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Captain Willard auf der Suche nach Walter E. Kurtz © Studiocanal Home Entertainment

Apocalypse Now

Apocalypse Now ist wohl einer der einflussreichsten und bekanntesten Filme aller Zeiten. Zu Recht hat sich Francis Ford Coppolas Antikriegsfilm als Meisterwerk in die Köpfe der Zuschauer eingebrannt. Zum 40-jährigen Jubiläum des Films gibt es vom Altmeister persönlich eine letzte, finale Version des Films: den Final Cut. Was dieser anders macht als die vorherigen Versionen und ob der Film es nach all der Zeit immer noch schafft, zu begeistern, erfahrt ihr in unserer Kritik.

TitelApocalypse Now
Jahr1979
LandUSA
RegieFrancis Ford Coppola
DrehbuchJohn Milius, Francis Ford Coppola
GenreKriegsfilm, Drama, Mystery
DarstellerMartin Sheen, Marlon Brando, Laurence Fishburne, Frederic Forrest, Sam Bottoms, Robert Duvall, Harrison Ford, Dennis Hopper
Länge182 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihArthaus Filmverleih
Offizielles Steelbook zu Apocalypse Now
Offizielles Steelbook zu Apocalypse Now © Studiocanal Home Entertainment

Worum geht’s in Apocalypse Now?

Benjamin Willard, Captain der US-Army und Veteran des Vietnam-Krieges, ist erst vor kurzer Zeit aus dem aktiven Einsatz zurückgekehrt. Die Dinge, die er dort sehen musste, stellten sein Leben auf den Kopf, sorgten für die Scheidung von seiner Frau und immer wiederkehrende Flashbacks von den Schrecken des Krieges. Als er jedoch von Vorgesetzten der Army für eine besondere Mission ausgewählt wird, muss er ins immer noch von Kämpfen gebeutelte Vietnam zurück.

Willard soll nämlich Colonel Walter E. Kurtz ausfindig machen und ermorden. Der ehemals hochdekorierte Kriegsheld hat sich in den tiefsten Dschungel Kambodschas zurückgezogen und herrscht dort nun über eine Gruppe von Einheimischen, die ihn wie einen Gott verehren. Das Problem: Der vermeintlich wahnsinnige Kurtz ist immer noch Teil der US-Army und seine Methoden sind für eben jene untragbar. Gemeinsam mit einer Truppe junger Soldaten macht sich Willard auf den Weg und ein wilder Trip durch die brutalen Wirren des Vietnam-Kriegs beginnt.

Captain Willard versteckt sich getarnt im nebeligen Sumpf, nur noch sein bemalter Kopf ist zu sehen
Captain Willard auf der Suche nach Walter E. Kurtz © Studiocanal Home Entertainment

Unglaubliche Bilder

Coppolas Vietnamkriegs-Epos zeichnet sich verantwortlich für einige der wiedererkennbarsten Bilder aller Zeiten. Die Helikopter im Anflug auf ein vietnamesisches Dorf, die Flammenbahn durch den Dschungel oder Martin Sheen, der in Kriegsbemalung aus dem Sumpf auftaucht – All diese Szenen haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt, und das nicht ohne Grund. Die Bildsprache von Apocalypse Now ist einfach so ausdrucksstark wie erschütternd. Geschickt bedient sich der Film zahlreicher visueller Stilmittel. So zum Beispiel der Überlagerung mehrerer Szenen, besonders zu Beginn des Films, um Willards Trauma vom Krieg darzustellen. Oder etwa die Schnitte, die perfekt auf die Musik abgestimmt sind.

Einige Szenen sind audiovisuell einfach unglaublich © Studiocanal Home Entertainment
Einige Szenen sind audiovisuell einfach unglaublich © Studiocanal Home Entertainment

Apocalypse Now leistet Unglaubliches, und das, obwohl der Film schon 40 Jahre auf dem Buckel hat! Erstaunlich sind hierbei nicht nur das Gezeigte, sondern auch die Inszenierung. Kameramann Vittorio Storaro setzt die sowohl schockierenden als auch wunderschönen Bilder absolut brillant in Szene und wertet diesen ohnehin schon fantastischen Film nochmal ein gutes Stück auf.

