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    Hollywood

    Jan Wernervon Jan Werner30. April 2020Keine Kommentare7 min Lesezeit
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    Schauspieler an einer Tankstelle in Hollywood
    Die Filmcrew an der Tankstelle © Netflix
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    Eine Liebeserklärung an die guten, alten Zeiten in der Traumfabrik kredenzt uns Netflix mit der neuen Ryan Murphy Serie Hollywood. In dieser Ausgabe von 10 Reasons Why (Not) erfahrt ihr, ob die Faszination für dieses Zeitalter auf den Zuschauer überspringt und ob in der Miniserie wirklich nur alles eitel Sonnenschein ist.

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    Das Hauptplakat von Hollywood
    Das Titelmotiv der Miniserie © Netflix

    Die Inhaltsangabe zu Hollywood

    Hollywood, die neue Miniserie von Ryan Murphy und Ian Brennan, erzählt von einer Gruppe aufstrebender Schauspielerinnen, Schauspieler und Filmemacher nach dem Zweiten Weltkrieg in Hollywood, die den großen Durchbruch schaffen wollen – koste es, was es wolle. Jede Figur eröffnet auf ihre ganz besondere Weise einen Einblick hinter die Kulissen des goldenen Zeitalters von Hollywood. Dabei kommt ein unfaires System voller Vorurteile in Bezug auf Herkunft, Geschlecht und Sexualität ans Licht, die bis zum heutigen Tag andauern. Hollywood enthüllt und untersucht auf provokante und prägnante Weise althergebrachte Machtverhältnisse und wie es in der Unterhaltungsbranche aussehen würde, wenn diese umgestürzt worden wären.

    Die zwei angehende Schauspielerinnen Claire und Camille stehen zusammen auf einem Parkplatz in Hollywood
    Claire (Samara Weaving) und Camille (Laura Harrier) © Netflix

    10 Reasons Why (not)

    (In unserem Kritikformat werden wir die Argumente, die für oder gegen einen Serienmarathon sprechen ohne große Spoiler auf 10 Punkte kompakt bündeln. Abschließend gibt es eine Pro-Kontra-Gegenüberstellung mit einem kurzen Fazit. Dabei geht es uns nicht um eine folgenweise Analyse, sondern darum, auf gute Serien Appetit zu machen und vor schlechten Serien zu warnen, um für etwas Überblick im Serien-Dschungel zu sorgen.)

    1. Einblicke hinter die Fassade der Traumfabrik

    Für jeden jungen Schauspieler, angehenden Filmemacher oder ambitionierten Drehbuchautoren gilt seit jeher ein Erfolg in Hollywood als Synonym für den Lebenstraum. Doch dabei wird oft verdrängt, wie hart und teils willkürlich ausgesiebt wird, welche Rolle Kontakte, aber auch Glück, spielen und wie viele Talente scheitern, weil sie einen Wimpernschlag zu spät dran sind. Ryan Murphy entzaubert mit seiner ganz eigenen Handschrift den Mythos vom schlagartigen Aufgehen neuer Sterne. Die Miniserie zeigt, dass man Durchhaltevermögen braucht

    Der Geschäftsmann Ernie lehnt sich lässig an eine Autotür, im Hintergrund fahren Autos eine Straße entlang
    Ernie (Dylan McDermott) ist „offiziell“ Tankstellenwart © Netflix

    2. Hollywood hat eine Ausstattung zum Schwärmen

    Allein die ganzen alten Karossen lassen Nostalgikerherzen bestimmt höher schlagen. Aber nicht nur hier punktet Hollywood durch eine exorbitante und vor allem auch authentische Ausstattung. Die Kostüme sind liebevoll ausgewählt, bis hin zur Unterwäsche. Sogar die Frisuren wurden perfekt nachgebildet, um die Nachkriegszeit für diese Serie wieder zu erwecken.

    3. Die Musik lässt die 40er auferstehen

    Mit der Big Band Musik, die fast permanent und vor allem verhältnismäßig laut die Atmosphäre und den Schwung aufrecht erhält, hat man sich ebenfalls einen Gefallen getan. Die Art der musikalischen Begleitung wirkt etwas aus der Zeit gefallen und passt genau dadurch perfekt zur Idee der Serie, in ein anderes Hollywood einzutauchen.

    4. Das Ensemble punktet durch Authentizität, nicht durch große Namen

    Auf den ersten Blick findet man vielleicht auf der Besetzungsliste nicht die ganz großen Namen. Doch der Schein trügt, denn ausnahmslos alle Schauspieler überzeugen hier in den jeweiligen Rollen. Den Reiz macht insbesondere auch aus, dass man einer Geschichte über Newcomer im Filmgeschäft eine weitere Ebene verleiht, wenn viele der Darsteller selbst sich erst noch einen Namen machen müssen. Das sorgt dafür, dass man den Personen die Rollen viel mehr abnimmt. Es entsteht der Eindruck, die Jungschauspieler würden ein Stück weit sich selbst in der fiktiven Realität repräsentieren.

    5. Hollywood erzählt ein ganz klassisches Aufsteigermärchen…

    Oberflächlich betrachtet könnte die Handlung von Hollywood klischee-, ja fast märchenhafter kaum sein. Eine Gruppe von Außenseitern, bedingt durch Rasse, Geschlecht oder Sexualität, schafft es entgegen aller Widrigkeiten, durch eine perfekte Kombination aus Glück und Talenten zum Erfolg zu kommen. Happy End.

