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There will be Blood

There Will Be Blood von Paul Thomas Anderson ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Sinnbild des menschlichen Zerfalls durch die Sehnsucht nach Macht und Ruhm.

TitelThere will be Blood
Jahr2007
LandUSA
RegiePaul Thomas Anderson
DrehbuchPaul Thomas Anderson
GenreDrama
DarstellerDaniel Day-Lewis, Paul Dano, Kevin J.  O’Connor, Dillon Freasier
Länge158 Minuten
FSKAb 12 Jahren freigegeben
VerleihStudioCanal
Steelbook-Cover zu There will be Blood von Paul Thomas Anderson
Steelbook-Cover zu There will be Blood von Paul Thomas Anderson © Studiocanal Home Entertainment

Zur Handlung

Anfang des 20. Jahrhunderts stößt der Goldschürfer Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis) eher zufällig auf Öl. Vom Ölfieber gepackt kauft er mehr und mehr Land auf und wird schließlich im großen Stil fündig. Er wird zu einem wohlhabenden Ölmagnaten. Seine Gier führt aber nicht nur zu Auseinandersetzungen mit der Konkurrenz, sondern auch mit einer kleinen ansässigen Gemeinde fundamentaler Christen.

There will be Blood erzählt Daniel’s Geschichte, der vom kleinen hart arbeitenden Mann mit Fleiß, Zielstrebigkeit und Skrupellosigkeit in die höheren Reihen des Ölgeschäftes gelangt. Daniel ist ein Mann, der den amerikanischen Traum entdeckt hat, wie er selbst das schwarze Gold als Ölmann unterhalb der ersten Boden- und Gesteinsschichten der Erde. Angefangen als harter Arbeiter (Tellerwäscher) bis hin zum großen Geschäftsmann (Millionär), der die Macht des Geschäfts im Öl-Business an sich reißen möchte. Zusamen mit seinem Sohn versucht er nach dem schwarzen Gold zu graben und es zu fördern. Zwischen Mut und Wahnsinn ist natürlich ein nur kleiner Scheideweg. Wird Daniel dem Fluch von Gier und Macht wiederstehen können oder wird er ihm vollkommen zum Opfer fallen?

Unterhalb der Gesteinsschichten

Unterhalb der Schichten der Erde verbirgt sich nämlich nicht nur Dreck und Schutt, sondern etwas, dass es sich auszugraben lohnt. Leicht oberflächlich mag es wohl klingen, zu sagen, dass sich wahre Werte im Inneren befinden. Aber auch über der Oberfläche der Erde, des Bodens und uns selbst gibt es genug zu entdecken. Über der Oberfläche, als rechtschaffener Mann, begann Daniel Plainview, mit seinem kleinen Sohn als Partner, im Ölgeschäft Fuß zu fassen. Durch seine eigene, harte und schmutzige Erfahrung im Fördern und Gewinnen von Erdöl ist er als Geschäfts- und Ölmann mit dem nötigen Wissen versorgt, das er braucht, um Geschäfte an Land zu ziehen und in der Branche Fuß zu fassen.

Daniel Plainview und sein Sohn in There will be Blood
Daniel Plainview und sein Sohn auf dem Weg zum nächsten Termin mit dem braunen Gold © Studiocanal Home Entertainment

Durch sein Wissen und sein Know-How beim Graben nach, Fördern und Gewinnen von Erdöl, sucht er fortan selbst nach Ölvorkommen bzw. Quellen, Land und Besitz, das er sich zum Bohren nach Öl aneignen kann. Den Menschen in den Vororten macht er währenddessen liebsame Versprechungen, versucht, von seinen eigenen Bemühungen, den Erwerb von vielversprechendem Land, abzulenken. Daniel Plainview ist eben ein geborener Geschäftsmann. Die Weichen für Ruhm, Macht und Wahnsinn sind nun gelegt.

Der Wunsch nach Autonomität

Ab hier setzt der menschliche Zerfall von Daniel Plainview in There will be Blood ein. Denn Erfolg ist nicht vollkommen alles, was er nach den ersten großen Erfolgen anstrebt. Er möchte mit fortlaufender Zeit auch, dass niemand anderes außer ihm Erfolg hat. Den Erfolg, diesen Begriff an sich, möchte Daniel Plainview für sich beanspruchen. Eine zunächst bekannte Geschichte des Scheiterns als Mensch, durch falsch gesetzte Prioritäten im menschlichen Prozess der Findung von Individualität.

Daniel Plainview wird ein anderer Mensch, als dieser, der sich als harter Arbeiter vor einiger Zeit seinen Lohn hart und schmutzig erarbeitet hat. Wo Öl zu finden ist, da ist auch Erfolg und Macht. Doch Erfolg kann tragisch, sogar tödlich sein. In seiner Ergebenheit der Gier und des Erfolgs gegenüber und seiner gleichsam fortschreitender Gottlosigkeit verliert Plainview alles, was ihm zuvor lieb und heilig war. Im letzten Stadium des Wahnsinns bemerkt er es aber nicht mehr. Abgesehen von seinem Reichtum wird er bald nichts mehr haben, um das es sich zu kämpfen lohnt.

