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    Startseite » Igby Goes Down
    Filme

    Igby Goes Down

    Jan Schiebuschvon Jan Schiebusch26. November 2020Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    Igby sitzt auf der rechten Seite eines Bettes im Schneidersitz. Auf der Bettseite links neben ihm sitzt sein Bruder. Beide blicken in die linke Richtung.
    Blutsverbundenheit auf Distanz: Igby und sein Bruder @ Justbridge Entertainment
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    In Igby Goes Down stößt Regisseur Burr Steers seine Hauptfigur in eine Selbstfindungsphase mit Abwärtstrend. Ob Igby Lichtblicke vergönnt sind, erfahrt ihr in unserer Review.

    [su_youtube URL=“https://www.youtube.com/watch?v=45-QwVDvZbU“]

    Front-Covermotiv der Blu-ray Veröffentlichung zu Igby Goes Down
    Cover zur Blu-ray von Igby Goes Down @ Justbridge Entertainment

    Die Handlung von Igby Goes Down

    Igby wächst in einer Wohlstandsfamilie auf. Ein glückliches Leben ist ihm jedoch nicht vergönnt. Sein herzensguter Vater ist schizophren und wird nach einem Nervenzusammenbruch in eine Klinik eingewiesen. Seine tyrannische und tablettenabhängige Mutter erzieht ihn und seinen Bruder fortan alleine. Schon früh wird klar, dass Igby seine Mutter verachtet und es genießt, ihr Ärger zu bereiten. Auch das Verhältnis zu seinem konservativ eingestellten Bruder ist angespannt. Nachdem Igby von mehreren Schulen verwiesen wird, schickt seine Mutter ihn zu einer Militärschule. Von dort geflohen, nimmt er eine Tätigkeit bei seinem Patenonkel an. Dieser verspricht ihm einen Neuanfang im Leben, doch ist dies Igbys Weg zum Glück?

    Das Streben nach Glück

    Der Weg zum Erwachsenwerden ist oftmals mit mal kleineren, mal größeren Steinen gepflastert. An Identifikationspotential mit einem desillusionierten und sinnsuchenden Jugendlichen wird es vielen daher nicht fehlen. Unter diesem Gesichtspunkt spielt das soziale Umfeld, welches bei Igby in einer finanziell höherbemittelten Gesellschaftsschicht verortet ist, eine untergeordnete Rolle. Die Tatsache, dass Wohlstand keine Garantie für ein erfülltes Leben ist, dürfte für kaum jemanden überraschend sein. Darüber hinaus bietet Burr Steers Film jedoch keinen Erkenntnisgewinn, welcher über die Handlung hinausgeht und sein Publikum zum Nachdenken anregt. Bei einer Thematik, die sich nah an der Lebensrealität des Publikums orientieren kann, ist dies leider verschenktes Potential. Natürlich muss ein Film nicht zwingend eine einleuchtende Botschaft mitbringen, um überzeugen zu können. Bedauerlicherweise ist dies bei Igby Goes Down nicht gelungen. Zwar dürfte Burr Steers pessimistisches Regiedebüt aufgrund des Humors und seiner Charaktere viele Freunde finden, doch hinsichtlich der Figurenzeichnung bleibt der Film zu eindimensional.

    Igbys Mutter sitzt auf einem Kissen. Darunter die hilflose Haushälterin. Die Mutter hat ihren linken Schuh ausgezogen neben sich liegen. Im Hintergrund des vornehm gestalteten Wohnzimmers liegen ein runter Tisch und ein Stuhl umgestoßen.
    Die Haushälterin muss einiges aushalten @ Justbridge Entertainment

    Zerstörung eines Lebensideals?

