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Eine Blonde Frau (Kirsten Dunst) trägt eine Kugelsichere Weste mit der Aufschrift "Press"

Civil War

Civil War ist nicht nur der neuste Film von Alex Garland, sondern auch der erste Versuch der Erfolgsschmiede A24 einen Blockbuster-Hit zu landen. Ob das Independent-Studio sich bald in die Reihen der Großen begeben darf, erfahrt ihr in der Review.

CIVIL WAR Trailer German Deutsch (2024) @FilmtoastDE

TitelCivil War
Jahr2024
LandUSA, Finnland, Vereinigtes Königreich
RegieAlex Garland
DrehbuchAlex Garland
GenreDrama, Action
DarstellerKirsten DunstWagner MouraCailee SpaenyNick OffermanStephen McKinley Henderson, Jesse Plemons, Karl Glusman
Länge109 Minuten
FSKFreigegeben ab 16 Jahren
VerleihDCM
Zu sehen ist die Fackel der Freiheitsstatue. Umrundet von Sandsäcken und besetzt mit bewaffneten Soldaten. Darunter der Titel "Civil War"
Das offizielle Plakat zu Civil War © A24 / DCM

Die Handlung von Civil War

Ein Bürgerkrieg teilt die Vereinigten Staaten von Amerika, doch die Front ist mittlerweile bis nach Washington vorgedrungen. Eine vierköpfige Gruppe von Kriegsjournalisten macht sich auf den Weg zum weißen Haus, um den Präsidenten noch einmal zu interviewen, bevor er der Opposition zum Opfer fällt. Bei ihrer Reise quer durch das vom Krieg geplagten Land dokumentieren die vier das Geschehen und geraten dabei auch selbst in die Schussbahn. Doch die Zeit läuft ihnen davon.

Figuren im Wandel

Lee (Kirsten Dunst) ist schon lange als Kriegsfotografin tätig und hat bereits vor dem Bürgerkrieg einiges mitgemacht. Sie ist auch über ihre Branche hinaus bekannt und renommiert. Als sie bei einer Demonstration ist, um das Geschehen dort zu dokumentieren, trifft sie auf Jessie (Cailee Spaney), welche sich ebenfalls für die Fotografie begeistert. Sie ist noch Jung und unerfahren, will aber ebenfalls die Schrecken des Krieges festhalten. Sammy (Stephen McKinley Henderson) befindet sich auf der anderen Seite des Spektrums und ist schon seit vielen Jahrzehnten hinter der Kamera. Er ist inzwischen zu alt, um sich direkt an die Front zu begeben, ist aber gewillt seine Erfahrung zu teilen und sein Wissen an die nächste Generation abzugeben. Joel (Wagner Moura) hingegen stürzt sich in Getümmel und wirft sich zwischen die Soldaten um ein gutes Bild zu bekommen. Er arbeitet schon lange mit Lee. Der Krieg ist in den letzten Zügen und deswegen bilden die vier eine Reisegruppe nach Washington.

Vier Personen sitzen in einem Auto, dass mit "Press" beschriftet ist.
Die Reisegruppe hat noch einige Meilen vor sich © A24 / DCM

Die Beziehung zwischen Lee und Jessie beginnt etwas schwierig. Die angesehene Journalistin ist verschlossen und lässt die junge Fotografin nicht an sich heran und versucht sie zu beschützen. Jessie hingegen ist voller Tatendrang und gewillt, zu lernen. Lee ist dabei nicht nur ihr Idol, sondern wird im Laufe der Handlung immer mehr zu einer Art Mutterfigur für sie. Während sie beginnt zu verstehen, was der Preis dafür ist, wenn man sich lange mit so viel Leid und Elend umgibt, bekommt Lee Stück für Stück ein bisschen ihres verlorenen Mitgefühls zurück. Das spiegelt sich vor allem in dem Schauspiel der beiden wieder. Kirsten Dunst ist zu Beginn wortkarg und zurückhaltend, während Cailee Spaney aufgeregt und wissensdurstig daherkommt. Sehr nuanciert erhalten die beiden Charakterzüge der jeweils anderen, während Sammy als gutes Herz und Gewissen der Gruppe agiert.

