Mit der Veröffentlichung von Happy Gilmore 2 geht für viele Sandler-Fans ein Traum in Erfüllung – schließlich hatten sie schon lange auf ein Comeback des Goofy-Golfers gewartet. Doch ist die Fortsetzung ein echtes Hole-in-One oder eher ein Schlag ins Wasser?
Darum geht es in Happy Gilmore 2
Um die Ballettausbildung seiner Tochter Vienna (Sunny Sandler) zu finanzieren, wagt Ex-Golfer Happy Gilmore (Adam Sandler) ein Comeback – und zeigt einer neuen Generation von Spielern, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört.

Don’t Worry, Be Happy
Happy Gilmore aus dem Jahr 1996 zählt zu den beliebtesten Werken von Adam Sandler. Die Komödie über einen exzentrischen Golfer bescherte ihm weltweiten Ruhm. Das typische Zero-to-Hero-Storygerüst diente dabei vor allem als Bühne für Sandlers Comedy-Talent. Die Rolle des unangepassten, aber herzensguten Außenseiters passt ihm wie angegossen. Umso überraschender, dass er bis jetzt kein Verlangen verspürte, zu dieser ikonischen Figur zurückzukehren. Doch sein ausgeprägter Geschäftssinn – immerhin taucht er dank seines Netflix-Deals regelmäßig in den Top Ten der bestbezahlten Hollywood-Schauspieler auf – hat ihn am Ende doch noch dazu bewegt, erneut ins Hockey-Shirt zu schlüpfen, um das lang ersehnte Sequel abzuliefern.
Etwas zu viel Schwung
Sandler enttäuscht seine Fans nicht: Er erfüllt nicht nur die Erwartungen an eine Fortsetzung, sondern legt noch eine ordentliche Schippe obendrauf. So viel Liebe und Kreativität steckte bislang in keinem seiner Netflix-Projekte. Allerdings gehen er und sein langjähriger Autor Tim Herlihy das Projekt Legacy-Sequel etwas zu ambitioniert an.
Die Handlung ist schnell erzählt: Happy Gudenstein – äh, ich meine natürlich Happy Gilmore – hat alles verloren, ist in Vergessenheit geraten und braucht dringend Geld. Doch all das dient erneut nur als Vorwand, um ihn möglichst schnell zurück auf den Golfplatz zu bringen. Die erste Stunde ist dementsprechend temporeich inszeniert.
Den beiden Autoren gelingt es, die Balance zwischen nostalgischen Rückverweisen und neuen, witzigen Einfällen – wie etwa orginelle Verstecke für Alkohol zu finden – zu halten, ohne dabei das eigentliche Ziel – das Geld für die Ballettausbildung der Tochter zu erspielen – aus den Augen zu verlieren. Gewürzt wird die Geschichte mit dem für Sandler typischen Klamauk bzw. Fäkalhumor. Doch auf dem Weg baut das Drehbuch etwas zu viele liebevolle Querverweise, Figuren und Handlungsstränge ein. Dadurch wird nicht nur die Laufzeit auf zwei Stunden aufgebläht, sondern auch der Erzählfluss spürbar gestört.
Die Golfturniere liefern erneut genau das, was man sich erhofft: Tempo, Klamauk und jede Menge Spektakel. Selbst die legendäre Flugkamera ist wieder mit von der Partie. Gekrönt wird das Ganze vom fantasievoll inszenierten Finale auf dem X-Treme-Green. Wer realitätsnäheren (sic) Golfsport im Streaming-Format sehen möchte, sollte eher bei der Konkurrenz von Apple TV+ Stick mit Owen Wilson schauen. Auch wenn die Authentizität auch dort für die Dramaturgie etwas gebogen wird, bleibt man doch den 18-Loch-Plätzen.
Platzhirsche lassen die Sau raus
Adam Sandler haftet seit Langem das Image des antriebslosen und bequemen Schauspielers an, der in Jogginghose vor die Kamera tritt. Er selbst räumt freimütig ein, dass Dreharbeiten für ihn oft nur ein Vorwand sind, um sich mit Freunden zu treffen – dass er dabei ein Vermögen verdient, ist sicher ein willkommener Nebeneffekt. Seine wahren Qualitäten zeigt er nur, sehr zum Ärger der Fans seiner Comedy-Projekte, in prestigeträchtige Arthouse-Produktionen wie Der schwarze Diamant.
In Happy Gilmore 2 findet er endlich sein Mojo wieder. Er hat sichtlich Spaß an seiner alten Rolle und lässt auf dem Golfplatz wieder ordentlich die Sau raus. Wenn er dabei mal müde und abgespannt wirkt, passt dies zum Charakter, der nicht nur vom Schicksal gebeutelt, sondern auch 30 Jahre älter geworden ist. Natürlich muss der Gute auch diesmal wieder als Markenbotschafter herhalten – allerdings nicht nur für ein Produkt, sondern gefühlt für hunderte. Sandler ist eben nicht nur Komiker, sondern auch Geschäftsmann.
Wie schon im ersten Teil drängt die Rampensau nicht alle anderen Mitstreiter vom Golfplatz, sondern gibt auch ihnen wieder Raum zum Glänzen. So hat Christopher McDonald als Shooter McGavin erneut einen denkwürdigen Auftritt, Ben Stiller baut seine Rolle aus Teil eins etwas aus, der Musiker Bad Bunny kann als Caddy sein humoristisches Talent unter Beweis stellen und der oscarprämierte Regisseur Benny Safdie gibt einen herrlich überdrehten Antagonisten. Wie so oft in seinen Produktionen übernehmen auch Sandlers Frau und Kinder kleinere Rollen, können aber neben den versierten Comedy- und Schauspielgrößen nicht bestehen. Nur Julie Bowen – Happys Freundin aus dem Vorgänger – wird überraschend schnell aus der Story entfernt, obwohl sie im Vorfeld prominent beworben wurde.

Wenn du drehst, werden sie kommen
Happy Gilmore 2 trumpft zudem mit zahlreichen Gastauftritten prominenter Größen aus Sport, Musik und Film auf. Neben den üblichen Verdächtigen, die in fast jedem Sandler-Film zu sehen sind, sorgen unter anderem Eminem, John Daly, Margaret Qualley und Jon Lovitz für Überraschungsmomente. Man wird den Eindruck nicht los, Sandler habe einfach all seine Freunde und Bekannten zum Dreh eingeladen. Selbst verstorbene Weggefährten wie Carl Weathers oder der legendäre Alligator Morris werden vom Großmeister posthum gewürdigt.
© Netflix 2025
Unser Fazit zu Happy Gilmore 2
Adam Sandler ist back in the game und leistet sich mit Happy Gilmore 2 keinen Fehlschlag – vorausgesetzt, man mag seine Spielweise. Schon zum Auftakt findet er überraschend schnell den richtigen Drive und platziert sich sicher auf dem Fairway. Doch auf dem Weg zum Green verliert er das Ziel zeitweise aus den Augen: Zu viele Mitspieler und Rückverweise stören den Spielfluss und ziehen die Partie unnötig in die Länge. Ein Hole-in-One, Eagle oder gar Birdie bleibt dem guten Happy also verwehrt – doch seine Fans dürfen sich über ein redlich erspieltes Par freuen.
Happy Gilmore 2 läuft seit dem 25.Juli 2025 auf Netflix
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.

