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Der Mann mit der Stahlkralle

Der Mann mit der Stahlkralle galt lange als nur einer von vielen Revenge-Thrillern der 70er, erlebte aber dank Quentin Tarantino eine späte Wiederentdeckung. Ob sich diese lohnt, erfahrt ihr in unserer Review!

Rolling Thunder (1977) ORIGINAL TRAILER

TitelDer Mann mit der Stahlkralle (OT: Rolling Thunder)
Jahr1977
LandUSA
RegieJohn Flynn
DrehbuchPaul Schrader, Heywould Gould
GenreAction, Drama
DarstellerWilliam Devane, Tommy Lee Jones, Linda Haynes, James Best, Dabney Coleman, Luke Askew
Länge95 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihPLAION Pictures/Explosive Media
Aus schwarzem Hintergrund schält sich die Silouhette von William Devane heraus, die von oben nach unten führenden Abbildungen seines rechten Armes mit Stahlkralle suggerieren eine Abwärtsbewegung - Der Mann mit der Stahlkralle
Das Blu-ray Cover von Der Mann mit der Stahlkralle © Explosive Media

Der Mann mit der Stahlkralle – Handlung

Major Charles Rane (Wiliam Devane) ist zusammen mit Johnny Vohden (Tommy Lee Jones) und zwei weiteren Kameraden nach sieben Jahren aus der Kriegsgefangenschaft in Vietnam entlassen worden und kehrt nun in seine Heimatstadt San Antonio zurück. Dort wird er als Held geehrt, bekommt eine Tasche mit 2.555 Silderdollars, einen für jeden Tag Gefangenschaft, und einen fabrikneuen Cadillac geschenkt. Ranes Frau indes erklärt ihm, dass sie nun einen anderen hat. Sein kleiner Sohn kennt ihn gar nicht, er war gerade erst geboren, als der Major einberufen wurde.

Und auch das Geld bringt ihm kein Glück. Eines Tages steht der Gangster Texan (James Best) mit seiner Bande in seinem Haus, will diese Silberdollars haben. Doch Rane bleibt stur, selbst als sie seine rechte Hand im Müllzerkleinerer verstümmeln. Dann wenden sie sich Frau und Sohn zu, letzterer weiß, wo die Tasche versteckt ist. Schließlich erschießt Texans rechte Hand Automatic Slim (Luke Askew) die beiden, Rane überlebt schwer verletzt.

Mit einer Stahlkralle am rechten Stumpen ausgestattet, macht sich der Kriegsveteran mit der jungen Linda (Linda Haynes), die sich zu ihm hingezogen fühlt, auf nach Mexiko, um Texan und seine Männer zu finden. Er ist fest entschlossen, mit ihnen abzurechnen…

Mehr Psychogramm als Actionfilm

Liest sich der Inhalt wie ein reißerischer Revenge-Thriller, entpuppt sich Der Mann mit der Stahlkralle dann doch als eine ruhige Psychostudie eines gebrochenen Mannes. Rane selbst bezeichnet sich als innerlich tot. Das Geständnis seiner Frau nimmt er zur Kenntnis, ohne in irgendeiner Weise emotional darauf zu reagieren. Für die Gesellschaft hat der Heimkehrer sich eine Fassade zugelegt, die zumeist durch eine Sonnenbrille gestützt wird. Niemand soll ihm in die Augen schauen und die Leere entdecken, die sich dahinter verbirgt. Er trägt sie, als er eine Rede bei seiner Ankunft am Flughafen hält, genauso bei der Feier in San Antonio. Die Geschenke, die er auf der Willkommensfeier erhält, nimmt er lächelnd entgegen, wie auch den Kuss von Linda, die ihm sie überreicht.

Selbst als bei dem Überfall seine Frau und sein Kind getötet werden, behält Rane die Fassung. Denn er hat keine emotionale Bindung zu ihnen, den Kleinen nur als seine biologische Nachkommenschaft akzeptiert und deshalb im engeren Sinne als für ihn selbst wichtig eingestuft. Die Beziehung zu Linda, die ihn unumwunden umwirbt, nutzt der Ex-Soldat aus, um sich den Gangstern in Mexiko vorsichtig zu nähern. Dabei hat er aber nicht die Rache für den Tod seiner Familie im Sinn. Es geht vielmehr um Leid, dass ihm in Vietnam zugefügt wurde.

