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Victor (Daniel Auteuil) und Margot (Doria Tillier) fahren lachend mit einem Moped über die Straße, im Hintergrund ist die Kulisse des Cafés zu sehen.

Die schönste Zeit unseres Lebens

Noch einmal in die Zeit zurückreisen und die schönsten Momente seines Lebens Revue passieren lassen – für viele ein nicht realisierbarer Traum. Außer für Victor. In der französischen Tragikomödie Die schönste Zeit unseres Lebens bekommt er genau diese Möglichkeit. Ob wir diese Reise ins Jahr 1974 ebenfalls genossen haben, erfahrt ihr hier.

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TitelDie schönste Zeit unseres Lebens [OT: La belle époque]
Jahr2019
LandFrankreich, Belgien
RegieNicolas Bedos
DrehbuchNicolas Bedos
GenreKomödie, Drama, Romanze
DarstellerDaniel Auteuil, Guillaume Canet, Doria Tillier, Fanny Ardant, Michael Cohen
Länge116 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihConstantin Film
Das DVD-Cover zu "Die schönste Zeit unseres Lebens" mit Titel, FSK-Logo und einer Abbildung des Filmset-Cafés, in dem die beiden Hauptdarsteller sich gegenüber sitzen
Das Cover zu „Die schönste Zeit unseres Lebens“, erhältlich auf DVD, (© Constantin Film)

Die Handlung von Die schönste Zeit unseres Lebens

Victor (Daniel Auteuil) ist ein alternder Comic-Zeichner, bei dem nicht nur dessen Beruf, sondern auch seine Beziehung in Scherben liegt. Mit seiner Frau Marianne (Fanny Ardant) streitet er sich regelmäßig, bis sie ihn sogar vor die Tür setzt. Auch sein Sohn Maxime (Michael Cohen) kann die schlechte Laune seines konservativen, mit der technologisierten Welt hadernden Vaters nicht mehr ertragen. Also redet er mit seinem Freund Antoine (Guillaume Canet). Dieser leitet ein Unternehmen, das seine Kunden mittels Schauspieler und inszenierter Kulisse in eine Zeit seiner Wahl reisen lässt. Diese Einladung kann Victor nicht ausschlagen und so durchlebt er erneut den Mai 1974, als er seine Frau kennenlernte, die trotz all der Differenzen immer noch die Liebe seines Lebens ist. Dabei schlüpft die Schauspielerin Margot (Doria Tillier) in die Rolle seiner damals noch jungen Frau. Diese wiederum hat ein kompliziertes Verhältnis mit dem Regisseur Antoine…




Dialogkino made in France

Wie die verzwickte Inhaltsbeschreibung erahnen lässt, ist es gerade am Anfang nicht immer leicht, der Handlung zu folgen. Die schönste Zeit unseres Lebens springt mit schnellen Schnitten und wackligen Bildern von Figur zu Figur, von Ort zu Ort. Durch das zusätzliche Dialogfeuerwerk wirkt die Erzählweise zumindest anfangs etwas chaotisch. Doch wenn dann die eigentliche Handlung beginnt und Victor das erste Mal an das Set ankommt, welches ihm zu jenem Tag zurückbringen soll, an dem er die Liebe seines Lebens traf, wird alles ein wenig ruhiger und man lernt die Figuren erst so richtig kennen. Wie der Regisseur Nicolas Bedos im Making-Of erwähnt, ist genau dieser Effekt auch beabsichtigt, denn er überträgt sowohl das ohnmächtige Gefühl, welches Victor während der schnelllebigen Moderne empfindet, als auch seine wohlige Nostalgie in Bezug auf die größtenteils technikfreien 70er perfekt auf den Zuschauer.

Glaubhafte Zeitreise

Schnell hat man sich mit der interessanten Grundidee angefreundet, welche außerdem sehr realistisch erscheint, und findet richtig Gefallen an dem detaillierten, in gelb-braun-stichigen Bildern eingefangenen 70er-Jahre-Setting. Seien es die von Oldtimern beparkten Straßen, das (original)titelgebende gemütliche Café „La belle époque“, eine vor Weed geradezu überquellende Hippie-Bude oder Mode zwischen Schnauzbärten, engen Jeans und knarzenden Lederjacken. Das ist natürlich reichlich romantisiert wiedergegeben, was aber durchaus Sinn ergibt, wenn man bedenkt, dass die Kulissen aus dem nostalgisch verklärtem Gedächtnis von Victor stammen. Zudem sind diese überspitzten Klischees immer mit dem nötigen Augenzwinkern versehen.

Dem gegenüber steht die reale, in kälteren Farben dargestellte Welt im Hintergrund, welche sich zum Beispiel hinter Spiegelfenstern verbirgt, durch das der Regisseur und seine Crew dem Treiben folgen und Regie-Anweisungen per Kopfhörer geben können. Angesichts dieser durchaus aufwendigen Kulissen, die des Weiteren in kurzen Abschnitten noch in die US-Südstaaten des 19. Jahrhunderts oder in die NS-Zeit entführen, ist es schon erstaunlich, dass der Film eine Produktionsförderung von lediglich 460.000 Euro erhielt.

