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Die Gleichung ihres Lebens

Mathematik ist für viele, die an ihre Schulzeit zurückdenken, womöglich ein Quell von Albträumen. Es gibt jedoch Genies, deren ganzes Leben aus Zahlen zu bestehen scheint. Einer solchen Person widmet sich der französische Film Die Gleichung ihres Lebens – Ist die Romanze nur etwas für Nerds? Oder wird auch Mathe-Hassern das Herz erweicht?

LE THÉORÈME DE MARGUERITE Bande Annonce (2023) Clotilde Courau

TitelDie Gleichung ihres Lebens (OT: Le théorème de Marguerite)
Jahr2023
LandFrankreich
RegieAnna Novion
DrehbuchAnna Novion, Mathieu Robin, Marie-Stéphane Imbert, Agnès Feuvre
GenreDrama, Romanze
DarstellerElla Rumpf, Jean-Pierre Darroussin, Clotilde Courau, Julien Frison, Sonia Bonny
Länge112 Minuten
FSKab 6 Jahren freigegeben
VerleihWeltkino Filmverleih
Das Plakat zu Die Gleichung ihres Lebens
Das Plakat zu Die Gleichung ihres Lebens © Weltkino Filmverleih

Die offiziell Inhaltsangabe von Die Gleichung ihres Lebens

Primzahlen sind Marguerites große Leidenschaft. Die brillante Mathematikstudentin ist die einzige Frau im Promotionsprogramm unter dem renommierten Professor Werner an der École Normale Supérieure in Paris. Doch als sie bei der Präsentation vor einem Forschergremium mit einem gravierenden Fehler in ihrer Arbeit konfrontiert wird und die Fassung verliert, lässt ihr Doktorvater sie fallen und widmet sich ganz dem talentierten Promovierenden Lucas. Tief erschüttert und voller Selbstzweifel wirft Marguerite alles hin und sucht sich einen Aushilfsjob. Schnell muss sie erkennen, dass auch das Leben außerhalb der Universität überraschende Erkenntnisse bereithält und sich weder die Mathematik noch Lucas so einfach aus ihrem Leben verbannen lassen.

Die Faszination der Mathematik

Der Film beginnt in dem er dem Publikum die brillante Protagonistin vorstellt und sie in den ersten Momenten direkt als Besessene darstellt, die – ohne, dass es ausgesprochen wird – wie viele dieser Genies wohl an einer Autismus-Spektrum-Störung leidet. Denn Marguerites Liebe zu ihrem Studium geht weit über wissenschaftlichen Ehrgeiz hinaus und wirkt eher zwanghaft und wie eine Realitätsflucht als wie eine gesunde Passion. Sozial isoliert, aber nicht unbeliebt, spleenig, aber nicht verblendet – trotz der Genialität ist die Hauptfigur jedoch nicht ein komplettes Klischee. Dennoch gibt es immer wieder Szenen, die diese Schwelle ausreizen. In wieweit die Darstellung realistisch ist, sei an dieser Stelle nicht zu bewerten, da der Rezensent selbst zu wenig Umgang mit Menschen mit Autismus hat, um dies beurteilen zu können.

Um Grenzen zu überwinden, muss man kreativ sein.

Zweifelsohne hingegen schafft es die Geschichte schon herauszufiltern, was speziell die Mathematik für Menschen wie Marguerite bedeutet: Komplexe Rätsel, die als unlösbar gelten und so zur Lebensaufgabe werden können, eine ausschließlich mit dem Verstand zu erledigende Herausforderung, bei der man weder Hand anlegen noch zwangsläufig mit anderen Menschen in Kontakt treten und zusammenarbeiten muss. Klar wird das auch in den Szenen außerhalb des Universitären, denn selbst dort denkt die Protagonistin in Zahlen und Mustern, erstellt vor dem geistigen Auge Muster und ordnet alles in Kategorien ein – das gibt Ordnung und Halt und kaschiert die Unfähigkeit sozial zu interagieren.