Die Gefahren des Öl-Geschäfts in There will be Blood
Die Gefahren des Öl-Geschäfts in There will be Blood. © Studiocanal Home Entertainment

Entgegengesetzte Figuren

Was der Film in weiteren Details behandelt sind vor allem die Themen Religion und Kapitalismus. Ohne diese direkt und frei auszusprechen belässt es der Film dabei, genannte Konflikte zu umreißen, sie zu zeigen aber eben nicht direkt anzusprechen. Wir dürfen zwar dem Prediger Eli Sunday (Paul Dano) bei seinem Versuch, Menschen Erlösung zu versprechen, beobachten, werden aber nicht bekehrt und können mit unserem Blickwinkel somit objektiv bleiben. Denn was wir vom Glauben halten, spielt in There will be Blood ohnehin keine Rolle.

Der Glaube wird hier auf den Charakter Daniel Plainview zugeschnitten, denn auch er vermag, den Menschen in den Wahnsinn zu treiben. Es ist seine Suche nach einem übergeordneten Sinn. Daniel Plainview hat nichts, als seinen Sohn und sein Wissen über die Förderung von Öl. Prediger Eli, der Daniel in There will be Blood entgegensteht, scheint selbst wahnsinnig zu sein und steht mit seiner eigenen Art der Überzeugung vollkommen alleine da. Seine Gemeinde feiert zwar seine laute und unbeholfene Art der Predigt, wirkt dabei aber von Anfang an verrückter als Plainview.

Die taufe von Daniel Plainview durch Eli Sunday in There will be Blood
Die taufe von Daniel Plainview durch Eli Sunday in There will be Blood. © Studiocanal Home Entertainment

There will be Blood entfaltet folglich seine Wirkung, wenn sich diese Beziehung umkehrt, und Eli, so verrückt er auch rüberkommen mag, am Ende weniger verrückt scheint als Daniel, da er zumindest menschliche Ideale verfolgt. Daniel ist am Ende dagegen nichts weiter als ein Teufel. Und mit Daniel Day-Lewis als Daniel Plainview hat sich hier ein Schauspieler dazugesellt, der bereits zuvor in Projekten mit Paul Thomas Anderson als Schauspieler in ähnlichen Rollen mitgewirkt hat und auch unter der Regie von Martin Scorsese, beispielsweise in Gang of New York, sein Talent bewiesen hat. Selten vermochte es ein Schauspieler, Wahnsinn so überzeugend zu verkörpern wie er hier.

Fazit

Daniel Plainview ist als harter und kräftiger Stein geboren, der nun, nach langer, vereinsamender Arbeit, in den untersten Gesteinsschichten zwischen den Willen zum Erfolg und dem Verlust der Menschlichkeit zermalen wird. Er bricht, er bröckelt in immer kleinere Stücke, und eines Tages ist er einfach nicht mehr da. Wenn der nächste Ölmann nach dem braunen Gold, der Quelle des Geldes und des Wahnsinns, scheint er schon vergessen. Nur eines bleibt am Ende: Eine Hand voll Staub und ein Hauch von Nichts, kein Vermächtnis.

Daniel Plainview in There will be Blood
Daniel Plainview, der in Öl getränkte Teufel in There wil be Blood © Studiocanal Home Entertainment

Das ist auch der letzte Eindruck den There will be Blood bei mir als Zuschauer hinterlässt. Die Endlichkeit des eigenen Wesens, das den materiellen Werten gewichen und dem Willen zur Macht zum Opfer gefallen ist. There will be Blood ist Staub, dunkler Staub, den man mit einem Hauch durch die Hand in die Luft katapultieren kann. Der erste Anblick ist wunderschön, wenn der Staub wie elektrisiert durch den Wind tanzt, der Physik zum Trotz, vollkommen eigensinnig, bis er sich in der Luft so sehr zersetzt und verteilt, dass wir ihn nicht mehr wahrnehmen können.

In diesem Sinne ist Paul Thomas Andersons Film eine ergreifende und düster angehauchte Ballade über harte Arbeit, den amerikanischen Traum, Erfolg, bis hin zur Verführung durch Macht und Zerstörung. Fragen muss man sich nach There will be Blood eigentlich nur Folgendes: Würde Erfolg, Geld und Macht aus uns allen ein schreckliches und von Wahnsinn getriebenes Monster machen, oder wären wir mehr als dunkler Staub, der schon bald nicht mehr existiert?

Auszeichnungen

Ausnahmeschauspieler Daniel Day-Lewis heimste für There will be Blood hochverdient seinen zweiten Oscar als Bester Hauptdarsteller ein. Neben zahlreichen weiteren internationalen Preisen gewann auch Regisseur Paul Thomas Anderson („Magnolia“) den Silbernen Bären für die Beste Regiearbeit.

Unsere Wertung:

 

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Rocket Man

Hallo liebe Filmfreakz. Ich bin Rocket Man. Bevorzugt bin ich im Bereich Drama tätig. Tieftraurige Emotionen, Empfindungen und vielfältige Charakterzeichnung bedeuten mir sehr viel. Nichts ist für mich wichtiger, nichts ausschlaggebender, als das, was in mir und uns Zuschauern übrig bleibt, wenn der Abspann erscheint.
Wenn es dann noch zu wochenlangen Nebenwirkungen oder Abwesenheit oder gar zu Tagträumen während dem üblichen Geschehen da draußen kommt, dann hat der Film dir etwas tiefsinniges und ehrliches mitgegeben, das gehört und verinnerlicht werden will. Viel Spaß beim Lesen :-)

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