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Diebinnen

Ein letzter Coup wartet in Diebinnen auf ein ungleiches Ganovenpaar. Kann der Netflix-Krimi von und mit Mélanie Laurent sein Publikum fesseln?

Wingwomen | Official Teaser | Netflix

TitelDiebinnen (OT: Voleuses)
Jahr2023
LandFrankreich
RegieMélanie Laurent
DrehbuchMélanie Laurent
GenreAction, Komödie, Krimi
DarstellerAdèle Exarchopoulos, Mélanie Laurent, Manon Bresch, Isabelle Adjani, Félix Moati, Philippe Katerine
Länge115 Minuten
Altersempfehlungab 12 Jahren freigegeben
StreamingdienstNetflix
Mèlanie Laurent und Isabelle Adjani
Auftragnehmer und -geber © Netflix

Diebinnen – Die offizielle Handlungsangabe

Meisterdiebin Carole (Mélanie Laurent) hat ihr aufregendes, aber auch gefährliches Leben satt und will mit dem Stehlen aufhören. Nur noch ein letzter Job wartet auf sie und ihre beste Freundin und Kollegin Alex (Adèle Exarchopoulos): Zusammen sollen sie für ihre Chefin (Isabelle Adjani) ein wertvolles Gemälde klauen, alles natürlich wie gewohnt mit Hilfe eines perfekt ausgearbeiteten Plans. Neu dabei ist die junge Rennfahrerin Sam (Manon Bresch), die den Fluchtwagen steuern soll. Doch der letzte Auftrag läuft aus dem Ruder und völlig anders, als ursprünglich gedacht und bald weiß niemand mehr genau, wer Freund oder Feind ist.

Eine spannende Mischung…

In erster Linie ist Diebinnen einmal ein recht klassisches Heist-Movie, das die typische „One-Last-Coup“-Trope bedient. Und wer hat dieses Genre so sehr geprägt wie kein anderer in den letzten 25 Jahren wie Steven Soderbergh? Und genau an die Filmografie des US-Regisseurs erinnert auch Mélanie Laurents Projekt hier in vielerlei Hinsicht. Nur weckt die französisch Antwort auf Soderbergh weniger Erinnerungen an die Oceans-Reihe als vielmehr an andere Titel aus dem Œuvre: Ein bisschen was von Logan Lucky, ein Hauch von Haywire, aber dann doch sehr viel französische Eigenart, die mitunter die Rezeption maßgeblich prägt.

Viele Tragikomödien aus unserem westlichen Nachbarland haben auch in Deutschland Anklang finden können. Dabei scheiden sich am französischen Humor tendenziell die Gemüter. Den einen sind die Gags zu forciert, bei anderen zünden die Witze nur bedingt, da sich Pointen oftmals anders ausspielen als in deutschen Komödien. So verhält es sich nun auch in dieser Gangster-Komödie. Dem Rezensenten ist es schwergefallen hier mal ernsthaft lachen zu müssen, aber anderen bei Humor-Geschmäckern kann diese Form des trockenen Witzes womöglich voll den Nerv treffen. Was aber unabhängig vom individuellen Humor ebenso einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen wird, ist die leicht melancholische Gangster-Ballade, die hier zusätzlich drin steckt.

… die nicht ganz aufgeht

Diebinnen erzählt zuvorderst von einer Freundschaft zwischen zwei Frauen, die zudem Partnerinnen als Ganoven sind und sich durch ihre Unterschiedlichkeit perfekt ergänzen. Das äußert sich in interessanten Dialogen, die wirklich auch so selten zu sehen waren. Leider verläuft dabei einiges ins Leere und die eigentliche Geschichte ist zu vorhersehbar und inhaltsarm, dass die Dynamiken nicht vollends zum Tragen kommen. Viele Nebenfiguren sind leicht überzeichnete Klischeefiguren, die zwar gut gespielt werden, aber irgendwie doch schnell auf die Nerven gehen. Darüber hinaus ist der eigentliche Heist vollkommen unspektakulär, verläuft nahezu reibungslos und kann auch nicht durch Spannung oder Action punkten. Der Beginn des Films ist stark, doch über weite Strecken hält der Mittelteil dem nicht stand.

An Adèle Exarchopoulos, Mélanie Laurent und Manon Bresch liegt das nicht, denn der Cast zieht das Publikum doch ganz gut in seinen bann. In den Dialogszenen hat der Film auch seine starken Momente und untermauert, dass mit diesen Darstellerinnen hier viel mehr drin gewesen wäre, wenn das Drehbuch mehr Raum für Charaktertiefe angeboten hätte.

Mèlanie Laurent in Diebinnen
Mèlanie Laurent in Diebinnen © Netflix

Wunderschönes Korsika kaschiert Mittelmaß

Neben den charismatischen Figuren ist das große Pro-Argument die Szenerie, die der Film überaus gut zu inszenieren weiß. Die Altstädte oder auch die Alpen und Wälder im ersten Drittel wecken Urlaubslust und transportieren das französische Lebensgefühl, dass eigentlich auch im Plot geschlummert hat. Die Eigenarten der beiden Protagonistinnen gepaart mit den Locations sorgen dann doch dafür, dass man über die knapp zwei Stunden ganz gut unterhalten wird. Mélanie Laurent hat eine außergewöhnliche Aura, die schwer zu erklären ist. Das hat schon in Inglourious Basterds nicht unerheblich zur Faszination beigetragen.

Dem steht Adèle Exarchopoulos in nichts nach, denn auch die junge Französin ist eine Garantie für extravagantes Charakterspiel. Viele andere Darstellerinnen hätten die Rollen in Diebinnen wohl zu Witzfiguren gemacht, aber durch die undefinierbare Ungreifbarkeit, die die beiden hier jeweils einzuweben schaffen, wünscht man sich doch, noch mehr von ihnen zu sehen – oder eben, dass man einen besseren Film mit den beiden produziert.

Unser Fazit zu Diebinnen

Diebinnen ist schwierig zu verorten und damit auch schwer zu fassen oder gar zu empfehlen. Fans französischer Filme bzw. speziell des eigenwilligen Humors werden hiermit sicher eine gute Zeit haben. Und Fans der beiden Hauptdarstellerinnen gewiss auch. Wer jedoch auf einen guten Heist-Film gehofft hat, wird enttäuscht werden, denn weder ist hier viel Action geboten, noch erzählt man von einem ausgeklügelten Raubzug, der die Nerven bis zum Zerbersten spannt. Kurzum: Man kann sich diese Netflix-Produktion aus oberflächlichen Gründen gern ansehen, aber in Sachen Plot und Anspruch wäre mehr drin gewesen.

Diebinnen läuft seit dem 1. November 2023 bei Netflix!

Unsere Wertung:

 

 

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© Netflix

Jan Werner

Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen.

Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern.

Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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