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    Peppermint – Angel Of Vengeance

    Tobias Theißvon Tobias Theiß3. Mai 2019Keine Kommentare5 min Lesezeit
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    Peppermint_Szenebild
    Peppermint_Szenebild
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    Actionspezialist Pierre Morel liefert mit Peppermint – Angel Of Vengeance einen Beitrag zu den Female-Revenge-Movies ab und lässt eine durchtrainierte Jennifer Garner von der Kette.

    [su_youtube URL=“https://youtu.be/TcQ_n-QDGM0″]

    Das Cover der deutschen Blu-ray. | PEPPERMINT © Universum
    Das Cover der deutschen Blu-ray. | PEPPERMINT © Universum

    Hintergründe & Handlung von Peppermint

    Vor mittlerweile elf Jahren hat sich jemand mit 96 Hours aka Taken bei den Actionfans einen Namen gemacht: Pierre Morel – auch wenn jetzt vermutlich die meisten eher an Liam Neeson gedacht haben, der seitdem auf seine älteren Tage im Actionkino durchstartet.

    Morel hat in seinem Heimatland Frankreich als Kameramann Fuß gefasst: Bei Taxi Taxi, T4xi, The Transporter, Transporter – The Mission oder auch Arthur und die Minimoys hat er durch die Linse geschaut und die Action auf Film gebannt. Als Regisseur hat er sich beispielsweise mit The Gunman, From Paris With Love oder meinem persönlichen Geheimtipp Banlieue 13 (unter dem peinlichen Titel Ghettogangz – Die Hölle von Paris in Deutschland veröffentlicht) verdient gemacht. Mit dem eingangs erwähnten 96 Hours darf Liam Neeson mittlerweile in fast schon ermüdender Regelmäßigkeit als gnadenloser Rächer austeilen. Knappe 10 Jahre nach seinem Überraschungserfolg lässt Morel nun mit Peppermint – Angel Of Vengeance eine Frau auf die bösen Buben los.

    Riley (Jennifer Garner) verliert bei einem Attentat der MS-13 (siehe auch Sin Nombre) Mann und Kind. Das Gerichtsurteil fällt beschämend aus, Riley taucht daraufhin unter und kehrt fünf Jahre später als Kampfmaschine zurück, um Rache an den Mördern ihrer Familie zu nehmen…

    Die Angeklagten sind Mitglieder der berüchtigten MS-13-Gang | PEPPERMINT © Universum
    Die Angeklagten sind Mitglieder der berüchtigten MS-13-Gang | PEPPERMINT © Universum

    Peppermint schmeckt nach Einheitsbrei

    Auch wenn dieses Sub-Genre, welches sich wiederum häufig aus dem kontroversen Rape’n’Revenge-Sektor speist, mitnichten eine Neuentdeckung Morels ist – man denke nur an Ms. 45 – Die Frau mit der 45er Magnum, Kill Bill, Thriller oder aktuell an Revenge beziehungsweise The Villainess. Nachdem Neeson in den letzten Jahren das Revenge-Kino zu dominieren schien, ist es beinah erfrischend, eine Frau als Racheengel auftreten zu sehen. Dabei bricht Morel gleich zu Beginn ironisch mit der üblichen Erwartungshaltung eines schaukelnden Autos im Film: Anstelle kopulierender Teenager bekommt man stattdessen ein rabiates Handgemenge präsentiert.

    Das war es dann allerdings auch mit Überraschungen. Peppermint könnte gar nicht vorhersehbarer und beliebiger ablaufen. Die Storytwists sind wenig einfallsreich und vor allem die Figuren sind völlig belanglos, wodurch einzelne Schicksale unter „egal“ zu verbuchen sind. Keine Person schafft es, für längere Zeit im Gedächtnis zu bleiben. Wenn die klischeehafte (motiviert und ehrgeizig, nach der gescheiterten Gerichtsverhandlung trinkend und desillusioniert) Rolle des Detective Carmichael (John Gallagher Jr.) schon die leidlich spannendste Figur sein soll, stellt sich schnell die Frage nach der Ausstrahlung der Hauptfigur.

    Die Behörden stehen vor einem Rätsel... | PEPPERMINT © Universum
    Die Behörden stehen vor einem Rätsel… | PEPPERMINT © Universum

    Fehlende Tiefe

    Während sich Carmichael also von der fehlenden Gerechtigkeit hat übermannen lassen, hat Riley innerhalb der vergangenen fünf Jahre ebenfalls einen Wandel durchlebt. Sie kehrt als knallharte Kampfmaschine zurück. Ohne Skrupel wird mit allen abgerechnet, die am Verlust ihrer Familie beteiligt waren. Richter, Kartellmitglieder, Straßengangs, niemand ist vor ihr sicher. Revenge-Filme setzen oft auf eine einfache Handlung, bei welcher der Held einen nur allzu nachvollziehbaren Grund erhält, sich für seine Schicksalsschläge zu rächen. Sympathie und Identifikation von Seiten des Publikums sind ihm fast immer gewiss – aber auch erhitzte Moraldebatten rund um Selbstjustiz.

