2009 brachen wir nach Pandora auf, 2022 gingen wir den Weg des Wassers und nun steht uns in Avatar: Fire and Ash die Feuertaufe bevor. Springt der Funke der Na’vi auch ein drittes Mal auf uns über?
Darum geht’s im dritten Teil
Die Geschichte beginnt einige Wochen nach den Ereignissen von Avatar: The Way of Water. Die Familie Sully lebt immer noch im Metkayina-Clan in den malerischen Riffen von Pandora, lernt aber, sich an das Leben ohne Neteyam (Jamie Flatters) zu gewöhnen, der bei einem brutalen Gefecht mit den „Sky People“ von der RDA (Resources Development Administration) getötet wurde. Jake (Sam Worthington), Neytiri (Zoe Saldaña), Lo’ak (Britain Dalton), Tuk (Trinity Jo-Li Bliss), Spider (Jack Champion) und Kiri (Sigourney Weaver) gehen jeweils auf ihre eigene Weise mit dem Verlust um. Während sich Spider an das Leben mit den Riffmenschen gewöhnt, macht sich seine Sully Sorgen um seine Sicherheit und erkennt, dass er nicht länger bei ihnen bleiben kann. Nach einer Einführung in den Tlalim-Clan, die ein friedlicher nomadischer fliegender Clan sind, der durch den Himmel segelt, stimmt ihr Häuptling Peylak (David Thewlis) zu, Spider zurück zum High Camp, der Hochburg der Omatikaya, zu transportieren. Letztendlich beschließt die gesamte Sully-Familie, sich Spider auf der Reise anzuschließen. Ihre Reise wird jedoch unterbrochen, als ihre Gruppe von Mitgliedern des Mangkwan-Clans, den Ash Leuten, angegriffen wird. Angeführt von Varang (Oona Chaplin) sind die Ash-Leute Na’vi, deren Kultur und Lebensweise nach der Zerstörung ihrer Heimat durch einen Vulkan dramatisch verändert wurden. Sie machen Eywa (die All-Mutter der Pandora) für diese Katastrophe verantwortlich. Die RDA kämpft unterdessen nach ihrer verheerenden Niederlage durch Jake Sully und den Metkayina-Clan und gruppiert sich neu und plant ihren nächsten Angriff.

Avatungshaltung
James Cameron hat uns im Laufe seiner Karriere immer wieder fasziniert und verwöhnt. Seit The Abyss sind seine Werke nicht nur audiovisuelle Meisterleistungen, sondern auch tricktechnisch ihrer Zeit voraus. Dabei vollbrachte er das seltene Kunststück, sich mit jedem neuen Werk selbst zu übertreffen. Bei Avatar – Aufbruch nach Pandora schien jedoch das Ende der Fahnenstange erreicht zu sein. Avatar: Der Weg des Wassers war ebenfalls ein Fest für die Augen, sprengte aber nicht mehr die Grenzen des Vorstellbaren. Der technische Quantensprung, wie es ihn beispielsweise zwischen den ersten beiden Terminator-Filmen gab, fehlte. Cameron umging dieses Problem, indem er das Setting vom Wald ins Wasser verlagerte und so genügend neue Schauwerte bot, die für ungläubiges Staunen im Saal sorgten.
Seine visionären Ideen bescherten ihm Rekorderfolge, schraubten jedoch zugleich die Erwartungen an jede neue Veröffentlichung ins Unermessliche – ein Umstand, der ihm nun in Avatar: Fire and Ash zum Verhängnis wird.
Feuer frei
Der Titel des dritten Teils suggeriert ebenfalls, dass wir uns in eine neue Gegend begeben, die wir gemeinsam mit unseren Protagonisten erkunden. Anfangs scheint es noch so, als würde Jake Sully mit seiner Familie mal wieder einen Umzug anstreben. Mithilfe eines fliegenden Händlervolks möchte er seinen Ziehsohn Spider (Jack Champion) in Sicherheit bringen. In der darauffolgenden Actionszene ist das visuelle Highlight bereits erreicht, denn die nachfolgenden Sequenzen bieten lediglich ein kaum merkbares Grafik-Upgrade gegenüber dem zweiten Teil.
Bis auf eine kurze Szene bleibt uns der Lebensraum des Feuerclans verborgen und wir verweilen stattdessen in den bereits bekannten Wald- und Wasserwelten. Diese sind technisch brillant umgesetzt, doch es fehlt das wirklich Neue. Die Entscheidung für die HFR-Technik erweist sich dabei als Segen und Fluch zugleich: Auf der einen Seite vermittelt sie den Eindruck einer Dokumentation, auf der anderen wirken viele Momente eher wie aus einem Videospiel entnommen. Dabei geht häufig das Gefühl verloren, einen Film zu sehen.
Dies ist natürlich Meckern auf sehr hohem Niveau: Bessere Effekte findet man derzeit in keinem anderen Blockbuster. Da die Dreharbeiten für die Sequels simultan stattfanden und die Zeitspanne zwischen den beiden Sequels verhältnismäßig kurz war, konnte man keinen neuen Standard erwarten. Ein anderer Titel hätte diese Erwartungshaltung vermutlich gedämpft.
Schall und Rauch
Die Bilder müssen der einzige Selling-Point sein, wenn man Spaß haben möchte, denn inhaltlich herrscht kompletter Stillstand. Cameron behauptet zwar in Interviews, dass die über drei Stunden für Avatar: Der Weg des Wassers nicht ausreichten, um eine simple Geschichte über intergalaktischen Walfang zu erzählen, doch den Beweis dafür liefert er nicht. Avatar: Fire and Ash erzählt identische Konflikte und führt die gleichen ethischen Grundsatzdiskussionen mit – wenig überraschend – demselben Ausgang.

