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True Detective – Night Country

Die erste Staffel war und ist ein ewiges Serienmeisterwerk. Danach waren die Erwartungen nicht mehr zu erfüllen, obgleich auch Staffel 2 und 3 von True Detective auf ihre Weise Argumente für sich hatten. Wo aber setzt nun nach 5 Jahren Abstand die vierte Staffel mit dem Beinamen Night Country an?

True Detective: Night Country mit Jodie Foster | Trailer - Staffel 4 | Sky

TitelTrue Detective – Night Country
Jahr2023
LandUSA
RegieIssa López
DrehbuchIssa López
GenreSerien (Thriller)
DarstellerJodie Foster, Kari Reis, Finn Bennett, Fiona Shaw, Christopher Eccleston, Isabella Star LaBlanc, John Hawkes, Anna Lambe, Aka Niviâna, June Thiele, Diane Benson, Joel D. Montgrand
Länge6 Folgen mit je 50 – 60 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihSky Deutschland
Poster zu True Detective - Night Country
Poster zu True Detective – Night Country © Home Box Office Inc.

True Detective – Night Country – Die offizielle Handlungsbeschreibung

Als der Winter über Ennis im äußersten Norden Alaskas hereinbricht, versinkt alles in der Dunkelheit und Kälte der monatelangen Polarnacht. Da verschwinden acht Männer, die komplette Besatzung der arktischen Forschungsstation Tsalal, spurlos. Die beiden Polizistinnen Liz Danvers (Jodie Foster) und Evangeline Navarro (Kali Reis) sollen zusammen den rätselhaften Fall lösen, obwohl sie sich bei ihren letzten gemeinsamen Ermittlungen vor sechs Jahren überworfen haben. Dafür müssen sie nicht nur die unheilvollen Geheimnisse ergründen, die unter dem ewigen Eis begraben liegen, sondern sich auch ihren eigenen dunklen Abgründen stellen.

Staffelkritik zu True Detective – Night Country 

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit allen Folgen der neuen Staffel. Auf Spoiler verzichtet die Kritik jedoch.

Mystery trifft in außergewöhnlicher Szenerie…

True Detective ist eines der spannendsten Anthologie-Formate, da sich jede Staffel bislang wieder komplett neu erfinden konnte. Das hat nach der sensationellen ersten Staffel dazu geführt, dass man zwar immer Vergleiche anbrachte, aber eigentlich jede abgeschlossene Staffel für sich genommen bewertet werden sollte. Auch Night Country bleibt dem Konzept treu. Darauf, wie sich dieser Fall innerhalb des Serienuniversums platziert, wird am Ende des Artikels eingegangen werden. Zuvorderst steht einmal die Frage im Vordergrund, wie dieser Thriller losgelöst funktioniert.

Die Staffel wird im Januar veröffentlicht. Das ist mit Sicherheit kein zufällig gewähltes Datum, denn wenn es schon gegen Abend zappenduster ist, dann kann man sich als Zuschauer wesentlich besser ins Setting dieses Krimis einfühlen. Die Geschichte ist jenseits des Polarkreises verortet, spielt im Winter und damit in einer permanenten Dunkelheit, die sich unweigerlich auf die Stimmung der Produktion, aber auch aller Menschen, die in dieser Zone leben, schlägt. Nolans Insomnia hatte genau mit dem Gegenteil gespielt und den Polartag als Stilmittel-Verstärker zweckentfremdet. Issa López gelingt dies nun mit Bravour im Bezug auf die Instrumentalisierung der dauerhaften Dunkelheit.

Das Mysterium, das dem Publikum hier in Folge eins vorgesetzt wird, wirkt durch die unheilvolle Atmosphäre der deprimierenden Dauernacht intensiver, auswegloser und irgendwie unwirklicher. Man befindet sich in einem Krimiplot, wägt sich aber immer wieder in einer Mystery-Show. Ein Hauch von Carpenter weht im Schneetreiben mit.

… auf eiskalte Spannung …

Was der Spannung der ersten Staffel einst extrem zuträglich war, war die exzellent eingesetzte Musik. Das hat man auch in Ansätzen in den beiden weniger beliebten Staffeln noch praktiziert, aber nun in Night Country ist der Soundtrack wieder ein omnipräsenter Spannungs- und Atmosphärentreiber. Einige der Titel werden mit Sicherheit im Frühjahr die Streamingstarts erobern. Ebenfalls prägend für die Reihe sind die einprägsamen Bilder, die hier allein schon aufgrund der recht unverbrauchten Lokalisierung en masse produziert werden. Die Eiseskälte überträgt sich aus dem Bildschirm heraus ins Wohnzimmer.

Eiseskälte ist dann auch schon das Stichwort, wenn es um die Beschreibung der Beziehung der beiden Ermittlerinnen dieser neuen Staffel geht. Denn es gehört definitiv zum True-Detective-Werkzeugkasten, dass sich das Protagonisten-Duo erstmal alles andere als ergänzt. Ob und wie sich die Dynamik im Verlauf nun entwickelt, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

… und tiefgründige Charaktere

Erstmals in der Geschichte der Reihe hat man sich für ein Gespann aus zwei Ermittlerinnen entschieden. Allein darstellerisch war dies eine Wahl, zu der man schon mal nur gratulieren kann. Denn Oscarpreisträgerin Jodie Foster ist einmal mehr einfach nur sensationell. Ihr Figur ist schwer greifbar, irgendwo zwischen stoisch souverän und gebrochen. Viel des Innenlebens lässt sich durch Feinheiten in Fosters Mimik erahnen, aber wirklich ergründen kann man den Charakter über weite Strecken nicht.

