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    Vesper

    Jan Wernervon Jan Werner26. September 2022Keine Kommentare4 min Lesezeit
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    Vesper in einer Kammer voller Leuchten.
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    Eine spannende, paneuropäische Science-Fiction-Produktion aus Litauen, Belgien und Frankreich sticht beim /slash Filmfestival 2022  allein schon wegen der Hintergründe heraus. Ist Vesper aber tatsächlich auch ein gelungener Genrebeitrag, den man sich auf die Watchlist packen sollte?

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    Vesper läuft durch den Sumpf. Vor ihr schwebt ihr Droide.
    Vesper im Sumpf mit ihrem Begleiter © 2022 CONDOR

    Vesper – Offizielle Handlungsangabe

    In einer desolaten Zukunft thronen gigantische Bauwerke der Reichen und Mächtigen, genannt Citadels, über den Besitzlosen. Eine von ihnen ist die junge, vife Vesper, die sich um ihren gelähmten Vater kümmert und nach Wegen sucht, ihrer trostlosen Situation zu entkommen. Als in der Nähe ein Raumgleiter bruchlandet und sie darin eine junge Frau findet, die gerade auf dem Weg zu einer Citadel war, sieht Vesper ihre Chance gekommen.

    Stimmiges World Building – auch ohne großes Budget

    Das litauische Regieduo Kristina Buožytė und Bruno Samper kreiert in seinem englischsprachigen Debüt Vesper eine beeindruckende Science-Fiction-Welt. Mit minimalen Mitteln produziert, überzeugt die Optik, da man sehr wenig CGI und sehr viel praktische Effekte verwendet. Es gelingt eine dystopische und doch märchenhaft-schöne Postapokalypse zu erschaffen, die sich optisch irgendwo zwischen H.P. Lovecraft und Neill Blomkamp einpendelt. Tonal hingegen kann man das Endzeitmärchen irgendwo zwischen The Road, Tales from the Loop und dem Literaturklassiker Herr der Fliegen einordnen. Die düster-zukünftige Welt, die hier in kürzester Zeit vorgestellt wird, ist um Längen stimmiger als beispielsweise in der letztjährigen Netflix-Serie Tribes of Europa, trotz oder gerade weil man sich der Vorbilder stets bewusst ist und diese auf kreative Art und Weise neu zusammensetzt.

    Ein Zukunftsmärchen mit emanzipatorische Botschaft

    Die Geschichte ist insgesamt auch recht reduziert, aber eben auch fokussiert. Es geht um die Titelfigur, die die Frage nach Hoffnung in diesem tristen Zukunftsbild quasi in Persona abbildet. Dabei spielt dann die Freundschaft zu der mysteriösen Camellia, die mit außergewöhnlichen Fähigkeiten die Karten zwischen der unterdrückten Klasse und den Bewohnern der Citadels neu mischt, einen entscheidenden Part im Prozess der Emanzipation von Vesper. Die Verbindung zwischen ihr und ihrem Vater ist der emotionale Anker innerhalb der Geschichte und Eddie Marsan darf als klar definierter Antagonist ausnahmsweise einmal einen Charakter spielen, den man als Zuschauer:in in jeder Szene mehr hassen lernt.

    Große Maschinen über Feldern in Nebel getaucht.
    Große Maschinen in der zerstörten Landschaft © 2022 CONDOR

    Da die junge Raffiella Chapman als Protagonistin eine klasse Leistung mit reichlich Fläche zum Mitfühlen abliefert, sitzen die entscheidenden Szenen in Vesper und sorgen für die ein oder andere Träne im Augenwinkel. Als Kontrast zu der emotionalen Darbietung von Chapman, ergänzt Rosy McEwen als eher unterkühlter Gegenpol das Gespann perfekt. Die Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden jungen Frauenfiguren ist absolut nachvollziehbar und stark gespielt. Die kompakte Geschichte mündet damit dann am Ende auch in einem konsequenten Schlussakt, der zwar nicht als Paukenschlag in Erinnerung bleiben wird, aber alles in allem das Grundmotiv des Films zu unterstreichen weiß: es gibt doch noch Hoffnung.

    Schöne Gestaltung optisch und auch musikalisch

    Das Produktionsdesign ist im Rahmen des Budget über jeden Zweifel erhaben. Die Kostüme sind schön gestaltet, die einzelnen CGI-Elemente grundsolide umgesetzt und auch liebevoll und stimmig erdacht. Die ein oder andere Kreatur ist sogar leicht gruselig bis verstörend, sodass man sich auch deutlich von anderen Young-Adult-Stoffen abzugrenzen weiß. Nichtsdestotrotz ist die Coming-of-Age-Komponente omnipräsent – auch in der märchenhaften, leicht cyberpunkigen Gestaltung, die ein bisschen Tim-Burton-Vibes versprüht. Die Ausstattung ist ebenfalls lobenswert und die Wahl der Wald-Drehorte zeugt auch vom Gespür der Macher für atmosphärische Settings. Als i-Tüpfelchen gibt es noch einen traumtänzerischen Score on top, der das Gesamtbild so abrundet, dass das Publikum für anderthalb Stunden sich gerne in diese eigentlich trostlose Welt entführen lassen wird.

    Vesper in der zerstörten Welt mit verschleiertem Gesicht.
    Vesper in der zerstörten Welt mit verschleiertem Gesicht © 2022 CONDOR

    Unser Fazit zu Vesper

    Vesper ist ein kleines, aber liebevolles Science-Fiction-Abenteuer, das ohne große finanzielle Mittel eine stimmige Postapokalypse aufzuziehen weiß. Die Jungdarsteller sind fantastisch gecastet und optisch, wie atmosphärisch können sich einige deutlich teurere Produktionen hiervon ein Scheibe abschneiden. Wer ein Faible für Young-Adult-Fantasy hat, sollte diese Indie-Perle genauso auf dem Zettel haben, wie Fans von Lovecraft’schen Welten und Tim-Burton-Filmen.

    Vesper läuft im Programm des Slash Festival 2022. Stand jetzt wird der Film am 6. Oktober im Kino landen.


    © 2022 CONDOR

    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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