Und wo wir gerade von Musik geredet haben: Selbstredend gilt alles oben genannte auch für den Soundtrack. Seien es nun Wagners Walkürenritt oder The End von The Doors. Die fast schon hypnotische Atmosphäre des Streifens spiegelt sich einfach in allen Aspekten seiner Audiovisualität wieder und ist eines der eindrucksvollsten Beispiele der Schaffenskraft des New Hollywood.

Der Schrecken, der Schrecken…

Die Art und Weise, in der Apocalypse Now die grausamen Kampfhandlungen im Vietnam darstellt, lassen einem wirklich die Kinnlade runterklappen. Hier werden ganze Wälder abgebrannt, Siedlungen mit Frauen und Kindern mit Napalm bombardiert und blutige Schussgefechte ausgetragen. Schockierend wird es aber wirklich, wenn man erkennt, wie trivialisierend mit diesen Dingen umgegangen wird. Diese Art der Kritik am Krieg macht den Film zu einem der bedeutendsten Antikriegsfilme aller Zeiten.

Maßgeblich hierfür ist Robert Duvalls viel zitierte Figur des Lt. Bill Kilgore, der einige der in der Popkultur am tiefsten verankerten Filmzitate von sich gibt. Wenn man zum Beispiel sieht, wie besagte Siedlungen komplett ausgerottet werden und der Lieutenant selbstgerecht und völlig ohne Mitgefühl ruft: “Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen”, ist der über den Rücken laufende Schauer vorprogrammiert. Selbiges gilt für die völlig deplatzierten Gespräche übers Surfen während ähnlich grausamer Machenschaften. Und doch ist der Lieutenant kein per se schlechter Mensch, so hilft er verwundeten und respektiert Mut auf dem Schlachtfeld. Wird man als Zuschauer mit einer derart ambivalenten Figur konfrontiert, schaut man wahrscheinlich selbst so ungläubig wie Hauptdarsteller Martin Sheen auf der Leinwand.

In Apocalypse Now spielt Robert Duvall als Lt. Bill Kilgore rauchend auf einer Gitarre neben dem zuschauenden Willard
Robert Duvalls Figur ist eine der interessantesten des ganzen Films © Studiocanal Home Entertainment

Hypnotisches Schauspiel

Der macht seinen Job übrigens hervorragend. Selten habe ich erlebt, wie jemand mit so wenigen Gesichtszügen so eine Wirkung beim Zuschauer erzeugen kann. Sheen schaut zwar immer irgendwie ähnlich, aber immer mit einer Mischung aus Schock, Ungläubigkeit, posttraumatischer Belastungsstörung und dem Wunsch, all das endlich hinter sich zu lassen. Auch wenn er weiß, dass das niemals gehen wird. Auch der Rest des Casts macht seinen Job erstklassig. Der zu diesem Zeitpunkt noch sehr junge Laurence Fishburne zum Beispiel oder auch Frederic Forrest, die beide starkes Mitgefühl und unglaubliche Authentizität vermitteln. Und ganz besonders Sam Bottoms, den wir live bei seinem Niedergang in den Wahnsinn beobachten dürfen. Wie mit so vielen anderen Dingen kann Apocalypse Now also auch bei seinen Darstellern punkten.