Schon die erste bloße Befragung eines Mannes in einem mexikanischen Diner schlägt in Gewalt und Folter um. Er malträtiert dabei dessen Hand mit seiner Stahlkralle, zum Entsetzen von Linda. Diese hält lange an der Hoffnung fest, dass Rane sich ihr irgendwann öffnet. Doch der zieht erneut in den Krieg. Mexiko und die Schergen um Texan sind für ihn Platzhalter für Vietnam und den Vietcong. Als er zusammen mit Johnny in einem mexikanischen Bordell die Konfrontation sucht, treten sie entsprechend beide in voller Montur auf.

Ein langer Weg

Das Drehbuch zu Der Mann mit der Stahlkralle stammt von Paul Schrader. Er hatte es bereits 1973 verfasst und gehofft, mit diesem Film sein Regie-Debüt zu geben. Doch dies zerschlug sich, und das Skript wurde von American International Pictures zu 20th Century Fox weitergereicht. Die ließen es umschreiben, weswegen sich Schrader schließlich davon distanzierte. Der Kampf seines Protagonisten gegen die von Mexiko aus agierenden Gangster schien ihm zu glorifizierend. Dies kehre die Aussage des Films ins beinahe genaue Gegenteil. Ironie des Schicksals: Bei Testvorführungen fiel der Film trotzdem durch und ging zurück an AIP, weil der Produzent Lawrence Gordon sich weigerte, von Fox verlangte Schnitte vorzunehmen.

Die späte Verortung des Films unter dem Oberbegriff Grindhouse-Cinema scheint im Nachhinein so falsch gar nicht zu sein. In seiner Ambilvalenz zwischen der Intention Schraders eines ruhigen Psychogramms und zur Exploitation und Glorifizierung neigenden Überarbeitungen zum patriotischen Rache-Thriller passt er ganz gut in diese Nische. Dass Der Mann mit der Stahlkralle dennoch ein guter, lohnenswerter Film geworden ist, verdankt er der konsequenten Regie John Flynns (Lock Up – Überleben ist alles) und natürlich der hervorragenden Leistungen seiner Hauptdarsteller.

William Devane (Payback – Zahltag) gelingt es stets, dem stillen Mann hinter seiner Sonnenbrille einige Facetten abzuringen. Linda Haynes überzeugt durch ihre Natürlichkeit, und Tommy Lee Jones wirkt in seinen wenigen Auftritten schon beinahe gruselig. Aber auch die weiteren Nebenrollen sind mit den Routiniers James Best (Winchester 73) und Luke Askew (Der Unbeugsame) passend besetzt.

Unser Fazit zu Der Mann mit der Stahlkralle

Man kann nur mutmaßen, wie Der Mann mit der Stahlkralle unter anderen Umständen und mit unverändertem Skript geworden wäre. Was zählt, ist das, was vorliegt. Und das ist ein nicht minder beeindruckender Film, der sich Zeit für seinen Protagonisten nimmt. Der Charles Rane ausleuchtet und Darsteller William Devane ohne Worte das Grauen ausdrück lässt, welches ihm widerfahren ist. Nur zum Ende hin gehen ihm ein wenig die Gäule durch, will er sich auch noch an ein patriotisches Publikum anbiedern. Dies steht zwar merklich im Widerspruch zur Botschaft des Kriegs als nicht enden wollendes Grauen, ohne sie aber vollkommen unter sich zu begraben. Von eben dieser Ambivalenz geht auch ein große Faszination aus. Deswegen lautet das Fazit auch: Empfehlenswert!

Weiterhin wird die Sichtung des Films im O-Ton empfohlen, der ihm, wie der Original-Titel Rolling Thunder (dt. Donnergrollen), weit besser gerecht wird. Die deutsche Wiederveröffentlichung besticht durch ein neu erstelltes 4K-Master und ordentlichem Ton. Wer die Auflage von 2012 verpasst hat, kann getrost zugreifen.

Der Mann mit der Stahlkralle erschien am 25. Mai 2023 von Explosive Media im Vertrieb von PLAION Pictures auf DVD & Blu-ray!

Unsere Wertung:

 

 

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Zuletzt aktualisiert am 13. Juni 2023 um 13:16 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

© PLAION Pictures/Explosive Media

Thomas Hortian

Thomas, Jahrgang '76. Ich bin schon von kleinauf Filmfan, klapperte ab frühester Kindheit die drei Programme ab, weil meine Mutter keinen Videorekorder im Haus wollte. Ich war und bin aufgeschlossen für alles, aber mit den Jahren haben sich natürlich Vorlieben herausgebildet. Ich steh auf japanische Regisseure wie Kitano, Sabu, Miike und ganz doll Tsukamoto. Außerdem fahre ich voll auf klassische Horrorfilme der Hammer Films ab und bin Sammler italienischer Exploitation im Bereich des Giallo und Poliziesco.

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