Die DNA von Schimpansen stimmt mit der von uns Menschen zu fast 99 % überein. Doch wenn ein solcher Affe Tollwut bekommt, dann endet alle Verbundenheit mit der nächsten Verwandtschaft und es kommt zum blutigen Überlebenskampf.
So geschieht es im neuen Film von Horror-Regisseur Johannes Roberts namens Primate.
Die Handlung von Primate
College-Studentin Lucy (Johnny Sequoyah) kehrt in den Sommerferien zu ihrer Familie auf Hawaii zurück. Dort leben Vater Adam (Troy Kotsur) und Schwester Erin (Gia Hunter) zusammen mit dem Schimpansen Ben im Haus, den Lucys kürzlich verstorbene Mutter, eine Linguistikprofessorin, zu Forschungszwecken groß gezogen hat.
Um endlich wieder das Leben zu genießen, veranstaltet Lucy eine Poolparty mit ihren Freunden Kate, Nick und der spontan nach Hawaii mitgereisten Hannah. Da passt es gut, dass ihr Vater als Buchautor zu einer Signierstunde abreist.
Doch das idyllische an der Steilküste gelegene Domizil entpuppt sich bald als Todesfalle, als sich Ben vom liebevollen Familienmitglied zum aggressiven Monstrum wandelt. Es beginnt ein blutiger Überlebenskampf.

Affenhorror reloaded: Die 80er sind zurück?
Die 80er-Jahre sind aus meiner Sicht das beste Jahrzehnt des Horrorfilms, weil das Genre zu dieser Zeit extrem aufblühte, zahlreiche Klassiker hervorbrachte und auch die Lust am Experimentieren groß war.
Letzteres soll heißen: In den 80er-Jahren wurde so ziemlich jedes Lebewesen (bis hin zu Lebensmitteln und Gegenständen) zum tödlichen Gegenspieler auserkoren. So erlebte auch der Affe als blutrünstiger Killer eine markante Hochphase.
Reinrassige Horrorfilme wie Shakma, Der Affe im Menschen oder Link der Butler trumpften mit echten dressierten Primaten auf, was diesen Filmen auch heute noch einen gewissen schrulligen Charme gibt (auch wenn alle der genannten nur bedingt und nur für Genre-Kenner zu empfehlen sind).
In den letzten 30 Jahren war dieser Bereich des weitläufigen Tierhorrorfilms dann quasi ausgestorben, bis jetzt. Denn mit Primate erscheint ein neuer reinrassiger Affen-Slasher und das sogar im Kino.

Johannes Roberts: Der Mann fürs Mittelmaß
Für die Regie zeichnet Johannes Roberts verantwortlich, der Horror-Fans durch eine ganze Reihe höchstens mittelmäßiger Genreschinken bekannt sein dürfte. Sei es der zweite, ziemlich entbehrliche The Strangers: Opfernacht (2018), eine der vielen Lizenzverwurstungen von Resident Evil namens Welcome to Racoon City (2021) oder die zweiteilige 47 Meters Down-Reihe (2017 & 2019).
Einen gewissen Thrill und Terror kann Roberts allemal erzeugen, nur die Drehbücher sollte er tunlichst nicht mehr anfassen. Das gilt leider auch für Primate, bei dem Figuren, Dialoge und Expositionsmomente absolut grauenhaft geschrieben sind.
Immerhin geht der Film im Stile eines klassischen Slashers schnell in die Vollen und bietet einige bewusst den Spannungsbogen überstrapazierende Sequenzen als auch unerwartet blutige Einlagen.
Leider greift Roberts dann auch auf wirklich jedes ausgelutschte Klischee und auf Dummheiten der Figuren zurück, um das Belagerungsszenario im Haus einen Schritt weiterzuführen. Einige Sequenzen funktionieren in sich super, wirken aber wie eine Skizzensammlung ohne roten Faden, weil die Figuren die 90 Minuten im Haus bleiben müssen, ohne Hilfe zu rufen, zu flüchten oder den offenen Kampf in Überzahl zu beginnen.
Da sind Figuren zu blöd, einfach ihr Handy zu greifen oder, wenn sie es bekommen, als erstes den Notruf anzurufen. Laute Geräusche entstehen natürlich im ungünstigsten Moment und statt die Beine in die Hand zu nehmen, wird auch im späteren Verlauf minutenlang gehorcht und zögerlich herumgetapst.
Diese Kritik mag für viele Horrorfilme gelten, manche würde ohne solche Momente wohl gar nicht funktionieren, aber Roberts schaffts es mit seiner Regie nicht immer, darüber hinweg zu inszenieren. Dafür trägt der Score extrem dick auf und erinnert mit seinem Synthiegedröhne schon ziemlich frech an Halloween. Primate hat also eine glasklare Gangart: Laut, blutig, spannend und bitte nicht nachdenken.

Wir müssen über den buchstäblichen Affen im Raum sprechen
Tierhorrorfilme kämpfen heute mehr denn je mit dem Problem, dass echte Tiere zu Unterhaltungszwecken gebraucht und je nach Verantwortungsgefühl auch missbraucht werden.
Das mag einer der Gründe sein, warum dieses Subgenre heutzutage oft nur ein Nischendasein im Trash-Sektor fristet, wo die gefräßigen Bestien vollständig aus dem Computer stammen und keinen so großen Effekt mehr haben.
Tappt Primate auch in diese Falle, uns einen digitalen Affen im Halbdunkeln unterjubeln zu wollen? Nein! Der Affe Ben wird gespielt von Miguel Torres Umba, der hier ein mehr als sehenswertes Kostüm trägt und durch Prothesen sowie animatronische Hilfsmittel voll und ganz abliefern kann. Die Haptik ist spürbar und ein echter Gewinn in jeder Szene, um Wucht und Spannung beim Publikum zu erzeugen.
Was ein Stück weit verloren geht, ist eine lesbare Mimik, wie sie die Planet der Affen-Reihe mithilfe von Motion Capturing einfängt. Eine zähnefletschende Drohgebärde mit speichelüberzogenem Maul muss in Primate mehr oder minder reichen, was bei so einem reinrassigen Slasher aber auch in Ordnung ist.
Wirklich überrascht und gut unterhalten hat mich dafür der durchaus saftige Gewaltgrad, bei dem das FSK 16 meiner Einschätzung nach voll ausgereizt wird. Blutig zerfetzte Kehlen oder abgerissene Unterkiefer hinterlassen ordentlich Eindruck, wobei Roberts nie zu lange draufhält und damit wohl noch im Rahmen bleibt.
Slasher-Freunde kommen also durchaus auf ihre Kosten, wenn geradlinige und zeigefreudige Gewalt das oberste Ziel ist.
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Unser Fazit zu Primate
Primate von Johannes Roberts ist ein geradliniger Affen-Slasher mit ausgelutschten Horrormotiven und blöden, austauschbaren Figuren, der sein Heil in saftigen Gewalteinlagen und spannungsgeladenen Sequenzen sucht und damit ein Stück weit Erfolg hat.
Wer sich im Zeitalter des doppelbödigen Elevated Horrors also mal wieder nach einem geradlinigen bis eindimensionalen Horrorfilm sehnt, könnte auf seine Kosten kommen.