellenden fast zu gut, sodass man eine gewisse theaterheftige Note vor allem in den monologartigen langen Ansprachen schon mögen muss. Das erinnert dann in der Perfektion ihrer Rhetorik in Teilen an Succession, Industry oder eben das, was man einem Aaron Sorkin gern mal vorwirft.
… und nachdenklich auf der Zielgeraden
Dafür kann man, wenn man sich darauf einlässt, auf einigen der Sentenzen ne ganze Weile lang rumdenken. Und dann gibt einem diese Tragikomödie auch immer wieder Anstöße zur kritischen Reflexion über aktuelle Ansprüche an Perfektionismus und ständiges Mitdenken an alles und jeden mit. Speziell ein kammerspielartiges Abendessen sorgt dabei sowohl für die größten Lacher in den 100 Minuten als auch für den heftigsten Reflex, sich eigentlich das Lachen verkneifen zu sollen. Letztlich sind es Einzelszenen, die enorme Aussagekraft haben und die hier bei vielen auch eher seichten und zu wenig bissigen Momenten, nachhaltig im Gedächtnis bleiben.

So sind es dann im finalen Akt einerseits die Art der Eskalation, die schon etwas comicartig daherkommt, dann aber auch die Reaktion der Kinder, die sich unter all den Psychos als die vernünftige Instanz entpuppen und andererseits die Schlusspointe, mit der Die Rosenschlacht einen aus dem Saal entlässt, die aus dem in großen Teilen durchschnittlichen RomCom-Beitrag doch einen machen, der tatsächlich etwas zu sagen hat – wenn auch weniger als seinerzeit die erste Verfilmung.
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Unser Fazit zu Die Rosenschlacht
Einige Male muss man bei Die Rosenschlacht wirklich hellauf lachen, ein paarmal ertappt man sich dann aber auch, dass man über etwas schmunzelt, was eigentlich zutiefst bitter ist. Der schwarze Humor funktioniert dank der beiden Hauptdarsteller wirklich gut und überdies entlarvt Regisseur Roach die ein oder andere gesellschaftliche Doppelmoral.
Die Rosenschlacht läuft seit dem 28. August in den Kinos.
Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