    Freunde böser Zungen dürfte dabei das Wasser im Mund zusammenlaufen. Die Figuren begegnen sich häufig mit teils scharfsinnigem Sarkasmus. Igbys Wortfindungen im Umgang mit seinen Mitmenschen aus der gehobenen Gesellschaftsschicht sind treffsicher, und dem Regie-Debütanten Steers gelingt es, durch bissige Dialoge das Interesse an der Figureninteraktion aufrechtzuerhalten und daraus seinen Unterhaltungswert zu schöpfen. Zusätzlich tragen die skurrilen Figuren dazu bei, das Publikum bei Laune zu halten, anstatt sie in Trübsinn zu stoßen. Ein differenzierter skizziertes Umfeld des Protagonisten hätte dem Film jedoch gut getan, statt lediglich auf gebrochene Charaktere zu setzen. Dies wirkt in der Gesamtheit unglaubwürdig und hinsichtlich der Weltauffassung seiner Hauptfigur zu einfach konstruiert. Eine Weiterentwicklung des schwermütigen Charakters von Igby findet kaum statt. Vielmehr ist die Figur zwischen Zynismus und Realitätsflucht gefangen, welche sich nicht auflöst. An dieser Stelle verpasst es der Film, einen Einsichten für Personen zu liefern, die sich in der Figur repräsentiert sehen.

    Jeff Goldblums Figur D.H. im Gespräch mit einer Dame auf der rechten Seite des Bildes. Neben ihm seine Geliebte Rachel.
    Jeff Goldblum versprüht sein Charisma @ Justbridge Entertainment

    Viele Sterne, wenig Licht

    Das ist umso bedauerlicher, da die Figuren großartig verkörpert werden. So stehen Jeff Goldblum und Bill Pullman nach Independence Day erneut gemeinsam vor der Kamera und liefern eine tolle Performance ab. Susan Sarandon blüht in ihrer Rolle als herrschsüchtige Mutter regelrecht auf, und genauso erweist sich Kieran Culkin als Glücksgriff für die Rolle als Titelfigur Igby. Auch wenn ihr Schauspiel einen großen Gewinn für Igby Goes Down sind und es Freude bereitet, ihnen bei ihrem Schauspiel zuzusehen, wirken manche Szenen leider unnötig in die Länge gezogen. Es gelingt dem Regisseur und Autor nicht, in den 93 Minuten Laufzeit auf den Punkt zu kommen. Zudem verfehlen die Szenen größtenteils ihre Wirkung, die Tristesse der Lebenswahrnehmung von Igby zu untermauern. Sowohl Handlung, als auch Figuren sind in der Gesamtheit zu plakativ, um wirklich überzeugen zu können.

    Igby sitzt in Winterkleidung in einem Diner. Vor ihm steht ein großer Eisbecher. Er hat noch nicht bemerkt, dass seine gescheiterte Liebe neben ihm steht und sich zu ihm gesellen will.
    Kalt und süß – Bekommt Igby beides? @ Justbridge Entertainment

    Unser Fazit zu Igby Goes Down

    Mit skurrilen, von ihren Darstellern großartig verkörperten Charakteren und scharfzüngigem Humor weiß Burr Steers Igby Goes Down durchaus zu gefallen. Leider wirkt die pessimistisch gezeichnete Lebenswelt der Hauptfigur zu aufgesetzt, um glaubhaft zu wirken und Interesse zu wecken. Dabei gelingt es Regisseur Burr Steers nicht, einen tieferen Zugang zu der Figur und seinen Erlebnissen zu schaffen. Über ein oberflächliches Identifikationsangebot, dass über Probleme im sozialen Umfeld und der Selbstfindung zum Erwachsenwerden hinausgeht, kommt Igby Goes Down dennoch nicht hinweg. Denn nur in wenigen Momenten schafft es der Film, wirklich ergreifend und aus der Vermengung zwischen Tragik und Humor ein ansprechendes Porträt eines sinnsuchenden Heranwachsenden zu sein. Die Stärken des Films liegen definitiv in den Figuren und Dialogen. Wer dies in Form einer Coming-Of-Age-Tragikomödie sucht, wird hiermit  sicherlich Freude haben. Dennoch, Dialogkino und abgedrehte Charaktere gab und gibt es deutlich besser als in diesem Erstlingswerk.

    Igby Goes Down ist seit dem 20.11.2020 als Mediabook und als Stream verfügbar!


    @ Justbridge Entertainment

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