Creature-Feature-Freunden präsentiert Capelight im Horrormonat Oktober ein bestialisches Beuteltier. Ist Rippy – das Killerkänguru der Clou oder lässt man es lieber in Ruh?

Die Inhaltsangabe von Rippy – Das Killerkänguru
Die Polizistin Maddy (Tess Haubrich) hat ihr Revier in einer australischen Kleinstadt fest im Griff. Ihr Onkel Schmitty (Michael Biehn) hat dagegen die Kontrolle über sein Leben – aufgrund seiner traumatischen Erfahrungen im Vietnamkrieg – verloren und lebt einsam in einem heruntergekommenen Trailer außerhalb der Stadt. Auf einem seiner Jagdausflüge trifft er auf ein untotes Känguru, welches er auf den Namen Rippy tauft. Als er Maddy davon erzählt, glaubt sie ihm kein Wort. Ein schwerwiegender Fehler, wie sich herausstellen wird, denn Rippy steht auf Menschenfleisch.
Kurz und gut?
Das Debüt von Regisseur Ryan Coonan ist die auf 80 Minuten aufgepumpte Version seines Kurzfilms Waterborne. Im Horrorgenre ist dies meistens kein gutes Zeichen, denn oft bietet ein einziger Einfall nicht genug Stoff für einen Langfilm. Auf Rippy – das Killerkänguru trifft dies glücklicherweise nicht zu, allerdings versprechen die absurde Prämisse eines untoten Kängurus sowie der knapp fünfminütige Vorgänger einen billigen, aber kurzweiligen Fun-Splatter à la Zombiber. Diese Erwartung wird bedauerlicherweise nur zum Teil erfüllt.
Überraschend gutes Schauspiel…
Ein Blick auf die Besetzungsliste zeigt eine bekannte Masche von B-Filmen. Es werden ehemals bekannte Schauspieler:innen besetzt, die aufgrund ihrer nicht ideal verlaufenden Karriere einerseits günstig zu haben, aber andererseits für Genrefans noch ein Kaufargument sind. Die Hauptrollen spielen hier also Michael Biehn und Tess Haubrich und das Marketing wird nicht müde uns darauf hinzuweisen, dass beide in bekannten Franchise-Filmen mitgespielt haben. Allerdings kassieren sie nicht nur ihren Scheck, wie es in diesen Produktionen oft üblich ist, sondern liefern auch ab. Es gibt einige erinnerungswürdige Charaktermomente, in denen überraschend gute Dialoge über Krieg, Schuld und Verantwortung geführt werden. Rippys Opfer dienen nicht nur als Kängurufutter, ihr Tod hat Bedeutung für die übrigen Figuren, die ebenfalls gut verkörpert werden. Es wird sich deutlich mehr am Weißen Hai orientiert als man – aufgrund des aberwitzigen Konzeptes – denken mag.

… in einem sonst eher mäßigen Film
Alle dramatischen Ansätze scheitern allerdings an der Prämisse des Films. Ein untotes Ripper-Roo ist kein weißer Wal und bietet sich als Allegorie auf Traumata einfach nicht an. Die Idee ist zu abwegig, als dass sie sich mit ernsthaften Themen und emotionalen Darstellungen kombinieren lässt. So wirken die Angriffe des roten Riesen oft wie pflichtbewusste Unterbrechungen des Dramas, damit Genrefreunde nicht einschlafen. Obwohl diese Szenen ein weiteres Kaufargument sein sollen, enttäuschen sie leider über weite Strecken aufgrund der spannungsarmen und nicht sonderlich originellen Inszenierung.
Die Attacken laufen nach Schema F ab und das Antlitz des tyrannischen Tieres wird dabei, zumindest anfangs, verborgen. Dies ist kein Stilmittel, sondern eine Budgetentscheidung, denn das Aussehen des vor sich hin mordenden Hüpfers wird in der ersten Szene enthüllt. Wenn sich Rippy in seiner vollen Pracht präsentieren darf, dann sind die Effekte aber völlig in Ordnung. Allerdings wird der Geldmangel auch kreativ genutzt, um effektiv Betroffenheit bei den Zusehenden auszulösen. So verharrt die Kamera bei einem Angriff des fürchterlichen Viehs nicht auf dem Opfer, sondern schneidet auf die Mutter um, die beim Abendessen rote Soße verschüttet und sich über die Abwesenheit ihres Sohnes wundert. Zu jeder guten Idee gibt es allerdings wieder die typischen Creature-Feature-Klischees, welche die Handlung unnötig in die Länge ziehen und der Geschichte keinen Mehrwert geben.
Farblos
Rippy weicht mit seinem Äußeren von gängigen Schönheitsidealen ab. Die Bildästhetik passt sich leider dem Antagonisten an und nutzt den typischen Direct-to-Video-Look, der in „Tierhorror-Perlen“ wie Sharknado oder in günstigen osteuropäischen Actionfilmen verwendet wird. Den schlecht beleuchteten digitalen Bildern werden fast alle Farben entzogen und es sieht alles nur trostlos, billig und hässlich aus – dabei böte sich doch gerade Australien für warme Farben an. Viele Szenen spielen zudem bei Nacht, wodurch die Angriffe des mordenden Monsters und die genretypischen Splatter-Effekte kaum zu erkennen sind. Der zehn Jahre alte Kurzfilm über den biestigen Beutelhasen sieht optisch besser aus.
Unser Fazit zu Rippy – Das Killerkänguru
Rippy – das Killerkänguru ist ein tonal nicht ausbalancierter B-Film mit überraschend gutem Schauspiel und schlechter Optik. Die Prämisse und der Look versprechen ein billiges Gore-Fest, aber Darsteller und inszenatorische Ambitionen stehen dem entgegen. Es werden weder Fans von reinem Trash noch von „gehobenem“ Tierhorror befriedigt. Selbst Gorehounds finden bessere Alternativen, obwohl es Blut und Innereien zu sehen gibt. Wer sich allerdings zwischen den Lagern befindet und überall mal reinschnuppern möchte, kann den tödlichen Trip nach Down Under wagen.
Rippy – Das Killergänguru ist ab dem 17. Oktober 2024 im Heimkino erhältlich
© Radioactive Pictures
Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars- Filme hat sich das geändert. Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.
Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu- Ray/ UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.

