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Rocky (Gloria Lynne Henry) mit Blick in die Kamera vor einem Chemietank stehend

Phantasm 3 – Das Böse 3

Aller guten Dinge sind drei? Sechs Jahre nach der ersten Fortsetzung des Kultfilms Phantasm (Das Böse) lässt Don Coscarelli wieder den Tall Man und seine tödlichen silbernen Kugeln auf Reggie und Mike los. Hat die Reihe immer noch genug zu bieten oder ist Phantasm 3 der Anfang vom Ende?

TitelPhantasm III – Das Böse 3 (OT: Phantasm III: Lord of the Dead)
Jahr1994
LandUSA
RegieDon Coscarelli
DrehbuchDon Coscarelli
GenreHorror, Sci-Fi
DarstellerMichael Baldwin, Bill Thornbury, Reggie Bannister, Kevin Connors, Gloria Lynne Henry, Cindy Ambühl, Brooks Gardner, John Davis Chandler, Angus Scrimm
Länge91 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihKoch Media

Die Handlung von Phantasm 3

Nach den Ereignissen des zweiten Teils kann Reggie (Reggie Bannister) seinen Freund Mike (Michael Baldwin) nur schwer verletzt vor dem Tall Man in Sicherheit bringen. Doch bereits im Krankenhaus schlägt der hünenhafte Bösewicht zurück und entführt den noch angeschlagenen Mike. Reggie ist vorerst auf sich alleine gestellt, um die Verfolgung aufzunehmen und seinen Freund zu retten. Die Spuren des Tall Man sind im Land nun immer deutlicher zu spüren: Immer mehr Kleinstädte mutieren zu Geisterstädten, ohne dass jemand die wahren Ursachen erkennt.

Auf seiner Reise trifft Reggie nicht nur auf den wehrhaften kleinen Jungen Tim (Kevin Connors), der seine Eltern an den Tall Man verloren hat. Auch die selbstbewusste Soldatin Rocky (Gloria Lynne Henry) schließt sich den beiden an, nachdem ihre Freundin Tanesha im Mausoleum von Holtsville einer fliegenden Silberkugel zum Opfer fällt. Doch kann das ungewöhnliche Trio Mike aus den Fängen des Tall Man entreißen und dessen Pläne ein weiteres Mal vereiteln?

Hauptfigur Mike (Michael Baldwin) liegt mit Kopfverband im Krankenbett, vor ihm eine schwebende Silberkugel
Mike ist nirgendwo vor dem Tall Man sicher © Koch Films

Aus den Fesseln der Industrie befreit

Phantasm 2 war in vielerlei Hinsicht ein zurechtgestutzter Film, der die Interessen des Geldgebers, namentlich Universal, erfüllen musste. Das schadete dem Film im Endeffekt vor allem dahingehend, dass er weitaus generischer in den so kreativen 1980er-Jahren daherkam und die faszinierenden Ecken und Kanten des Erstlings vermissen ließ. Zudem wollten bestimmte Neuerungen nicht zum etablierten Universum passen, was im direkten Anschluss deutlich auffällt. Zu allem Unglück war das Kassenergebnis trotz der angestrebten Massentauglichkeit so mau, dass sich Universal gegen die Finanzierung einer weiteren Fortsetzung entschied und nur den Verleih übernahm. Nach nur zweiwöchiger Kinoauswertung ging es schon in den Sumpf der Videothekenregale.

Die künstlerische Freiheit konnte Coscarelli mit Phantasm 3 nichtsdestotrotz wiedergewinnen. Sicherlich war James LeGros ein talentierterer Schauspieler als der bis heute unbeschriebene Michael Baldwin. Aber die Rückkehr zum originalen (und fortan unumstrittenen) Mike-Darsteller sorgt umgehend für mehr Sympathie und Zusammengehörigkeitsgefühl beim Zuschauer. Dass auch Bill Thornbury als Mikes Bruder zurückkehrt, ist mehr als gelungen. Coscarelli knüpft die Fäden seiner Vorgänger und vor allem des ersten Teils noch einmal enger zusammen und bringt die für Fans so wichtigen Charaktere und Gesichter zusammen. Das Ergebnis ist grundsätzlich positiv: Phantasm 3 fühlt sich wieder mehr wie Phantasm an.

Reggie (Reggie Bannister) mit gezückter Schrottflinte in Phantasm 3
Reggie rückt in Phantasm 3 in den Mittelpunkt © Koch Films

Das hab ich doch schon mal gesehen?!

Schaut man sich Phantasm 3 an, fällt recht schnell auf: Die Handlung entspricht in ihrer Struktur leider nahezu dem Vorgänger. Nach der obligatorischen Weiterführung des Schlusstwists aus Teil 2 und einiger kurzer Actioneinlagen folgt ein mehr als vertrautes Roadmovie, das lediglich mit einigen neuen, dafür umso kurioseren Episoden und Charakteren gefüllt wird. Bis zur finalen und unausweichlichen Konfrontation mit dem Tall Man hält Coscarelli die Zuschauer regelrecht hin, indem er eine gewalttätige Diebesbande, einen Pistole schwingenden Kevin McCallister in der FSK-18-Version und eine Kickass-Amazone ins Geschehen wirft.

