Futter für die Fans: 2007 legt der Spanier Juan Carlos Fresnadillo mit 28 Weeks Later eine furiose Fortsetzung zu Danny Boyles 28 Days Later nach.
Die Handlung von 28 Weeks Later
7 Monate sind seit dem Ausbruch des Wut-Virus vergangen. Die letzten Infizierten Londons sind vor sechs Monaten gestorben. In District One, einer vom US-Militär verwalteten Sicherheitszone innerhalb der Stadt, soll das gesellschaftliche Leben wieder aufblühen. Nach und nach werden Zivilisten angesiedelt, um die Stadt wieder zu bevölkern. Darunter sind auch Don (Robert Carlyle) und seine beiden Kinder Tammy (Imogen Poots) und Andy (Mackintosh Muggleton). Don beteuert gegenüber seinen Kindern, dass ihre Mutter Alice (Catherine McCormack) vor seinen Augen von Infizierten getötet wurde und er nur mit knapper Not entkommen konnte.
Das Geschwisterpaar findet seine Mutter durch Zufall innerhalb der Quarantänezone Londons. Schnell wird klar, dass sie mit dem Virus infiziert, selber jedoch immun ist. Sollte das Virus erneut ausbrechen, gibt es für das US-Militär nur eine Lösung: Code Red – die gänzliche Vernichtung District Ones…
Schneller, höher, weiter
Kurzum: 28 Weeks Later ist ein gänzlich anderer Film als noch Danny Boyles beklemmender Survivalthriller 28 Days Later. Boyle setzte auf eine ausgeglichene Balance zwischen Momenten des blanken Entsetzens und ruhiger Melancholie. Juan Carlos Fresnadillo, Regisseur der Fortsetzung, hingegen zieht das Tempo drastisch an und folgt dem gängigen Konzept zu Fortsetzungen erfolgreicher Filme: schneller, höher, weiter.
Das macht 28 Weeks Later nicht automatisch zu einem schlechten Film, ganz im Gegenteil ist dieser sogar ungeheuer packend. Das erhöhte Tempo schlägt sich allerdings in mangelnder Tiefe nieder. Waren die Figuren im Vorgänger allesamt Individuen, sieht man hier zu allererst ziemlich stereotype Charaktere, die zwar zum Mitfiebern einladen, aber meist doch nur dazu dienen, den Bodycount in die Höhe zu schrauben.
Die Fortsetzung bietet in der Summe also leichtere Kost und ist deutlich dem Mainstream zugewandt. Trotzdem kann 28 Weeks Later zeitweise mit einer ungeheuren Atmosphäre aufwarten. Insbesondere der Prolog gehört zweifelsfrei zu einem der intensivsten Einstiege in einen Film. Die brüchige Idylle im englischen Landhaus ist nicht von langer Dauer und erneut sind es die Kombination aus druckvollem Score (eine Variation des Klassikers In A House – In A Heartbeat: Don Abandons Alice) und verwackelter Kamera, die den Zuschauer mitten hinein in das Chaos ziehen. Wenn Don völlig erschöpft und außer sich nach seiner dramatischen Flucht durchatmen kann, lösen sich auch vor dem Bildschirm sämtliche Anspannungen auf.
Die Überlebenden
Es wird noch einige vergleichbarer Szenen voller Hektik und Panik geben. Ein weiteres Paradebeispiel bietet das Wüten eines Infizierten in einem eng begrenzten Gebiet: eine dicht gedrängte Menschenmenge gibt das Virus in Sekundenschnelle von einem zum anderen Bewohner Neu-Londons. Zwischen das gespenstische Flackern der Beleuchtung mischen sich die panischen Schreie der Eingesperrten, Blut und Speichel spritzen umher – in kürzester Zeit hat ein wahres Massaker stattgefunden. Die anfangs große Gruppe der Überlebenden wird zügig dezimiert, wobei zwei Dinge angenehm in Erinnerung bleiben.
Einerseits wird teils regelrecht gesplattert – wie bereits erwähnt: schneller, höher, weiter (man erinnere sich beispielsweise an das Helikopter-Geschnetzeltes). Andererseits wird mit den Haupt- und vermeintlichen Heldenfiguren wenig zimperlich umgegangen. Denn unter den Darstellern finden sich einige beliebte Gesichter, deren Sympathiepunkte beim Publikum jedoch nicht automatisch eine filmische Lebensversicherung bedeuten.