    Der zwielichtige Manager Henry Wilson beim Filmdreh, in der Hand das Skript, im Hintergrund das Set
    Künstleragent Henry Wilson (Jim Parsons) © Netflix

    6. … spickt das aber mit Aspekten, die betroffen machen

    Doch die Art und Weise, wie in der Serie genau eben diese Widrigkeiten betont werden, sorgt dafür, dass die ernsten Töne und die Botschaft umso aussagekräftiger werden. Das System verlangt denen, die vermeintlich aus der Reihe tanzen, die extremsten Formen der Selbstverleugnung ab. Obwohl die Grundstimmung von Hollywood durch das Musicalfeeling positiv anmutet, zeigt die Entblößung des Machtapparats Hollywoods im Jahr 1946 erschreckende Parallelen zur Filmwelt unter dem Me-Too-Skandal. Ryan Murphy legt den Finger bewusst in die Wunde, wenn er die Aussage vertritt, dass trotz den fast 80 Jahren Entwicklung viele Strukturen, die man als Vergangenheit ansehen müsste, doch noch immer präsent sind.

    7. Die Figuren sind äußerst vielseitig, interessant und vor allem divers

    Durch die Bank weg sind die Figuren in der Serie voller spannender Geschichten und bringen viele Merkmale mit, die für eine hohe Ambivalenz sorgen. Es gibt hier nicht die klassischen Gut/Böse Fraktionen, da auch die ekelhaften Charaktere Läuterungsprozesse durchlaufen oder nachvollziehbare Motivationen für ihre Untaten bekommen. Herauszuheben ist hierbei unter anderem der Künstleragent, den Jim Parsons wirklich voller Inbrunst zu einer sehr hassenswerten Person stilisiert. Trotzdem vertritt er gleichzeitig eine Minderheit und setzt seine intriganten Machenschaften eigentlich doch dafür ein, dass diese Randgruppe weniger Nachteile erfahren muss.

    Die drei Protagonisten Jack, Archie und Raymond begrüßen sich vor einem Haus in Hollywood
    Angehende Hollywoodstars? Jack, Archie und Raymond © Netflix

    8. Hollywood beeindruckt durch Dialog-Feuerwerke

    Mehrfach schafft es die Historien-Serie, den Zuschauer mit Gesprächen voller Wortwitz und Intelligenz fast zum Jubilieren zu bringen. Das Dialogdrehbuch sorgt für große Begeisterung vor allem bei Fans von Wortgefechten, in denen sich die Teilnehmer mit ihrer Eloquenz zur Höchstleistung anspornen. Zwar bewegen sich die großen Redenschwinger manches Mal am Rande des Pathos, doch nirgends könnte man es eher verzeihen, als in einer Serie, die das klassische Schauspiel hochleben lässt.

    9. Interesse für Period Pieces vorausgesetzt

    Zugegeben, Hollywood ist sicher nicht jedermanns Sache. Die teils geschwollenen Dialoge sowie Outfits, die für manch einen nach Kostümball aussehen, und ein sich ungewohnt in den Vordergrund spielender Big Band Sound: Man muss sich für diese Epoche in der Geschichte Amerikas interessieren und die verspielte, fast kitschige Erzählweise dafür akzeptieren. Wer allerdings generell kein Problem mit lebensbejahenderen Historienstoffen hat und zudem noch Interesse für filmische Hintergrundfakten hat, der wird die Miniserie wahrscheinlich auch abfeiern.

    Bei einer Poolparty steht eine Frau in gelbem Kostüm auf einem Sprungbrett, im Pool feiernde Menschen Hollywood
    Ausufernde Partys gehören seit jeher zum Filmgeschäft © Netflix

    10. Ein fiktionale Filmgeschichte schreibt Seriengeschichte

    Die Geschichte von Hollywood ist erfunden, doch weitestgehend durchaus realistisch. Die omnipräsenten Ressentiments, die Hinterzimmerklüngeleien und die Bereitschaft von Traumtänzern, sich für den Erfolg extrem aufzuopfern. Man sich gut vorstellen, dass all diese Dinge damals an der Tagesordnung gewesen sind. Doch ab einem gewissen Punkt wendet sich das Blatt zum Guten, die fiktive Realität wird märchenhaft. Man könnte von romantischer Verklärung sprechen. Das würde die Intention der Macher jedoch konterkarieren. Die Botschaft, die man vermittelt, vor allem vor dem Hintergrund, dass auch heute viele der alten Missstände noch nicht ausgeräumt sind, ist optimistisch und soll zeigen, dass der Traum eben doch wahr werden kann. Eine Gesellschaft kann sich ändern, wenn man genug Kräfte mobilisiert.

    In der Fiktion wird von einem bunt zusammengewürfelten Haufen Underdogs Filmgeschichte geschrieben. Durch die pointierten Aussagen, die dadurch getroffen werden, schreibt Hollywood womöglich Seriengeschichte.

    Pro: 10 Kontra: 0

    Unser Fazit zu Hollywood

    Es liegen nun schon einige Monate in diesem Serienjahr hinter uns. Bislang gab es den ein oder anderen Lichtblick, aber doch noch nicht die ganz große Perle. Mit Hollywood hat sich dies nun geändert. Die neue Ryan Murphy Show bei Netflix ist das erste große Highlight 2020.

    Ein gewisses Interesse an Zeitgeschichte vorausgesetzt, wird dem Zuschauer hier eine kurzweilige Zeitreise in ein gar nicht so anderes Hollywood ermöglicht. Herrlich ausufernde Dialogschlachten, liebevoll gezeichnete Charaktere und skurrile Situationen machen das Period Piece zur großen Empfehlung.

    Hollywood kann ab dem 1. Mai komplett bei Netflix gestreamt werden.


    © Netflix

    Jan Werner

    Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen. Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern. Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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