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Belle

Regisseur Mamoru Hosoda verlegt in seinem neuesten Spielfilm Belle ein Märchen in die futuristische Welt einer virtuellen Realität. Wie ihm diese Adaption gelungen ist, erfahrt ihr in unserer Kritik!

BELLE Trailer German Deutsch (2022)

TitelBelle (OT: Ryū to Sobakasu no Hime)
Jahr2021
LandJapan
RegieMamoru Hosoda
DrehbuchMamoru Hosoda
GenreAnimation, Drama, Musikfilm, Sci-Fi
DarstellerKaho Nakamura, Ryo Narita, Shota Sometani, Tina Tamashiro, Lilas Ikuta, Takeru Satoh
Länge121 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihKoch Films
Suzu und Belle stehen Rücken an Rücken in ihren unterschiedlichen Welten - Belle Cover
Das Cover von Belle © Rapid Eye Movies

Die Handlung von Belle

Die Schülerin Suzu führt nach dem Tod ihrer Mutter ein unscheinbares Leben. Ihre große Leidenschaft, das Singen, hat sie hinter sich gelassen. In der Schule wird sie von niemandem wirklich beachtet. Lediglich ihre beste Freundin Hiro und ihr Kindheitsfreund Shinobu scheinen einen Draht zu ihr zu haben. All das ändert sich jedoch, als Suzu „U“ herunterlädt – eine App, die die inneren Werte ihrer Nutzer scannt und als Figuren in einer virtuellen Welt sichtbar macht. In „U“ schlüpft Suzu in die Rolle der wunderschönen Sängerin Belle. Dort gelingt es ihr mithilfe von Hiro, einen regelrechten Hype um ihre Person zu kreieren.

Auf einem ihrer digitalen Konzerte begegnet ihr schließlich der Drache, der in „U“ als gefürchteter Bösewicht gilt. Suzu ist umgehend fasziniert von dem Nutzer und beschließt, nach ihm zu suchen und seine Identität zu erfahren. Aber sie ist nicht die Einzige; eine Spezialeinheit hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Drachen zu enttarnen und aus „U“ zu verbannen. Suzu muss schnell das Vertrauen des geheimnisvollen Users gewinnen, um ihn noch retten zu können…

Große Weiten, kleine Bilder

Wo sich in Hosodas Vorgängerwerk Mirai noch eine Familiengeschichte in das Gewand eines Zeitreise-Abenteuers hüllte, liegt der Fokus in Belle auf der Szenerie seiner Cyberwelt „U“. Bereits eine der ersten Aufnahmen, in der der die Protagonistin von großartiger Musik untermalt auf einem schwebenden Wal durch scheinbar unendliche Massen von Avataren gleitet, stellt deutlich unter Beweis, dass hier die Fantasie grenzenlos sein soll. Die 3D-Animation in „U“, welche sich mit zweidimensionalen Designs in der realen Welt abwechselt, suggeriert durch ihre weitreichenden Panoramabilder ein Erlebnis ungeahnten Ausmaßes.

Belle schwebt vor einer Reihe an Plakaten in U, auf denen Botschaften an sie angezeigt werden
Aufruhr in der Welt von „U“: Millionen von Fans warten auf die Rückkehr von Weltstar Belle. © Koch Films

Leider jedoch kann der Film das Versprechen, das er zu Beginn macht, über die Gesamtlaufzeit nur selten einlösen. Vielmehr verstärkt sich mit jeder neuen Szene der Eindruck, dass „U“ lediglich aus endlosen Weiten an Nichts besteht. Die Kulissen wirken lieblos und austauschbar; größtenteils werden lediglich Unmengen an negativem Raum mit ziellos umherfliegenden Charaktermodellen gefüllt, die kaum darüber hinwegtäuschen, dass es hier im Grunde wenig zu sehen gibt.

Kein tieferes Verständnis für die Welt

Anders als beispielsweise die Oasis in Ready Player One wirft „U“ niemals die Frage auf, wie es wohl wäre, selbst diese Technologie nutzen zu können. Trotz ihrer Größe scheinen die Welten schlussendlich winzig, die angeblich unbegrenzten Möglichkeiten eingeschränkt und limitiert.

Anstatt sich diese Schwächen im Design jedoch zunutze zu machen, um etwa die Lehre zu erteilen, dass keine virtuelle Simulation besser sein kann als die Realität, ist Belle in seinem kritischen Umgang mit der Technologie erstaunlich zahnlos. Zu einer wirklichen Auseinandersetzung mit Fragen nach Privatsphäre, Datenkraken oder ähnlich relevanten Themen kommt es überhaupt nicht, obwohl zu Beginn deutliche Hinweise darauf gegeben werden, dass diese Aspekte eine wichtige Rolle spielen könnten. Letzten Endes bleiben all diese spannenden Inhalte allerdings auf der Strecke, um Platz für eine Besprechung vorgegaukelter Online-Persönlichkeiten und ein Appell an die Authentizität zu machen – uninspirierte Botschaften, die bereits vor dem ersten sozialen Medium längst auserzählt waren.

