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Masters of the Air

Steven Spielberg hat nicht viele Serien mitverantwortet, aber die wenigen Projekte hatten es jeweils in sich. Nun kommt eine weitere Weltkriegs-Saga im Serienformat zu Apple TV+, für die Spielberg als Produzent fungierte. Funktioniert Masters of the Air genauso gut wie die geistigen Vorgänger?

MASTERS OF THE AIR Trailer German Deutsch (2023) Apple TV+ / @FilmtoastDE

TitelMasters of the Air
Jahr2023
LandUSA
RegieAnna Boden, Cary Joji Fukunaga, Tim van Patten, Ryan Fleck, Dee Rees
DrehbuchJohn Orloff, Graham Yost
GenreSerien (Kriegsfilm)
DarstellerAustin Butler, Callum Turner, Anthony Boyle, Nate Mann, Barry Keoghan, Rafferty Law, Edward Ashley, Jonas Moore, Elliot Warren, Matt Gavan, Branden Cook, Josiah Cross, Ncuti Gatwa
Länge9 Folgen mit je ca. 45 – 60 Minuten
Altersempfehlungab 16 Jahren freigegeben
StreamingdienstApple TV+
Einige Soldaten der Luftwaffeneinheit auf einem Feld mit Traktoren. Masters of the Air
Soldaten und Kameraden © Apple TV+

Masters of the Air – Die Story

Masters of the Air ist eine Hommage an die tapferen Männer der 8th Air Force, die durch ihren Mut und ihre Bruderschaft dazu beigetragen haben, Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg zu besiegen“, sagte der ausführende Produzent Gary Goetzman. „Tom und Steven wollten schon immer das filmisch darstellen, was unser Autor Don Miller als ‚einzigartiges Ereignis in der Geschichte der Kriegsführung‘ bezeichnet hat. Wir sind begeistert, dass Apple TV+ uns die Möglichkeit gegeben hat, die Bemühungen so vieler talentierter Menschen vor und hinter der Kamera zu vereinen, um diese wichtige Geschichte zu erzählen.

Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Donald L. Miller und dem Drehbuch von John Orloff, folgt Masters of the Air den Männern der 100th Bomb Group (die „Bloody Hundredth“), die gefährliche Bombenangriffe über Nazi-Deutschland fliegen und mit den eisigen Bedingungen, dem Sauerstoffmangel und dem puren Horror des Kampfes in über 7.500 Metern Höhe konfrontiert sind. Die Darstellung des psychologischen und emotionalen Preises, den diese jungen Männer zahlen mussten, als sie halfen, Hitlers Drittes Reich mit all seinen Gräueln zu zerstören, steht im Mittelpunkt der Apple TV+-Serie. Einige dieser Männer wurden abgeschossen und gefangen genommen, andere verwundet oder getötet. Und einige hatten das Glück, nach Hause zu kommen. Unabhängig von ihrem individuellen Schicksal mussten sie alle einen hohen Tribut zahlen.

Band of Brothers, The Pacific, Masters of the Air

Band of Brothers hat inzwischen mehr als zwanzig Jahre auf dem Buckel, befindet sich aber immer noch unter den besten Serien aller Zeiten (laut IMDB) und gilt gemeinhin als zeitloses Serienmeisterwerk. Auch das Pendant zur Erzählung auf dem europäischen Festland, The Pacific, die sich den Schlachten des zweiten Weltkriegs im Pazifischen Ozean widmete, ist eine Miniserie mit Kultstatus. Für die beiden Kriegs-Epen zeichneten Spielberg und Tom Hanks als Produzenten verantwortlich. Nach einigen Jahren wird nun quasi durch eine weitere Perspektive des zweiten Weltkriegs eine Serien-Trilogie vervollständigt. Masters of the Air basiert wie die geistigen Vorläufer auf biografisch-angehauchten Vorlagen und verlegt das Geschehen in den Luftraum.

Auch wenn die beiden Erstlinge bis heute gut funktionieren, ist doch fraglich, ob man auch Anno 2023 die Ausgangsmaterialien genauso verfilmen würde wie damals. Die neue Apple TV+-Miniserie versucht nun aber genau das: Klar ist der Aufwand nochmal größer, die technischen Möglichkeiten haben sich verbessert und auch der Anspruch an Kriegsfilme ist nicht mehr der gleiche, aber dennoch beweist die Herangehensweise an die neue Show, dass Spielberg einfach versteht, losgelöst von Moden und Trends, packende Geschichten zu erzählen. Im Umkehrschluss heißt dies aber auch, dass man hier keine neuen Interpretationsansätze erwarten darf, sondern lediglich logistisch neue Perspektiven und neue Handlungsträger.

