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    Daddio – Eine Nacht in New York

    Simon Eultgenvon Simon Eultgen12. Oktober 2024Keine Kommentare4 min Lesezeit
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    Gezeigt wird der Rückspiegel des Taxis in dem Dakota Johnson mit blondierten Haaren verschmitzt in die Kamera grinst
    Kess aber verletzlich: Dakota Johnson als Girly © Leonine
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    Dakota Johnson, Sean Penn, ein Taxi, eine Nacht in New York – reicht das für spannende Unterhaltung?

    Das DVD Cover von Daddio mit den Gesichtern der beiden Hauptdarsteller und dem FSK 12 Zeichen
    © Leonine

    Die Handlung von Daddio

    Eine junge Frau (Dakota Johnson) kommt am New Yorker Flughafen JFK an und sucht sich schnell ein Taxi, um Downtown zu ihrem Apartment zu kommen. Nach einer Weile kommt sie mit dem Fahrer Clarke (Sean Penn) über Gott und die Welt ins Gespräch.

    Parallel textet ihr ein Mann namens L. auf dem Handy, der erst sehnsüchtig dann anzüglich wird. Als sich die junge Frau langsam dem Fahrer öffnet, ergibt sich ein tiefer Einblick in ein schwieriges Liebesleben und eine noch schwierigere Kindheit. Beide beginnen immer ehrlicher und aufrichtiger aus ihrem Leben zu erzählen.

    2 Personen, 1 Taxi

    Christy Hall feiert mit Daddio ihr Spielfilmdebüt. Die eigentliche Theaterautorin verleugnet dabei keineswegs ihre künstlerische Herkunft. Denn ihr erster Film ist wahrlich so minimalistisch, dass er auch auf einer Bühne spielen könnte. Und tatsächlich sollte der Stoff ursprünglich als experimentelles Bühnenstück aufgeführt werden.

    Am Ende sind rund 100 Minuten entstanden, sie drehen sich einzig und allein um eine Taxifahrt bei Nacht in New York. Das Drama fokussiert sich also voll und ganz auf die Gespräche zwischen Johnson als Fahrgast und Penn als Taxifahrer. Was Indie-Regisseur Jim Jarmusch in Night on Earth noch auf 5 unterschiedliche Taxierlebnisse verteilte, ist hier eine einzige Geschichte.

    Das Wichtigste vorweg: Daddio schafft es tatsächlich, interessant zu bleiben und bis zum Finale, was so logisch wie banal, aber doch so emotional ausfällt, zu unterhalten. Das liegt vor allem an Johnson und Penn, die ihre durchaus klischeehaft gegeneinander angelegten Figuren mit Wärme verkörpern. Da wäre die im Abspann nur Girly genannte Frau, die sich als Programmiererin zwar selbstbewusst in einer Männerdomäne behauptet, aber im Liebesleben einem verheirateten Mann hinterläuft. Natürlich hat das küchenpsychologisch seine Herkunft in dem schwierigen Verhältnis zum eigenen Vater.

    Auf der anderen Seite sitzt der sichtlich gealterte Penn am Steuer, der lebenserfahrene und etwas zu neunmalkluge Taxifahrer, der sicherlich von sich sagen würde, dass er es „all figured out“ hat. Christy Halls Film ist durchaus angreifbar, referenziert er doch stark alte Gesellschaftsbilder über Mann und Frau.

    Sean Penn wird vom Beifahrersitz aus gezeigt wie er Taxi fährt, ein Lichtstreifen erhält die Mitte seines Gesichts, während der Rest im Dunklen liegt.
    Quasselstrippe, Macho, Klugscheißer? Clarke ist eine streitbare Figur © Leonine

    Platt aber herzlich? Du entscheidest!

    Daddio unternimmt zunächst einen Streifzug durch verschiedene gesellschaftliche Themen, ehe Kurs auf das Beziehungsleben und die Weisheiten über Mann und Frau genommen wird. Sei es Clarkes Reizthema als Taxifahrer, dass alle nur noch mit Kreditkarte bezahlen und dadurch sich gut überlegen, ob und wie viel Trinkgeld sie überhaupt geben wollen. Oder die ständigen Blicke der Menschen auf ihr Handy, die zwischenmenschliche Kommunikation im Keim ersticken.

    Auch hier zeigt sich Halls Theatergestus. Daddio ist ein Angebot an das Publikum, sich und diese Themen im Spiegel anzuschauen. Warum ist das so? Ist es so, wie es jetzt ist gut oder schlecht? Der Film bildet dementsprechend ab, bewertet aber nicht, weil er seinem Publikum Raum zur Positionierung schenken möchte. Eine wirkliche Tiefe entsteht in den Gesprächen aber kaum, weswegen sich Daddio trotz seiner psychotherapeutischen 1:1-Konstellation eher wie ein immer intimer werdendes Kneipengespräch anfühlt.

    Trotzdem sollte das Publikum Stellung beziehen, zumal auch dieser Film in typischer amerikanischer Manier mal wieder in der Kindheit herumrührt und damit quasi das gesamte spätere Leben (von Girly) deterministisch festlegt und interpretierbar macht. Wer im Schulunterricht Kafka lesen musste, kam schließlich interpretatorisch auch immer sehr weit, jede surreale Geschichte des Autors auf die Probleme mit seinem Vater zurückzuführen.

    Was Hall trotz dieser inhaltlichen Schwierigkeiten schafft, ist ein Gefühl von Verletzlichkeit und berührender Aufrichtigkeit. Dieses Gefühl kulminiert im Finale und überträgt sich über den Bildschirm. Für die besondere Stimmung sorgt inszenatorisch auch das Nachtsetting, das der erfahrene Kameramann Phedon Papamichael (Le Mans 66, Indiana Jones und das Rad des Schicksals) mit Außenaufnahmen des fahrenden Taxis stark einfängt. Da fällt es auch gar nicht ins Gewicht, dass die Innenaufnahmen wiederum im Studio gedreht wurden und die Illusion der Fahrt vor allem durch das ergänzte Verkehrspanorama entsteht.

    Gezeigt wird der Rückspiegel des Taxis in dem Dakota Johnson mit blondierten Haaren verschmitzt in die Kamera grinst
    Kess aber verletzlich: Dakota Johnson als Girly © Leonine

    Mein Fazit zu Daddio

    Theaterautorin Christy Hall bleibt ihren Wurzeln bei ihrem Spielfilmdebüt treu und inszeniert mit Daddio einen mutigen Single-Location-Film im Taxi, der sich fast ausschließlich auf das Gespräch zwischen Fahrer und Fahrgast konzentriert.

    Das mag alles etwas zu gewollt natürlich und ungezwungen sein und der küchenpsychologische Blick in die Kindheit ist wirklich zu oberflächlich, aber die charmante Besetzung um Penn und Johnson sowie die gut eingefangene Stimmung berühren doch bis zur letzten Einstellung. Die Faszination einer Nacht, in der sich fremde Menschen einfach mal nahe kommen, ist trotz allem ein Erlebnis, das emotional anfasst.


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