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    Startseite » Hard:Line Film Festival 2026: Tag 3
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    Hard:Line Film Festival 2026: Tag 3

    Tobias Theißvon Tobias Theiß19. April 2026Keine Kommentare7 min Lesezeit
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    Das offizielle Festivalartwork der 2026er Ausgabe! | © Hardline Film Festival 2026
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    Auch wenn es nach durchzechten Nächten und stundenlangem Filmgenusses allmählich schwerer fällt, die Augen aufzuhalten: Es muss weitergehen! Lest also, was uns am dritten Tag für wohlige Schauer beschert wurden.

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    Samstag, 18.04.2026

    Mother of Flies (John Adams/Zelda Adams/Toby Poser, USA, 2025)

    Mother of Flies | © Yellow Veil Pictures 2026

    Tochter und Vater, Mickey und Jake, verschlägt es aus zunächst nicht näher definierten Gründen mitten ins Nirgendwo, um dort als letzten verzweifelten Ausweg „etwas“ zu versuchen. Schnell wird klar, dass die Tochter tödlich erkrankt ist und mithilfe der spirituellen Solveig nach ihrer letzten Chance auf Heilung greift…

    Bei der vermeintlichen Hexe angekommen, häufen sich die unheimlichen Vorkommnisse zunehmend, und vor allem Jake beginnt immer stärker an der Echtheit von Solveigs Zauberkünsten zu zweifeln.

    Wie in der Anmoderation und auch im Grußvideo mehr als deutlich wurde, hat die Adams Family große Lust auf unabhängig produzierte Horrorfilme und übernimmt viele der dafür nötigen Aufgaben einfach selbst. Ob Regie, Drehbuch, Sound oder Editing: John Adams, Zelda Adams und Toby Poser stemmen nahezu alle Arbeiten in Personalunion. Gedreht wird zudem in dem Wald, der direkt vor der Haustür der Familie liegt. Die Familienbeziehung schlägt sich auch direkt im Film nieder, wirkt die Vater-Tochter-Beziehung aufgrund biographischer Ereignisse der Familie unglaublich intensiv und authentisch, weil sie eben genau dies ist.

    Diese Naturverbundenheit ist in jeder Einstellung des Films spürbar. Die elegischen Naturaufnahmen und allgegenwärtigen Geräuschkulisse aus Windrauschen, Vogelgezwitscher und Blätterrascheln versetzt nahtlos mitten hinein in die betörend schönen Wälder. Mother of Flies ist aber nicht ausschließlich angenehm anzusehen. Oftmals werden morbide Bildwelten präsentiert, in denen Tod und Leben dicht nebeneinander existieren und Schönheit untrennbar mit Vergänglichkeit verknüpft ist. Gerade in diesen Momenten entfaltet sich eine eindringliche, fast hypnotische Atmosphäre, die das Unheimliche nicht nur im Übernatürlichen, sondern ebenso in der Natur selbst verortet: Es werden Erinnerungen an Lars von Triers Antichrist wach.

    Mother of Flies | © Yellow Veil Pictures 2026

    Irati – Age of God and Monsters (Paul Urkijo Alijo, Spanien/Frankreich, 2022)

    Irati | © Splendid Film 2026

    Mit Irati entführt uns Director’s Spotlight Paul Urkijo Alijo in die mythologische und sagenumwobene Welt des Baskenlandes. Während sich sein neuester Streich Gaua ganz dem unheimlichen Folk-Horror verschrieben hat, entpuppt sich sein vorheriger Film als klassische Heldenreise mitsamt Liebesgeschichte, Monstern und Legenden.

    Alijo gelingt es immer wieder, eine gewisse Epik in seine Bilder zu legen. Wer jedoch Ausmaße und Action im Stil von Der Herr der Ringe erwartet, dürfte wahrscheinlich enttäuscht werden. Wie der Regisseur eingangs selbst betonte, ist Irati für ihn weder Schlachtenepos noch Monster-Action oder reiner Fantasyfilm, sondern in erster Linie ein Liebesfilm, der all diese Aspekte in sich vereint. Dennoch sind es gerade diese Elemente, die den Film sehenswert machen. Vor allem die Kreaturen zählen zu den klaren Highlights, zumal ihre Designs angenehm unverbraucht wirken.

