Erinnert sich noch jemand an die Hexen Sally und Gillian Owens, dargestellt von Sandra Bullock und Nicole Kidman? Wenn nicht, muss es einem praktisch wie Magie vorkommen, dass sie nun in Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern auf die Leinwand zurückkehren. Lohnt sich eine Auffrischung der Erinnerung, oder ist auch das Sequel komplett vergessenswert?
Darum geht’s in Practical Magic 2
Seit Generationen lastet auf der Familie Owens ein Fluch, wonach jeder Mann, der sich in eine Frau der Familie verliebt, eines unnatürlichen Todes stirbt. Die Schwestern Sally und Gillian (Nicole Kidman und Sandra Bullock) müssen sich der dunklen Macht ein weiteres Mal entgegenstellen, nachdem diese nunmehr auch Sallys Töchter Kylie und Antonia bedroht. Gemeinsam versuchen sie, einen Weg zu finden, den Fluch endgültig zu brechen
Sequel-Seance
Legacysequels sind für Studios eine verlässliche Einnahmequelle. Bei etablierten Franchises ist das finanzielle Risiko gering, da es eine über Generationen gewachsene Fangemeinde gibt, die bereitwillig auf neue Abenteuer der alten Held:innen wartet. Schwieriger zu kalkulieren sind Fortsetzungen von Stoffen, die so stark mit einem früheren Zeitgeist verbunden sind, dass keiner mehr auf eine Modernisierung wartet. Der Erfolg von Top Gun: Maverick, Twisters, Beetlejuice Beetlejuice oder Der Teufel trägt Prada 2 zeigt jedoch, dass sich ein Sequel trotzdem lohnt, solange das Original ein finanzieller Erfolg war und bis heute positiv im popkulturellen Gedächtnis verankert ist.
Mit Practical Magic 2 wagt sich Warner Bros. an eine Fortsetzung, auf die keines der genannten Attribute zutrifft. Zauberhafte Schwestern aus dem Jahre 1998 fiel trotz der damaligen Zugpferde Sandra Bullock (Bird Box – Schließe deine Augen) und Nicole Kidman (A Family Affair) bei Kritik und Publikum gleichermaßen durch, da dem Genremix der rote Faden fehlte.
Zuviel Hokuspokus
Zwei grundverschiedene Schwestern werden in 100 Minuten mit einem alten Familienfluch, dem Verlust einer geliebten Person, der Angst vor einer neuen Liebe, häuslicher Gewalt und einem Untoten konfrontiert. Inszeniert wurde diese komplizierte Kompilation einzelner Ideen mit der Banalität einer seichten Komödie und dem Tempo eines Indie-Dramas. Diese Tonalität passt nur in wenigen Momenten zum Erzählten und sorgt trotz des überladenen Drehbuchs schnell für Monotonie vor dem Bildschirm. Die prominente Besetzung konnte den Flop nicht mehr aufhalten. Zwei Jahre zuvor sorgte allein der Name Sandra Bullock noch für volle Säle, doch schon kurze Zeit später hatte sich das Publikum an ihrem damaligen Leinwand-Alter-Ego sattgesehen. Ihre Spielpartnerin Nicole Kidman war durch ihre Ehe mit Tom Cruise in den Boulevardmedien dauerpräsent, spielte aber eher in kleineren Produktionen die Hauptrolle. Im Blockbuster-Segment hingegen musste sie sich abermals das Rampenlicht mit anderen Superstars teilen.
Da Nostalgie nun mal die Erinnerung verklärt, brachen die zauberhaften Schwestern über die Jahre ihren Fluch und erfuhren so viel Liebe. So gilt der Streifen heute mitunter – wenn auch nicht in gleichem Maße wie andere 90er-Komödien – als Kultfilm, weshalb wohl letztlich die niedrigste Schwelle gerade noch so überschritten werden konnte, um das späte Fortsetzungswerk zu rechtfertigen.
Allein in den USA prognostizieren Branchenexperten nun ein Einspielergebnis von 100 bis 150 Millionen Dollar. Diese verschwommenen Erinnerungen nutzt Practical Magic 2, um uns mit den neuen und alten Charakteren zu verzaubern.
