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Mulan (Yifei Liu) in traditionell rotem Gewand, mit Schwert in kämpferischer Pose.

Mulan (2020)

Mit Mulan (2020) sollte eine weitere Live-Action-Verfilmung eines Disney-Klassikers den Weg auf die Kinoleinwand finden. Dank Corona landet das Mammutprojekt aber leider direkt auf Disney Plus – für eine Leihgebühr von 21,99 €. Ob die Umsetzung von Regisseurin Niki Caro das Geld wert ist, erfahrt ihr hier.

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TitelMulan
Jahr2020
LandUSA
RegieNiki Caro
DrehbuchRick Jaffa, Amanda Silver, Elizabeth Martin, Lauren Hynek
GenreHistorienfilm, Abenteuer
DarstellerLiu Yifei, Donnie Yen, Jet Li, Gong Li, Jason Scott Lee, Yoson An, Nelson Lee, Jimmy Wong, Doua Moua, Jun Yu, Ron Yuan, Tzi Ma, Rosalind Chao, Xana Tang
Länge115 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihDisney
Das Filmplakat zu Mulan (2020) zeigt Yifei Liu in Kämpferpose mit einem traditionellen chinesischen Schwert und in knallig-rotem Gewand.
Filmplakat zu Mulan (2020) © Disney

Gegen die Tradition – die Handlung von Mulan (2020)

Mulan (Liu Yifei) ist ein Mädchen, das sich nicht in den gesellschaftlichen Gepflogenheiten und Traditionen Chinas wiederfindet. Viel lieber turnt sie auf den Dächern oder schießt mit dem Bogen. Außerhalb ihrer Familie wird dieses Verhalten mit großem Argwohn begegnet, wodurch sie als schwarzes Schaf des Ortes gesehen wird. Zeitgleich wird das chinesische Kaiserreich vom Norden aus attackiert. Aus diesem Grund verlangt der Kaiser, dass jede Familie dazu verpflichtet ist, kampfesfähige Männer für den Krieg abzustellen. Mulans Vater war einst ein großer Krieger und möchte sich der Armee anschließen, ist mittlerweile aber alt und schwach. Um ihn zu schützen nimmt sie heimlich seine Rolle ein und gibt sich als sein Sohn aus.

Eine schier endlose Odyssee bis zu Veröffentlichung

Einen langen Weg hat Mulan (2020) nun hinter sich. Schon in den 2000ern, also noch vor der großen Live-Action-Welle von Disney, sollte das Projekt realisiert werden. Mit Zhang Ziyi (Hero) als Mulan und Chuck Russel (Die Maske) auf dem Regiestuhl hatte man schon die Eckpfeiler im Boot, bevor das Projekt letztlich gecancelt wurde. Neuen Schwung bekamen die Bestrebungen im Jahre 2015 und wurden soweit konkretisiert, dass sie fünf Jahre später endlich den Weg ins Kino finden sollten. Doch Corona machte dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung und nun landet die Neuverfilmung mit einem halben Jahr Verzögerung direkt auf dem hauseigenen Streamingsdienst. Einst mit weißen Figuren angedacht, wurde das Drehbuch mehrmals überarbeitet, um einen komplett asiatischen Cast zu ermöglichen. Das ist auch vollkommen richtig so, denn die Figur Hua Mulan beruht auf einem alten chinesischen Volksgedicht, das irgendwann zwischen 420 und 589 nach Christus entstanden ist.

Mulan (2020) hat eindrucksvolle Kulissen. Wie hier einen kleinen, von vielseitigen und wohl gepflegten Gewächsen umrundeten, See vor einem historischen Gebäude.
Mulan (2020) beeindruckt mit pompösen Kulissen © Disney

In die Rolle der starken Kriegerin schlüpft die Schauspielerin und Sängerin Liu Yifei, die 2008 an der Seite von Jackie Chan und Jet Li in The Forbidden Kingdom ihren internationalen Durchbruch feierte. Ihre Unterstützung für die Hongkonger Polizei im Zuge der dort stattfindenden Massenproteste 2019 sorgte jedoch für großen Unmut bei den Demonstranten und über die Landesgrenzen hinaus. Mit dem Hashtag #BoycottMulan wurde gar zum Boykott des Films aufgerufen. Ob sich das auf den Erfolg des Films auswirkt, wird sich bei den Abrufzahlen zeigen. Die Hürde zum Boykott ist durch die spezielle Veröffentlichungsstrategie auf jeden Fall niedriger. Aber schieben wir die Politik doch mal beiseite, denn optisch passt Liu Yifei perfekt in die Rolle und verleiht Hua Mulan die nötige androgyne Ausstrahlung, wodurch sie treffend beide Seiten der Erzählung vereint.

