Dank der Final Destination-Reihe haben Millionen Menschen inzwischen Angst vor Flugzeugen, Holzlastern, Achterbahnen, Autorennen und Brücken. Mal sehen, welche neue Phobie der sechste Teil – Final Destination: Bloodlines – auslöst.
Die Inhaltsangabe von Final Destination: Bloodlines
In den 1960er Jahren rettet Iris durch die Vision eines Gebäudeeinsturzes zahlreiche Menschen vor dem sicheren Tod. Jahrzehnte später hat ihre Enkelin Stefanie dieselbe Vision und stellt fest, dass der Tod es nun auf ihre Familie abgesehen hat.
Spiel mir das Lied vom Tod
Der Tod mag zwar auf leisen Sohlen kommen, doch bei Final Destination geht er mit einem Knall. Über zwanzig Jahre ist es nun her, dass Teenager zum ersten Mal dachten, sie könnten den Tod überlisten – nur um festzustellen, dass aufgeschoben nicht aufgehoben bedeutet. Durch die Einführung des Todes als übernatürliche Präsenz konnte sich die Reihe von der Slasher-Welle der Post-Scream-Ära abheben, indem sie die üblichen Verfolgungsszenen durch absurde Kettenreaktionen ersetzte, die in einem blutigen Finale gipfelten.
Zwar folgten alle Teile dem gleichen Schema, doch Abnutzungserscheinungen blieben aus, da die Prämisse keine kreativen Grenzen setzte und deutlich mehr Spektakel bot als die Konkurrenz. Während bei vielen Produktionen beispielsweise der Mehrwert von 3D in Frage gestellt wurde, war er hier eine logische Konsequenz. Kein Wunder, dass sich auch Final Destination: Bloodlines nach 14 Jahren Pause sklavisch an dieser Formel abarbeiten konnte, ohne an Unterhaltungswert einzubüßen. Autor Guy Busick (Abigail; Ready or Not) mit ins Boot zu holen, war eine kluge Entscheidung. Schon mit seinem Drehbuch zu Scream hat er bewiesen, dass er wunderbar die Essenz eines Franchise einfangen kann.
Flammendes Inferno
Traditionsgemäß beginnt jeder Final Destination-Teil mit einer Katastrophe. In diesem Fall handelt es sich um den Einsturz eines Restaurants, welches deutliche Ähnlichkeiten mit der Space Needle in Seattle aufweist. Erstmals in der Reihe liegt das zugrundeliegende Unglück jedoch weit in der Vergangenheit. Die Szene ist zwar wieder spektakulär und sehr blutig inszeniert, doch durch den künstlichen Look und den fehlenden Alltagsbezug entfaltet sie weder die Wirkung noch die nachvollziehbare Angst wie etwa der Massencrash auf der Autobahn in Teil 2.
Auch in Flugzeugen oder Achterbahnen findet man sich häufiger wieder als in einem Restaurant, das hundert Meter über dem Boden thront. Zudem fehlt es dem Unglück an Glaubwürdigkeit – selbst mit massivem Pfusch am Bau ließe sich ein solcher Einsturz kaum erklären. Auch im weiteren Verlauf wird der für das Franchise typische Eskapismus in ungeahnte Höhen katapultiert, wobei jedoch stets die Absurdität des Gezeigten betont wird. Wenn zu dem Song Raindrops Keep Falling on My Head Körper auf dem Boden zerschellen oder jemand von einem Fußball in eine Mülltonne befördert wird, bleibt einem das Lachen garantiert nicht im Halse stecken. Eine gute Entscheidung, denn Spannung zählte noch nie zu den Stärken der Reihe.
Saftig wie eh und je
Im Netz kursierte im Vorfeld die Befürchtung, die Neuauflage könnte beim Gore sparen. Diese Sorge erweist sich als unbegründet: Auch diesmal werden wieder Menschen zerquetscht, verformt oder zerteilt – wer auf innere Werte steht, kommt definitiv auf seine Kosten. Obwohl alle Beteiligten im Vorfeld mehrfach den massiven Einsatz von praktischen Effekten betonten – z.B. wurde eine 70-jährige Stuntfrau in Flammen gesetzt – wirkt das Endergebnis stark CGI-geprägt, ein Problem, das schon die beiden 3D-Teile plagte.
Die zahlreichen Anspielungen auf die vorherigen Teile wirken größtenteils überflüssig oder repetitiv – die kreative Neuinterpretation des ikonischen Covers von Teil 5 bildet da jedoch eine erfreuliche Ausnahme.
Der Tod steht ihnen gut…
Einer der Schwachpunkte des Franchise sind aus heutiger Sicht die Figuren. Bis auf wenige Ausnahmen bestand die Besetzung bislang aus typischen Slasher-Stereotypen, die allenfalls durch ihren spektakulären Abgang in Erinnerung blieben. Final Destination: Bloodlines verzichtet ebenfalls auf tiefgehende Charakterzeichnung, legt dafür aber umso mehr Wert auf die Chemie unter den Darstellenden. Da der Tod diesmal auch die Angehörigen der Überlebenden ins Visier nimmt, braucht es glaubwürdige familiäre Dynamiken.
Die Figuren sind dementsprechend bodenständiger, sympathischer und liebevoller geschrieben als einige ihrer Vorgänger. Dennoch fiebert man mit keiner der Personen so richtig mit, nicht weil man ihnen den Tod gönnt, aber ihr blutiger Abdruck hinterlässt am Ende deutlich mehr Eindruck als ihr Schauspiel. Glücklicherweise verzichtet das Drehbuch im Finale darauf, einen der Charaktere krampfhaft zum Antagonisten zu erheben – ein erzählerisches Mittel, das in den letzten Teilen zwar oft genutzt, aber nur wenig überzeugend umgesetzt wurde.
…bis auf eine Ausnahme
Die im November letzten Jahres verstorbene Horrorlegende Tony Todd, der als Gerichtsmediziner William Bludworth die Reihe prägte, hat hier seinen letzten Filmauftritt. Sichtlich gezeichnet von seiner Krankheit, verabschiedet er sich in einer Szene, in der Realität und Fiktion verschwimmen, würdevoll von seinen Fans. Möge er in Frieden ruhen.
© Warner Bros.
Unser Fazit zu Final Destination: Bloodlines
Man kann getrost als Reiseziel Kino ins Navi eingeben und der roten Linie bis zur Endstation folgen, denn bei Final Destination: Bloodlines wird sich garantiert niemanden zu Tode langweilen. Der Sensenmann kennt mal wieder keine Verwandten und bringt mit innovativen Methoden Menschen dazu, ihr Innerstes nach außen zu kehren. Dank der abwechslungsreichen Mischung aus morbidem Humor und blutigen Effekten zeigt auch der sechste Teil der Reihe keine Abnutzungserscheinungen, obwohl der Ablauf mit genauso wenig Überraschungen aufwartet wie die letzte Familienfeier.
Final Destination: Bloodline läuft ab 15.Mai.2025 in den deutschen Kinos
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.