Das ist in seiner Absurdität und Überdrehtheit deutlich unterhaltsamer als zuvor, dürfte jedoch genügend trashscheue Zuschauer mit dem Kopf schütteln lassen. Die Pfade der Massentauglichkeit verlässt Coscarelli also konsequent, indem er einigen Szenen neben Splattereinlagen auch noch ungewohnt flapsigen Humor beimischt. Bei aller Ausgefallenheit bleiben die zusammengeschweißten Episoden auch als zeitfüllende Einzelteile zu erkennen. Da sie alle keine Verbindung zur Mythologie des Tall Man darstellen, wirken sie letztlich entbehrlich. Bei allen kleineren neuen Details, die Phantasm 3 zur Reihe beiträgt, bleibt doch die bohrende Frage im Hinterkopf: Hat es diesen Teil überhaupt noch gebraucht?

Rocky (Gloria Lynne Henry) mit Blick in die Kamera vor einem Chemietank stehend
Love Interest wider Willen: Rocky muss sich Reggies Avancen erwehren © Koch Films

Alte Helden, neue Details

Auch wenn Coscarelli die Zügel wieder fest in der Hand hält, kehrt er leider nur unmerklich zur hypnotischen Inszenierung zurück, die seinen Erstling bis heute zu einem enorm faszinierenden Film macht. Vielmehr ist Phantasm 3 eine wilde Mischung aus beiden Vorgängern. Wahlweise werden positive wie negative Elemente fallen gelassen oder fortgesetzt. Dass der Tall Man nun wieder alleine beziehungsweise unter Mithilfe der Kutte tragenden Zwerge agiert, ist wesentlich konsistenter als das Handlangerpersonal aus Teil 2. Als spannendste Weiterentwicklung rücken die Silberkugeln noch stärker in den Mittelpunkt und offenbaren, dass sie von darin enthaltenen Gehirnen gesteuert werden. Wie weit Coscarelli diesen neuen Ansatz mit Blick auf die Handlung und Figuren treibt, sollte aber jeder Zuschauer selbst erleben.

Zumindest sei verraten, dass Mikes Bruder Jody in konservierter Kugelform zurückkehrt. Dabei greift Coscarelli kurzzeitig wieder auf traumartige Sequenzen und Visionen zurück, mit denen Reggie im Geist zum Tall Man und Mike herangeführt werden soll, um ihn aufzuspüren können. Wer schon bei Phantasm 2 nicht verstand, warum sich Reggie als frisch gebackener Witwer an ein blutjunges Mädchen heranmacht, muss hier noch mehr schlucken. Phantasm 3 steigert das Motiv des lüsternen alternden Herren umso mehr, indem Reggie bei jeder Gelegenheit Rocky anbaggert. Dass diese bis zum Schluss standhaft bleibt, wäre eine gelungene Retourkutsche, gäbe es da nicht die Traumsequenz, in der sich Darstellerin Gloria Lynne Henry dann doch entblättert. Ohne ein paar Brüste darf dieser Genrefilm also auch nicht auskommen.

Der Tall Man (Angus Scrimm) sitzt am Steuer eines Leichenwagens und blickt mit gehobener Augenbraue in die Kamera
Angus Scrimm wie er leibt und lebt in seiner Kultrolle als Tall Man © Koch Films

Unser Fazit zu Phantasm 3

Vollgas Richtung Trash: Mit Phantasm 3 legt der aus den Fesseln der Industrie befreite Vater der Filmreihe Don Coscarelli einen abenteuerlichen Horrorfilm aufs Parkett, der Klamauk, Action und Splatter gleichermaßen mit Roadtrip-Feeling vereint. Dabei drückt er diesem dritten Teil nach dem unnötig glatt geschliffenen Vorgänger nun endgültig den Stempel „nur für Fans“ auf. Denn das schwächelnde Schauspiel, die plumpe Komik und die stark kopierte Handlungsstruktur des letzten Teils dürften viele Zuschauer abschrecken und einen kleinen eingeschworenen Fankreis übrig lassen.

Treue Fans der ungewöhnlichen Reihe erhalten dafür reichlich neue Erkenntnisse über die Pläne sowie das Wesen des Tall Man und die Hintergründe der fliegenden Killerkugeln. So kann man Phantasm 3 sicherlich viele Schwächen ankreiden und ihn als überdrehte Wiederholung seines Vorgängers ansehen. Dennoch vermischt dieser Film viele Vorzüge seiner beiden Vorgänger mit dem Bemühen, das Universum auszubauen, und versprüht damit auch dank seiner wieder vollständigen Stammbesetzung eine ordentliche Faszination, die wieder deutlich näher an den kultigen Erstling heranreicht.

Unsere Wertung:

 

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© Koch Films

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