Eine Nahaufnahme von Willards schockiertem und ungläubigen Gesichtsausdruck, der sich durch den ganzen Film Apocalypse Now zieht
Selten hat ein einziger Gesichtsausruck so fasziniert © Studiocanal Home Entertainment

Die Produktions-Hölle von Apocalypse Now

Wie furchtbar und kompliziert die Produktion von Apocalypse Now war, ist mittlerweile schon legendär. So wurde zum Beispiel das gesamte Set von einem Sturm zerstört und Coppola musste in die eigene Tasche greifen, um den Film noch finanzieren zu können. Auch an der schauspielerischen Front gab es nicht allzu viel erfreuliches: Martin Sheen war eigentlich gar nicht für die Rolle des Benjamin Willard vorgesehen, sondern begeisterte erst im Nachhinein die Macher des Films. Allerdings zerschlug er in einer der bekanntesten improvisierten Szenen der Kinogeschichte einen Spiegel und verletzte sich schwer an der Hand. Außerdem erlitt er während der 16-monatigen (!!!) Dreharbeiten einen Herzinfarkt, was den Release des Films noch weiter herauszögerte.

Marlon Brando hingegen stellte wortwörtlich seine Rolle als Genre-Schwergewicht unter Beweis: Der Der Pate-Star erschien nämlich überraschend übergewichtig am Set, was Coppola gar nicht gefiel. Seine Rolle des Walter Kurtz war im Buch nämlich eher von hagerer Statur. Das erklärt auch, warum viele von Brandos Szenen in der Kinofassung nur im Halbdunkel spielen. Wer mehr über die wirklich turbulente Produktionsgeschichte des Films erfahren will, dem sei an dieser Stelle Hearts Of Darkness empfohlen. Die Doku beleuchtet das Geschehen hinter den Kulissen nämlich äußerst detailliert.

Regisseur Francis Ford Coppola liegt bei den Dreharbeiten zu Apocalypse Now auf einem Boot und guckt gen Himmel
Regisseur Francis Ford Coppola bei den Dreharbeiten zu Apocalypse Now © Studiocanal Home Entertainment

Der Final Cut

Francis Ford Coppolas einflussreicher Antikriegsfilm kam bereits in zahlreichen Versionen auf den Markt: Da waren etwa die Kinofassung (ca. 2h30Min) oder auch die Redux-Version (ca. 3h20Min). Nun kommen wir also in Genuss des Final Cuts, der sich mit seinen ca. 3 Stunden zwischen den beiden vorherigen Fassungen niederlässt. Wo die Redux-Fassung von Apocalypse Now einigen Zuschauern noch ein gutes Stück zu lang schien, pendelt sich Coppolas Final Cut gut in der Mitte ein. Man merkt dem Film zwar an, dass er lang ist, allerdings wird er nie langweilig oder gar “zu lang”.

Durch die Kürzung oder vollständige Abwendung von einigen Szenen wie zum Beispiel der berühmt-berüchtigten Franzosen-Szene, die im Final Cut zwar vorhanden, aber ein wenig kürzer ist, ergibt sich ein angenehmes Filmerlebnis. Auch Look und Sound wurden im Nachhinein verbessert: Apocalypse Now kann nun bei Bedarf im O-Ton mit Dolby Atmos gehört und in 4K bestaunt werden. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass es sich hierbei um die beste Version des Films handelt.

Fazit zu Apocalypse Now

Was soll man hierzu noch großartig sagen. Apocalypse Now ist einfach in jeder Hinsicht ein Meisterwerk. Look, Sound und Schauspiel grenzen an Perfektion und die bewegte Geschichte hinter dem Film macht das Ganze nur noch fantastischer. Fügt man dann noch die zeitlose Antikriegs-Message hinzu und die schockierende Art, mit der diese verbreitet wird, weiß man, dass man einen der besten Filme aller Zeiten vor sich hat. Auch der Final Cut, die endgültige Version des Films von Coppola selbst, kann sich sehen lassen. Mit etwas weniger Laufzeit als der doch etwas langen Redux-Fassung hat der Film die ideale Länge und erzeugt das Maximum an Wirkung beim Zuschauer. Absolute Sehempfehlung für jeden, der diesen Meilenstein der Filmgeschichte noch nachholen muss oder sich noch einmal die perfekte Version des Films zulegen will.

Apocalypse Now: Final Cut erscheint am 24.10.2019 als BluRay und Steelbook im Handel und digital als VoD.

Unsere Wertung:

 

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Jonas Hellrung

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