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    Startseite » Morgen ist auch noch ein Tag
    Filme

    Morgen ist auch noch ein Tag

    Felix Knorrvon Felix Knorr11. April 2024Keine Kommentare6 min Lesezeit
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    In Italien hat der Film die beiden Sommer-Blockbuster Oppenheimer und Barbie geschlagen und kommt mit Verzögerung jetzt nach Deutschland. War der Hype um Morgen ist auch noch ein Tag berechtigt?

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    Poster zu Morgen ist auch noch ein Tag
    Poster zu Morgen ist auch noch ein Tag © Tobis

    Die offiziell Inhaltsangabe von Morgen ist auch noch ein Tag

    Rom, 1946 nach der Befreiung vom Faschismus. Delia (Paola Cortellesi) ist die Frau von Ivano (Valerio Mastandrea) und Mutter dreier Kinder. Zwei Rollen, in die sie sich voller Hingabe fügt. Obendrein bessert sie die Haushaltskasse mit vielen kleinen Hilfsarbeiten auf, um die Familie über Wasser zu halten. Auch der mürrische Schwiegervater (Giorgio Colangeli) muss umsorgt werden. Familienoberhaupt Ivano fühlt sich berechtigt, alle daran zu erinnern, wer der Ernährer ist. Nicht nur mit Worten. Körperliche und psychische Gewalt gehören für Delia zum Alltag. Bis ein mysteriöser Brief eintrifft, der ihr den Mut gibt, alles über den Haufen zu werfen und sich ein besseres Leben zu wünschen, nicht nur für sich selbst.

    Alltagseinöde

    Den Alltag vergessen und von den stetigen Gewohnheiten ablenken. All dies ist in der gefühlten Familiengefangenschaft für Delia nicht möglich. Stets wahrt sie ein freundliches Gesicht gegenüber ihrer Familie, nur um bei dem kleinsten Missgeschick wieder Prügel von Ivano einstecken zu müssen. Für all das Leiden wird die unsichere Ehefrau und Mutter verantwortlich gemacht, als hätte sie den überstandenen Krieg eigenhändig verloren und für die herrschende Armut im Lande gesorgt. Nicht nur im Eigenheim wird sie daran erinnert, dass die Geschlechterrollen klar verteilt sind. Bei dem kleinen Schirmladen, für den sie schon jahrelang Flickarbeiten verrichtet, wird der neu angestellte und unfähige Jüngling prompt besser bezahlt als die erfahrene Mutter. Die offensichtliche und vom Chef ausgesprochene Begründung: ,,Er ist nun mal ein Mann‘‘.

    Die Rollenbilder zu der damaligen Zeit sind eindeutig und müssen daher nicht subtil verhandelt werden. Die Eindeutigkeit bei einem gesellschaftlichen Diskurs wird unvermeidbar. Dass das Thema allgegenwärtig ist und nicht als bloßer Umstand zu einer bestimmten Zeit karikiert wird, besticht in Morgen ist auch noch ein Tag. Doch wieso ergibt es gerade Sinn, eine feministische Abhandlung in das Italien der Nachkriegszeit zu versetzen, wenn nicht historische Figuren, wie etwa die Mathematikerinnen aus Hidden Figures, porträtiert werden?

    Schirmflicker und Fahrraddiebe

    Der Film eignet sich formal und inhaltlich die Mechanismen des Neorealismus an. In schwarzweißen Bildern erzählt er von einer ärmlichen Kleinstadt in Italien, bei der das Leiden der Gesellschaft zu spüren ist. In diesem Mikrokosmos wird durch die Anwesenheit des besetzendem US-Militärs die Gemeinschaft stets an das Vergangene erinnert. Ehemann Ivano referiert immer an die beiden überstandenen Kriege, wenn er sich wieder für seine Ausbrüche entschuldigt. Zentralisiert wird dieser allgegenwärtige Schmerz in dem verlegenen Lächeln der Hausfrau Paola.

    Was nach einer sperrigen und trostlosen Abhandlung klingt, wird durch eine scheinbar widersprüchliche Leichtfüßigkeit und den eifrigen Rhythmus des Filmes gebrochen. Der Historizimus wird durch eine clevere Genre-Mixtur kontrastiert. Damit sei nicht gesagt, dass sich Filme des Italienischen Neorealismus durchweg mit pessimistischen Motiven begnügen. In Vittorio De Sicas Fahrraddiebe, der hier mindestens eine ikonografische Hommage erhält, wird das spielerische Treiben von Antonio und seinem Sohn Bruno mit der ungeschönten Realität vereinbart. Morgen ist auch noch ein Tag blickt auch auf vergangene Epochen der Filmgeschichte zurück.

