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    Filme

    Schachnovelle

    Nico Niroovon Nico Niroo10. März 2022Keine Kommentare8 min Lesezeit
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    Schachnovelle
    Bartok (Oliver Masucci) ist weiterhin in Haft
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    Ein weiteres Mal entführt uns Philipp Stölzl auf einen Dampfer Richtung Amerika. Nur diesmal hat die Reise wenig gemeinsam mit den bunten Musical-Einlagen seines letzten Films Ich war noch niemals in New York und widmet sich eher den düsteren Gefilden eines unruhigen Geistes. Ein wichtiges Stück österreich/deutscher Literaturgeschichte über den buchstäblichen Wahnsinn der Isolation und des Spiels der Könige gleichermaßen. Ob die Umsetzung von Schachnovelle gut funktioniert, erfahrt ihr jetzt.

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    Titel Schachnovelle
    Jahr 2021
    Land Deutschland, Österreich
    Regie Philipp Stölzl
    Drehbuch Eldar Grigorian
    Genre Drama
    Darsteller Oliver Masucci, Birgit Minichmayr, Albrecht Schuch
    Länge 112 Minuten
    FSK ab 12 Jahren freigegeben
    Verleih Arthaus

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    Der Kopf des Hauptcharakters Dr. Bartok (Oliver Masucci) ist im Profil zu sehen. In seinem Profil sind zwei Szenen aus dem Film zu sehen, ein Auto in einer Menschenmenge und ein Schiff auf hoher See. Außerdem ist der Antagonist (Albrecht Schuch) und die Frau von Bartok (Birgit Minichmayr) sind von vorne zu sehen.
    Das Blu-ray Cover von „Schachnovelle“ © StudioCanal

    Die Handlung von Schachnovelle

    Rot-Weiß… Schwarz? März 1938, Österreichs Eingliederung in das nationalsozialistische Deutsche Reich steht kurz bevor. Wie so viele andere hält Dr. Josef Bartok das Unausweichliche nicht für möglich und wie bei so vielen anderen haben die Nazis Verwendung für ihn. Als Vermögensverwalter des Adels wird von ihm verlangt, die Zugangsdaten zu deren requirierten Reichtümern preiszugeben. Zunächst verweigert er jegliche Kooperation und trotzt dem Gestapo-Leiter Böhm. Dessen perfide Foltermethode der vollkommenen Isolation in einem leeren Hotelraum beginnt allerdings zügig die erwünschte Wirkung zu zeigen. Der Zufall will es, dass Bartok eines Tages an ein Schachbuch gerät.

    Kein „Schach-Film“

    Jetzt könnte man den Eindruck gewinnen, dass das Schachspiel im Vordergrund steht, Möglichkeiten des kommunikativen Erlernens blieben Bartok jedoch verwehrt. Mit seinen dokumentierten Partien der Großmeister und in weiten Teilen ohne physische Mittel findet viel in seinem Kopf statt. Wer die Vorlage nicht kennt, könnte hier eine erste Enttäuschung erleben, wenn man einen Film mit klarem Fokus auf das Spiel erwartet. Auch wenn Schach eine große Bedeutung für die Figur besitzt, ist es doch symbolischer Natur und ein Vehikel für Charakterentwicklung und die Sicht auf einen ringenden, isolierten Verstand. Autor Stefan Zweig sagte dazu:

    „ […] bekanntlich erzeugt kein Ding auf Erden einen solchen Druck auf die menschliche Seele wie das Nichts.“

    Keine Partie wird in Gänze evaluiert, kurze Blicke auf das Brett und für den Laien inkohärente Annotationen werden in den Raum geworfen – es ist und soll kein Film sein, der Zuschauende für das Spiel begeistert, wie es Das Damengambit getan hat. Das wäre auch kontraproduktiv für die Geschichte, denn Bartok ist eben alles andere als freiwillig zum Schachspielen gekommen. Innerlich ausgeführte Spiele nicht wie in der Mini-Serie Das Damengambit für optisch ersichtlich zu machen, ist nachvollziehbar. Für den Schachspieler in uns wäre diese Art der Visualisierung ansprechend, der Erzählung würde es hingegen schaden. Bauernopfer von 2014 wäre ein vergleichbareres Drama mit starkem Aspekt auf die turbulente Psyche des Spielenden.

    Die Unterschiede zur Vorlage

    Ganz wie im Buch werden die psychischen Abgründe Bartoks erforscht, jedoch die Perspektive geändert von einem Ich-Erzähler, der von der Bekanntschaft mit Bartok berichtet, hin zu ihm selbst als Protagonist und Mittelpunkt. Das Weichen der Beobachtung durch einen Dritten führt dazu, dass die Folter, der Verfall, die Geschichte in noch größerem Maße an die Nieren geht. Hier ERLEBEN wir das Grauen mit und zwar hautnah.

