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    Franklin

    Jan Wernervon Jan Werner10. April 2024Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    56 Gründerväter haben einst die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika unterzeichnet. Einige Namen sind bekannter als andere. Einer der berühmtesten ist wohl Benjamin Franklin, dem nun Apple TV+ eine Serie widmet. Wird sie dem Vermächtnis gerecht?

    Poster zur Serie Franklin © Apple TV+

    Franklin – Die Story

    Im Dezember 1776 ist Franklin (Michael Douglas) weltberühmt für seine elektrischen Experimente, aber seine Leidenschaft und seine Macht werden auf die Probe gestellt, als er sich – während das Schicksal der amerikanischen Unabhängigkeit auf dem Spiel steht – auf eine geheime Mission nach Frankreich begibt.

    Basierend auf dem Buch „A Great Improvisation: Franklin, France, and the Birth of America“ der Pulitzer-Preisträgerin Stacy Schiff, erzählt Franklin die aufregende Geschichte des größten Wagnisses in Benjamin Franklins Karriere.

    Historiendrama im typischen Gewand

    Viele Geschichten sind über die Jahrzehnte, in denen auch Franklin wirkte, schon verfilmt worden. Vielen Zeitgenossen wurde schon ein Denkmal gesetzt. Vieles hat man schon gesehen. Und auch wenn Geschichtsunterricht in Spielfilmform mit Sicherheit die Trockenheit schulischer Frontalreferate etwas zu kaschieren weiß, bleibt es trotzdem letztlich ein Genre, indem, wenn man historisch einigermaßen akkurat vorgeht, in den Mitteln und Darstellungsform beschränkt ist. Wie die Menschen gesprochen und sich gekleidet haben ist bekannt, sogar viele Gespräche der Bekanntheiten sind schon wörtlich überliefert. Durch dramaturgische Variation und Zuspitzung der Telegenität Willen riskiert man den Anspruch an die Faktendarbietung zu torpedieren. Da der Rezensent hier kein Geschichtsstudent oder US-Historiker ist, sei es ihm verziehen, wenn er die Serie dementsprechend nicht auf Details in der historischen Abbildung hin analysieren wird. Dennoch soll schon ein Blick darauf geworden werden, wie glaubwürdig man in die Vergangenheit zurückversetzt wird.

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    Im Großen und Ganzen wird recht schnell in Franklin klar, dass es kein allumfassendes biografisches, sondern mehr ein auf eine einzelne Episode im Wirken des Universalgenies bezogenes Projekt ist. Hat sich letztens erst Napoleon daran verhoben ein ganzes Leben in einen Film zu quetschen, geht man hier also diametral den anderen Weg und breitet eine wichtige Lebensstation im Rahmen von ganzen acht Folgen aus. Es wäre auch schade um die tollen Kostüme gewesen, sie lediglich in Spielfilmlänge zu sehen. Denn die Ausstattung ist wirklich gut, die Aufnahmen nicht weit weg von den Kino-Qualitäten des Ridley-Scott-Films über den französischen Feldherren. Lediglich an der ausschweifenden Opulenz und den Massenschlachten fehlt es hier, aber die hat es im Leben des US-Pioniers auch in dieser Form nicht gegeben.

    Douglas überzeugt in angemessener Rolle

    Manchmal schmerzt es schon, wenn ein Schauspieler, wie hier nun Michael Douglas, plötzlich einen greisen Herren mimt, hat man doch noch, als sei es gestern gewesen, die zeitlosen Performances als verführerischer Hollywoodstar vor dem geistigen Auge. Doch das Altern hat nicht nur Nachteile – wenn man es denn annimmt. Und das tut nun endlich auch der Basic-Instinct-Star mit Bravour. Er bringt die Aura ein, die es braucht, um ihm die Rolle eines so bedeutenden Menschen abzukaufen, demütig und doch allzeit aufrecht und mit Stolz. Ganz ohne Charme spielt er natürlich auch diese Rolle nicht, sodass auch die weiblichen Fans immer noch wissen, was sie immer an ihm zu schätzen wussten. Viel wichtiger jedoch ist, dass auch seine Mentoren-Funktion sehr gut herüberkommt und das Zusammenspiel mit Noah Jupe (A Quiet Place) überzeugt.

    Die Serie hat kein hohes Tempo, ist recht stoisch vorgetragen und auf emotionaler Ebene ist es schwer wirklich mitzufiebern. Dementsprechend ist es fast schon logisch, dass auch vereinzelte Comic-Relief-Momente versanden oder ins Leere laufen. Nur wenige der lustig gedachten Szenen, verleiten tatsächlich zu einem kleinen Schmunzler. Die romantischen Einsprengsel hingegen fügen sich dann ganz gut ein und machen die Hauptfiguren etwas nahbarer. Es bleibt am Ende aber dabei, dass man mit ihnen weniger wegen des Skripts mitfühlt, als vielmehr wegen ihrer Besetzung, für die man eben vorab schon Sympathien mitbringt.

    Michael Douglas und Noah Jupe in Franklin © Apple TV+

    Hübscher Vorspann als i-Tüpfelchen

    Bei Apple TV+ hat man anfangs mit tollen Vorspännen gepunktet, da der Stil frisch war. Doch mit der Menge an Ausstrahlungen haben sich irgendwann gewisse Muster der Gestaltung eingestellt, die aus dem anfangs neuen Stil fast schon einen optischen Einheitsbrei gemacht haben. Nun aber kann bei Franklin auch mal wieder ausdrücklich das Intro gelobt werden, denn hier hat man sich eine spannende Visualisierung überlegt, die sehr gut zur Art der Geschichte passt und sich angenehm von den überdrüßigen Mustern abhebt.

    Wer sollte sich Franklin nicht entgehen lassen?

    Fans von Kostümdramen, Historienfilmen und US-Geschichte dürften hier gleichermaßen auf ihre Kosten kommen. Wer Spielbergs Lincoln mochte, bekommt einen weiteren amerikanischen Pionier filmisch angemessen gewürdigt. Und wer von Napoleon enttäuscht war, der kriegt ein Stück weit von Apple TV+ noch bevor die sagenumwobene Langversion des Scott-Films beim Streamer landet, einen Beweise, dass man sehr wohl auch Historienfilm im Repertoire hat. Wer hingegen keinerlei Interesse an derart Filmen hat, braucht auch mit Franklin keinen neuen Anlauf starten, denn dafür ist das Ganze dann doch zu schematisch und überraschungsarm.

    © Apple TV+

    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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