Suzu sitzt zwischen Mitschülern in ihrem Klassenraum und blickt aus dem Fenster
Die Normalität des Alltags: Während sie als Belle vor Millionen von Usern auftritt, drückt Suzu im echten Leben noch die Schulbank. © Koch Films

Be@uty and the Be@st

Nicht nur im Namen, welchen Suzu ihrem Alter Ego in „U“ verleiht, werden die Parallelen zum französischen Märchen Die Schöne und das Biest deutlich. Besonders scheint Mamoru Hosoda der Disney-Klassiker von 1991 inspiriert zu haben, auf den er sich mehrmals visuell bezieht und dessen ikonische Tanzszene er sogar explizit zitiert. Zumindest vor diesem Hintergrund ist die Adaption in ein futuristisches Sci-Fi-Setting verständlich; das Internet hat das Tragen eines falschen Gesichts so einfach gemacht, wie man es sich im 18. Jahrhundert wohl nicht einmal vorstellen konnte. Und wenn sich Belle auf seine Kerngeschichte konzentriert, in der Suzu lernen muss, dass vielleicht sie diejenige ist, die ihre wahre Natur aus Angst davor verbirgt, wie sie auf andere wirken könnte, bietet sich tatsächlich eine kompetent erzählte Geschichte. Der Film ist dann am besten, wenn er alle großen Techno-Fassaden hinter sich lässt und sich seiner Hauptfigur und der Dynamik mit ihrem Freundeskreis widmet.

Unglücklicherweise verliert Hosoda auch dann, wenn die Geschichte in die reale Welt verlegt wird, an einigen Punkten den Fokus. So beschränkt sich ein übergroßer Teil der ersten Hälfte des Films auf die Suche nach der Identität des Drachen; ein Handlungsstrang, der einen bitteren Nachgeschmack nach Zeitverschwendung hinterlässt und mit ausgelutschten Plattitüden aufwartet, allen voran allerdings auch einfach wenig Sinn ergibt. Beispielsweise gerät ein Baseballstar in Verdacht, das Biest zu sein, da Gerüchte kursieren, dass er in Wahrheit nicht so freundlich ist, wie er öffentlich vorgibt zu sein. Dass diese Aussage beliebig ist und vermutlich kein Prominenter existiert, dem dies nicht nachgesagt wird, scheint dem Autor dabei nicht bewusst zu sein. Auf einer ähnlich oberflächlichen Ebene spielt sich diese gesamte Episode der Handlung ab, nur um am Ende lediglich eine vollkommen untergeordnete Rolle zu spielen. Dem Drehbuch fehlt es nicht nur deshalb streckenweise an einem Gespür für Struktur und Subtilität.

Ein Leben ohne Gesang

Schon in seinen ersten Minuten macht Belle die Wichtigkeit von Musik in seiner Welt deutlich. Nicht nur beginnt der Film mit einem Livekonzert der Protagonistin, der Zuschauer erfährt auch in Rückblenden vom Musikunterricht, den Suzu von ihrer Mutter erhalten hat. Dadurch ist das Element des Gesangs untrennbar mit ihrem Schmerz und ihrer Sehnsucht verbunden; seit dem Tod ihrer Bezugsperson igelt sie sich ein und kann keinen Ton mehr singen. Erst als Belle gelingt es ihr, vor einem Millionenpublikum auftreten. Die wunderschön von der Synchronsprecherin und Sängerin Kaho Nakamura interpretierten Nummern bewegen dabei nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich. Bereits früh erfahren wir, dass ihre Mutter bei dem Versuch verstarb, ein fremdes Kind vor dem Ertrinken zu retten, und Suzu seitdem das Gefühl plagt, im Stich gelassen worden zu sein. So benötigt sie die digitale Maske, um ihrer Leidenschaft wieder nachgehen zu können, da sie das Gefühl hat, selbst nicht auszureichen.

Belle schließt die Augen, um mithilfe des Scanners in „U“ einzutauchen.
Der Realität entfliehen: Die virtuelle Welt „U“ ermöglicht der unsicheren Suzu, sich neu zu erfinden. © Koch Films

Dank der mitreißenden Ohrwürmer kann der Zuschauer sofort nachvollziehen, wodurch die Faszination von Belle in „U“ zustande kommt. Der Soundtrack harmoniert fantastisch mit den Bildern und beschreibt Suzus persönliche Entwicklung in musikalischer Form. Jede Konzertszene wird somit augenblicklich zu einem Highlight des Films. Mamoru Hosoda gelingt es hier, die Hauptfigur auch außerhalb von Dialogen genauer zu zeichnen und ihre Persönlichkeit audiovisuell zu unterstreichen.

Unser Fazit zu Belle

Auf den ersten Blick beeindruckend bebildert, bei genauerem Hinsehen jedoch enttäuschend blass und ideenarm baut Belle einen modernen Rahmen für eine altbekannte Geschichte. Dabei verliert er deutlich zu oft seine größten Stärken aus den Augen und konzentriert sich auf abgedroschene Inhalte. Die wenigen genialen Ideen werden hierdurch zunehmend in den Hintergrund gedrängt. Während vor allem die Interaktionen der Hauptfigur mit ihrem sozialen Umfeld durchaus mit Charme überzeugen können, sind es die Science-Fiction-Elemente, die auf altbekanntem Terrain wandern und ihren angeblich unendlichen Möglichkeiten kaum gerecht werden. Darum wird trotz eines spannenden Konzepts und einiger schöner musikalischer Kompositionen das zweifelsohne vorhandene Potenzial kaum ausgeschöpft. Lediglich überzeugte Anime-Fans werden hier wohl voll auf ihre Kosten kommen. Der Rest wird sich an der Welt von „U“ zu schnell sattgesehen haben, um über die erzählerischen und strukturellen Schwächen hinwegblicken zu können.

Belle startet ab dem 9. Juni 2022 in den deutschen Kinos!

Unsere Wertung:

 

 

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© Koch Films

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