    Auch die Maskenarbeit trägt viel zur Wirkung des Films bei, weil sie (meist) greifbar und handgemacht erscheint und so den mythischen Wesen Körperlichkeit verleiht. Zwischen den Götterwesen und Kreaturen nimmt sich Irati aber auch reichlich Zeit für seine Figuren. Gerade dadurch gewinnt die Geschichte trotz ihres fantastischen Rahmens immer wieder an spürbarer Menschlichkeit. Leider ist es ausgerechnet das Heldenpaar, das es nicht durchgehend schafft, echte Sympathien zu wecken, weshalb die emotionale Wucht der Liebesgeschichte stellenweise hinter den starken Bildern und Ideen zurückbleibt.

    Irati | © Splendid Film 2026

    Bury the Devil (Adam O’Brien, USA/Kanada, 2025)

    Julia ist frisch als Pflegerin im verwinkelten Haus der dementiell erkrankten Evelyn angestellt. Schon in ihrer ersten Nacht zieht ein heftiges Gewitter auf, doch auch im Inneren des Hauses wird es zunehmend unheimlicher. Evelyn verhält sich immer merkwürdiger, und als schließlich auch noch ihr Ex-Ehemann mitten in der Nacht vor der Tür steht und mysteriöse Andeutungen über ihre gemeinsame Vergangenheit macht, nimmt der Spuk erst richtig Fahrt auf…

    Regisseur O’Brien sagte bereits in seiner Videobotschaft, dass er ein Faible für Filme aus dem Possession-Subgenre hat. Nach Sichtung von Bury the Devil kann man außerdem ziemlich sicher sein, dass auch das The Evil Dead-Franchise nicht spurlos an ihm vorbeigegangen ist: abgelegenes Haus, Audiokassetten, verzerrte Stimmen und reichlich Übernatürliches. Prinzipiell erzählt Bury the Devil also wenig Neues, versucht dies aber mit einer interessanten Inszenierung auszugleichen.

    Die Handlung entfaltet sich in Echtzeit und vermittelt zusätzlich den Eindruck eines One-Shots. Zwar gibt es erkennbare Momente, in denen Schnitte kaschiert werden sollen, insgesamt funktioniert die Illusion jedoch erstaunlich gut. Die Kamera gleitet schwerelos durch düstere Flure, Räume und Treppenaufgänge, folgt Protagonistin Julia und fesselt das Publikum genau dann in der gewünschten Perspektive, die der Film in diesem Moment braucht. Das sorgt während der ersten Hälfte für

    Leider stößt der Film dabei auch an seine Grenzen. Echte Schockmomente sind eher rar gesät. Stattdessen verlässt er sich stark auf seine unheilvolle Atmosphäre und lässt vor allem zu Beginn noch vieles im Dunkeln. Das ist dabei durchaus wörtlich zu verstehen: Während anfangs immerhin noch alles grau und düster wirkt, kippt die Beleuchtung nach dem obligatorischen Stromausfall nahezu ins Pechschwarze. Dadurch wird es stellenweise ziemlich anstrengend, sich im Bild zu orientieren, und viele Details gehen verloren.

    Bury the Devil | © Blue Finch Releasing 2026

    The Flesh Itself (Ian Sbf, Brasilien, 2025)

    The Flesh Itself | © Neebla Producoes Artisticas 2026

    Drei Deserteure des Paraguay-Krieges suchen Zuflucht in einem abgelegenen Haus an der Grenze – und geraten dort in einen Alptraum, der bald schlimmer erscheint als der Krieg selbst…

    Der Einstieg ist gemächlich und setzt stärker auf eine bedrohliche Atmosphäre als auf unmittelbare Eskalation. Das ist nicht sofort Makel, verlangt dem Publikum aber Geduld ab. The Flesh Itself baut seine Bedrohung eher schleichend auf. Über Misstrauen, Blicke und eine ständig wachsende Unruhe, anstatt mit brachialen Schocks. Gerade in dieser ruhigen ersten Hälfte lebt der Film vor allem von seiner Präsenz vor der Kamera – und hier liegt eine seiner größten Stärken. Vor allem Luiz Carlos Persy als Antagonist zieht den Film mit einer vereinnahmenden Intensität an sich: Seine beängstigenden Stimme und die dazu im Kontrast stehende körperliche Eingeschränktheit, verleiht jeder seiner Sekunde eine Wucht und versetzt schlagartig in Anspannung.