    Schachnovelle ist keine modernisierte Interpretation des Stoffes wie z.B. Berlin Alexanderplatz (2020) und hält sich im Grundlegenden an die Rahmenhandlung plus Settings: die Transatlantik-Überfahrt, das Hotelzimmer usw.. Doch stilistisch erfährt die Geschichte einige Änderungen. Der Film wagt und gewinnt, indem er sich Zeit nimmt, Bartok als nachvollziehbaren Hauptcharakter zu etablieren.

    So spielen andere prominent ausgeführte Buchcharaktere wie der Schachweltmeister Czentovic oder der schottische Tiefbauingenieur McConnor im wahrsten Sinne des Wortes eine untergeordnete Rolle, andere wiederum, wie Anna Bartok, stoßen neu dazu. Bartok profitiert aber davon und seine neu erdachte Hintergrundgeschichte vor der Verhaftung lässt ihn nahbarer wirken – es konnte jeden treffen. Die glücklichen Momente vor Beginn des Martyriums machen seine Qualen dem Publikum nur noch deutlicher.

    Für die ungeduldigen Zuschauenden kann sich das erste Drittel ziehen, dabei gelingt es auf diese Weise, die ganze Perfidität der Situation gekonnt zu inszenieren. Ein nobles Hotelzimmer? Zimmerservice? Das hört sich doch fast schon zu gut an, oder…?

    Bartok (Oliver Masucci) lehnt links an einer Tür kauernd. Von rechts hinten scheint die Sonne durch ein Fenster. Rechts im Raum stehen ein Sessel im Vordergrund und ein zerwülltes Bett dahinter.
    Bartok (Oliver Masucci) in seinem Gefängnis. © StudioCanal

    Die Wandelbarkeit des Masucci

    Trotz eines hervorragenden Ensembles mit vielen bekannten Gesichtern trägt Masucci den Film fast alleine. Er feuert die komplette Range des Schauspiels ab und legt eine Transformation hin, welche einmal mehr eindrucksvoll beweist, dass wir hier einen der zurzeit besten deutschen Schauspieler bestaunen dürfen. Sein Gesicht durchläuft alle Emotionen. Wie Franz-Josef Böhm sagt:

    „Eine einzigartige Mischung aus Charme und Überheblichkeit.“

    Seine Entwicklung vom reichen intellektuellen Bonvivant zum zitternden Paranoiden wirkt so intrinsisch und real, dass es ein wenig an Klaus Kinskis beste Performances erinnert. Die physische Transformation ist zusätzlich niederschmetternd. Auch wenn er später so außerweltlich agiert, kann man zu jeder Zeit mit ihm mitfühlen und eine Verbindung aufbauen.

    Der doppelte Schuch

    Albrecht Schuch hat sich in den letzten Jahren nicht minder als großartiger Schauspieler hervorgetan. In Schachnovelle nimmt er sogar eine Doppelrolle ein. Sein Franz-Josef Böhm ist ein nach außen hin freundlicher und kulturinteressierter Nazi, wie wir ihn in den letzten Jahren schön häufiger in Filmen gesehen haben. Wenngleich er der Rolle keinen neuen Spin einbauen kann, ist sie nichtsdestoweniger hervorragend verkörpert und erinnert stark an Hans Landa aus Tarantinos Inglorious Basterds: Mit Worten einschmeichelnd, mit Taten grausam.

    Schuch ist ganz sachlich sezierend, immer einen Ausbruch zurückhaltend und mit bewährter Fassung. Die Gefahr, die von ihm ausgeht, wird so noch erhöht. Trotzdem hätte die Figur etwas mehr Screentime gebraucht, um vielschichtiger zu erscheinen und gemeinsamen Auftritten mit Masucci noch mehr Gravitas zu verleihen. Die Zeit, in welcher er zu sehen ist, nutzt Schuch aber vollkommen.

    Der Kniff, den Schachgegner wie den Folterer erscheinen zu lassen, ist sehr gelungen, zumal nicht nur eine visuelle Ähnlichkeit besteht, sondern thematisch Böhm als Kenner des Schachspiels etabliert wurde. Dabei fordert Mirko Czentovic ihn schon deutlich weniger und eröffnet eine Schwäche des Films, nämlich die knappe Charakterzeichnung der Nebenfiguren. Seine Hintergrundgeschichte wird in ein paar Sätzen kurz abgefrühstückt. Die Motivationen der Nebencharaktere sind stets klar ersichtlich, an Profil mangelt es ihnen dennoch. Minichmayr als Anna Bartok z.B. ist in ihren Passagen ausgezeichnet. Gleichwohl fehlt der Performance etwas, um, für sich genommen, in Erinnerung zu bleiben. Die gewählten Ansätze der Figuren sind spannend, aber es sind zu viele, um alle angemessen zu beleuchten. Das starke Ensemble im Gesamten trägt dessen ungeachtet einen großen Teil dazu bei, dass die Neuverfilmung sehenswert ist.

