Die Trailer von Disclosure Day lassen offen, mit welcher unheimlichen Begegnung der dritten Art uns Steven Spielberg diesmal konfrontiert. Bekommen wir einen neuen Krieg der Welten zu sehen, müssen wieder Extra-Terrestrische nach Hause geschickt werden oder wartet am Ende der langen Reise doch nur ein oller Kristallschädel auf uns?
Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit – Darum geht’s:
Was würdest du tun, wenn du herausfinden würdest, dass wir nicht allein sind? Dr. Daniel Kellner (Josh O’Connor) entdeckt, dass sein Arbeitgeber die Existenz außerirdischen Lebens unter Verschluss hält. Er entwendet die entsprechenden Daten und beschließt, sie zu veröffentlichen. Sein Vorgesetzter (Colin Firth) will die Enthüllung jedoch um jeden Preis verhindern und macht fortan Jagd auf ihn. Unerwartete Hilfe erhält Kellner von der Meteorologin Margaret Fairchild (Emily Blunt), die plötzlich eine geheimnisvolle Verbindung zu den Wesen aufgebaut hat.

Alles Gute kommt von oben
Fragt man Spielberg, woher seine Faszination für den Weltraum kommt, verweist er im Promo-Material zu Disclosure Day auf seinen Vater. Doch es war mehr als nur wissenschaftliches Interesse, das ihn an den Sternen faszinierte. Schon früh fragte er sich, ob auf einem fernen Planeten eine Zivilisation existiert, die Kontakt mit uns aufnehmen könnte. Diesem Thema näherte er sich in seiner langen Karriere bereits viermal. All diese Filme zeigen nicht nur Spielbergs Sicht auf Außerirdische, sondern spiegeln auch den jeweiligen Zeitgeist wider.
1977 und 1982 kamen die Besucher aus dem All noch in friedlicher Mission. Die Gefahr ging allein von unserer Seite aus. In Unheimliche Begegnung der dritten Art verschwieg die Regierung die Existenz der Außerirdischen, um sie vor der Öffentlichkeit zu schützen – Nur wenige Auserwählte kamen in den Genuss des ersten Kontakts. Fünf Jahre später hatte sich die Wahrnehmung gewandelt. Nun war es die Regierung, die E.T. als Gefahr betrachtete, während die Bevölkerung Mitleid mit ihm hatte. 2005 hatte sich die kollektive Stimmung allerdings so stark verändert, dass selbst ein Optimist wie Steven Spielberg in Krieg der Welten eingestehen musste, dass eine Bedrohung für die USA nur von außen kommen kann. In Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels kehrte er jedoch nur drei Jahre später zu seiner bewährten Sichtweise zurück und ändert sie auch für Disclosure Day nicht.
Hinzu kommt, dass Spielberg Ideen aus allen vier genannten Werken recycelt und sich zudem bei den üblichen Alien-Klischees bedient. – Akte X lässt grüßen – Neben dem Roswell-Zwischenfall und den Kornkreisen gibt es auch diesmal eine ominöse Organisation, die den Besuchern nicht wohlgesonnen ist, sowie eine Gruppe von Auserwählten, die sich zu ihnen hingezogen fühlt. Beim Design der Kreaturen bedient sich Spielberg bei den üblichen Darstellungen, während die Bildsprache an Krieg der Welten erinnert. Nur ein Element hat er vergessen einzubauen: den Unterhaltungsfaktor.
Einfache Antworten auf schwerwiegende Fragen
Spielberg hat eine klare Vision für sein Ende, aber nicht für den Weg dorthin. Disclosure Day mischt Action mit religiösen und weltpolitischen Fragen, ohne einen dieser Aspekte konsequent auszuspielen. Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Dr. Kellner und seinem Widersacher Noah Scanlon könnte kaum unspektakulärer sein. Die wenigen Actionszenen sind weder kreativ gestaltet noch spektakulär inszeniert oder visuell besonders eindrucksvoll umgesetzt.