Um die über drei Stunden Laufzeit zu füllen, werden Handlungselemente nicht nur aus dem Vorgänger kopiert, sondern zu allem Überfluss permanent wiederholt. Immer wieder fliehen die Protagonisten vor ihren Feinden, werden gefangen genommen und befreit. Am Ende werden dann auch noch die emotionalen Momente recycelt, nur mit dem Unterschied, dass sie keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das Drehbuch nimmt sich für diese Szenen nicht nur überraschend wenig Zeit, sondern zeigt auch kaum Interesse an seinen Charakteren.
Selbst das gigantische Finale ist nur ein überlanger Aufguss des Vorgängers und hat dementsprechend nicht mehr den gleichen Impact. Zudem fehlt es an Übersichtlichkeit, da Cameron beschlossen hat, den Showdown größtenteils in der Dunkelheit spielen zu lassen. In Kombination mit optisch kaum unterscheidbaren Figuren weiß man oft nicht, wer gerade Freund oder Feind ist. Alles wirkt – trotz gigantischer Meeressäuger – so wahllos, dass man keine Chance bekommt, in den Kampf – im Gegensatz zu einigen Schiffen – hineingesogen zu werden.

„Avatar: tired not fresh„
Das Desintresse an der Figurenentwicklung wirkt sich negativ auf die darstellerischen Leistungen aus. Positiv formuliert verschwinden die Schauspieler:innen hinter ihren Figuren, man könnte jedoch ebenso sagen, dass es letztlich egal ist, wer den Motion-Capture-Anzug trägt. Neytiri (Zoë Saldaña) ist mit ihren zwei Gefühlsregungen noch die komplexeste Persönlichkeit. Ronal und Kiri – zwei wichtige Figuren aus dem Vorgänger – haben so wenig zu tun, dass man glatt vergisst, dass sie von Kate Winslet und Sigourney Weaver verkörpert werden. Sie dienen maximal als Plot-Devices und sagen brav inhaltsleere Dialoge auf, die uns als mystische Gebete verkauft werden sollen.
Jake Sully war – wie sein Gegenspieler – eigentlich schon nach dem ersten Film auserzählt. Aber im Gegensatz zu Sam Worthington dürfen Stephen Lang als Bösewicht Quaritch und seine neue Adjutantin Varang (Oona Chaplin) wenigstens Freude am Overacting haben. Mit ihrem eigenständigen Look heben sie sich auch optisch von der Masse der Figuren ab. Wirft man einen Blick auf die menschlichen Rollen, entsteht schnell der Eindruck, dass bei ihnen überhaupt kein Wert auf Schauspiel und Dialog gelegt wurde.

Cameron war nie für komplexes Storytelling bekannt, doch sein Hang zu Klischee, Pathos und Kitsch passte lange Zeit perfekt zu seinen epischen Bildern. Durch ein simples Gut-Böse-Schema waren Rollenbilder, Motivationen und Sympathien schnell etabliert, sodass das Publikum mit den Held:innen mitfieberte. Wenn man jedoch nichts zu erzählen hat, fällt dieses Gerüst schnell in sich zusammen und Langeweile stellt sich ein – besonders dann, wenn auch visuell keine neuen Impulse gesetzt werden. Schuldbewusst versucht Cameron noch, mit einem epischen Soundtrack Spannung und Dramatik zu erzeugen, doch es gibt nicht einmal Melodien, die – wie etwa bei Titanic – im Ohr bleiben. Dabei zeigt Cameron mit der anfänglichen Luftschlacht und der Fluchtszene auf einer Militärbasis, dass er es eigentlich noch draufhat. Vermutlich braucht er einfach mal Abstand von Pandora.
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Unser Fazit zu Avatar: Fire and Ash
James Cameron versteht wie kaum ein anderer die Sogwirkung opulenter Bilder. Auch wenn vieles aus den Vorgängern vertraut wirkt, sorgt der erneute Ausflug nach Pandora für erstaunte Gesichter. Inhaltlich tritt Avatar: Fire and Ash jedoch auf der Stelle: Weder die Geschichte noch die Charaktere machen einen spürbaren Schritt nach vorn. Wer sich darauf einlässt, sollte besser viel Koffein und Sitzfleisch mitbringen, denn im Aschehaufen befindet sich kaum noch Glut.
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.