Fotografie als Stilmittel

Fotos sind ein wichtiger Aspekt in Civil War. Sie sind nicht nur Teil der Handlung, sondern werden auch als Stilmittel verwendet. Immer wieder werden statische Aufnahmen mehrere Sekunden lang gezeigt, damit sie ihre Wirkung voll entfalten können. Dadurch, dass es Momentaufnahmen aus dem Geschehen sind, sind sie auch nicht immer scharf. Oft sind sie verwackelt, überbelichtet oder nicht richtig im Fokus. Im Film wird sogar adressiert, dass oft nur jedes 30. Bild verwendet werden kann. Tragisch, wenn man bedenkt, was auf diesen Fotos teilweise abgebildet wird. Zwischen Schönheit, Tragik und Kriegsverbrechen ist alles mit dabei.

Bild und Ton

Technisch gesehen ist Civil War über jeden Zweifel erhaben: Bei den Bildeinstellungen wurden viele Motive aus der Fotografie verwendet, was den visuellen Bezug zur Thematik noch einmal verdeutlicht. Dabei werden häufig sehr offene Blenden mit geringer Tiefenschärfe genutzt. Der Fokus liegt dadurch an einem Punkt, während der Hintergrund in der Unschärfe verläuft. Das führt besonders bei den ruhigen Passagen  zu einem verträumten Bild. Kameramann Rob Hardy spielt viel mit solchen Motiven, weiß aber auch, wenn es genug ist. So wirken solche Momente auch niemals Fehl am Platz.

In den Ton hat man ebenfalls sehr viel Arbeit gesteckt. Auch wenn es vielleicht ein wenig zu viele Einspieler von Popmusik über Bildmontagen gibt, hat man durch hervorragendes Sounddesign stets ein immersives Gefühl. Besonders im letzten Akt wird aus dem Vollen geschöpft. Die Präsenz des Kriegs wird hier durch den Sound enorm spürbar: Schüsse, Schreie und Explosionen sind aus allen Richtungen zu hören, sogar wenn es gerade nicht im Bild ist. Die Schlacht findet nicht nur da statt, wo die Kamera ist. Das kann man bei Civil War auch hören.

Eine Junge Frau und ein Mann stehen an einer Gebäudeecke. Sie tragen Kugelsichere Westen und Helme mit der Aufschrift "Press". Die Frau hält einen Fotoapparat in der Hand.
Jessie und Joel begeben sich für die Fotos ins Kreuzfeuer © A24 / DCM

Pressefreiheit

Journalismus und Presse sind nicht nur inhaltlich das zentrale Thema des Films, sondern werden auch als Stilmittel verwendet. So tragen die Figuren den Aufdruck „Press“ (engl. Presse) wie ein Schutzschild vor sich, das sie vor allem Unheil bewahren soll. Das funktioniert häufig, weshalb sie für ihre Dokumentation oft mit Soldaten sprechen oder von ihnen mit auf kurze Einsätze genommen werden. Dabei werden jedoch nie Gründe für Einsätze genannt oder Stellung bezogen. Zuschauende soll sich Anhand der Geschehnisse ein eigenes Bild machen. Alle Seiten werden gleichbehandelt und neutral dokumentiert. Doch es gibt Parteien, welche die Journalisten angehen und angreifen. Eine direkte Attacke auf die Pressefreiheit.

Unser Fazit zu Civil War

Civil War ist ein beeindruckender Film, dem der Spagat zwischen journalistischer Neutralität und Menschlichkeit gelingt. Audiovisuell ist der Film ebenfalls auf einem ausgesprochen hohen Niveau. Besonders das Sounddesign hat im Kino überzeugt und zeigt, was mit einer ausgeklügelten Tonspur für eine Immersion erreicht werden kann. Mit Civil War traut sich A24 einen massentauglichen Film in die Kinos zu bringen, der dennoch den Ansprüchen seiner Fans gerecht wird: Ein Film, der nachhallt und sicherlich auch in kommenden Jahren nicht an Relevanz verlieren wird.

Civil War startet am 18. April 2024 in den deutschen Kinos.

Unsere Wertung:

 

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Zuletzt aktualisiert am 10. November 2022 um 18:10 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
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Sascha Grethmann

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