Schauspieler Justin Reinsilber wechselt bei Central Park – Massaker in New York erstmalig auch hinter die Kamera und liefert sein Regiedebut ab.
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Abzählreim im Central Park
Pierrot le Fou versorgt auch im Jahre 2019 die Fans von Horror und allerlei anderer Genrekost weiterhin mit frischem Futter. Mit dem bereits 2017 entstandenem Central Park – Massaker in New York wächst die labeleigene „Uncut“-Reihe damit auf Nummer 15 an.
Der Film präsentiert sich dabei als lupenreiner Slasher, dessen Handlung sich grundsätzlich auf die ebenso klassische Prämisse zusammenfassen lässt: Teenies frönen im Dickicht den Genüssen der körperlichen und substanziellen Begierden und werden nach und nach dezimiert. Aber der Reihe nach…
Harold (Justiin Davis), Freundin Leyla (Grace Van Patten) und ihre Schulclique wollen sich einen schönen Abend im Central Park machen; ein bisschen Gras, ein kleiner Spaß, und eine Runde „Wahrheit oder Pflicht“. Doch die lockere Stimmung kippt, als ein mysteriöser Mann (Justin Reinsilber) auftaucht und die Teens durch die dunkle Nacht jagt. Der kurzweilige Ausflug vom Alltag wird zum Massaker und zum schonungslosen Kampf ums Überleben.

Abwechslungsreiches Setting – der Central Park
Der Handlungsort für Reinsilbers Slasher ist durchaus bemerkenswert, denn in der Theorie vereint es zwei beliebte Settings des Genres in einem Film. So bietet der Park backwoodartiges Gelände, wie man es aus Film(reihen) wie The Hills Have Eyes oder Wrong Turn kennt. Auf der anderen Seite weiß die meist verregnete Großstadt New York mit ihrer undurchsichtigen Anonymität am Nervenkostüm zu zerren, wie beispielsweise Maniac (wahlweise das Original von 1980 oder das Remake von 2012 mit Elijah Wood) grandios unter Beweis stellt.
Leider möchte sich trotz Dunkelheit, trotz Abgeschiedenheit kein beklemmendes Gefühl der Ausweglosigkeit einstellen. Im sprichwörtlichen urbanen Dschungel von Central Park – Massaker in New York blitzt immer wieder die Großstadt durch, die hier wenig bedrohlich, sondern mehr wie eine sichere Zuflucht wirkt.
Einer bedrohlichen Atmosphäre zuträglich ist dafür aber der Soundtrack, der sich auf carpentereske Synthieklänge beruft und Erinnerungen an dessen Werke wachruft. Auch die Kameraarbeit kann durchaus als gelungen bezeichnet werden. Die Funken, die die audiovisuelle Arbeit streut, entzünden allein aber leider kein Suspense-Inferno.

Maue Mimen
Dabei hat Reinsilber sogar Mimen vor der Kamera versammelt, die teils auf recht beachtliche Filmvergangenheit zurückblicken können. Justiin Davis beispielsweise, der auf die Serie Boardwalk Empire zurückblicken kann. Oder auch Grace Van Patten, die wiederum im Nachgang bei Werken wie Under The Silver Lake oder der Netflix-Serie Maniac mitwirken konnte. Reinsilber steht in seinem Central Park – Massaker in New York ebenfalls vor der Kamera, hat in seiner Rolle aber gar nicht erst die Möglichkeit, schauspielerisches Talent durchblitzen zu lassen.
Leider schafft es fast keine Figur auch nur annähernd Projektions-, geschweige denn Identifikationsfläche zu bieten. Somit sind dem Zuschauer die Personen herzlich egal – Mitfiebern wird so zur Geduldsprobe, was bei einer Nettospielzeit von knapp 80 Minuten alles andere als verheißungsvoll erscheint. Denn eigentlich wünscht man sich nur ein möglichst effektreiches Ableben sämtlicher Charaktere.
Aber in dieser Hinsicht weht im titelgebenden Central Park auch nur ein laues Lüftchen. Der Streifen, der von der FSK sogar ab 16 Jahren freigegeben wurde, punktet bei den Morden vor allem mit massivem Einsatz des…Offscreens! Machen wir uns nichts vor, zu einem Slasher gehören Morde einfach dazu – gerne auch ausgespielt, blutig und kreativ. Fiktive Serienkiller wie Freddy Krueger oder Jason Vorhees mögen ikonische Figuren sein, die ihren jeweiligen Schauspielern letzten Endes auch zu Ruhm und Fanbase verholfen haben, aber Aushängeschild Nummer eins waren und sind: einfallsreiche Tötungsarten.
Der Film bietet dem geneigten Genregourmet nur abgespeckte Kost, bei der flambiertes Steak noch zu den erhabensten Gerichten gehört.
Central Park – Massaker in New York hat am 18.4.2019 das Licht der Kaufhäuser erblickt, wahlweise als Blu-ray, DVD oder Kombination der beiden Medien im Mediabook. Extras sucht man, bei egal welcher Veröffentlichung, jedoch vergeblich. Dem Mediabook liegt aber, nach Art des Labels, ein Poster bei.
© Pierrot le Fou
Tobi ist bereits gute 7 Jahre an Bord und teilt so fast 20% seiner Lebenszeit mit Filmtoast. Wie es ursprünglich dazu kam ist so simpel wie naheliegend. Tobi hatte unregelmäßig auf Seiten wie Schnittberichte Reviews zu Filmen verfasst und kam über diverse facebooksche Filmgruppen und –diskussionen in Berührung mit dem damaligen Team von Filmtoast (die Älteren erinnern sich: noch unter dem Namen Movicfreakz) und wurde daraufhin Teil dessen.
Thematisch ist er aufgeschlossen, seine feste Heimat hat er jedoch im Horrorfilm gefunden, da für ihn kein anderes Genre solch eine breite Variation an Themen und Spielarten zulässt. Kontroverser Ekelschocker, verstörender Psychothriller oder Elevated Horror – fast alles ist gern gesehen, auch wenn er zugeben muss, dass er einen Sweet Spot für blutrünstig erzählte Geschichten besitzt.
Tobi geht zum Lachen jedoch nicht (nur) in den blutverschmierten Keller, sein Herz schlägt unter anderem bei Helge Schneider, dänischem schwarzen Humor oder den Disyneyfilmen seiner Kindheit höher.
Kinogänge vollzieht er am liebsten im städtischen Programmkino, zum Leidwesen seiner filmisch weniger affinen Freunde, meidet er große Kinoketten wie der Teufel das Weihwasser. Am liebsten geht er seiner Filmleidenschaft jedoch in den eigenen vier Wänden nach, um den viel zitierten Pile of Shame seiner physischen Filmsammlung abzuarbeiten.
Tobi lebt in Sachsen-Anhalt, ist beruflich in einer stationären außerklinischen Intensivpflege verankert und hat mit der Begeisterung zum Film und dem Schreiben darüber den für sich perfekten Ausgleich zum oftmals stressigen Arbeitsalltag gefunden.

