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    Puppet Master – Das tödlichste Reich

    Tobias Theißvon Tobias Theiß4. Juli 2019Keine Kommentare6 min Lesezeit
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    Herrlich abstoßend: Udo Kier als Andre Toulon. | PUPPET MASTER - DAS TÖDLICHSTE REICH © PierrotLeFou
    Herrlich abstoßend: Udo Kier als Andre Toulon. | PUPPET MASTER - DAS TÖDLICHSTE REICH © PierrotLeFou
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    In Puppet Master – Das tödlichste Reich gehen die mörderischen Puppen zum 13. Mal auf die Jagd und entfesseln ein Blutbad, welches auf Grenzen des guten Geschmacks pfeift.

    [su_youtube URL=“https://www.youtube.com/watch?v=HZglbvuClZg“]

    Das Cover des deutschen Mediabooks. © PierrotLeFou
    Das Cover des deutschen Mediabooks. | PUPPET MASTER – DAS TÖDLICHSTE REICH © PierrotLeFou

    Die beiden Schweden Tommy Wiklund und Sonny Laguna genießen bei Fans der härteren Gangart Vorschusslorbeeren. Mit We Are Monsters haben sie ihre Version des beliebt-kontroversen Rape’n’Revenge-Genres gedreht. Aufmerksamkeit erregten beide jedoch drei Jahre zuvor mit ihrem Dämonenfilm Wither (deutscher Titel: Cabin Of The Dead), der zufälligerweise seinen deutschen Release gemeinsam mit dem Remake zu Sam Raimis Kultklassiker The Evil Dead feiern durfte.

    Während Evil Dead die Unterstützung von Raimi und Ikone Bruce Campbell besaß und außerdem mit ausgeklügelten Trailerkampagnen die Erwartungen der Fans ins schier Maßlose trieb, hat sich Wither still und heimlich auf den Heimkinomarkt geschlichen. Thematisch liegen alle Filme dicht beieinander, finanziell liegen zwischen den jeweiligen Filmen allerdings Welten. Das Original liegt bei ca. 350.000$, das Remake bei ca. 17 Millionen$ und Wither bei umgerechnet etwa 42.000$. Und mit diesem schmalen Budget überzeugt er auf ganzer Linie – für mich persönlich sogar noch mehr als das offizielle Remake. Wiklund und Laguna wissen mit geringen finanziellen Mitteln also umzugehen.

    Die Puppen tanzen wieder

    Was uns zu ihrem aktuellen Film führt: Puppet Master – Das tödlichste Reich. Seit Ende der 80er Jahre existiert die Reihe und bringt es mit dem neuesten Ableger auf den nunmehr 13. Beitrag des Franchise. Mit The Littlest Reich, so der originale Untertitel, findet gleichzeitig ein Reboot der Reihe statt. Neulinge, an denen die Filme bisher vorüber gingen und zu denen ich mich zähle, können hier also bequem einsteigen.

    Bei einer Convention auf dem Anwesen des unter unschönen Umständen aus dem Leben getretenen Andre Toulon (Udo Kier) sollen unter Sammlern heiß begehrte Puppen versteigert werden. Edgar (Thomas Lennon) ist mit Freundin Ashley (Jenny Pellicer) und Kumpel Markowitz (Nelson Franklin) vor Ort, um die Puppe seines verstorbenen Bruders für einen guten Preis zu verkaufen. Plötzlich verschwinden Puppen und es sterben Teilnehmer – die Figuren scheinen ein mörderisches Eigenleben zu entwickeln…

    Edgar und seine Begleiter können ihren Augen kaum glauben. © PierrotLeFou
    Edgar und seine Begleiter können ihren Augen kaum glauben. © PierrotLeFou

    Cast & Crew

    Die eigentlichen Hauptrollen besitzen leider kein großes Potenzial, länger im Gedächtnis des Publikums zu verweilen. Dafür versammeln sich hier einige versierte Recken des Genrefilmes vor der Kamera.

    So gibt sich Barbara Crampton als resolute Polizistin im Ruhestand die Ehre. Sie dürfte Fans von Stuart Gordons klassischen Glibberfilmen wie Re-Animator oder From Beyond ein Begriff sein. Aber auch in jüngerer Vergangenheit hat sie in Werken wie You’re Next, Lords Of Salem oder We Are Still Here als erfahrene Darstellerin punkten können. Michael Paré ist als Stammschauspieler von Uwe Boll bekannt und hat für ihn in unzähligen Werken mitgewirkt u. a. in Far Cry, Bloodrayne-Reihe oder Seed. Aber auch mit Kultfilmern wie Walter Hill hat er gearbeitet und in dessen Straßen in Flammen die Hauptrolle übernommen. Listet die OFDb für ihn aktuell bereits satte 128 Filme auf, kommt Udo Kier sogar auf 247 Filme.

    Der deutsche Schauspieler kann eine wahnsinnig abwechslungsreiche Filmografie vorweisen. Über sein Mitwirken bei Andy Warhol, Christoph Schlingensief bis hin zu Lars von Trier hat er kaum eine Rolle ausgelassen und ist ein gern gesehener Mime, der oft dubiose Rollen verkörpern darf – was wohl vornehmlich seinen Augen zu verdanken ist. Aktuell steht er auch für S. Craig Zahler bei Brawl in Cell Block 99 und Dragged Across Concrete vor der Kamera. Zahler hatte Michael Paré auch schon in seinem viel beachteten Debüt Bone Tomahawk vor der Kamera stehen.