Victor (Daniel Auteuil) begutachtet sich im Spiegel, welcher eigentlich ein Spiegelfenster ist, durch das er vom Regisseur Antoine (Guillaume Canet) beobachtet wird
Durch Spiegelfenster kann Regisseur Antoine sein Set beobachten in „Die schönste Zeit unseres Lebens“, erhältlich auf DVD, (© Constantin Film)

Interessante Meta-Ebenen in Die schönste Zeit unseres Lebens

Durch das Film-im-Film-Prinzip, bei welchem Schauspieler Schauspieler verkörpern und die Regie eine Regie inszeniert, wird des Weiteren eine interessante Meta-Ebene geöffnet, die die Handlung immer wieder in ungeahnte Richtungen versetzt. Realität und Inszenierung verschwimmen zunehmend miteinander, weswegen Die schönste Zeit unseres Lebens nicht selten an Die Truman-Show (1998) erinnert, mit dem großen Unterschied, dass Victor im Gegensatz zu Jim Carrey sehr wohl weiß, dass alles um ihn herum nicht echt ist. Dies bringt er in den komödiantischen Momenten des Films auch gerne zum Ausdruck. Der Humor ist dabei typisch französisch, setzt also statt auf Schenkelklopfer, wie es in der deutschsprachigen Kino-Landschaft nicht selten der Fall ist, lieber auf einen stillen, charmanten Humor, der eher zum Schmunzeln als zum Brüllen einlädt.

Balance zwischen Tragik und Komik

Zudem beherrscht Die schönste Zeit unseres Lebens die perfekte Balance zwischen Tragik und Komik. Gerade eine Szene gegen Ende, bei der Victor plötzlich die echte Marianne in dem inszenierten Café gegenübersitzt und die beiden ihre Beziehung reflektieren, ist plötzlich ruhig und bedrückend. Die Musik, die normalerweise das Geschehen mit Gute-Laune-Klassikern unter anderem von Billie Holiday oder Bobby Goldsboro kongenial unterlegt, setzt in dieser Szene vollständig aus und macht stattdessen Platz für die großartigen Darsteller, in jener Szene vor allem für Fanny Ardant und Daniel Auteuil.

Wenn Letzterer mit funkelnden Augen durch die extra für ihn akribisch nachgestellten Kulissen läuft, kauft man ihm das voll und ganz ab. Seine Hauptfigur Victor wächst einem mit seiner kauzigen Art schnell ans Herz. Er ist ein durch und durch romantischer Kerl, der die moderne Welt einfach nicht mehr versteht und sich eine Zeit zurücksehnt, als noch nicht jeder auf sein Smartphone starrte, wie er selbst sagt. Die Streitereien erklärend, ist seine Frau das genaue Gegenstück. Statt sich in Erinnerungen an die gute alte Zeit zu verlieren, geht sie voll und ganz in der technologisierten Welt auf, fährt ein autonom fahrendes Auto und während ihr Mann im Bett vor dem Schlafengehen ein Buch in der Hand hat, lässt sie sich mittels VR an einen virtuellen Karibik-Strand transportieren. Warum Victor sie beide bereits als „Oma und Opa“ betrachtet, kann sie nicht im Ansatz nachvollziehen.

Ein Close-Up von der lachenden Marianne (Fanny Ardant)
Hat Marianne doch noch Gefühle für ihren Mann? Quelle: „Die schönste Zeit unseres Lebens“, erhältlich auf DVD, (© Constantin Film)

Schwere Themen, leichtfüßig behandelt

Somit ist der Film in gewisser Weise auch eine Abhandlung über Moderne vs. Nostalgie, ohne die Technik dabei zu verteufeln. Allerdings findet dieser Diskurs nur oberflächlich statt, ein bleischweres tiefgründiges Drama sollte man hier nämlich nicht erwarten. Im Gegenteil: Die schönste Zeit unseres Lebens ist ein leichtfüßiger Film mit typisch französischem Charme, der einen zwar gut gelaunt in den Abspann entlässt, aber dennoch viele interessante Themen zum Nachdenken anspricht.

Auch die Liebe und deren Vergänglichkeit ist eines dieser Themen. Parallel zu der alten und scheinbar erloschenen Liebe zwischen Victor und Marianne wird nämlich auch die relativ frische, aber nicht minder komplizierte, ebenfalls fabelhaft gespielte Beziehung zwischen dem aufbrausenden Regisseur Antoine und der sensiblen Schauspielerin Margot beleuchtet. Victor entwickelt während des Rollenspiels außerdem Gefühle für Margot. Der Film lässt jedoch die Frage offen, ob diese wirklich dem Menschen hinter der Rolle gelten oder nur den Erinnerungen an seine Frau, die Victor in Margot sieht. So entspinnt sich ein vielschichtiges Unterfangen, bei dem Moderne auf Nostalgie, alte auf junge Liebe und Inszenierung auf Realität trifft.

Unser Fazit zu Die schönste Zeit unseres Lebens

Ein mit der Gegenwart kämpfender Mann bekommt die Möglichkeit, an den Tag zurückzureisen, an dem er die Liebe seines Lebens traf. Mit typisch französischem Esprit versehen, ist Regisseur Nicolas Bedos mit Die schönste Zeit unseres Lebens eine leichtfüßige Tragikomödie über Liebe, Erinnerung, Nostalgie und Vergänglichkeit gelungen. Das Film-im-Film-Prinzip, das eine wunderbar detaillierte 70er-Jahre-Kulisse Teil der Handlung werden lässt, versetzt dem berührend gespielten Film zudem eine unvorhersehbare Meta-Ebene, bei der Inszenierung und Realität miteinander verschwimmen. Trotz der manchmal gehetzt wirkenden Erzählweise und der ein oder anderen etwas zu oberflächlich betrachteten Thematik ein wirklich kluger Film, der perfekt zwischen stiller Tragik und charmanter Komik balanciert.

Constantin Film veröffentlichte den Film am 04. Juni 2020 auf Blu-ray, DVD und als VoD!

Unsere Wertung:

 

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