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    Startseite » Shirley
    Drama Filme Historienfilm

    Shirley

    Jan Wernervon Jan Werner24. März 2024Keine Kommentare4 min Lesezeit
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    SHIRLEY. (L to R) Terrence Howard as Arthur Hardwick Jr., Lance Reddick as Wesley McDonald "Mac" Holder in Shirley. Cr. Glen Wilson/Netflix © 2023.
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    Regina King ist zweifelsohne eine exzellente Wahl, um einer bedeutenden Persönlichkeit der US-Geschichte im 20. Jahrhundert ein Denkmal zu setzen. Doch damit Shirley auch als Film funktioniert, muss auch das Drumherum passen. Tut’s das?

    Shirley – Die Handlungsangabe

    Shirley ist das Porträt der politischen Vorreiterin und ersten Schwarzen Kongressabgeordneten Shirley Chisholm, die 1972 für das Präsidentenamt der USA kandidierte. Im Film wird die Geschichte von Chisholms gewagter und bahnbrechender Präsidentschaftskandidatur erzählt.

    Ein mühsamer Kampf gegen festgefahrene Strukturen

    Schon die ersten Szenen von Shirley sind ein Sinnbild dessen, was dieses Biopic in gut zwei Stunden nacherzählt. Chisholm hat nicht nur gegen vorherrschende Geschlechter-  und Rassennachteile gekämpft, sie musste als politische Akteuren auch mit den „Gegnern“ fertigwerden, die jedem frisch gebackenen Idealisten in einem Amt einen Streich durch die Rechnung machen: Bürokratie, Regel-Absurdistan und die ganz normale Vetternwirtschaft. Ach ja, und ums Geld ging es natürlich auch damals schon fundamental, wenn man in der US-Politik wahrgenommen werden und in Entscheiderrolle kommen wollte. Als Abbildung dieses verkrusteten Apparats ist dieses Biopic durchaus gelungen.

    Was jedoch wesentlich entscheidender ist, um sich als Film eine Empfehlung zu verdienen, ist, ob man in dieser Darbietungsform einer porträtierten Persönlichkeit in ihrer Wichtigkeit gerecht wird. Hier ist es einerseits zu loben, dass Netflix einen extrem talentierten Cast zusammengestellt hat, um allein dadurch Thema und Persona Aufmerksamkeit zu garantieren. Andererseits haben sich in den letzten Jahren durch eine Schwämme von Biopics immer mehr strukturelle Uniformen ausgebildet, wodurch sehr schnell der Eindruck entsteht, das lediglich bestimmte Etappen nacheinander abgehakt werden müssen. Da sich inszenatorisch John Ridley hier absolut gar nichts Neues einfallen hat lassen, wird aus Shirley leider wirklich nur eines dieser Standard-Biopics, das durch Schema-F, aber auch durch zu viele erwartbare Plattitüden im Gedächtnis bleiben wird.

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    King is Queen, aber sonst wird’s mau

    Die Biografie von Shirley Chisholm muss definitiv etwas Außergewöhnliches gehabt haben, sonst wäre wohl kaum diese Produktion zustandegekommen. Und wenn man als unvoreingenommener Rezipient liest, dass es sich mit der ersten schwarzen Präsidentschaftskandidaten wirklich um eine historische Zäsur gehandelt hatte, dann erwartet man einen Film voller Inspiration und Motivation in Sachen Emanzipation und Gleichstellung. Das steckt ja auch drin in diesem Film, aber es wird auf die denkbar nüchternste und leider auch klischeehafteste Weise dargeboten, dass die Botschaften fast schon unterminiert werden.

    Würde Regina King nicht qua ihrer Aura dem Ganzen noch ihren Stempel aufdrücken, dann bliebe hier wahrlich kaum etwas außer einer 08/15-Story vom Außenseitertum übrig. Der Look ist genauso tröge wie der Versuch mit afroamerikanischen Subkultur-Elementen dem Film noch eine Lockerheit oder ein ansprechendes Pacing einzuimpfen. Doch auch hier steht gefühlt immer jemand auf der Bremse. Shirley ist beileibe kein schlechter Film, aber es ist das wohl vorhersehbarste Biopic, das man über diese eigentlich so extraordinäre Frau hätte konzipieren können.

    Die „Black History“ verdient besseres

    Das sorgt dann alles in allem dafür, dass es recht schwer fällt, das Geschehen mit voller, gebührender Aufmerksamkeit zu verfolgen. Dabei hat speziell im Themenspektrum Black History in den letzten Jahren zunehmendes Interesse auf sich gezogen, das man entsprechend auch immer wieder zu nutzen vermochte. One Night in Miami, Hidden Figures, jüngst Die Farbe Lila – Für die Repräsentanz gab es immer wieder auch Preise und Nominierungen. Doch mit der uninspirierten Verfilmung Shirley geht man hier fast einen Schritt rückwärts. Denn es wirkt wie eine lieblose Auftragsarbeit, ein mutloses Geschichtsreferat, das konträr zur gewürdigten Persona steht.

    Lucas Hedges ist neben King noch am ehesten bemüht, durch seinen leicht naiven Charakter etwas Witz und Lebensnähe ins Biopic einfließen zu lassen. Doch die anderen großen Namen, leider auch ein Lance Reddick in einer seiner letzten Rollen, verkaufen sich unter Wert, da nahezu der gesamte Cast auf Nummer sicher spielt und die Harmlosigkeit so nochmal Nachdruck verleihen. Es geht um eine beispielhafte, vor allem aber potentiell auch im Wahljahr 2024 inspirierende Lebensleistung einer Frau gegen Widerstände, die heute traurigerweise noch immer nicht gänzlich beseitigt sind. Das macht der Film zu wenig deutlich.

    Regina King als Shirley Chisholm hinter einigen Mikrophonen stehend.
    Regina King als Shirley Chisholm © Netflix

    © Netflix

    Unser Fazit zu Shirley

    2.5 Watchable

    Bei Biopics geht es darum, Personen, die Außergewöhnliches geleistet haben, kennenzulernen. Dabei gilt es aber entweder durch die Inszenierung zu rechtfertigen, warum man nicht besser eine Biografie lesen oder eine Dokumentation schauen sollte. Oder es gilt neue Perspektiven zu eröffnen, Unbekanntes herauszuarbeiten oder einem Thema, das bislang unter dem Radar blieb, mehr mediale Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Shirley gelingt es allenfalls über das Ensemble und die Plattform Netflix der Wichtigkeit gerecht zu werden, nicht aber in der Art und Weise, wie man sich dem selbigen hier angenommen hat. Selten hat sich eine Filmbiografie so nach Routine angefühlt. Wer in relativ kurzer Zeit also etwas über die Person lernen möchte, der kann sich den Film durchaus ansehen. Wer jedoch auch die Prägnanz und Faszination, die dieser Karriere innewohnt, verstehen will, wird nach den knapp zwei Stunden nicht schlauer als zuvor sein.

    Shirley läuft seit dem 22. März 2024 bei Netflix!

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    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

    • Jan Werner
      Wonder Man
    • Jan Werner
      Steal
    • Jan Werner
      Star Trek: Starfleet Academy
    • Jan Werner
      A Knight of the Seven Kingdoms
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