Iko Uwais in Headshot, dem neuen Actionfilm der Mo-Brothers (Kimo Stamboel & Timo Tjahanto) – das schreit doch geradezu nach knallharter Erwachsenenunterhaltung.
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Unumgänglicher Vergleich: Headshot vs The Raid
Die in Headshot gesteckten Erwartungen sind, man kann es schwerlich anders ausdrücken, zugleich Fluch und Segen. Ihm wurde in seiner Vermarktung so gut wie keine Eigenständigkeit zugestanden, ständig schwebt das Raid-Franchise wie ein Damoklesschwert über ihm.
- Darsteller aus The Raid? Check ✔
- Gleiches Produktionsland? Check ✔
- Rohe Körperlichkeit? Check ✔
- Ähnlich gelagerte Trailer? Check ✔
- Ständige Vergleiche mit The Raid? Check ✔
Aus wirtschaftlicher Sicht sind dies mit Sicherheit lohnende Gründe, schließlich gelten die beiden Raid-Streifen als erfolgreich und weithin schon als moderne Klassiker und man kann wohl nahezu blind darauf vertrauen, dass alle Beteiligten wissen, was sie da tun. Dennoch: es schadet dem Film dann doch mehr als es nützt. Headshot ist kein schlechter Film, kann aber mit den erzwungenen Assoziationen rund um die beiden Raid-Filme, insbesondere dem perfekten The Raid 2, dann doch nicht ganz Schritt halten.

Elegant und erbarmungslos: die Kämpfe in HEADSHOT
Auch Headshot glänzt mit atemberaubenden Choreografien, einer brutalen und unerbittlichen Körperlichkeit in den Nahkämpfen und virtuoser Kameraarbeit. Bei all dem visuellen Bombast, kann er allerdings keine rechte Spannung erzeugen, geschweige diese aufrechterhalten. Immerhin fallen die Schauplätze abwechslungsreich aus, so dass die Hatz um den finalen Racheakt nicht langweilt. Die an sich schnörkellöse Inszenierung stellt sich mit ihrer zu gewollt erscheinenden und unnötig aufgeblasenen Crime-Handlung allerdings selbst ein Bein.
Die Krux an dieser Stelle sind die geschürten Erwartungen: The Raid pfiff auf die ausgefeilte Handlung und stellte den Zuschauer vor (fast) vollendete Tatsachen – ein kurzes und knackiges Vergnügen, das auf Dauer doch etwas eintönig wurde. The Raid 2 schaffte dann das Kunststück, die ausufernden Kampfchoreografien mit einer komplexen Handlung und verdoppelter Laufzeit auf ein ganz anderes Level zu heben – ein fast schon klassischer Mafiathriller mit radikaler Ruppigkeit.
Altbekanntes, ansprechend serviert
Wo The Raid 2 es also schaffte, Geschichte, Figuren und Kampf in Perfektion zu vereinen, kann Headshot diesen Erwartungen nicht ganz gerecht werden. Trotzdem kann man für Headshot bedenkenlos eine Empfehlung aussprechen – man sollte, zumindest wenn man The Raid 2 aus obigen Gründen für ein Meisterwerk hält, seine Erwartungen reduzieren. Denn dann bietet Headshot tatsächlich einen hohen Unterhaltungsfaktor. Jeder Kampf ist auf seine Art speziell und individuell, die Choreografien erinnern wie so oft an eine Art Tanz, dessen Ausgang für einen der Tänzer den Tod bedeutet. Und es wird gestorben. Dreckig. Brutal. Mit Schusswaffen. Ohne Schusswaffen. Schlagstöcke. Messer.
Selten bleiben Knochen in ihrer anatomisch korrekten Position und Leiber werden förmlich von Kugeln zersiebt. Einige Szenen oder Kamerafahrten erinnern frappierend an Material aus The Raid 2, gefallen mir in ihrer übertriebenen und fast schon theaterähnlichen Inszenierung dennoch ausgesprochen gut (man vergleiche beispielsweise die Ausbruchsszene zu Beginn von Headshot mit der leider gestrichenen Gang-Shooting-Szene aus The Raid 2) und könnten so gerne öfter Verwendung finden.
The Mo-Brothers haben es, wie schon bei Macabre, geschafft, bekannte Zutaten zu einem unterhaltsamen Konglomerat zu mischen, dem die geschürte Erwartungshaltung leider etwas das Wasser abgräbt und derer ich mich auch nicht verwehren konnte. Angesichts der Genrefilme aus dem Westen in Punkto Inszenierung und wenig zimperlicher Action (am ehesten vergleichbar: Universal Soldier: Day Of Reckoning) immer noch eine absolute Empfehlung.

© 2018 Koch Films
Tobi ist bereits gute 7 Jahre an Bord und teilt so fast 20% seiner Lebenszeit mit Filmtoast. Wie es ursprünglich dazu kam ist so simpel wie naheliegend. Tobi hatte unregelmäßig auf Seiten wie Schnittberichte Reviews zu Filmen verfasst und kam über diverse facebooksche Filmgruppen und –diskussionen in Berührung mit dem damaligen Team von Filmtoast (die Älteren erinnern sich: noch unter dem Namen Movicfreakz) und wurde daraufhin Teil dessen.
Thematisch ist er aufgeschlossen, seine feste Heimat hat er jedoch im Horrorfilm gefunden, da für ihn kein anderes Genre solch eine breite Variation an Themen und Spielarten zulässt. Kontroverser Ekelschocker, verstörender Psychothriller oder Elevated Horror – fast alles ist gern gesehen, auch wenn er zugeben muss, dass er einen Sweet Spot für blutrünstig erzählte Geschichten besitzt.
Tobi geht zum Lachen jedoch nicht (nur) in den blutverschmierten Keller, sein Herz schlägt unter anderem bei Helge Schneider, dänischem schwarzen Humor oder den Disyneyfilmen seiner Kindheit höher.
Kinogänge vollzieht er am liebsten im städtischen Programmkino, zum Leidwesen seiner filmisch weniger affinen Freunde, meidet er große Kinoketten wie der Teufel das Weihwasser. Am liebsten geht er seiner Filmleidenschaft jedoch in den eigenen vier Wänden nach, um den viel zitierten Pile of Shame seiner physischen Filmsammlung abzuarbeiten.
Tobi lebt in Sachsen-Anhalt, ist beruflich in einer stationären außerklinischen Intensivpflege verankert und hat mit der Begeisterung zum Film und dem Schreiben darüber den für sich perfekten Ausgleich zum oftmals stressigen Arbeitsalltag gefunden.