Bleiben also die weltpolitischen Themen und die Frage, ob die Enthüllung des Geheimnisses überhaupt eine gute Idee ist. Wie schon in Krieg der Welten kommt die Bedrohung von außen. Spielberg nutzt ein einfaches Feindbild, um ein düsteres Weltbild zu zeichnen. Nordkorea hat mit seiner aggressiven Politik gegenüber dem Nachbarland die Welt an den Rand eines dritten Weltkriegs gebracht. Aktuell brisantere Krisenherde oder die Konflikte im eigenen Land spricht er hingegen lieber gar nicht erst an und betont mehr als einmal, dass die geheime Behörde unabhängig von der Regierung handelt. Für die eigentlichen Hintergründe oder die langfristigen Folgen interessiert er sich kaum. Pflichtbewusst streut er immer wieder Nachrichtenschnipsel ein oder zeigt, wie sich Teile der amerikanischen Bevölkerung mit Lebensmitteln eindecken. Ihre Ängste möchte er nicht weiter thematisieren, denn das würde auch nicht zu der simplen Botschaft passen, die er uns gleich zu Beginn mit dem Fuß ins Gesicht tritt: Wenn wir nicht mehr Empathie entwickeln, werden wir uns gegenseitig auslöschen – eine kleine Anmerkung für die Simpsons-Fans: Mr. Burns wurde für eine ähnliche Erkenntnis in die Akte Springfield noch gecancelt.

Auf die philosophische Frage, was die Kenntnis außerirdischen Lebens mit der Menschheit machen würde, hat Spielberg ebenfalls nur einfache Antworten parat. Existenzielle, religiöse und gesellschaftspolitische Aspekte werden von den jeweiligen Institutionen in einem einzigen Satz abgehandelt. Da fragt man sich unweigerlich, warum sein langjähriger Weggefährte David Koepp (Jurassic World: Die Wiedergeburt) aus dieser simplen Prämisse ein derart ausuferndes Drehbuch stricken musste, wenn er die tatsächlichen Auswirkungen der Enthüllung am Ende auch noch ausspart. Stattdessen jagt er seine Protagonisten unnötigerweise quer durch Kansas, nur um sie schließlich wieder an ihrem Ausgangspunkt ankommen zu lassen. Die Laufzeit füllt er mit ausschweifenden Erläuterungen, immer absurderen werdenden Ausreden, warum Scanlon (Colin Firth) seine deutliche Überlegenheit nicht erfolgreich nutzen kann, sowie dem üblichen Spielberg-Schmonz, der so gar nicht zum düsteren Szenario passen will. Als wäre das nicht langatmig genug, verweigert er sich auch noch konsequent jedweder Form kreativer Bildsprache.
Auf sein Team ist Verlass
Wo seine erzählerischen Stärken nicht greifen, kann Spielberg sich immerhin auf die Qualitäten seines Kameramanns Janusz Kamiński und seines Komponisten John Williams verlassen. Beide sind erfahren genug, dem drögen Treiben noch einige sehenswerte Bilder beziehungsweise stimmungsvolle Klänge zu entlocken. Emily Blunt (Der Teufel trägt Prada 2) und Josh O’Connor (Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery) passen ihre Darstellungen dem unterkühlten und unspektakulären Ton des Films an, holen aus den dünn geschriebenen Figuren jedoch das Maximum heraus. Selbst die Umdeutung einer zutiefst traumatischen Erfahrung bringen sie glaubhaft über die Bühne, sodass Spielbergs Außerirdische einmal mehr als das ultimativ Gute erscheinen.
Zusammengeführt werden die beiden Handlungsstränge schließlich von Colman Domingo (Michael), der auch in kleinen Rollen durch sein Charisma besticht. Colin Firth bleibt als Antagonist hingegen blass. In langen Monologen erklärt er jedem, der es nicht hören will, seine Beweggründe, und zeitweise wirkt es so, als käme seine Erschöpfung weniger vom übermäßigen Gebrauch der Alien-Technologie als vom Lesen des Drehbuchs. Verdenken kann man es ihm jedenfalls nicht.
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Unser Fazit zu Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit
Mit Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit präsentiert Steven Spielberg eine unheimlich langatmige Begegnung der dritten Art. Unnötige Exposition, bekannte Erzählmuster, unfreiwillig komische Ideen sowie jede Menge inhaltlicher Leerlauf sorgen dafür, dass die wenigen Spannungsmomente verpuffen und emotionale Szenen ihre Wirkung verfehlen. Wenn nach über zwei Stunden dann endlich etwas Interessantes passiert, setzt bereits der Abspann ein. So schleppend die Erzählung auch sein mag, auf John Williams, Janusz Kamiński und das Talent seiner Darstellenden kann Spielberg sich noch immerhin verlassen.
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.