Fresnadillo kann bei seiner ersten internationalen Regiearbeit auf eine ganze handvoll namhafter Persönlichkeiten zurückgreifen. Imogen Poots (Black Christmas, Green Room, I Kill Giants) ist an der Seite von Jeremy Renner (The Hurt Locker, Wind River, Hawkeye im Avengers-Universum) und Rose Byrne (Insidious 1 & 2, Sunshine, I Am Mother) zu sehen. Heimlicher Star ist aber der recht undurchsichtig agierende Robert Carlyle (Trainspotting 1 & 2, Ravenous, Hitler – Der Aufstieg des Bösen). In kleineren Rollen finden sich außerdem Idris Elba (Fast & Furious: Hobbs & Shaw, Zwischen zwei Leben, Molly’s Game) und Catherine McCormack (Braveheart, Spy Game).
Fazit zu 28 Weeks Later
Fünf Jahre nach dem beklemmenden 28 Days Later legt der Spanier Juan Carlos Fresnadillo mit 28 Weeks Later eine deftige Fortsetzung nach. Weniger Kammerspiel, mehr Action. Weniger Tiefgang, mehr Gore. Dank der flotten Inszenierung bleibt dem Zuschauer kaum Zeit über den fehlenden Tiefgang nachzugrübeln. Nach dem rasanten Einstieg bietet der Film einen kurzen Moment des Luftholens, nur um im Anschluss die Schlinge um den Hals der Protagonisten zusehends enger zu ziehen.
Wie so oft hängt der (Un)Genuss des Films wohl von den persönlichen Vorlieben ab. Wer sich einen ähnlich düsteren Thriller wie den Vorgänger erhofft, wird elitär die Nase rümpfen. Wer sich hingegen mehr Action und Bombast erwartet, wird sich zufrieden zurücklehnen.
Schade, dass Fresnadillo nach 28 Weeks Later nur noch sporadisch in Erscheinung tritt. Da das offene Ende einen möglichen Nachfolger nicht ausschließt und Fans sich eine Fortsetzung der Reihe immer wieder herbeisehnen, ist vielleicht nicht auszuschließen, dass Boyle oder Fresnadillo dafür erneut Platz auf dem Regiestuhl nehmen. Seit der Veröffentlichung des zweiten Teils wurden jedenfalls immer wieder Gerüchte laut. Die Devise ist wohl, einfach weiter abzuwarten.
© Twentieth Century Fox Home Entertainment
Tobi ist bereits gute 7 Jahre an Bord und teilt so fast 20% seiner Lebenszeit mit Filmtoast. Wie es ursprünglich dazu kam ist so simpel wie naheliegend. Tobi hatte unregelmäßig auf Seiten wie Schnittberichte Reviews zu Filmen verfasst und kam über diverse facebooksche Filmgruppen und –diskussionen in Berührung mit dem damaligen Team von Filmtoast (die Älteren erinnern sich: noch unter dem Namen Movicfreakz) und wurde daraufhin Teil dessen.
Thematisch ist er aufgeschlossen, seine feste Heimat hat er jedoch im Horrorfilm gefunden, da für ihn kein anderes Genre solch eine breite Variation an Themen und Spielarten zulässt. Kontroverser Ekelschocker, verstörender Psychothriller oder Elevated Horror – fast alles ist gern gesehen, auch wenn er zugeben muss, dass er einen Sweet Spot für blutrünstig erzählte Geschichten besitzt.
Tobi geht zum Lachen jedoch nicht (nur) in den blutverschmierten Keller, sein Herz schlägt unter anderem bei Helge Schneider, dänischem schwarzen Humor oder den Disyneyfilmen seiner Kindheit höher.
Kinogänge vollzieht er am liebsten im städtischen Programmkino, zum Leidwesen seiner filmisch weniger affinen Freunde, meidet er große Kinoketten wie der Teufel das Weihwasser. Am liebsten geht er seiner Filmleidenschaft jedoch in den eigenen vier Wänden nach, um den viel zitierten Pile of Shame seiner physischen Filmsammlung abzuarbeiten.
Tobi lebt in Sachsen-Anhalt, ist beruflich in einer stationären außerklinischen Intensivpflege verankert und hat mit der Begeisterung zum Film und dem Schreiben darüber den für sich perfekten Ausgleich zum oftmals stressigen Arbeitsalltag gefunden.

