Im Dezember 2020 verstarb David Cornwell, besser bekannt als der weltberühmte Spionageautor John le Carré. Nun widmet sich Oscar-Preisträger Errol Morris dem geheimen Leben des ehemaligen Spions und Autors. Wird Der Taubentunnel Licht ins Dunkle bringen?
Titel | John le Carré: Der Taubentunnel |
Jahr | 2023 |
Land | Großbritannien |
Regie | Errol Morris |
Drehbuch | Errol Morris |
Genre | Dokumentation |
Darsteller | John le Carré |
Länge | 92 Minuten |
Altersempfehlung | keine Angabe |
Streamingdienst | AppleTV+ |
Die offizielle Handlung zu Der Taubentunnel
In Der Taubentunnel lüftet Errol Morris den Vorhang über das bewegte Leben und die Karriere des ehemaligen britischen Spions David Cornwell – besser bekannt als John le Carré, Autor klassischer Spionageromane wie Der Spion, der aus der Kälte kam, Dame, König, As, Spion und Der ewige Gärtner. Der Film spielt vor dem turbulenten Hintergrund des Kalten Krieges bis in die Gegenwart und umspannt sechs Jahrzehnte, während le Carré sein letztes und offenstes Interview gibt, unterbrochen von seltenem Archivmaterial und dramatisierten Vignetten.
AppleTVs überzeugender Produktionswert
Auch in Der Taubentunnel beweist Apple TV+ abermals, dass sie immer mehr zu einer Institution für Porträts bekannter Persönlichkeiten werden. Angefangen mit den Beastie Boys, über Boris Becker und Michael J. Fox, und nun zu John le Carré. Die Porträts dieser Figuren sind schillernd, aber auch sehr privat und von ruhiger Natur. Das hebt die Apple TV+-Dokumentation momentan besonders hervor. Filmschaffende erhalten die Chance, ein umfassendes Bild ihrer Protagonisten zu zeichnen und sich im inszenatorischen Stil als Regisseure zu beweisen.
Wie auch bei den Vorgängern der Eigenproduktionen stecken die Beteiligten sehr viel Arbeit in die Recherche und die Ausarbeitung von Archivmaterial, um dem Publikum eine Reise in die Vergangenheit zu ermöglichen. Im Fall von le Carré sind diese Aufnahmen faszinierend, weil sie die Vielschichtigkeit seiner Arbeit zeigen. Das geschieht nicht nur anhand der Adaptionen seiner Romane, sondern auch mithilfe privater Aufnahmen und Bildern aus seiner Zeit als Spion. Dies vermittelt eine Nähe zu einer Person, die für Regisseur Morris nie wirklich greifbar war, aufgrund der vielen Geheimnisse, die sie umgaben.
Eine weitere Stärke sind die Szenen, in denen Darsteller eingesetzt wurden, um bestimmte Erzählungen le Carrés als Reenactments nachzustellen. Diese sind hochwertig produziert, gedreht und geschnitten. Sie könnten problemlos in vielen modernen Agentenfilmen Verwendung finden. Obwohl dieses Stilmittel bereits in vielen modernen Dokumentarfilmen und -serien verwendet wurde, sticht hier die herausragende Qualität hervor. Manchmal vergisst man zwischendurch sogar, dass man eine Biographie dokumentiert bekommt.
John le Carré: Der Mann, der den Verrat liebte
In diesem Film kommt nur eine Person wirklich zu Wort: die titelgebende Hauptfigur. John le Carré ist bekannt als jemand, der selten Interviews gab, sehr zurückgezogen lebte und nicht viel von sich preisgab – außer seiner Bücher. Dies ist keine Überraschung, wenn man bedenkt, dass er selbst als Spion hinter feindlichen Linien gearbeitet hat. Hier bekommen wir nicht nur Einblicke in das Leben des Autors le Carré, sondern vielmehr einen authentischen Blick auf das Leben des Menschen David Cornwell.
Errol Morris, der in seiner Karriere bereits andere mächtige Berühmtheiten wie Robert McNamara und Donald Rumsfeld befragen durfte, sitzt diesmal mit einer Person zusammen, die er sehr schätzt und respektiert. Dies zeigt sich sehr eindrücklich in ihren Interaktionen. Cornwell selbst zeigt sich von seiner höflichen Seite, wie es ein guter britischer Gentleman eben tut, und es gelingt ihm dadurch, das Publikum für sich einzunehmen, das Interesse aufrechtzuerhalten und den Eindruck zu vermitteln, dass alles, was er erzählt, der Wahrheit entspricht.
Hier liegt auch das Hauptthema seiner Geschichte: Was bedeutet es, aufrichtig zu sein? Ist es möglich, authentisch zu leben? Er, der sein Leben damit verbracht hat, Menschen zu täuschen, zu belügen und zu verraten, sich für jemand anderen auszugeben und darauf bedacht ist, dass jemand anderes ihm vertraut und sich ihm öffnet, spielt mit dieser Idee. Dies gilt nicht nur in seiner fiktiven Welt, sondern auch in seiner eigenen Realität. Der Autor selbst setzt diese Überlegungen nach seiner Spionagekarriere in die Tat um, indem er John le Carré als Pseudonym verwendet. Dieses verschleiert erneut seine Persönlichkeit und öffnet ihm neue Türen, um Menschen und die Welt auszutricksen.
Unser Fazit zu Der Taubentunnel
Letztendlich gelingt Morris und Apple ein Volltreffer mit dieser Dokumentation. Das geheime Leben von John le Carré als Spion und Autor zu ergründen ist tatsächlich so spannend, wie es sich zunächst anhört. Aufmerksame Zuschauer hängen an den Lippen des Autors und hinterfragen, ob er in seinen Worten wirklich so ehrlich bleibt, wie er selbst wiederholt betont. In 90 Minuten gelingt es den Beteiligten, ein umfassendes Bild des alten Spions zu präsentieren, das temporeich und bewegend vom Protagonisten selbst erzählt wird. Er diktiert dieses große Schachbrett, das sein Leben repräsentiert, bestimmt die Geschwindigkeit, den Lauf und die Wahrheit. Ein faszinierendes Porträt einer ebenso faszinierenden Person.
John le Carré: Der Taubentunnel läuft ab dem 21. Oktober 2023 bei AppleTV+!
Unsere Wertung:
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