Wenig Emotionen

Liu Yifei ist als Hua Mulan die Hauptfigur und gibt dem Film nicht nur ihren Namen, sondern muss diesen auch schultern. Genau das gelingt ihr nicht hundertprozentig. Kühl und fast schon distanziert interpretiert sie die Rolle und lässt damit gerade in den ruhigen Phasen des Films einige Sympathiepunkte liegen. Diese Art passt zwar durchaus, sobald sie im Militärlager auf die anderen Soldaten trifft und sich beweisen muss. Doch im Kreise ihrer Familie fehlt die nötige Wärme, um den emotionalen Unterbau für ihr rebellisches Handeln zu stützen. Gerade die wichtige und innige Beziehung zu ihrem Vater kommt so nicht vollends zum Tragen. Überzeugender ist sie dagegen am Schwert und punktet mit Physis und Eleganz bei den Kampfchoreografien. Und davon gibt es einige in Mulan (2020). Mit Donnie Yen und Jet Li hat man auch zwei echte Martial-Arts-Schwergewichte an Bord. Letzterer ist als Kaiser hinter seiner Maske sogar kaum wiederzuerkennen.

Hua Mulan (Liu Yifei) läuft in ihrem roten Gewand grazil und sicher über die Dächer von traditionellen chinesischen Gebäuden.
Hua Mulan (Liu Yifei) fühlt sich auf Dächern wohler als in Kleidern © Disney

Mit aufregenden Kamerafahrten und Perspektiven werden die Kampfchoreografien visuell ansprechend dargestellt. Blutig oder besonders gewaltsam sind diese nicht, aber durchaus schön anzusehen. So nehmen sie den Platz der Tanz- und Gesangseinlagen des Zeichentrickfilms ein, die hier keinen Raum mehr gefunden haben. Das ist aber auch gut so, da diese nicht zur geerdeten Stimmung gepasst hätten. Genauso verzichtete man auf Mushu als Sidekick für die Heldin. Mulan (2020) entpuppt sich damit nicht als spektakuläres CGI-Feuerwerk und Fantasy Epos, sondern viel mehr als Historiendrama im Wuxia-Stil.

Schauwerte soweit das Auge reicht

Ausladende Landschaftsaufnahmen, eindrucksvolle Kostüme und Rüstungen sowie aufwendige Kampfchoreografien. Der klassisch chinesische Wuxia-Stil wird zelebriert und für das westliche Kino massentauglich gemacht. Die Schauwerte sind durchaus beeindruckend und der Anteil von Computer-Effekten ist weniger auffällig und -dränglich wie bei der hauseigenen Live-Action-Konkurrenz. Dadurch hebt sich Mulan (2020) angenehm von den Disney-Kollegen wie beispielsweise König der Löwen (2019) oder Aladdin (2019) ab. Dabei verzichtet man trotz des Wegfalls von Mushu nicht auf humorvolle Zwischentöne. Diese begegnen Hua Mulan in Form der Soldaten aus der Armee. Hier werden Witze gerissen, man lacht und schmunzelt zusammen. Nur ein angedeuteter Love Interest will nicht so ganz ins Gesamtgefüge passen. Gegen Ende drückt man dann nochmal ordentlich auf das Spektakel-Pedal und verlässt dabei den eingeschlagenen geerdeten Weg. Doch letztlich ist die Erzählung ein Volksmärchen und will auch so erzählt werden.

Unser Fazit zu Mulan (2020)

Der Weg zum Zuschauer war lang und beschwerlich. Nun also nicht auf der Kinoleinwand, sondern am heimischen TV. Das ist definitv schade, denn Mulan (2020) baut auf seine Schauwerte und hat davon einige zu bieten. Die Landschaftsaufnahmen, Kulissen, Kostüme und Kampfchoreografien sind allesamt extrem hochwertig und laden zum Entdecken und Genießen ein. Die Entscheidung, den Film als Wuxia-Light-Variante zu produzieren, geht voll auf und hebt ihn von den bisherigen Live-Action-Verfilmungen deutlich ab. Die Computereffekte drängen sich nicht in den Vordergrund und alles fühlt sich wunderbar griffig an. Rein audiovisuell bekommt man also eine eindrucksvolle, unterhaltsame und erfrischende Disney-Produktion geliefert. Nur leider schafft Hauptdarstellerin Liu Yifei es nicht, den Film als Hua Mulan zu schultern und baut mit ihrer kühlen und abwesenden Art eine zu große Distanz zum Zuschauer auf. Emotionen und Wärme sucht man in der Geschichte so leider vergeblich.

Der Film startet am 04.09.2020 für eine zusätzliche Leihgebühr von 21,99 € auf Disney Plus und ist ab dem 04.12.2020 ohne Aufpreis im Abonnement enthalten.

Unsere Wertung:

 

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