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    Filme

    Snowden

    Jonas Hellrungvon Jonas Hellrung19. Januar 2021Keine Kommentare6 min Lesezeit
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    Edward Snowden starrt nachdenklich in die Lzft und hält einen Zauberwürfel
    In Edward wachsen langsam, aber sicher Zweifel, ob er sich wirklich für das Gute einsetzt © Leonine Distribution
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    In Snowden verkörpert Inception– und Looper-Star Joseph Gordon-Levitt den namensgebenden Whistleblower, der die Machenschaften einiger weltweit agierender Geheimdienste publik machte. Erwartet uns nur wieder ein weiteres Biopic oder hat der Film einige Überraschungen auf Lager?

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    Edward Snowden steht vor einer Wand und sieht den Zuschauer an, vor ihm steht der Titel des Films
    Offizielles Poster zu Snowden © Leonine Distribution

    Worum geht’s in Snowden?

    In einem Hotelzimmer in Hongkong, hinter vorgezogenen Gardinen treffen sich vier Menschen, die geheime Informationen im Bezug auf weltweit agierende Geheimdienste austauschen. Neben zwei Journalisten und einer Kamerafrau ist auch der Amerikaner Edward Snowden anwesend, der sich aktuell auf der Flucht vor seinem eigenen Arbeitgeber befindet: Dem amerikanischen Geheimdienst NSA. Wie es dazu kam, erzählt er den Akteuren vor Ort im Laufe seiner Ausführungen.

    Nachdem der geniale Informatiker nämlich sämtliche Aufnahmetests der CIA mit Bravour besteht, wird er in den Geheimdienst der USA aufgenommen. Dort geht er seiner Arbeit in dem Glauben nach, seinem Heimatland einen wichtigen Dienst zu erweisen und die Bevölkerung vor Bedrohungen aus dem Ausland zu schützen. Nachdem er aber bei einem Einsatz in Europa direkt mit den fragwürdigen Methoden seines eigenen Geheimdienstes konfrontiert wird, wachsen in Edward die Zweifel. Auch wenn er zunächst nicht glauben will, welche Macht CIA und NSA über die Weltbevölkerung haben, wird Snowden nicht zuletzt durch den Austausch mit seiner regierungskritischen Freundin selbst immer skepischer und wird bald eine Entscheidung treffen, die weltweite Konsequenzen haben wird.

    Edward Snowden starrt nachdenklich in die Lzft und hält einen Zauberwürfel
    In Edward wachsen langsam, aber sicher Zweifel, ob er sich wirklich für das Gute einsetzt © Leonine Distribution

    Detailreich und nachvollziehbar inszeniert

    Da sich Snowden mit einigen ziemlich komplizierten Vorgängen befasst, könnte der Film auf einige abschreckend wirken. Glücklicherweise kann hier Entwarnung gegeben werden: Oliver Stone inszeniert sein Biopic über den wohl bekanntesten Whistleblower aller Zeiten sehr zugänglich und erklärt die komplexen Gegebenheiten stets anschaulich. Dabei schafft er den Spagat, die angesprochenen Details nicht zu trivial wirken zu lassen oder wichtige Handlungselemente unter den Tisch zu kehren. Genauso muss ein Film, der sich einem solchen Thema verschrieben hat, vorgehen. Immerhin geht die weltweite Überwachung der Geheimdienste uns alle etwas an, und es gibt kaum eine verständlichere Methode, sich die genauen Gegebenheiten zu Gemüte zu führen, wie Snowden.

    So führt der titelgebende Protagonist bei seinen oft durch Monolog oder Dialog geführten Erklärungen einige anschauliche Beispiele an, um den Zuschauer den Sachverhalt klar verständlich zu machen. Und auch die visuelle Ebene wird für die Erläuterungen benutzt: Durch einige ziemlich eindrucksvolle CGI-Sequenzen wird uns die Tragweite des Informationsnetzwerks und die Bedeutung für das alltägliche Leben bewusst gemacht, die sowohl optisch als auch stilistisch ziemlich beeindruckend sind. Natürlich haben wir hier mit Snowden trotzdem einen Spielfilm vor uns, und einige Personen oder Details wurden zugunsten einer kohärenten und filmischen Handlung verändert oder dramatisiert. Dennoch geht der Streifen stets kritisch und detailreich vor, sodass man nie einen faden Beigeschmack von Hollywood-Klischee verspürt.