Barry Keoghan in Masters of the Air
Barry Keoghan in Masters of the Air © Apple TV+

Leicht verklärtes Kriegsgeschehen…

Nicht erst Der Soldat James Ryan wurde immer wieder vorgeworfen, es mit dem Pathos an der ein oder anderen Stelle zu übertreiben. Viele Kriegsfilme und -serien zeichnen Heldengeschichten in einem Setting, indem eigentlich keiner gänzlich frei von Fehlern und Schuld ist. Speziell Hollywood-Produktionen haben immer wieder „ihre“ nationalen Helden überhöht dargestellt und sind in simple Schwarzweiß-Schemata verfallen. Es gibt fantastische filmische Abhandlungen kriegerischer Auseinandersetzungen und der Folgen der Teilnahme am Kriegsgeschehen auf die Psyche. Die unterhaltsameren Genre-Vertreter sind jedoch zweifelsohne die Formate, die in Sachen Dramaturgie etwas dick auftragen und die ein oder andere Schattenseite zum Nebensatz degradieren.

Was die meisten von Spielberg beeinflussten oder sogar produzierten Weltkriegs-Geschichten eint, ist die Betonung der kameradschaftlichen Aspekte, des Zwischenmenschlichen. Eine gewisse Heroisierung nimmt man dann als Zuschauer gerne in Kauf, denn mit solch typischen Spielberg-Charakteren kann man einfach besser mitfühlen. Band of Brothers zog seine Emotionen aus der Nahbarkeit der Charaktere, die man quasi von der Grundausbildung an begleiten durfte – und dabei auch ein Stück weit die psychischen Auswirkungen auf die unterschiedlichen Seelen miterlebte.

… mit Hochglanz-Optik und Starbesetzung

Apple hat in diese neun Folgen kolportiert knapp 300 Millionen Euro investiert. Das Geld sieht man, im Gegensatz zu vielen Netflix-Titeln, denen man vergleichbare Budgets nachsagt, der Produktion auch wirklich an. Die Luftschlacht-Action sieht bombastisch aus, wenngleich man nicht ganz so immersiv mit im Cockpit sitzt wie bei Top Gun: Maverick. Die Ausstattung ist überragend und authentisch und die Effekte sind sehr ansprechend. Eigentlich sollte man auch diese Miniserie auf einer großen Leinwand sehen.

Vor und hinter der Kamera konnten die Produzenten enormes Potenzial versammeln – und weitestgehend auch abschöpfen. Schade ist zwar, dass man von den namhaften Regisseuren wie No-Time-To-Die-Macher Fukunaga kaum eine Handschrift erkennt, aber handwerklich kann man hier keine groben Schnitzer unterstellen. Lob verdienen sich allerdings die Darsteller, die hier in nicht zu unterschätzende Fußspuren traten. Noch heute profitieren die Band-of-Brothers-Schauspieler vom Renommee, das sie durch ihr Mitwirken dort aufbauen konnten. In Masters of the Air hat man gefühlt schon „fertigere“ Stars gecastet. Austin Butler war als Elvis oscarnominiert, Barry Keoghan hat mindestens in einem halben Dutzend Kritikerlieblinge für Aufmerksamkeit gesorgt und Ncuti Gatwa ist immerhin in Barbie aufgetreten und wird bald seinen Einstand in Dr. Who geben. Herausstechen aus dieser Riege tut keiner, aber das wäre auch dem Kameradschaftsgedanken der inoffiziellen Trilogie entgegengestanden.

Wer sollte sich Masters of the Air nicht entgehen lassen?

Natürlich darf jeder Fan von Band of Brothers und The Pacific sich diesen Quasi-Abschluss nicht entgehen lassen. Darüber hinaus sind im Text schon einige weitere Referenzen erwähnt worden. An dieser Stelle sollen daher ausnahmsweise ein paar Tipps angebracht werden, die man sich im Anschluss an Masters of the Air ansehen sollte, wenn man bestimmte Aspekte in einer anderen Tonalität sehen möchte. Catch-22 beispielsweise ist eine Serie, die inhaltlich eine ähnliche Geschichte aufbereitet. Auch dort geht es um Flieger, die Einsätze über Nazi-Arealen fliegen, doch die eher satirisch angelegte Miniserie verdeutlich drastisch die Sinnlosigkeit mancher Kriegsaktionen und legt den Finger in die Wunde.

Erst im Jahr 2022 gab es beim BBC und hierzulande dann 2023 bei Paramount+ eine weitere Serie, die ebenfalls in erster Linie von Weltkriegs-Piloten erzählt, aber auch einen eher sarkastisch bis zynischen Ton anschlägt: SAS: Rogue Heroes. Die Geschichte dort hat auch eine Tiefe zwischen den Zeilen und stimmt trotz anachronistischer Elemente, wie dem Einsatz von ACDC-Musik, nachdenklich.

Unser Fazit zu Masters of the Air

Tolle Bilder, spannungsgeladene Actionszenen, eine klasse Ensemble-Leistung und das typische Spielberg-Feeling. Masters of the Air liefert, was man bei all den Zutaten erwarten durfte und das in der Apple TV+-Qualität. Die Serie spart nicht an brutalen Bildern und ist damit auch wieder kein Programm für junge Zuschauer. Um sich jedoch vollends darauf einlassen zu können, sollte man schon ein Faible für Flieger-Action mitbringen, denn die Show macht ihrem Titel alle Ehre und spielt zu großen Teilen in der Luft und in den engen Cockpits.

Masters of the Air startet am 26. Januar 2024 bei Apple TV+ mit zwei Folgen und geht danach im Wochenrhythmus weiter!

Unsere Wertung:

 

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