    Durch fast zugezogene Gardinen scheint in der Mitte des Raumes die Sonne auf Böhm (Albrecht Schuch, links) und Bartok (Oliver Masucci, rechts). Böhm steht aufgestützt auf seinen Tisch da und schaut Bartok ins Gesicht. Der schaut zurück, trägt aber Handschellen. Links hinten im Raum sitzt eine Protokollantin.
    Bartok (rechts) im Verhör mit Böhm (Albrecht Schuch, links). © StudioCanal

    Zwei Handlungstränge in Schachnovelle

    Der menschliche Antagonist ist somit stark portraitiert, der unmenschliche – der Wahnsinn – mindestens genauso. Die beiden parallel zueinander laufenden Handlungsstränge auf dem Schiff und in den Flashbacks der Haft sind häufig sehr verwirrend, auch wenn es markante Merkmale zur Identifizierung gibt. Das kann man durchaus kritisieren, für den immer fortschreitenden Wahnsinn passt das aber richtig gut. So verliert man als Zuschauer das Gefühl für Zeit und Realität, also nimmt gleich neben Bartok Platz.

    Der Perspektivenwechsel im Gegensatz zum Buch ist sowohl interessanter als auch irritierender, denn alles – die Menschen, Uhren, Umgebungen – scheinen gegen ihn zu wirken. Alle scheinen ein böses Spiel mit ihm treiben zu wollen.

    Weniger ist mehr

    Innerhalb der Flashbacks im Hotelzimmer gibt es zu viele Eindrücke und zu schnell wird geschnitten, als dass die Isolation ihre wahre Abartigkeit offenbart. Hier wäre weniger mehr gewesen. Weniger Abwechslung, weniger visueller Input, um zu verstehen, was Bartok durchgemacht hat. Das Nichtstun als Foltermethode kann nur mit Ruhe rübergebracht werden, da fühlte sich das Buch klaustrophobischer beim Lesen an.

    Stark ist der Film vor allem in den Szenen, die vom grafischen Horror absehen und sich mehr auf den Horror des Buches beziehen. Wenn Bartok an einem Fenster steht, gen Himmel blickt und man weiß, er hat die Sonne schon ewig nicht mehr gesehen… .

    „Wahnsinnig“ tolle Optik

    Die Kamera ist sehr dynamisch. Gerade gegen Ende sehen wir viele verwackelte, gekippte Bilder und immer mehr Close-Ups. Die Bilder sind zum Teil richtig verstörend, auch weil die Filmadaption auf physische Folter setzt.

    Abgerundet wird die äußere und innere Reise durch die Ausstattung. Kleidung und Zimmer sind ein Sinnbild für den Verfall. Schachnovelle ist ebenso atmosphärisch, wenn es um das Set-Design geht. Die opulenten Sets sind aufwendig, hochwertig und bieten symbolisch und visuell einen schönen Kontrast zu der Gefängniszelle.

    Drei Kronleuchter an der Decke beleuchten einen Ball in vollem Gange. In der Mitte tanzen Bartok (Oliver Masucci) und seine Frau Anna (Birgit Minichmayr). Schachnovelle.
    Bartok und seine Frau Anna (Birgit Minichmayr) genießen das Wiener Leben. © StudioCanal

    Unser Fazit zu Schachnovelle

    Schachnovelle spielt mit Urängsten – Isolation, Einsamkeit, der Verlust von Zeit- und Raumgefühl. Wenn Bartok den Bezug zur Realität langsam aber sicher verliert, gleicht das Drama mehr einem Mystery-Thriller. Die Umgebung und Figuren werden zusehends surrealer, Halt gibt es nur noch im Nichts. Grenzen verschwimmen. Die Persönlichkeit wird gebrochen. Die Bilder erzeugen pure Angst.

    Der eigene Standpunkt der Filmadaption wirkt hier und da etwas aufgebläht, handelt es sich doch um eine recht dünne Vorlage. Ein paar Längen können nicht vermieden werden und so wirkt der Beginn etwas behäbig und das Ende überschlägt sich beinahe. Eine Beschleunigung am Anfang und eine Entschleunigung am Schluss hätte dem Tempo im Allgemeinen gut getan.

    Die neuen Einfälle sind die meiste Zeit über wunderbar umgesetzt, wie z.B. das kontinuierliche Spiel mit Ereignissen und Sprüchen, die im Laufe des Films in einem anderen Kontext wiederholt und aufgegriffen werden. Die eigenen Ideen lassen deutlich mehr Interpretationsspielraum als die Vorlage und so ist der Film für sowohl Leser:innen als auch für Neulinge eine Bereicherung.

    Schachnovelle ist ab dem 10. März auf DVD und Blu-ray verfügbar!


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    © StudioCanal

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