    Umso wirkungsvoller ist dann der Payoff. Wenn The Flesh Itself seine Zurückhaltung schließlich ablegt, fährt der Film die Krallen aus und liefert mehrere saftig-deftige Gore-Momente, die überraschend hart und unangenehm grafisch ins Bild gesetzt sind. Diese brutalen Spitzen belohnen die lange Anlaufphase und sorgen dafür, dass das Finale eine ordentliche Schlagkraft entfaltet.

    Leider bleibt der angerissene okkulte Unterbau sehr im Vagen. Es benötigt nicht jedes Rätsel eine ausufernde Erklärung, aber ein bisschen mehr Informationen zu den Gründen wären wünschenswert gewesen. Dennoch bleibt das angedeutete Übel der letzten Einstellung ein willkommener Köder, der noch in allerletzter Sekunde ausgeworfen wird und man unweigerlich nach „Mehr!“ schreit.

    So bleibt ein atmosphärisch starker, darstellerisch packender Horrorfilm, dem auf inhaltlicher Ebene ein letzter Schritt in die Finsternis fehlt, um das Ergebnis gänzlich abzurunden.

    The Flesh Itself | © Neebla Producoes Artisticas 2026

    Short & Hoart 2

    Empfehlungen im zweiten Block der Short lassen sich meinerseits für folgende Kurzfilme aussprechen:

    Gimme von Steven Schloss, der aufgrund eines kleinen Kinderspielzeugs mit magischen Fähigkeiten an Hellraiser erinnert und sprichwörtlich monströse Geschehnisse in Gang setzt.

    Atersadd von Emanu Garnheim, der sich allein aufgrund seiner detaillierten und aufwendigen Stop-Motion-Animation lohnt und mit seiner tragischen Heldenrolle packt.

    The Inspector (OT: El Revosir) von Jandro, in dem ein Kleinganove einmal zu oft seine diebische Masche an mutmaßlich hilflosen Personen anwenden wollte und nun den Preis dafür bezahlen darf.

    Lest hier die Beiträge zu Tag 1 & 2!

    Das offizielle Festivalartwork der 2026er Ausgabe! | © Hardline Film Festival 2026
    Tobias Theiß

    Tobi ist bereits gute 7 Jahre an Bord und teilt so fast 20% seiner Lebenszeit mit Filmtoast. Wie es ursprünglich dazu kam ist so simpel wie naheliegend. Tobi hatte unregelmäßig auf Seiten wie Schnittberichte Reviews zu Filmen verfasst und kam über diverse facebooksche Filmgruppen und –diskussionen in Berührung mit dem damaligen Team von Filmtoast (die Älteren erinnern sich: noch unter dem Namen Movicfreakz) und wurde daraufhin Teil dessen.
    Thematisch ist er aufgeschlossen, seine feste Heimat hat er jedoch im Horrorfilm gefunden, da für ihn kein anderes Genre solch eine breite Variation an Themen und Spielarten zulässt. Kontroverser Ekelschocker, verstörender Psychothriller oder Elevated Horror – fast alles ist gern gesehen, auch wenn er zugeben muss, dass er einen Sweet Spot für blutrünstig erzählte Geschichten besitzt.
    Tobi geht zum Lachen jedoch nicht (nur) in den blutverschmierten Keller, sein Herz schlägt unter anderem bei Helge Schneider, dänischem schwarzen Humor oder den Disyneyfilmen seiner Kindheit höher.
    Kinogänge vollzieht er am liebsten im städtischen Programmkino, zum Leidwesen seiner filmisch weniger affinen Freunde, meidet er große Kinoketten wie der Teufel das Weihwasser. Am liebsten geht er seiner Filmleidenschaft jedoch in den eigenen vier Wänden nach, um den viel zitierten Pile of Shame seiner physischen Filmsammlung abzuarbeiten.
    Tobi lebt in Sachsen-Anhalt, ist beruflich in einer stationären außerklinischen Intensivpflege verankert und hat mit der Begeisterung zum Film und dem Schreiben darüber den für sich perfekten Ausgleich zum oftmals stressigen Arbeitsalltag gefunden.

    • Tobias Theiß
      Hard:Line Film Festival 2026: Tag 4
    • Tobias Theiß
      Hard:Line Film Festival 2026: Tag 2
    • Tobias Theiß
      Hard:Line Film Festival 2026: Tag 1
    • Tobias Theiß
      Hard:Line Film Festival 2026: Vorbericht
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