Lasst alles stehen und liegen und schaut euch die beste Comedy des Jahres, wenn nicht der letzten Jahre an. Hundreds of Beavers ist im besten Sinne wie eine Live-Action-Adaption der kultigen Looney Tunes.

Die Handlung von Hundreds of Beavers
Irgendwann im 19. Jahrhundert im Mittleren Westen der USA steht Jean Kayak (Ryland Brickson Cole Tews) vor den verbrannten Überresten seiner Apfelschnaps-Fabrik. Es geht fortan ums nackte Überleben und den Traum, als Pelzjäger wieder zu einem gesicherten Leben zu kommen.
Doch nicht nur die mannshohen Hasen und Waschbären erweisen sich als cleverer und zäher als gedacht. Auch die zahlreichen Biber, die in der Nähe einen Damm bauen, machen ihm das Leben schwer. Doch Jean gibt nicht auf, vor allem als er die Tochter eines hiesigen Händlers für Pelze kennenlernt und sich in sie verliebt.
Um sie heiraten zu dürfen, muss er dem Schwiegervater hunderte Biberfelle liefern.
Es entspinnt sich ein verrückter Kampf Mann gegen Natur.

Die Comedy-Überraschung des Jahres
150.000 US-Dollar hat Hundreds of Beavers nur gekostet. Trotzdem ist der Film bei gut informierten Genreliebhabern und Festivalgängern schon seit einigen Monaten in aller Munde. Denn das offensichtliche Herzblutprojekt von Regisseur und Autor Mike Cheslik konnte schon über 10 Nominierungen und eine handvoll Auszeichnungen auf diversen Filmfestivals einheimsen.
Manchmal prügelte sich Hauptdarsteller Ryland Brickson Cole Tews sogar direkt vor der Leinwand mit den Bibern aus dem Film, was den Kinobesuch unvergesslich gemacht haben dürfte. Dafür musste er nach eigener Aussage Extragepäck nur für die Kostüme mit in den Flieger nehmen. Nach Deutschland schwappte die Hypewelle dann im Frühjahr 2024 dank der Vorführung auf dem Fantasy Filmfest.
Dass der Film gut ein Jahr später endlich regulär und das sogar im Kino erscheint, ist schon ein grandioser Erfolg. Es ist Mike Cheslik und seinem Team nur zu wünschen, dass hierzulande genügend Kinogänger dem ungewöhnlichen Film eine Chance geben. Es ist, so viel kann gesagt werden, eine der ganz großen Comedy-Überraschungen der letzten Jahre und wahrscheinlich mit das frischeste Erlebnis, was 2025 zu bieten haben wird.
Hundreds of Beavers ist der richtige Film für dich, wenn…
Hundreds of Beavers ist sicherlich eine Filmerfahrung, auf die du sehr gut vorbereitet sein solltest. Deshalb lass dir einmal diese Fakten durch den Kopf gehen:
- Der Film ist durchgehend schwarzweiß
- Die Computereffekte sehen budgetbedingt super billig aus
- Alle Tiere werden von Menschen in riesigen Stoffkostümen gespielt
- Der Film besteht aus vielen kleinen Sketchen, die atemlos aneinandergereiht werden
- Es wird so gut wie kein Wort gesprochen
Na, noch Lust auf den Kinobesuch? Super! Dann wirst du wahrscheinlich den Spaß deines Lebens haben. Andernfalls ist die Gefahr groß, dass du frühzeitig den Kinosaal verlässt. Mir ging es selbst so, dass ich die ersten 5 bis 10 Minuten unerträglich fand. Am Ende hätte ich noch Stunden lang zuschauen können, wie sich Jean zum Profi-Jäger mausert und sich mit mannshohen Bibern, Waschbären und Hasen prügelt.
Live Action Looney Tunes?!
Wer mit den Looney Tunes, also Bugs Bunny, Daffy Duck, Schweinchen Dick oder dem Road Runner aufgewachsen ist, wird sich hier relativ schnell einfinden. Speziell die Sketche zwischen Road Runner und dem Wile E. Coyote könnten für Hundreds of Beavers unmittelbar Pate gestanden haben. Denn der Film dreht sich zum Großteil darum, dass Jean versucht die Tiere im Wald und am Fluss zu überlisten. Er baut Fallen und besorgt sich nach und nach stärkere Waffen, um ihnen den Garaus zu machen und die Pelze zu verkaufen.
Die absurde Komik entsteht allein schon dadurch, dass Menschen in putzigen, an Karneval erinnernden Tierkostümen stecken und ständig die Immersion brechen. Und natürlich sind alle „gespielten“ Tiere nicht so einfältig, wie Jean als Mensch denkt.
Der Humor resultiert hier häufig aus Tollpatschigkeit, Missverständnissen und ungewollten Kettenreaktionen, bei denen reihenweise Tiere draufgehen. Weil das alles so zeichentrickhaft durchgestaltet ist (tote Tiere haben dann zwei Xe als Augen), erlaubt sich Hundreds of Beavers auch, hemmungslos gewalttätig zu sein. Dabei werden auch die plattesten Gags mitgenommen und zum Teil mehrmals abgefeuert.
Sei es, dass Jean ständig in ein Loch fällt, was sich unerwartet vor ihm auftut. Oder er pfeift mehrmals vor Freude im Film, wodurch immer ein Specht erscheint und seinen Kopf mit hämmernden Schnabelschlägen bearbeitet. Das ist alles in so einem hohen Tempo abgefeuert und gerade die sich ankündigenden Running Gags schüren mit der Zeit eine diebische Vorfreude. Wie gesagt ist dieser Humor allerdings sowas von Geschmackssache.

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Unser Fazit zu Hundreds of Beavers
Hundreds of Beavers ist eines dieser vor Kreativität überschäumenden Herzensprojekte, das aus wenig Budget einfach ganz viel herausholt. Mike Cheslik hat ihr am Ende eine Art Live-Action-Looney-Tunes-Film hingelegt, der dir als Zuschauer gut 100 Minuten lang Slapstick-Sketche um die Ohren haut. Das funktioniert trotz seiner Einfachheit erstaunlich gut, obwohl alle größeren und kleineren Sequenzen eigentlich nur von einer rudimentären Videospielmechanik zusammengehalten werden.
Selten ist es empfehlenswert, sich vorab die Trailer anzuschauen. Hier macht es allerdings durchaus Sinn, damit der eine oder die andere nicht frühzeitig den Kinosaal verlässt.
