Samara Weaving wirft sich ein weiteres Mal in einen blutigen Horrorfilm. Geht Azrael als leckerer Horror-Snack durch oder fangt ihr euch eher eine Magenverstimmung ein?

Die Handlung von Azrael
Irgendwo in den Tiefen der amerikanischen Wälder einer postapokalyptischen Welt haust ein mysteriöser Kult. Alle Mitglieder haben ein Schweigegelübde abgelegt, denn Sprechen ist Sünde in einer Welt, in der blutrünstige Monster das Überleben bedrohen. Um diese zu besänftigen, soll Azrael (Samara Weaving) geopfert werden. Zusammen mit ihrem Freund Kenan (Nathan Stewart-Jarrett) wird sie daher von dem unheimlichen Kult verschleppt. Als sie schließlich in letzter Sekunde fliehen kann, sinnt sie auf Rache. Es entwickelt sich eine blutige Schlacht, bei der sich die Frage stellt, wer hier eigentlich die wahren Monster sind.

Ein Film von und für die Katz?
Mit Azrael hat Evan Louis (kurz E. L.) Katz endlich wieder einen neuen Film am Start. 8 Jahre ist es her, seit er Nicolaj Coster-Waldau als Ex-Knacki inszenierte, der versucht sein altes Leben wiederaufzubauen (Small Crimes). Genre-Freunde sollten sich aber lieber an seinen 2013er Cheap Thrills erinnern, eine Gory-Comedy, bei der ein abgebrannter Taugenichts sich zu immer weiteren Mutproben hinreißen lässt, weil er dafür immer höhere Belohnungen erhält.
Auch Azrael ist als Horrorfilm nun reinrassiges Genre-Kino. Während Cheap Thrills noch ein verschwindend geringes Budget zur Verfügung hatte, sollen jetzt immerhin stattliche 12 Millionen akquiriert worden sein. Im Film ist das allerdings kaum zu sehen oder zu spüren.
Denn Azrael spielt ausschließlich im Wald, bedient sich verwaister Hütten und Ruinen und hat nur mit dem kleinen überschaubaren Camp des Kultes ein eigens gestaltetes Setting. Es ließe sich daher sogar anzweifeln, ob hier wirklich eine Apokalypse stattgefunden hat.
Viel erfahren wir nicht und die kryptisch gehaltenen Texttafeln wirken einerseits stimmungsvoll für dieses rätselhafte Setting. Andererseits wirken sie wie Krücken, um eine Welt zu umreißen, die produktionstechnisch nicht dargestellt werden konnte.
Willkommen zur Samara Weaving Show
Das Cover und das Promomaterial machen es eindeutig klar: Samara Weaving (Scream 6, Ready or Not) ist das Faustpfand dieses kleinen Genrefilms. Als auserkorenes Opfer des gruseligen Kultes sind wir natürlich in wenigen Sekunden auf ihrer Seite. Die schnell noch hineingewürgte Liebesgeschichte soll für zusätzliche Emotionalität sorgen. Denn Azrael, so der vielsagende Name von Weavings Figur, kämpft erst ums Überleben, um dann schließlich in einer blutigen Rachetour zurückzuschlagen.
Das gibt tatsächlich genauso wenig her, wie es sich hier auch anhört. Tatsächlich rollen nach ca. 78 Minuten auch schon die Credits, weil Simon Barrett hier nun wirklich kein ausgefeiltes Drehbuch anbietet. Dabei hat er durch You’re Next, Blair Witch sowie Seance und Godzilla x Kong ja reichlich Erfahrung beim Schreiben. Gut, alle genannten Filme im Genre- bzw. Blockbusterbereich schauen wir uns nicht wirklich für die Geschichte an.
So ist auch Azrael wahnsinnig schnell auserzählt und zieht das Ganze wenigstens nicht in die Länge. Eine Entwicklung macht dann vor allem Samara Weavings Äußeres durch. Als Waldbewohner in ärmlichsten Verhältnissen ist sie auch zu Beginn nicht gerade rausgeputzt, aber sie darf sich mit jeder weiteren Minute herrlich einsauen.
Dass Weaving hier mindestens zwei Klassen besser als der blasse, fast gesichtslose Restcast spielt, tut sein Übrigens, dass hier vor allem die blutigen Sequenzen im Vordergrund stehen.
Monster vor und in dem Camp
Azrael entführt in eine kaum erklärte Welt, in der das Big Picture fehlt, weil der Fokus auf den isolierten Waldbewohnern liegt. Als wäre ein opferbereiter Kult nicht schon schlimm genug, wandeln auch noch schwarzverkrustete menschenähnliche Monster durch das Dickicht. Wie könnte es bei diesem straighten Genre-Reißer auch anders sein, ist der Gewaltgrad besonders hoch und explizit, wenn die Monster sprichwörtlich zu Tisch gebeten werden und sich ein paar Menschenopfer reinziehen.
Diese Monsterbedrohung ist durchaus gefällig und spannend, so richtig greifbar scheinen diese Wesen in ihrem Verhalten allerdings nicht. Da Katz sie auch relativ schnell aus dem Sack lässt (visuell gesehen), entsteht nie das gewisse Terrorgefühl, wie es zum Beispiel Neil Marshall in The Descent absolut „genagelt“ hat.
Natürlich ergibt sich aus diesen menschenähnlichen Monstern, dem religiösen Kult mit seiner kleinen Kapelle und der bereits im Titel genannten Erzengel-Thematik eine eigene kleine Mythologie.
Für den einen oder anderen mag es also sogar Spaß machen, darüber nachzudenken und die vielen kleinen Häppchen über die Laufzeit des Films aufzuklauben und zusammenzubauen. Für mich waren letztlich zu wenig spannende Anreize gegeben, weil das ganze Szenario sich zu vertraut anfühlt.
Die vermeintlich große Prämisse des Films, dass in dieser Welt niemand spricht, geht sogar schnell nach hinten los. Sie hält die Figuren für uns zu sehr auf Distanz und birgt zu große Gefahr, dass das Publikum eben nicht bis zum Schluss gebannt vor dem Fernseher sitzt.

© Plaion Pictures
Unser Fazit zu Azrael
Azrael ist ein erschreckend langweiliger Rache-Schocker in einer durch Texttafeln behaupteten Postapokalypse, die sich produktionstechnisch super klein anfühlt. Die Prämisse einer stummen Welt ohne Sprache zündet trotz kurzer Laufzeit nicht wirklich, weil das ganze Szenario nicht genug Spannung entwickelt. Über jeden Zweifel erhaben ist dafür Samara Weaving, die hier zwei Klassen besser als der restliche Cast spielt und die Rachetour voller Inbrunst bis zum düsteren Ende durchzieht.