    So mag es zweischneidig erscheinen, wenn man einem Paul Kersey aus Death Wish (Original 1974/Remake 2018) seine Rache zugesteht, sich bei Riley North aber über mangelnden Tiefgang beschwert. Diese Problematik ergibt sich aus der Inszenierung von allein. Der Film schenkt Riley ganze fünf Jahre Zeit, um sich auf ihre Rache vorzubereiten, zu trainieren und zur gnadenlosen Rächerin zu werden. Doch zu sehen ist davon: nichts! Einerseits nutzt Peppermint ihr Untertauchen, um ein Mysterium um ihre Figur und Fähigkeiten aufzubauen. Andererseits werden ihr Verbleib und ihre Tätigkeit währenddessen angedeutet. Der Film baut Spannung auf, nutzt diese jedoch nicht, um die Neugier des Zuschauers zu befriedigen.

    Bei ehemaligen Killern, die plötzlich selbst zur Zielscheibe werden (in R.E.D., Polar), mag es wenig überraschend sein, dass sich diese auf brachiale Art und Weise ihrer Haut erwehren können. Wie sich allerdings Riley von der schüchternen Büroangestellten zum weiblichen John Rambo entwickelt, wird nahezu ausgeklammert. Dabei hätte diese Metamorphose viel für die Figurenbindung tun können – Rileys dramatischer Verlust hätte für sich genommen Potential gehabt, den Zuschauer mit ihr mitfiebern zu lassen. So verkommt der Tod ihrer Familie zwar zum dramatischen Einspieler, eine emotionale Fallhöhe tut sich für den Zuschauer aber nicht auf.

    Riley North geht kompromisslos gegen die Schergen vor. | PEPPERMINT © Universum
    Riley North geht kompromisslos gegen die Schergen vor. | PEPPERMINT © Universum

    Angel Of Vengeance, aber nur ausreichende Action

    Hauptaugenmerk soll in dieser Filmgattung aber nicht auf der Figurenzeichnung liegen, sondern in der (Rache-)Action. Morel beherrscht es, Action flott in Szene zu setzen, ohne die Rezeption mit zu schnellen Schnitten und zu hektischer Kamera zu überfordern. Die Kämpfe kommen abwechslungsreich daher: Nah- und Fernkampf und gerne auch großkalibrige Waffen finden ihre Anwendung. Hin und wieder kann eine kleine Gewaltspitze punkten, aber da es vermehrt zu Schusswechseln kommt, ist die Action schnell vorüber. Dadurch fühlen sich die Kämpfe wenig druckvoll, viel schlimmer aber noch  vor allem wenig individuell an. Kaum eins der Setpieces bleibt in Erinnerung. Die Scharmützel gehen im Einheitsbrei des Kugelhagels unter.

    Enttäuschend ist in dieser Hinsicht das Finale, welches mit massiver Quantität aufwartet, um letzten Endes leider kein explosives Feuerwerk abzubrennen. Stattdessen bekommt der geneigte Zuschauer eine verzweifelte Heldin und viel zu zahme Action im Finale geboten. Alles in allem bietet Peppermint als Actionfilm leider nur durchschnittliche Kost.

    Um es in Schulnoten auszudrücken: 4,  wenn die Leistung zwar Mängel aufweist, aber im Ganzen den Anforderungen noch entspricht.

    Peppermint ist seit dem 12.4.2019 als DVD, Blu-ray und VoD verfügbar. Wer auf Rachefilme steht und auf der Suche nach neuem Futter ist, kann hier also einen Blick riskieren – müsste sich aber darauf einstellen, dass die Figuren blass und die Action nach Schema F stattfindet.

    „Ich kriege euch alle!„


    © Universum Film

    Tobias Theiß

    Tobi ist bereits gute 7 Jahre an Bord und teilt so fast 20% seiner Lebenszeit mit Filmtoast. Wie es ursprünglich dazu kam ist so simpel wie naheliegend. Tobi hatte unregelmäßig auf Seiten wie Schnittberichte Reviews zu Filmen verfasst und kam über diverse facebooksche Filmgruppen und –diskussionen in Berührung mit dem damaligen Team von Filmtoast (die Älteren erinnern sich: noch unter dem Namen Movicfreakz) und wurde daraufhin Teil dessen.
    Thematisch ist er aufgeschlossen, seine feste Heimat hat er jedoch im Horrorfilm gefunden, da für ihn kein anderes Genre solch eine breite Variation an Themen und Spielarten zulässt. Kontroverser Ekelschocker, verstörender Psychothriller oder Elevated Horror – fast alles ist gern gesehen, auch wenn er zugeben muss, dass er einen Sweet Spot für blutrünstig erzählte Geschichten besitzt.
    Tobi geht zum Lachen jedoch nicht (nur) in den blutverschmierten Keller, sein Herz schlägt unter anderem bei Helge Schneider, dänischem schwarzen Humor oder den Disyneyfilmen seiner Kindheit höher.
    Kinogänge vollzieht er am liebsten im städtischen Programmkino, zum Leidwesen seiner filmisch weniger affinen Freunde, meidet er große Kinoketten wie der Teufel das Weihwasser. Am liebsten geht er seiner Filmleidenschaft jedoch in den eigenen vier Wänden nach, um den viel zitierten Pile of Shame seiner physischen Filmsammlung abzuarbeiten.
    Tobi lebt in Sachsen-Anhalt, ist beruflich in einer stationären außerklinischen Intensivpflege verankert und hat mit der Begeisterung zum Film und dem Schreiben darüber den für sich perfekten Ausgleich zum oftmals stressigen Arbeitsalltag gefunden.

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