    © Tobis

    Leichtfüßige Schwere

    Die Römerin Cortellesi vereint in ihrem Erstlingswerk die Genres Drama, Komödie, Musical, Thriller und macht es einem einfach, die Raffinesse dieser Symbiose zu übersehen. Gerade durch besagte Leichtfüßigkeit könnte man missen, dass der Spagat zwischen komödiantischen Einschlägen und aufrichtigem Mitgefühl für die Protagonisten in eine Überdehnung der Gelenke führen kann. Die schlechte Komödie fällt sofort auf, beim schlechten Drama wird trotzdem geweint. Der Film verbindet die Stimmungen spielerisch. Und auch wenn manche Pointe zu auserzählt wird und das Gespür für Gags der Rezipienten unterschätzt wird, darf man subjektiv festhalten: Der Film ist witzig, stellenweise urkomisch.

    Klug konstruiert und bebildert

    Dass Morgen ist auch noch ein Tag nicht als eintönig-alberne und melodramatische Gesellschaftsfarce à la Ziemlich beste Freunde endet, wie es die Trailer suggerieren vermögen, liegt auch an der Konstruktion des Humors: Die Menschen sind sich ihrer schicksalhaften Lage und der Gefangenschaft in Stereotype bewusst. Die Frauen verspotten und beleidigen die (Ehe-)Männer, wenn sie sich derer Abwesenheit sicher sind. Auch das Prügeln der beiden Söhne steht sinnbildlich für ein ganzes Geschlecht und persifliert das absurde, männlich dominierende Machtgehabe des Systems.

    Ebenso visuell lässt der Film kaum Raum für Tristesse aufkommen, auch wenn die Frustration in der Narration zu einem gewünschten Kalkül wird. Eine Tracht Prügel wird als schmissige Musical-Szene inszeniert und die leichtfüßige Schwere wird durch ein herausragendes Suspense-Szenario samt Parallelmontage gekürt. Die klaren Bilder von Kameramann Davide Leone fügen sich der geradlinigen Abhandlung der Geschichte, wobei Varianz durch die spielerischen Elemente erzeugt werden. Dass sich der Film nicht um historische Akkuratesse kümmert, lässt sich vor allem an der musikalischen Untermalung erkennen. Bombs Over Baghdad von OutKast ertönt zu einem Moment, der für die Protagonistin einschneidend ist. Dass die Regisseurin auch die Hauptfigur mimt, wird zu einer Offenbarung: In ihrem Gesicht werden die gesellschaftlichen Strukturen gespiegelt. Doch das Unausgesprochene und die aufkommende Gegenwehr ertönt am lautesten.

    Wandel der Zeit im Schlussbild zementiert

    Die Konstruktion der Handlung wird schließlich, und trotz der cleveren Vereinbarung von Genres und Motiven, zum Mittel für ein übergeordnetes Thema, das auch räumlich als solches dargestellt wird. Hausfrau Paola Cortellesi wird zu einem Gesicht einer Generation und die Stimme für viele Frauen (bzw. FLINTA*) zu einem historischen Zeitpunkt, das gleichzeitig losgelöst wird von jeglicher Vergangenheit. Morgen ist auch noch ein Tag avanciert zu einer gelungenen Abwechslung unter den verbissen-provokanten Feminismus-Filmen der letzten Jahre.

    Die perfekt inszenierte und narrativ ausgeklügelte Täuschung am Ende untermauert besagte Überordnung. Zum Schluss reichen sich gesellschaftliche Umstrukturierungs- und Umdenkprozesse sowie filmische Angleichungen die Hand. Das Bild einer Reihe von Frauen, die sich abschminken. Ein intensiver Blickwechsel zwischen Mutter und Tochter. Es geht nicht um die schnelle Flucht, den schnellen Kampf oder gar eine Zäsur, sondern um gesellschaftliche Reproduktion. Kulturwissenschaftler Thomas Fisher sagte einst über den Kapitalismus: Um Neues zu etablieren, muss Etabliertes immer wieder neu betrachtet werden. Eine Kultur, die nur erhalten wird, ist keine Kultur.

    (Als der Film in Italien im November 2023 seine Premiere feierte, kam es um den Zeitraum herum zu einem Femizid an der 22-jährigen Giulia Cecchettin, der für landesweite Berichterstattung und Empörung sorgte.)

    © Tobis

    Unser Fazit zu Morgen ist auch noch ein Tag

    4 Stark

    Regisseurin Paola Cortellesi legt ein beeindruckendes Filmdebüt hin, das nicht den einfachen Weg eines Melodrams wählt, sondern clever mit Genres und Motiven changiert. Mit vielen zielgerichteten Pointen, einer emotionalen Aufrichtigkeit für die Charaktere und der schmissigen Inszenierung beweist sich Morgen ist auch noch ein Tag als wohlwollender, doch kämpferischer Feminismus-Beitrag.

    Morgen ist auch noch ein Tag läuft seit dem 4. April in den deutschen Kinos.

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