Sylvester Stallone wurde vom amtierenden US-Präsidenten zum Sondergesandten für Hollywood ernannt. Kann er mit Armor seine Qualitäten für diesen Job unter Beweis stellen?

Die Inhaltsangabe von Armor
James (Jason Patric) und Casey (Josh Wiggins) sind nicht nur Vater und Sohn, sondern auch Fahrer eines Geldtransporters. Eines Tages sollen sie eine Kiste mit unbekanntem Inhalt befördern, doch kurz nach dem Start werden sie von Rook (Sylvester Stallone) und seinem Team überfallen. Gefangen im gepanzerten Wagen hoffen sie auf Hilfe, während die Gangster alles daransetzen, an die wertvolle Fracht zu gelangen.
Von Anspruch zu Kommerz – und schlussendlich zum Müll
„You, my friend, lost it“, schleudert einer von Slys Untergebenen ihm ins Gesicht. Auch wenn diese Worte an seinen fiktionalen Charakter Rook gerichtet sind, überträgt sich die Frage nach der Sichtung von Armor unweigerlich auf die reale Person: Wann hat er es verloren – sein Gespür für Qualität? Manche würden sagen, dies geschah bereits in den 80ern. Bekannt wurde er durch zwei Filme, die deutliche Einflüsse der New-Hollywood-Bewegung aufweisen – auch wenn diese bei seinem zweiten essenziellen Werk von 1982 bereits tot war: Rocky – eine Ode an den amerikanischen Traum und Rambo – eine Abrechnung mit ebendiesem. Doch was kam danach? Viele seelenlose Blockbuster, die weit entfernt von seinem früheren erzählerischen Anspruch sind.
Andere würden behaupten, er habe Ende der 90er endgültig den Weg verloren, als er nach mehreren belanglosen Action-Vehikeln kurzzeitig mit Copland zum Charakterspiel zurückfand, diesen Pfad jedoch sofort wieder verließ. Und spätestens nach 2000, da sind sich wohl alle einig, landete er einen Flop nach dem anderen – es sei denn, er bezog sich explizit auf bekannte Marken. Stallone selbst scheint sein Ruf völlig egal zu sein, denn anders ist sein Mitwirken in Armor nicht zu erklären. Dieses Machwerk ist nämlich noch entbehrlicher als sein vierter Beitrag über Entbehrliche, in dem selbst er entbehrlich war.
Ruhe und Gemütlichkeit in der stressigen Zeit
Eine Bande von Verbrechern will einen Geldtransporter knacken. Eigentlich ist es in solchen Szenarien üblich, dass sich die Gangster gut vorbereiten, um möglichst schnell an die Beute zu kommen und rasch vom Tatort verschwinden. Doch die Drehbuchautoren zeigen hier eindrucksvoll, wie man diesen Prozess gezielt entschleunigt. Zunächst braucht es absurde Ausreden, warum keine Hilfe von außen kommt. Dann nehmen sich die Gangster jede Menge Zeit, verzichten auf sinnvolle Vorbereitung und bringen selbstverständlich kein geeignetes Equipment mit. Vor Ort steht man am besten planlos herum, hält einen kleinen Plausch mit den Mitarbeitern der Sicherheitsfirma und bewegt sich so wenig wie möglich. Den Truck bitte nicht umzingeln, damit der Konflikt nicht sofort beendet wird, falls einer der Insassen mal kurz an die frische Luft will. Dies muss man den Überfallenen zugestehen, die können ja nicht die ganze Zeit tatenlos im heißen Wagen sitzen. Betrachten wir es als kleines Dankeschön, dass die Fahrer nicht gleich zu Beginn die Gesetze der Physik genutzt haben, um die mickrige Straßensperre wegzuräumen, sondern brav stehengeblieben sind.

Arbeitsverweigerung auf allen Ebenen
Bei Unklarheiten hilft Sylvester Stallone, der die Kunst des gelangweilt Herumstehens hier perfektioniert hat. Jason Patric, der Keanu Reeves in Speed 2 ersetzt hat, könnte sich daran ein Beispiel nehmen: Man muss sich gar nicht so anstrengen, um sein Geld zu verdienen. Doch auch der zäheste Überfall muss irgendwann zu Ende gehen. Dafür sorgt der obligatorische Klischee-Psycho (Dash Mihok), der zumindest gelegentlich die Handlung vorantreibt.
So langwierig und ermüdend der Überfall auch inszeniert ist, er trägt trotzdem keine 90 Minuten. Deswegen gibt es noch für die Handlung völlig unwichtige Hintergrundgeschichten, Stiftsuchaktionen, Twists, die kein Mensch versteht und irgendetwas mit einem Kartell. Dem Niveau von Schauspiel, Drehbuch und Regie passt sich auch die Tricktechnik an. Am deutlichsten ist das bei einer Fluchtszene aus dem Truck zu erkennen, die angeblich unter Wasser spielt oder bei den paar Blutspritzern, die mit Windows Paint erstellt wurden.
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Unser Fazit zu Armor
Ich sehe schwarz für Hollywood: Von Donald Trump wurde wurde Stallone Anfang 2025 zum "Sonderbotschafter in Hollywood" vorgeschlagen und sollte so eigentlich die Traumfabrik wieder auf Vordermann bringen. Stattdessen beweist er mit Armor, dass ihm das Filmgeschäft völlig egal ist. Selbst in seinen schlechtesten Zeiten hat er sich nicht für so einen Murks hergegeben. Ein dummes Drehbuch trifft auf eine schlechte Inszenierung. Garniert wird der Rotz mit billigen Effekten und der Arbeitsverweigerung eines ehemaligen Superstars. Wenigstens gibt es nun einen Konsens, dass Stallone endgültig sein Gespür verloren hat.
Armor ist seit dem 7. Februar 2025 auf Blu Ray und DVD erhältlich
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.

