Bislang konnte man in Deutschland noch nicht in den Genuss von Minari – Wo wir Wurzeln schlagen kommen, jedoch wird das sechsfach für den Oscar nominierte koreanisch-amerikanische Drama am 15. Juli auch hierzulande endlich seine Wurzeln schlagen. Ob es sich lohnt, einen Blick zu riskieren, erfahrt ihr in den nächsten Absätzen.

©Prokino Filmverleih
Worum geht es in Minari -Wo wir Wurzeln schlagen?
Schon vor einigen Jahren sind Jacob (Steven Yeun) und Monica Yi (Han Ye-Ri) von Südkorea in die Vereinigten Staaten ausgewandert, um dort ihr Glück zu finden. Doch als es ihnen in der Großstadt zu viel wird, beschließen sie, raus aufs Land nach Arkansas zu ziehen. Dort wollen sie eine Farm für koreanisches Gemüse errichten. Hier setzt der Film ein, und die erste Konfrontation lässt gar nicht so lange auf sich warten, da Monica anscheinend nichts von Jacobs Plänen in Bezug auf diese Farm weiss. Ab jetzt gilt es viele soziale und familiäre Hindernisse zu überwinden, denn Jacob hat die letzten finanziellen Mittel der Familie in dieses Mammutprojekt gesteckt.
Abgesehen von der angespannten Ehe zwischen Monica und Jacob gilt es noch, den herzkranken, siebenjährigen Sohn David (Alan Kim) zu versorgen und die ebenfalls junge Tochter Anne (Noel Kate Cho) zu beschäftigen, der es hier auf dem Land nicht so richtig gefällt. Außerdem erscheint nach kurzer Zeit noch Monicas Mutter Soonja (Youn Yuh-jung) auf der Bildfläche. Diese entspricht so gar nicht dem typischen Bild einer Großmutter und anstatt Kekse zu backen bringt sie den Kindern lieber bei, wie man Karten spielt und dabei zu fluchen. Doch was erst einmal nach einem klassischen Fall vom American Dream klingt, versteckt sehr viel mehr hinter der Fassade…
![Familie Yi begutachtet ihre Farm [bitte etwas genauer, nicht einfach die Beschriftung kopieren]](https://filmtoast.de/wp-content/uploads/MINARI_01590_1400-1024x682.jpg)
(Familien-)Liebe im Detail
Minari – Wo wir Wurzeln schlagen ist in erster Linie ein recht komplexes Familiendrama, mit sehr detailliert geschriebenen Charakteren und einer lebensnahen sowie glaubwürdigen Geschichte. Regisseur und Drehbuchautor Lee Isaac Chung (u.A. Munyurangabo) ist dabei sehr bedacht, jedem der fünf Familienmitglieder genügend Screentime zukommen zu lassen. Deshalb lernen wir die angehenden Farmer nach und nach mit all ihren Charakterzügen, Ecken und Kanten, kennen. Jeder einzelne hat nämlich eigene Probleme, Sorgen, Vorstellungen und Wünsche. Diese Details sorgen dafür, dass man mit den Charakteren mitfiebert und der ein oder andere Schicksalsschlag doch etwas mehr trifft, als man vielleicht zuerst glauben mag.
![Soonja und David spielen zusammen an einem Bach [besser als beim ersten Bild, das ist okay]](https://filmtoast.de/wp-content/uploads/MINARI_01270_1400-682x1024.jpg)
![Paul und Jacob bei der Arbeit auf der Farm [bitte ein klein wenig genauer beschreiben, was die beiden gerade tun]](https://filmtoast.de/wp-content/uploads/MINARI_00566_1400-1024x681.jpg)
Friedliches Landleben
Trotz seines sehr geringen Produktionsbudget von gerade mal 2 Millionen USD ist Minari – Wo wir Wurzeln schlagen wirklich schön anzusehen. Die Außenaufnahmen haben einen sehr warmen und einladenden Look und versprühen zu jeder Zeit das Gefühl von Natur und Freiheit. Insgesamt ist die Optik sehr passend für die Szenerie, aber leider auch sehr unspannend. Die Kameraarbeit ist solide, hat aber, bis auf ein paar wenige Shots aus der Vogelperspektive, keine wirklichen Höhepunkte. Beeindruckende Landschaftsaufnahmen bleiben ebenso gänzlich aus wie Kamerafahrten oder kreative Übergänge. Das fällt zwar nicht negativ auf, hätte aber für ein bisschen mehr Abwechslung gesorgt.
Der Score von Emile Mosseri (u.A. Score für Kajillionaire) ist sehr minimalistisch gehalten, aber trifft dadurch sehr die ländliche Atmosphäre des Films. Oft kommt der Film auch gänzlich ohne Musik daher und lässt sein Sounddesign für sich sprechen. Der Wind, der über das Feld weht, oder die Geräusche der Insekten und Vögel ergeben ein sehr stimmiges Klangbild.
![David und Anne spielen zusammen [hier genauso]](https://filmtoast.de/wp-content/uploads/MINARI_00513_1400-1024x681.jpg)
Unser Fazit zu Minari – Wo wir Wurzeln schlagen
Lee Isaac Chungs Film erzählt im ersten Moment die klassische Geschichte über den American Dream aber stellt die Familie und die kulturellen Unterschiede in den Vordergrund anstatt einzig und allein auf die niemals endende Arbeit und den enstprechenden Payoff einzugehen. Die Charaktere werden alle sehr gut ausgeleuchtet und wirken lebensnah, was dazu führt, dass man tatsächlich an deren Schicksal interessiert ist und mit ihnen fühlt, anstatt einfach nur Beobachter zu sein. Dadurch hat Minari – Wo wir Wurzeln schlagen in meinen Augen auch fast keine Längen und lässt sich angenehm gucken. Wer mit Familiendramen etwas anfangen kann und sich für Charaktergeschichten interessiert, wird hier auf jeden Fall gut bedient.
Hört auch in unsere Podcast-Folge zu Minari rein, in der wir zu dritt den Film ausführlich besprechen!
Minari – Wo wir Wurzeln schlagen wird ab dem 15. Juli in Deutschland zu sehen sein.
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Sascha ist seit 2020 Autor bei Filmtoast und interessiert sich für ein breites Spektrum an Pop-Kultur. Zu Hause fühlt er sich besonders irgendwo bei Horror, Action,Thrillern, Animationsfilmen und Musicals.