Reichlich Action mit Blut, Knochenbrüchen und Blei in der Luft: Das ist Boy Kills World. Ob der Film mit Bill Skarsgård in der Hauptrolle mehr als ein brutaler, visueller Rausch ist, der den Zuschauer von Anfang bis Ende mitreißt, erfahrt ihr hier.

Worum geht es in Boy Kills World?
Nachdem seine Familie brutal ermordet wurde, wird ein junger Taubstummer (Bill Skarsgaard) von einem mysteriösen Schamanen (Yayan Ruhian) gerettet. Dieser bildet ihn zu einer Killermaschine aus. In einem blutigen Rachefeldzug will er die Regierung dieser dystopischen Welt und die Mörder seiner Familie zur Strecke zu bringen.
Rasante Action mit viel Blut und Blei
Die Handlung deutet es schon an: Boy Kills World ist ein Film, bei dem man blutige wie rasante Action erwarten kann. Regisseur Moritz Mohr liefert hierbei kein modernes Meisterwerk des Action-Genres ab, doch ebenso wenig Einheitsbrei, der schon zuhauf zu sehen war. Fans von adrenalingeladenen Actionfilmen kommen hier voll auf ihre Kosten, denn Knochen knirschen, knacken und brechen – ebenso viel fließt Blut und erfüllt Blei die Luft. Der Deutsche Mohr versetzt das Publikum mitten in die Action, sodass man immer mitten im Geschehen ist. Besonders bei den gut choreographierten Kampfszenen hält die Kamera lange drauf, sodass man den Bewegungen gut folgen kann. Hier zeigt sich die Zusammenarbeit mit Yayan Ruhian, wenn die Nahkämpfe dynamisch, hart und präzise über den Bildschirm laufen, ohne zu sehr in ein Schnittgewitter zu verfallen.
Der fast schon comicartige, übertriebene Stil ist daneben der andere Punkt, der in Boy Kills World heraussticht. Die vielen surrealen und fast schon komödiantischen Elemente, gepaart mit der stilisierten Gewaltdarstellung in der dystopischen Welt haben ihren eigenen Charme. Dabei schwankt der Film immer wieder zwischen Wahnsinn und besonderer Ästhetik. Eine skurrile Mischung aus Splatter und groteskem Humor. Auch der Score trägt zur Intensität bei: Einzelne Stücke erinnern gerade zu Beginn mit wirrem Gitarrenspiel an Kill Bill – und Nancy Sinatra. Später treibt die pulsierende Musik die ohnehin schnellen Szenen noch weiter voran.
Reicht Style over Substance?
Doch bei so viel Action strauchelt Boy Kills World mit zunehmender Laufzeit immer wieder. Die übertriebene Inszenierung und die extreme Gewalt wiederholen sich. Dazwischen liegen beinahe ermüdende Momente. Der Film setzt zu offenkundig eher auf Style als auf Story. Diese ist leicht zu durchschauen und die Ereignisse zu erahnen. Dennoch ergibt sich aus dem frischem Action-Ansatz und der leicht verstaubten, aber auch nur zwingend notwendigen Handlung immer noch ein unterhaltsames Spektakel. Denn gerade die stumme Hauptfigur inmitten des Chaos und die dadurch völlige Abwesenheit von Dialogen schaffen eine für das Genre ungewöhnliche Atmosphäre. Skarsgård kommuniziert mit seinem Umfeld nur über Gesten und Mimik, was im krassen Kontrast zu den lauten, explodierenden Kämpfen steht.
Für die Zuschauer:innen läuft durchgehend die innere Stimme mit, die uns alle Gedanken mitteilt – ob man es möchte oder nicht. Gerade zu Beginn erscheint die Quasselstrippe schon beinahe anstrengend ehe die „Handlung“ auch etwas Platz einnehmen kann und sich die Gedanken zu vielen witzigen Momenten entwickeln.

Kann Bill Skarsgård den Film tragen?
Auch wenn der Cast keine wirklichen Starkaliber aus Hollywood zu bieten hat, können alle Darsteller:innen in ihren Rollen die notwendige Leistung abrufen. Im Vordergrund zeigt „Pennywise“ Bill Skarsgård, dass er den Film hervorragend tragen kann. Mit seiner beeindruckenden körperlichen Präsenz und ganz ohne Dialog, gelingt es ihm, durch Körpersprache und Ausdruckskraft die inneren und vor allem äußeren Kämpfe darzustellen. Besonders in den witzigen Momenten, zahlt sich die Besetzung: Verdutzte Blicke und ein charmantes, peinlich berührtes Lächeln werden stimmig vereint.
Mit Yayan Ruhian (The Raid, John Wick 3), konnte man jemanden gewinnen, der seine Martial-Arts-Künste sehr gut einbringt und bei viel übertriebener Härte für eine gewisse Authentizität sorgt. Auch das breite Feld der Nebendarsteller:innen, wie Famke Janssen (X-Men), Michelle Dockery (The Gentlemen) und Brett Gelman (Stranger Things) sowie Jessica Rothe (Happy Deathday), Andrew Koji (Bullet Train) und Sharlto Copley (District 9, A-Team), liefert genug ab, um die dystopische Welt stimmig aufzubauen.
Unser Fazit zu Boy Kills World
Boy Kills World ist ein wildes und unterhaltsames Action-Spektakel mit einem starken Bill Skarsgård als wortlosen Helden. Moritz Mohr inszeniert einen dynamischen wie wahnwitzigen Film, der durch seine ungewöhnliche Erzählweise und Gewalt heraussticht. Nicht alle Zuschauer:innen wird er abholen können, doch wer sich auf den Wahnsinn einlässt und Fan von übertriebener und brutaler Action ist, kommt voll auf seine Kosten.
Boy Kills World ist seit dem 26. September als DVD und Blu-ray sowie digital erhältlich.
© Constantin Film
Von seinem Kennenlernen mit dem Mauswanderer in einem Land vor unserer Zeit über seinen ersten Kinobesuch mit der rothaarigen Meerjungfrau, hat sich bis heute eines nie geändert: Die Film- und Fernsehwelt ist ein fester Bestandteil von Chrischi. Das steht nicht immer ganz im Einklang mit seiner hauptberuflichen Beschäftigung im öffentlichen Dienst, doch ein Blick in Chrischis „Cave“ mit inzwischen weit über 3.000 Medienträgern und einigen schicken Sondereditionen offenbart seine eigentliche Berufung. Auf der Suche nach Gleichgesinnten fand er schließlich Ende 2019 zu Filmtoast und ist seitdem fleißig am texten und quatschen im Zeichen des Toasts. So mancher Psychologe würde vermutlich beim Anblick auf Chrischis Filmauswahl mit der Stirn runzeln, doch fühlt sich Chrischi eben in nahezu jedem Genre wohl; außer vielleicht Horror. Seine Favoriten: Warrior, Kingsman, Lucky Number Slevin und Ratatouille sowie Filme von Nolan, Villeneuve, Anderson (Wes!) bzw. mit Robin Williams oder Kevin Costner (beide werten für ihn jeden Film auf). Sein Guilty Pleasure: Howard the Duck.