    Die Puppen meucheln ihre Opfer aus dem Hinterhalt. © PierrotLeFou
    Die Puppen meucheln ihre Opfer aus dem Hinterhalt. © PierrotLeFou

    Spannung flop, Gewalt top

    Weshalb auf einmal Zahler erwähnt wird? Der gefeierte Jungregisseur hat zu diesem Streifen das Drehbuch verfasst. Kennt man seine vorhergehenden Filme, zu denen er immer selbst die Skripte schreibt, kann man sich also auf Gewalteruptionen gefasst machen, deren Brutalität sich nicht allein aus der Grafik, sondern vor allem aus rohem unverblümten Realismus ergibt. Zahler nimmt sich außerdem viel Zeit für seine Figuren, etabliert sie und gesteht ihnen Persönlichkeit zu – was die spätere Gewalt und oftmals nihilistisch-pessimistische Atmosphäre seiner Filme umso auswegloser erscheinen lässt.

    Ganz anders verhält es sich nun bei Das tödlichste Reich. Figurenzeichnung oder gar -entwicklung gibt es hier nicht. Die Handlung folgt einem einzigen Zweck: Den Bodycount in die Höhe zu treiben. Opfer werden im Regelfall nur Sekunden vor ihrem Ableben eingeführt – Spannung ade. Der neueste Ableger der langlebigen Reihe setzt vollends auf kurzes und knackiges guilty pleasure. Der düstere Grundton anderer Zahler-Drehbücher geht hier völlig ab und offenbart einen exploitativen Reißer, der auf allerlei Geschmacklosigkeiten setzt.

    Wo es in anderen Filmen reicht, die Kehle des Opfers aufzuschlitzen, wird hier sprichwörtlich vom Kadaver auf den enthaupteten Kopf gepisst, um es mal mit einem zweckentfremdeten Titel von Jochen Taubert zu formulieren. Außerdem bekommt der geneigte Fan grafischer Brutalitäten eine etwas unorthodoxe Methode der Geburtshilfe (oder doch eher Abtreibung?) oder Ausweidungen präsentiert. Dass Kinder ebenfalls zu den Opfern der mordlüsternen Puppen werden, gehört da selbstverständlich zum guten Ton.

    Zahler entfesselt ein over the top Schlachtfest, das seine Brutalitäten auch noch mittels praktischer Effekte an das Zielpublikum bringt. Diese schwanken in ihrer Qualität, aber man kennt es ja: Handgemachtes verströmt mehr Charme als seelenloses CGI-Gekröse. Apropos Gekröse: Lucio Fulcis Stammkomponist Fabio Frizzi komponierte den Soundtrack.

    Herrlich abstoßend: Udo Kier als Andre Toulon. © PierrotLeFou
    Herrlich abstoßend: Udo Kier als Andre Toulon. © PierrotLeFou

    Puppet Master – Das tödlichste Reich im Heimkino

    Pierrot le Fou veröffentlicht Puppet Master – Das tödlichste Reich am 12.7.2019 als Mediabook und Titel #16 in der hauseigenen Uncut-Reihe. Die ursprüngliche Idee, von der FSK abgelehnten Titeln eine Heimat zu geben, wird mit dem neusten Puppet Master endlich wiederbelebt, da dieser zwar ungekürzt, aber mit Segen der SPIO auf den Heimkinomarkt gebracht wird. Spannung sucht man mit der Lupe, dafür lebt der Streifen von seinen Geschmacklosigkeiten. Wer einige Altstars des Horrofilms gerne vor der Kamera sieht und auf Thrill verzichten kann, kann hier seinen Blutdurst befriedigen.

    „Ich bin der Junior-Führer!„


    © Pierrot le Fou

    Tobias Theiß

    Tobi ist bereits gute 7 Jahre an Bord und teilt so fast 20% seiner Lebenszeit mit Filmtoast. Wie es ursprünglich dazu kam ist so simpel wie naheliegend. Tobi hatte unregelmäßig auf Seiten wie Schnittberichte Reviews zu Filmen verfasst und kam über diverse facebooksche Filmgruppen und –diskussionen in Berührung mit dem damaligen Team von Filmtoast (die Älteren erinnern sich: noch unter dem Namen Movicfreakz) und wurde daraufhin Teil dessen.
    Thematisch ist er aufgeschlossen, seine feste Heimat hat er jedoch im Horrorfilm gefunden, da für ihn kein anderes Genre solch eine breite Variation an Themen und Spielarten zulässt. Kontroverser Ekelschocker, verstörender Psychothriller oder Elevated Horror – fast alles ist gern gesehen, auch wenn er zugeben muss, dass er einen Sweet Spot für blutrünstig erzählte Geschichten besitzt.
    Tobi geht zum Lachen jedoch nicht (nur) in den blutverschmierten Keller, sein Herz schlägt unter anderem bei Helge Schneider, dänischem schwarzen Humor oder den Disyneyfilmen seiner Kindheit höher.
    Kinogänge vollzieht er am liebsten im städtischen Programmkino, zum Leidwesen seiner filmisch weniger affinen Freunde, meidet er große Kinoketten wie der Teufel das Weihwasser. Am liebsten geht er seiner Filmleidenschaft jedoch in den eigenen vier Wänden nach, um den viel zitierten Pile of Shame seiner physischen Filmsammlung abzuarbeiten.
    Tobi lebt in Sachsen-Anhalt, ist beruflich in einer stationären außerklinischen Intensivpflege verankert und hat mit der Begeisterung zum Film und dem Schreiben darüber den für sich perfekten Ausgleich zum oftmals stressigen Arbeitsalltag gefunden.

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