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Dog – Das Glück hat vier Pfoten

Miss Lulu und ihr Chauffeur – in Dog – Das Glück hat vier Pfoten geht es um die Annäherung zweier kriegsgeschädigter Ex-“Soldat*innen” auf einem klassischen Roadtrip. Ob Channing Tatums Regiedebüt besser angeleint geblieben wäre oder ganz brav die Pfote reicht, erfahrt ihr hier!

DOG - DAS GLÜCK HAT VIER PFOTEN Trailer German Deutsch (2022)

TitelDog – Das Glück hat vier Pfoten (OT: Dog)
Jahr2022
LandUSA
RegieChanning Tatum, Reid Carolin
DrehbuchReid Carolin, Brett Rodriguez
GenreDrama, Komödie
DarstellerChanning Tatum, Ethan Suplee, Kevin Nash, Bill Burr
Länge101 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihLeonine
Auf der Ladefläche eines Geländewagens sitzt Channing Tatum und schaut, mit dem Kopf etwas zur Seite geneigt direkt in die Kamera. Neben ihm und über dem Titel Dog - Das Glück hat vier Pfoten schaut aus dem Auto die Hündin hinaus und hat ihre Zunge komplett herausgestreckt. Sie stehen auf einer Landstraße, hinter ihnen grüne Natur und ein williger Himmel.
Das DVD-Cover von „Dog – Das Glück hat vier Pfoten.” © LEONINE Film Distribution

Die Handlung von Dog – Das Glück hat vier Pfoten

Jackson Briggs befindet sich nach seiner Zeit als U.S. Army Ranger in einer Sinnkrise. Um eine Chance auf den sehnlichst herbeigewünschten Wiedereintritt in den Dienst zu erhalten, muss er zähneknirschend eine ungewöhnliche Aufgabe übernehmen: Die hochtrainierte Militärhündin Lulu zur Beerdigung ihres Herrchens eskortieren.

Leichter gesagt als getan, denn nicht nur Jackson leidet an einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Auch die belgische Malinois erlitt körperliche sowie seelische Traumata und wird als aggressiv beziehungsweise unberechenbar beschrieben. Auf ihrem Weg werden sie lernen müssen, ihre kämpferischen Naturen nicht gegeneinander zu richten, sondern, vielleicht miteinander, neues Glück zu finden.

Tragischer Hintergrund

Kein Wunder, dass Channing Tatum Dog als sein Regiedebüt realisieren wollte, denn es ist wohl sein bis dato persönlichster Film. Das Buddy-Abenteuer wurde von Tatums Vergangenheit inspiriert, einer abschließenden Reise, welcher er mit seiner sterbenskranken Hündin (ebenfalls) Lulu unternahm. Ein letzter emotionaler Abschied wie Hommage an seine eigene Vierbeinerin also. Umso mehr verwundert es, dass der Film so marginal in die Tiefe geht, selten weh tut oder wahrhaftige Glücksgefühle erzeugt. Der Ansatz ist vielsprechend, indem auf einer Meta-Ebene zum Ende einer Beziehung Lebewohl gesagt wird, der Kern des Films derweil den Anfang, das vorsichtige Näherkommen von Mensch und Hund, in den Mittelpunkt rückt.

Besonders die Tatsache, dass Jackson (Tatum) von Beginn an klar ist, dass Lulu nach der Beerdigung eingeschläfert werden soll, lässt Dog ein wenig an eine filmische alternative Realität à la Inglourious Bastards oder Once Upon a Time in Hollywood erinnern, in welchen der Regisseur die Vergangenheit verarbeitet, nebstdem nach seinem Wunsch verändert. Mit diesem Punkt wird aber auch deutlich: von den ersten Minuten an wird kein Hehl daraus gemacht, wie der Film ausgehen MUSS.

In einem großen Käfig hockt Channing Tatum als Jackson vor dem namensgebenden Dog, Hündin Lulu und berührt sie zaghaft am Hals. Sie sitzt aufrecht vor ihm auf der rechten Seite und schaut ihm direkt in die Augen.
Ein erstes zaghaftes Wiedersehen, nur sind beide nicht mehr dieselben… . © LEONINE Film Distribution

Roadmovie Schablone

Dog folgt getreu den konventionellen Genreregeln. Altbekanntes Programm wird fast schon zu routiniert abgespult. Dabei fühlt sich der Film einerseits vollgepackt mit etlichen Pannen/Hindernissen an, andererseits passiert nicht wirklich viel innerhalb dieser temporären Haltestation. Wenn der Fokus von der Interaktion zwischen Jackson und “Dog” unterbrochen wird, tragen die Szenen meist nichts zum Gesamterlebnis bei, sprich, hätten genauso gut anders verlaufen oder ohne Verlust gänzlich gestrichen werden können.