    Edward sitzt an einem Laptop und einer Antenne in einem Garten
    Snowden bleibt stets glaubwürdig und detailreich © Leonine Distribution

    Nicht innovativ, dafür aber effektiv

    Das gilt zumindest für das Kernstück des Films, also den Umgang mit der tatsächlichen Abhöraffäre. Allerdings ist der Großteil der Charaktere nicht unbedingt der Gipfel der Kreativität: Das unentschlossene Genie zwischen zwei Mentoren, der Befehle ausführende Kollege mit dem Herz am rechten Fleck, der übercoole Hacker mit fragwürdigem moralischen Kompass… Das hat man alles schon mal in der einen oder anderen Form gesehen. Dennoch führt Snowden die leicht klischeebeladenen Stereotypen ordentlich aus und übertreibt es nicht mit den abgedroschenen Charakteren. Das ist alles nichts bahnbrechend Neues, schlimm ist das aber auch nicht. Immerhin geht es im Film ja auch nicht um die Tiefe der Figuren, sondern welche Einstellungen sie verkörpern und wie sie auf den Protagonisten einwirken.

    Tatsächlich sind sogar einige Charaktere in Snowden überraschend vielschichtig. So entpuppt sich etwa die anfangs unfassbar kitschige Lovestory als ziemlich ernste und glaubwürdige Angelegenheit, bei der man mit beiden Parteien ernsthaft mitfühlen kann. Untermalt wird das alles von einem sehr ordentlichen Schauspiel, angeführt vom perfekt gecasteten Joseph Gordon-Levitt. Die Rolle wirkt ihm förmlich auf den Leib geschneidert und genauso spielt er sie auch. Gerade in den Szenen gegen Ende, in denen Edward komplett paranoid wird und niemandem mehr vertrauen will, kommt das Talent des Hollywood-Stars zum Vorschein. Der restliche Cast bewegt sich zwar etwas unter seinem Niveau, kann aber ausnahmslos überzeugen und fügt sich gut ins Gesamtbild ein. Sogar Nicolas Cage bleibt in einer kleinen Nebenrolle eher auf dem Boden der Tatsachen, was auch mal eine willkommene Abwechslung ist.

    Lindsay und Edward lächeln sich an, sie sieht sich gerade ein Foto von ihm an
    Die Liebesgeschichte zwischen Edward und Lindsay hält einige Überraschungen parat © Leonine Distribution

    Alte Stärken, alte Schwächen

    Snowden ist ein astreines Biopic durch und durch. Das hat natürlich einige Vorteile: Immerhin werden pikante Sachverhalte basierend auf dem realen Leben behandelt. Somit wird ihnen die richtige Tragweite verliehen und wir als Zuschauer können sie jederzeit ernstnehmen. Allerdings bleibt die Unterhaltung zugunsten dieses informativen Ansatzes etwas auf der Strecke. Zwar bemüht sich der Film immer wieder, das Geschehen etwas aufzulockern und Spannung oder Staunen zu verursachen. Das geschieht etwa durch die bereits angesprochenen CGI-Sequenzen oder aber einige Stilmittel, die man eher aus dem Thriller- oder Agentengenre kennt.

    Und das alles macht Snowden auch keinesfalls schlecht, nur eben irgendwie auch nicht wirklich besonders. Nicht zuletzt aufgrund des Medienechos, welches die Geschichte des Whistleblowers verursacht hat, ist man als Zuschauer zumindest in Teilen mit der Handlung oder zumindest mit ihrem Ausgang vertraut. Dadurch kann selten wirklich Spannung aufkommen, was die Thriller-Passagen etwas gekünstelt wirken lässt. Immerhin unterhalten diese Passagen allemal, sodass der Film zu keinem Zeitpunkt zu einer Dokumentation umschwenkt.

    Ein hochrangiger NSA-Agent zeigt Edward wichtige Daten auf einem Tablet
    Snowden wäre gern ein packender Agenten-Thriller, scheitert aber aufgrund seiner eigenen Prämisse © Leonine Distribution

    Unser Fazit zu Snowden

    Einen derart komplexen Sachverhalt in all seinen Facetten in einen einzigen Kinofilm zu bannen, ist keine leichte Aufgabe. Glücklicherweise ist Biopic-Experte Oliver Stone diese Aufgabe mit Snowden aber gelungen, wenn auch mit einigen Abzügen. So kann der Film besonders überzeugen, wenn es um die tatsächlichen Sachverhalte und deren Vermittlung an den Zuschauer geht. Und auch das Schauspiel aller Beteiligten, allen voran des wie die Faust aufs Auge passenden Joseph Gordon-Levitt, kann sich jederzeit sehen lassen. Allerdings lässt der Film bei seinen Figuren etwas nach und scheitert an dem Versuch, trotz einer weltweit bekannten Geschichte künstlich Spannung aufbauen zu wollen. Alles in Allem ist Snowden aber ein durchaus unterhaltsamer und informativer Blick hinter der Kulissen der NSA-Affäre und eine Empfehlung für alle, die sich noch einmal näher damit befassen wollen oder einfach eine Schwäche für toll inszenierte Biographien haben.


    © Leonine Distribution

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