Nach dem Fall kommt das echte Leben

Als Marguerite dann von ihrem Mentor fallengelassen wird, ist sie gezwungen, sich dem Leben zu öffnen. Und auch wenn in den ersten Szenen noch typische Momente skizziert werden, die ihre Steifheit und Unbeholfenheit etwas zu platt abbilden, so macht es doch im weiteren Verlauf Eindruck, wie sich das Mathegenie zu entwickeln beginnt. Ella Rumpf mit einer Nerd-Brille aus der Mauerblümchen-Mottenkiste auszustaffieren, war auch vielleicht etwas zu erzwungen, denn die Darstellerin vermag allein durch ihre Spiel die autistischen Züge ihrer Figur herauszuarbeiten. Dabei spielt sie wesentlich subtiler als es das manchmal in Vorurteilen verhaftete Skript vorgegeben haben mag.

Mathematik und Gefühle muss man voneinander trennen.

Ganz speziell ist es aber die Interaktion mit dem anderen Geschlecht, die mitunter einen verstörenden Eindruck hinterlassen kann. Auch hier kann man als Nichtbetroffener wohl schlecht beurteilen, ob dies so plausibel ist, aber ein Stück weit wird die Figur der Marguerite in ihrer sexuellen Unbedarftheit der Lächerlichkeit preisgegeben. Das Entdecken ihrer Lust zeigt Parallelen zu Emma Stones Bella in Poor Things, doch hier passt es nicht ganz zur tonalen Grundausrichtung. Ähnlich wie im Oscar-Hit sind es auch hier die Bezugspersonen, die ein Stück weit in die Verantwortung genommen werden müssen, die naive Frau bei ihren Entdeckungen nicht ungewollten Risiken auszusetzen. In Die Gleichung ihres Lebens ist es schwierig, hier Grenzen der Übergriffigkeit zu ziehen, denn nicht immer ist klar, wie verantwortungsbewusst sich Marguerite in verschiedenen Bereichen ist.

Marguerite (rechts) entdeckt das Nachtleben für sich © Weltkino Filmverleih

Genialität und Realität

Auch in Oppenheimer wies die Titelfigur einen Mangel an Sozialkompetenzen auf, Beth Harmon in Das Damengambit hatte Schwierigkeiten Beziehungen erwachsen anzugehen und Dustin Hoffman in Rainman konnte zwar von seinem Bruder wegen seiner mathematischen Fähigkeiten behilflich sein, doch ansonsten war er ohne ihn komplett hilflos – Oft wenn in Filmen und Serien Genies auftreten gehen bei ihrer Charakterisierung mit den wissenschaftlichen Begabungen gesellschaftliche Inkompetenzen einher. Aronofskys Pi, die Agentenserie Person of Interest oder Gifted mit Chris Evans und McKenna Grace sind weitere Beispiele einer Liste, die sich endlos fortsetzen ließe. Dementsprechend kann man es Die Gleichung ihres Lebens gar nicht groß zum Vorwurf machen, diese Diskrepanz auch hier wieder so in den Vordergrund zu stellen.

Ich hatte große Angst vor der Unendlichkeit

Doch dem Film gelingt es in einigen Szenen der Thematik etwas Neues hinzufügen. Damit ist nicht gemeint, dass Marguerite – wie alle ähnlich angelegten Rollen – unverhohlen die Wahrheit ausspricht und nicht merkt, dass sie dadurch ihre Gegenüber brüskiert oder gar verletzt. Nein gemeint ist vielmehr, dass Ella Rumpf im Gegensatz zu ihren filmischen Vorgängern doch eine marginale Figuren-Metamorphose in ihre Darbietung einwebt. Viele ihrer Erkenntnisse basieren wiederum auf den Übertragungen mathematischer Logiken angewandt auf Alltagssituationen, aber das ist nur konsequent und dem Titel angemessen. Mathematik ist der wichtigste Teil im Leben von Marguerite, aber sie ist am Ende nicht mehr alles in ihrer Realität.

Unser Fazit zu Die Gleichung ihres Lebens

Manchmal klischeehaft in seiner Darstellung, lässt Die Gleichung eines Lebens etwas Potential liegen, profitiert aber von ehrlich wirkenden Emotionen und einer stark aufspielenden Ella Rumpf, sodass man den Film am Ende doch ohne Einschränkungen empfehlen kann. Nicht nur Mathe-Nerds werden von einer Passion mitgerissen und dürfen an einer spannenden Figurenentwicklung teilhaben.

Die Gleichung ihres Lebens läuft ab dem 24. Juni in den deutschen Kinos.

Unsere Wertung:

 

 

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© Weltkino Filmverleih

Jan Werner

Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen.

Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern.

Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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