Als Befehlshaberin der Suicide Squad konnte sie die Drecksarbeit delegieren. In G20 bleibt Viola Davis nichts anderes übrig, als selbst zur Waffe zu greifen – doch landet sie damit einen Volltreffer?
Die Inhaltsangabe von G20
Als der G20-Gipfel belagert wird, wird US-Präsidentin Danielle Sutton (Viola Davis) zur Zielscheibe Nummer eins. Nachdem sie der Gefangennahme durch die Angreifer entkommen ist, muss sie den Feind überlisten, um ihre Familie zu beschützen, ihr Land zu verteidigen und die Staatsoberhäupter der Welt in diesem actiongeladenen Thrill-Ride zu schützen.
Es wird mal wieder langsam gestorben
„Hoch über der Stadt Los Angeles haben Gangster ein Gebäude in ihre Gewalt gebracht und Geiseln genommen. Ein Mann konnte ihnen entkommen. Er ist für alle die letzte Chance“ – so lautet die offizielle Synopsis von Stirb langsam. Tauscht man lediglich den Städtenamen und das Geschlecht, hat man die Prämisse von G20. Während andere Rip-offs wenigstens etwas Varianz in die Formel bringen, wird hier kaum vom Ausgangsmaterial abgewichen: Die Gangster wollen wieder an das große Geld – diesmal in Form von Bitcoins –, die Familie der Heldin steckt mit im Gebäude und die Verbindung zur Außenwelt muss unter lebensgefährlichen Bedingungen wiederhergestellt werden. Dies könnte noch als Hommage durchgehen – es gibt zahlreiche Anspielungen auf John McClanes erstes Abenteuer –, aber spätestens wenn weitere ausgetretene Elemente unironisch in die Handlung eingebaut werden, wird die Copy-and-Paste-Attitüde des Autorentrios deutlich.
Dabei beginnt G20 durchaus unterhaltsam. Eine Verfolgungsjagd, so geschnitten, dass sie zunächst wie eine koordinierte US-Geheimoperation wirkt, entpuppt sich rasch als Montage zweier unterschiedlicher Ereignisse. Zwar lässt sich bereits an den hektischen Schnitten erahnen, wie die Action im weiteren Verlauf aussehen wird, doch die Idee ist clever und angenehm leichtfüßig inszeniert.
Alte Bekannte
Ein weiterer frischer Impuls ist die Besetzung von Viola Davis (Suicide Squad, The Woman King), denn es gibt nach wie vor zu wenige Heldinnen im amerikanischen Action-Kino – umso bedauerlicher, dass ihre Figur keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Zwar darf sie auf dem Plakat noch martialisch mit zwei Knarren in der Hand vor einer Limousine posieren, doch innerhalb der Handlung wird ihr dieser Aspekt abgesprochen, obwohl es dem absurden und unglaubwürdigen Szenario durchaus zugute käme. Bluten, schwitzen oder fluchen darf sie bei der Befreiungsaktion nicht. Präsidentin Sutton muss bierernst patriotische Motivationsreden halten, während sie von Selbstzweifeln und Traumata geplagt, gegen dumm agierende Terroristen und einen Szenerie-zerkauenden Antony Starr – der eine müde Variante seiner Homelander-Figur spielt – antritt.
Die Radikalität eine farbige Frau an die Spitze der USA zu setzen, musste wohl reichen. Sämtliche Motivationen oder Eigenschaften aller Figuren werden nicht gespielt, sondern ausschließlich in ausführlichen Expositionen vermittelt, die haarklein alles für unaufmerksame Zuschauer erklären –wichtige Details werden dabei natürlich mehrfach wiederholt. Die restlichen Darsteller:innen müssen sich ebenfalls mit Figuren aus der Restekiste der 90er-Jahre-Tropes begnügen. Zwar sind diese in den letzten 30 Jahren fast ausgestorben, aber Charaktere wie das „Technik-Wunderkind“ oder der „unerwartete Maulwurf“ nerven auch bei einer Neuauflage.
Kämpfe aus der Wackel-Dackel-Perspektive
Was völlig fehlt, sind gut inszenierte und kreative Actionsequenzen. Stirb langsam überzeugte mit durchdachten Schießereien, gewaltigen Explosionen und einfallsreichen Methoden, den Helden leiden zu lassen. Präsidentin Sutton kämpft dagegen problemlos in wackelig gefilmten und schnell geschnittenen Actionsequenzen – unterlegt von einer pathetischen Soundkulisse –, gegen Gegner, die ihr eigentlich körperlich und strategisch überlegen sind. Angesichts der ernsten Inszenierung steht das der Glaubwürdigkeit im Weg. Die Kämpfe wiederholen einmal mehr die immer gleiche, statische Choreografie in leeren Räumen oder langen Fluren, mit demselben Ausgang. Dass ein Gegner blutig eine Kugel in den Kopf bekommt oder ein Messer in den Hals, wird keinen Genre-Fan mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Einzig eine im Dunkeln gehaltene Szene kann mit einer netten optischen Spielerei aufwarten. Wie weit das amerikanische Kino – mit wenigen Ausnahmen – der Konkurrenz in diesem Bereich hinterherhinkt, wird auch im Finale deutlich, das offensichtlich vor einem Greenscreen gedreht wurde.
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Unser Fazit zu G20
Als Präsidentin ist Viola Davis deutlich besser geeignet als der amtierende Amtsinhaber, doch für einen Platz im Action-Olymp benötigt sie ein besseres Händchen bei der Rollenwahl. G20 ist ein ideenloses Echo eines Klassikers, das sich viel zu ernst nimmt und seine Chance auf ein eigenständiges Profil verspielt. Mit besser inszenierter Action und einem lockeren Ton, der sich der unrealistischen Grundidee anpasst, würden die negativen Aspekte weniger ins Auge stechen. So ist die Wiederwahl von Präsidentin Sutton jedoch gefährdet.
G20 ist seit dem 10. April 2025 auf Amazon Prime zu sehen.
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.