Der erfahrenen Polizistin stellt man nun mit der Figur von Kari Reis einen typischen Gegenpol an die Seite: jünger, emotionaler, unkonventioneller. Das wäre mitunter sogar etwas abgedroschen, würde Reis dem Ganzen nicht von Beginn an ihren eigenen Stempel aufdrücken. Die junge Darstellerin hat nahezu keine Schauspielerfahrung vorzuweisen, lediglich in der Boxer-Tragödie Catch the Fair One hat sie sich so gut geschlagen, um sich für diese Rolle zu empfehlen. Diese mangelnde Routine passt aber exzellent zur Charakterzeichnung, lässt ihre Handlungen authentisch wirken, intuitiv und unverbraucht.

Jodie Foster in der neuen Staffel True Detective
Jodie Foster in der neuen Staffel True Detective © Home Box Office Inc.

Fall und Drama gehen Hand in Hand

Wer sich wundert, dass bislang noch kaum ein Wort zum eigentlichen Kriminalfall, dem Mysterium von Night Country, gefallen ist, dem sei gesagt, dass dies an zwei Gründen liegt: Einerseits soll diese spoilerfreie Einschätzung natürlich möglichst wenig Rückschlüsse zulassen, die in Richtung der Auflösung weisen. Andererseits aber gibt es nun mal kaum in einem anderen Genre so viel Produktionen wie bei den Krimis. Dementsprechend fokussiert sich dieser Beitrag auf das, was True Detective von der Masse abhebt. Klar, auch die Fälle sind nicht das, was man im 08/15-TV-Krimi zeigen würde, aber im Kern definiert sich die Reihe über andere Merkmale: Atmosphäre, Charakterarbeit und herausragende Produktionsgüte.

Wer den Text also bis hierhin gelesen hat, der wird herausgelesen haben, dass es an diesen Kernkompetenzen nahezu gar nichts zu rütteln gibt. Die neue Staffel der Anthologie ist Fernsehunterhaltung auf höchstem Niveau und könnte auch auf der großen Leinwand gezeigt werden, wenn…

Ja, wenn der ein oder andere CGI-Effekt noch etwas cineastischer umgesetzt worden wäre. Es ist Meckern auf hohem Niveau, aber die digitalen Elche, die direkt in der Eröffnungsszene zu sehen sind oder auch ein animierter Eisbär im weiteren Verlauf, befinden sich nicht ganz auf dem Level der restlichen Produktion und schmälern für einige Momente etwas das Sehvergnügen. Das wiederum schafft mit den gelungenen Flashbacks und vereinzelten Horror-Momenten gut zu kompensieren.

Wo ordnet sich die Staffel im Gesamtbild der Serie ein?

Immer noch ist die Debütstaffel der Benchmark, an den Night Country nicht heranreicht. An das kongeniale Duo Harrelson/McConaughey kommen Foster/Reis nicht ran, aber die Dynamik zwischen den beiden weiß sich auf die Stärken der ursprünglichen Serie zu besinnen. Auch das Zusammenspiel von Stephen Dorff und Mahershala Ali in der dritten Staffel von 2019 hatte etwas besonderes, aber durch das ungleiche Kräfteverhältnis und die Zeitsprünge arbeiteten dort die beiden Protagonisten kaum mal wirklich zusammen am Fall. Hier spielt sich dafür nun nach und nach ein Gespann ein, von dem man gerne noch mehr sehen möchte. Motto: Gegensätze ziehen sich an.

Die wenig geliebte zweite Staffel war im Endeffekt einfach zu weit weg vom klassischen Mördersuche-Kriminalfall, sodass sich die Vergleiche auch hier nicht wirklich geziemen. Auffällig ist im Hinblick auf die neuen Episoden, dass man die Zahl von acht auf sechs reduziert hat und sich so noch weniger Leerlauf erlauben darf. Dementsprechend ist die 2024er Staffel gefühlt höher getaktet, aber atmosphärisch nur knapp hinter Staffel 1.

Unser Fazit zum Auftakt von True Detective – Night Country

Atemlose Spannung, ein wendungsreicher Fall und ein herausragendes, weil konventionelles Ermittlerinnengespann machen True Detective – Night Country zur Renaissance der Stärken der ersten Staffel. Die Serie spart weder an drastischen Momenten noch an Schlägen in die Magengrube und ist demnach ein Krimi für Erwachsene, eher für die Nordic-Noir-Fraktion als für CSI-Fans.

True Detective – Night Country startet am 29. Januar 2024 bei Sky Atlantic im Fernsehen. Bei Sky Go und WOW geht es mit der Folge parallel zum US-Start schon am 15. Januar los und danach im Wochenrhythmus weiter!

Unsere Wertung:

 

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