Diese Momente sind besonders formelhaft, wenn z.B. Jacksons Familienhintergrund derart lieblos in den Raum geworfen wird, dass sich für Zuschauer*innen die Frage stellen muss, was damit bezweckt werden sollte. Außerdem sind manche Begegnungen seltsamer, unorganischer Natur. Positiv sticht hingegen der wohl abgefahrenste Boxenstopp hervor, welcher Jane Adams/Kevin Nash als schrulliges Filmpaar vorstellt.

Verschenktes Potential

Dass beide, Jackson und Lulu, mitunter wegen PTBS aufs Abstellgleis geraten, eröffnet die Chance, unerwartete, auch schmerzhafte Geschichten zu erzählen. Die wahre Natur der Probleme wird dennoch selten offengelegt. Entgegen der allgemeinen Vorhersehbarkeit bleibt der Eindruck, dass so viel mehr hätte erzählt/erforscht werden können. Die Prämisse birgt ein unfassbar interessantes sowie vielschichtiges Thema – wie Tier und Mensch aufeinander zu gehen, wie einschneidende Erfahrungen generell auf Tiere wirken – alles zusammengeführt durch zwei äußerlich so unterschiedliche und doch so grundlegend gleiche Figuren. Trotzdem hat man wenig aus dem Potential gemacht.

Dog tendiert bei der Aufarbeitung klar zum namensgebenden Hund. So verdrängt nicht nur Jackson seine Ängste, sondern auch der Film ihn. Bei Filmen wie Hachiko kein Problem. Der Buddy-Aspekt und nicht nur der Hund selbst steht aber eigentlich im Zentrum von Dog. Jacksons Anfälle werden hastig hineingepresst. Mehr wird darüber geredet, als es uns tatsächlich zu zeigen, sodass nur bedingt das Ausmaß des Leidens für den menschlichen Part im Duo vermittelt wird. Mehr reeller Struggle mit der Situation, gleichzeitig weniger Gerede “das doch alles gut sei“, hätte definitiv mehr Substanz beigefügt. Ernsthafte Auseinandersetzungen mit den Schäden und die brisante Ausgangslage, all das wird oftmals von den Comedy-Elementen in der Intensität torpediert. Also…

Von der Fahrerperspektive, mit dem Lenkrad im Vordergrund, schauen wir Richtung Beifahrersitz, auf welchem Lulu den Sitz in Stücke reißt. Die Außenverkleidung hat sie schon im Maul. Von außen, durch das halbgeordnete Fenster schaut Jackson hinein und wirkt erstaunt. Dog - Das Glück hat vier Pfoten.
Na, wer ist kein braver Hund? © LEONINE Film Distribution

… Was denn nun?

Drama oder mehr Feel-Good-Comedy? Nichts Halbes und nichts Ganzes! Die flapsigen Sprüche und Tatums generell sehr lockere Art sorgen für ein paar Grinser, wirkliche Lacher gibt es selten. Die Mixtur mit Themen wie Drogenmissbrauch, Traumata, das Auseinanderbrechen von Familien ist von der Gewichtung unausgewogen. So sind die dramatischen Augenblicke plötzlich leicht unpassend albern, die komödiantischen immer gehemmt vom eigentlich düsteren Ton.

Ein Beispiel, das den Film in seiner Art “gut gemeint, aber weniger gut umgesetzt” perfekt versinnbildlicht, ist erneut die fehlende Balance der Tonalität, wenn es um den Blick auf das häufig romantisierte Soldat*innen-Leben geht: Dog versucht durchaus, das Dilemma vieler Heimkehrer*innen zu hinterfragen und eröffnet eine brutal ehrliche Sicht auf ein Amerika, in welchem Bürger*innen ihr Land verteidigen, jedoch vom Selbigen im Stich gelassen werden. Allerdings steigt der Film schnell von einem obdachlosen Veteranen und der ungeschönten Darstellung wieder ab zur chauvinistisch-patriotischen Message ”thank you for your service“ und einer ganzen Menge Salute.