Charmed – Zauberhafte Schwestern
Man verfällt schnell der Illusion, liebgewonnene Figuren nach Jahren endlich wiederzusehen, obwohl sie uns in Wirklichkeit weder begleitet noch einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Der Trick ist simpel. Statt Charaktere neu zu etablieren, bedient sich das Drehbuch aus dem Fundus allseits beliebter Rom-Com-Archetypen und erzeugt so eine Vertrautheit. Zusammen mit der warmen Inszenierung wird eine emotionale Verbindung mit dem Publikum aufgebaut, die eiskalt ausgenutzt wird.
Wer würde nicht gern die zwei herzensguten alten Tanten, wieder gespielt von Stockard Channing und Dianne Wiest, in ihrem gemütlichen Haus besuchen? Auch Nicole Kidman und Sandra Bullock haben wieder sichtbar Spaß an ihren einstigen Rollen. Ende der 90er machte es noch den Eindruck, dass zumindest Bullock ihrem immer gleichen Rollenmuster überdrüssig war. Doch inzwischen haben sich beide als ernsthafte Schauspielerinnen etabliert und blicken dementsprechend mit Augenzwinkern auf ihre ehemaligen Paraderollen als Mauerblümchen und Vamp zurück. Sie agieren deutlich befreiter miteinander, harmonieren besser und versprühen noch immer ihren unwiderstehlichen Charme.
Besonders Bullock darf in einigen Großaufnahmen zeigen, warum ihr das Publikum damals aus der Hand fraß. Die Neuzugänge Joey King (Bullet Train) und Maisie Williams (The New Mutants) werden stimmig in den Cast eingeführt und fühlen sich nicht wie Fremdkörper an. Solange die Figuren frei miteinander agieren dürfen, funktioniert der Mix aus Emotionen, Drama und Humor. Schade ist nur, dass viele Szenen in dem von Frauen bestimmten Ensemble den Bechdel-Test nicht bestehen. Ihr befreites Spiel endet allerdings, sobald sie von Handlungsfäden gebunden in die eigentliche Geschichte hineingezogen werden.
Das Drehbuch ist verflucht
Diese ist deutlich fokussierter geschrieben und konzentriert sich auf das Brechen des Familienfluches. Dank Voice-over, Rückblenden und Dialogen bleibt einem ein erneutes Anschauen des Originals erspart. Sally hat nach dem Tod ihres zweiten Mannes mit der Zauberei abgeschlossen und verdingt ihren Lebensunterhalt nun als Bibliothekarin. Mit einem ihrer letzten Zaubersprüche hat sie das Gedächtnis ihrer Kinder gelöscht, damit sie ihre magische Vergangenheit vergessen. Dummerweise schützt Unwissenheit vor Strafe nicht, und als Sallys älteste Tochter Kylie (Joey King) ihrem Freund die ewige Liebe schwört, wird dieser Opfer des Familienfluchs.
Der darauffolgenden Schnitzeljagd fehlt es deutlich an Tempo, Spannung und interessanten Orten. Die Handlung nach England zu verlegen, bietet optisch etwas Abwechslung, doch was nützt eine schöne Landschaft, wenn dort oft nur in uninteressanten Innenräumen gefilmt wird? Sally erneut in eine Liebelei zu verwickeln, drosselt zusätzlich das ohnehin schon langsame Erzähltempo. Die Geschichte nimmt sich auch viel zu ernst, obwohl sie über das Niveau einer Telenovela nie hinauskommt.
Ihren Tiefpunkt erreicht sie aber erst im Finale. Der Versuch, etwas Action in den Hexenzirkel zu bringen, scheitert völlig am Können sämtlicher Verantwortlichen vor- und hinter der Kamera. Angedeutet wird dieses Debakel mit Visionen, die aussehen, als ob sie aus dem Vorspann einer billigen TV-Serie aus den 90ern entnommen wurden. Die anschließende Party bringt dann endlich wieder den anfänglichen Zauber zurück. Manchmal reicht es, charmanten Hexen beim Feiern zuzusehen.
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Unser Fazit zu Practical Magic 2
Solange sich Practical Magic 2 auf seine Figuren verlässt, bekommt man eine charmante, aber harmlose RomCom mit ein wenig Fantasy-Einschlag geboten. Der symphatische Cast zaubert etwas Wärme in eine viel zu kalte Welt. Leider wird Regisseurin Susanne Bier noch dazu gezwungen, eine langweilige Geschichte mit einem faden Finale zu erzählen, auf die weder sie noch einer der Darstellenden Lust hat.
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.