Starke Performances in Dog – Das Glück hat vier Pfoten

Channing Tatum hat mehr zu bieten, als es seine Rollenauswahl oftmals hergibt. Seine schauspielerische Leistung gehört zweifellos zu den Stärken von Dog. Weder scheint er sich besonders anzustrengen noch ist seine Figur jemals vollends ausgearbeitet, doch weiß Tatum mit seinem Charme und Engagement einmal mehr zu glänzen. Es macht Spaß, ihm zuzuschauen, wie er scheinbar mit Leichtigkeit wachsende Vertrautheit zu der Hündin aufbaut. Das Buddy-Gespann ist sympathisch, auch weil Lulu mit überraschend gutem Timing und Slapstick-Comedy Tatum in Sachen körperlicher Unterhaltung echte Konkurrenz macht. Sie wird von drei identisch ausstehenden, extrem gut trainierten Hündinnen porträtiert. In Dog ist der Hund sozusagen das beste Element. Ihr Arc, von der anfangs unzähmbaren Killerin zum liebenswerten pelzigen Companion, lässt alle anthropomorphen Figuren alt aussehen.

Es ist erfrischend, dass auf rührselige Szenen mit ihrem Herrchen in Form eines Prologs oder Rückblenden verzichtet wurde, um sich auf die Zukunft für Lulu (Jackson) nicht die Vergangenheit zu konzentrieren. Ein Road-Movie ist prädestiniert für offensichtliches Character-Development, welches auch Dog solide umsetzt. Nichtsdestotrotz wachsen die Charaktere nicht so ans Herz, wie sie es könnten. Nicht wegen der ohnehin vorhersehbaren Geschichte, vielmehr fehlt die ein oder andere Spitze, welche die Beziehung auf eine wirkliche Probe stellt sowie uns vollständig mitreißt.

Jackson und Lulu stehen am Anfang eines Friedhofs. Hinten rechts ist bereits ein Grab zu sehen. Beide stehen aufrecht und schauen neben die Kamera vorbei auf etwas. Jackson trägt seinen Rucksack um eine Schulter und sein T-Shirt sieht verdreckt aus, während er mit beiden Händen Lulus Leine hält. Lulu hachelt und trägt ihre Militärkleidung.
„Dog“ wartet mit malerischen Landschaftsaufnahmen und einigen coolen Posen auf. © LEONINE Film Distribution

Unser Fazit zu Dog – Das Glück hat vier Pfoten

Unter dem Strich ist es ein gelungenes Regiedebüt, das sich trotz der Konstellation, die Buddy-Mechanismen zu sprengen verspricht, aber leider nicht von anderen Road-Movies oder “Hundefilmen” abheben kann. Man bekommt was man erwartet, denn der Film wirft die Figuren Roadtrip-typisch in absurde Situation und lässt sie eine Katharsis durchleben. Jedoch kann man auf eine Meile erschnuppern, worauf Dog mit seiner einfachen, indes schönen Geschichte hinaus will. Vor allem ist es eine Liebeserklärung von Channing Tatum an seine verstorbene Hündin: wenn man ihn sieht, verdreckt und mit den letzten Kräften, wie er Lulu buchstäblich zur Beerdigung trägt.

Aus filmischer Sicht wäre es sinnvoller gewesen, den Film entweder dramatischer aufzuziehen oder ganz auf Comedy zu setzen. Das Drama ist komödiantisch, die Comedy ist dramatisch inszeniert und am Ende will der Film die eine Träne heraus forcieren, anstatt all-in zu gehen, um Wasserfälle fließen zu lassen. Dog ist schlicht nicht bereit, sich zu stark in eine Richtung zu bewegen. Gleichwohl spürt man förmlich die Liebe, die in das Projekt geflossen ist. Für passionierte Hunde-Fans empfehlenswert, denn hier bekommt man trotz aller Kritik reichlich (Hunde-)Futter!

Dog – Das Glück hat vier Pfoten ist seit dem 02.09.22 auf Blu-ray sowie DVD erhältlich!

Unsere Wertung:

 

 

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Zuletzt aktualisiert am 12. September 2022 um 9:39 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
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© Leonine

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